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Jährlich 9 M.

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Die einzelne Nummer kostet 10 ^.

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Amtliches Organ für Staöi- unö LauöKrers Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonu- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Ei«»mi,» gebühr

sür Stadt- und Larck- kreis Hanau 10 ^ die ägejpaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 4

Jm Reklamentheil die Zeile 20 H für

Auswärts 30 ^.

Rr. 171.

Mittwoch den 25. Juli

1900

b) über den Verbleib der vermißten, im unten stehenden Verzeichniß aufgeführten Gegenstände,

c) darüber, ob in der Zeit vom 10. Juni ab auf dem Wege von Hanau bis zur Fundstelle der Leiche bei Gelnhausen zwei oder drei Handwerksburschen, von denen der eine die bezeichneten Gegenstände bei sich geführt hat, gesehen worden sind, ob dieselben Streit mit einander gehabt, verdächtige Aeußerungen gethan oder Blutspuren an den Kleidern gezeigt oder auf dem Wege hinterlassen haben,

d) ob Personen, welche durch den Besitz der vermißten Gegenstände, durch Blutspuren, durch die Merkmale eines Kampfes, Wunden rc., oder durch auf die That bezügliche Aeußerungen sich verdächtig gemacht haben, in der Zwischenzeit irgendwo auf der Landstraße oder in Herbergen aufgefallen oder zur Anzeige gelangt oder im Gefängnisse ausgenommen worden sind,

e) ob in der Zwischenzeit eine Person von den dem Neu­mann gehörigen, im Verzeichnisse aufgeführtcn Zeug­nissen und Legitimationspapieren Gebrauch gemacht hat oder unter dem Namen des Fritz Neumann zur Meldung oder Strafanzeige gekommen ist,

f) ob Hilpert oder ein andrer von dem im Verzeichniß unter Nr. 12 aufgeführten Ansichtspostkarten durch Versendung Gebrauch gemacht hat.

Fritz Neumann war 19 Jahre alt, mittelgroß, schlank aber kräftig gebaut, hatte rundes Gesicht, gute Zähne, kleinen Anflug von schwarzem Schnurrbart, schwarzes, herauf­gekämmtes Haar, trug einen schwarz-braunen Jacketanzug, Hose, Weste und Jacke von gleichem Stoffe, schwarzen, weichen Filzhut, Touristenvorhemd und schwarze Schnürstiefel.

Hilpert ist 29 Jahre alt, 1 m 63 cm groß, untersetzt, hat gute Zähne, kräftigen blonden Schnurrbart, volles, rundes Gesicht, blaugraue Augen, blondes Haar und spricht bayrischen Dialekt.

Die Photographien des Verstorbenen und des Hilpert liegen hier vor und können auf Antrag zum Zwecke der Wiedererkennung verdächtiger Individuen vorgelegt bezw. be­hufs Vorlegung übersandt werden.

Die Polizeibehörden ersuche ich von dem Ergebnisse ihrer Ermittelungen, und alle Privatpersonen, welche zur Ermittelung des Sachverhalts und zur Ueberführung der' Thäter dienliche Wahrnehmungen gemacht haben, hiervon schleunigst Nachricht zu geben zu den Akten I J 994/1900.

Hanau, 17. Juli 1900.

Der Erste Staatsanwalt.

I J 994/1900. Pinoff. 11701

Amtliches.

Raubmord.

Am 30. Juni 1900 ist in einem Roggenfelde bei | Gelnhausen an der Frankfuri-Leipzigerstratze nahe der Stelle, an welcher die Straße nach Wächtersbach ab- zweigt, ein beinahe vollständig verwester Leichnam aufgefunden worden.

Die Leiche ist als diejenige des zu Altenburg geborenen Schlossers Fritz Neumann aus Braunschweig fest­gestellt worden, welcher am 13. Mai 1900 von Braunschweig über Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln und durch das Rheinthal nach Frankfurt a. M. gewandert ist, um in Frank­furt Arbeit zu suchen.

Neumann hat in der Zeit vom 24. Mai bis 5. Juni in Frankfurt in der GastwirthschaftErlanger Hof" und vom 6. bis 9. Juni in der Gastwirthschast von Nabel Fahrgasse gewohnt.

Neumann beabsichtigte, nachdem seine Versuche Arbeit zu bekommen, erfolglos gewesen waren, am 10. Juni mit einem Schuhmacher" aus Bayern, den er auf der Wanderung von Essen nach Köln in Begleitung eines Wieners oder Oester- reichers kennen gelernt hatte und mit dem er in Frankfurt wieder zusammengetroffen war, gemeinschaftlich die Rück­wanderung anzutreten, um sich nach Saalfeld a. S. zu Ver­wandten zu begeben. Bis Hanau wollte er die Eisenbahn benutzen.

Es ist anzunehmen, daß der Tod des Neumann bereits am 10. Juni abends bezw. in der Nacht zum 11. Juni ein­getreten ist.

Da die Obduktion der Leiche als Todesursache Schädel­zertrümmerung ergeben hat, und da bei der Leiche mit Aus­nahme einiger Visitenkarten und eines Notizbuches alle von Neumann mitgeführten Reiseeffekten fehlten, so ist der Ver­dacht, daß Neumann das Opfer eines Raubmordes geworden, dringend.

Nach dem Ergebnisse der bisherigen Ermittelungen ist es wahrscheinlich, daß Neumann am 10. Juni die Rückreise von Frankfurt aus in Begleitung des Schuhmachers Georg Philipp Hilpert aus Ochsenfort (Bayern), z. Zt. in Münster in Haft, angetreten hat.

Es wird ersucht, schleunigst Ermittelungen anzustellen

a) über die Person des Begleiters oder der mehreren Begleiter des Neumann und insbesondere, ob weitere Thatsachen zu ermitteln sind, durch welche der Ver­dacht, daß jedenfalls Hilpert der eine Begleiter des Neumann gewesen sei, bestätigt oder verstärkt wird,

Verzeichnis

derjenigen Gegenstände, welche Fritz Neumann mit sich führte und welche vermißt werden.

1. Ein runder, weicher, schwarzer Filzhut mit grünem Atlas­futter, dessen Leder den Namen des FabrikantenPfau, Braunschweig" und vermuthlich auch mit Tinte ge­schrieben den NamenFritz Neumann" trägt.

2. Eine braune Segeltuchreisctasche, mit braunem Leder ein­gefaßt, mit besonderem Verschlußtheil zur Aufbewah­rung von Papieren enthaltend Leibwäsche, Hand­tücher, bunte Taschentücher, mehrere Paar Strümpfe, eine Landkarte von Deutschland, Papiere in grünem Umschlag. Alle Wäschestücke waren F. N. oder nur N. gezeichnet. Die Zeichen waren etwa l1^ cm hoch und inKreuzstich" roth gestickt.

8. Ein blauer Arbeitsanzug eingewickelt in einige Nummern des Berliner Lokal-Anzeigers eine Nummer hiervon stammt aus der Zeit vor dem 1. April 1900. Der Anzug war auf die Reisetasche aufgeschnallt.

4. Ein neues, scharfes Taschenmesser mit Korkzieher in grauem Leder-Etui.

5. Einige Butterbrode, eingewickelt in Zeitungspapicr von dem Berliner Lokal-Anzeiger.

6. Ein starker, eichener Stock mit ungewöhnlich großem Griff aus Hirschgeweih, etwa 25 cm lang, mit vorn * etwas abgebrochener Spitze, auf derKrone" das Mono­gramm N." tragend.

7. Ein braun ledernes Portemonnaie mit Hornknopf zum Eindrücken als Verschluß und eingeprägten Pferdckopf, enthaltend 10 bis 12 Mark baares Geld.

8. Ein Arbeitsbuch, in welchem Bescheinigungen über die Arbeitszeit bei:

a) der mechanischen Webstuhlfabrik von Jrmischer zu Saalfeld,

b) der Mühlbauanstalt von Carnegl zu Braun­schweig,

c) der Telegraphenbauanstalt von Jüdel & Co. in Braunschweig,

â) der Geldschrankfabrik Lüders von Braunschweig enthalten sind.

9. Jnvaliditätskarte lautend auf Fritz Neumann, ausgestellt in Braunschweig.

10. Zeugniß von Jrmischer-Saalfeld, welches auf Geschäfts­papier mit reichlich ausgestattetem Vordruck (Lokomotive u. s. w.) geschrieben war und dahin lautete, daß Neu­mann, obwohl er nur 2'/» Jahre anstatt 3 Jahre in der Lehre gewesen, doch als vollständig ausgebildet an­zusehen sei.

Feuilleton.

geschriebener und ungeschriebener Gesetze zu schützen und die halb sehnsüchtig, halb furchtsam die Hand ausstrecken nach der weißen Bruderhand, die befähigt ist, zu führen und zu helfen, um aus der Wildniß der dornigen Erde einen freundlichen Garten, wenn auch kein Paradies, zu machen. Schier ver­wirrend ist die Zahl der Völker, diegastlich hier zusammen kamen." Da sind die bescheidenen kleinen Bauernhäuser der südafrikanischen Republiken und dicht daneben die Ausstellung der Goldminen von Transvaal, die eine Trauermär erzählen vom Fluche des gleißenden Goldes, so ergreifend, wie sie seit den Tagen unserer germanischen Urväter nicht erzählt worden ist.

Diese südafrikanische Ausstellung liegt auf der rechten Seite des Trocadero-Hügels, wenn man ihn von der Jena­brücke aus besucht. In dieser Gegend ist auch das holländische Kolonialhaus errichtet, das an Stelle eines besondern nieder­ländischen Palastes an der Völkerstraße tritt. Nette junge Mädchen in Volkstrachten kredenzen hier Kakao und sonstige Erfrischungen; etwas weiterhin liegen die anglo-indischen Paläste, die etwa 2000 Quadratkilometer umfassen, ferner der englische Kolonial-Palast, der kanadische Palast und derjenige der Australier, auch das reizvolle und lehrreiche russische Kolonialhaus ist hier zu finden. Weiter oben sind alle mög­lichen Fachausstellungen vorhanden: Leuchtthurmwesen, Berg­bau, Kolonial-Export, Tropenmöbel, Tropen-Eisenbahnen, Pferdebahnen, Lastthiere, Tropen-Bäckereien u. dgl. m. In die Anlagen des Trocadero-Palastes, die übrigens auch als Gartenbau-Ausstellung gelten sollen, hat man unterirdische Grotten hineingebaut, die von den Statuen riesiger vorsünd- fluthlicher Thiere bewacht werden, um anzudeuten, daß unten allerlei Wunder der Tiefe zu studiren sind.

Auf der anderen Seite des Palastes liegen in den An­lagen versteckt die Ausstellungen der verschiedensten Neger- stämme, z. B. Kongo-Freistaat, französischer Kongo, Dahomey

Die Pariser Weltausstellung.

XIV.

Auf dem Trocadero.

Der Trocadero liegt bekanntlich auf einer jenen Anhöhen, die der Silhoutte der Stadt Paris einen so reizvollen Aus­druck verleihen. Der Palast ist im orientalischen Stil ent­worfen und besteht aus einem Kuppelbau, der zwei gerundete Arme von langen Säulengalerien um die Hügelkuppe streckt. Große Fontainen-Anlagen bekleiden die vordere Hügelwand, das Grün freundlicher Baumgruppen unterbricht überall kühlend die Anlagen, dicht belaubte Kastanien strecken hier im Wonnemond ihre weißen Blüthenkerzen empor und in breiten Dolden erheben sich mattviolette Paulownien am Geäst ihrer behäbigen Stämme, um jenen süßen Duft zu verbreiten, den der Wind bis zur Jenabeücke hinunterträgt. Jenseits der Brücke erscheint in verkleinerter Perspektive unterhalb der Grundpfeiler des Eiffelthurmes das Wasserschloß vor dem Elektrizitäts-Palast. Bewundernd folgt der Blick, den flach­gewölbten Überschneidungen, die wie eine Vergrößerung der Treppenfluchten und Bogengänge des Louvre wirken. Lampen und Lämpchen ohne Zahl sind am Trocadero-Palast, am Eiffelthurm und am Wasserschloß befestigt: Hier ist der Glanz­punkt der großartigen Illuminationen zu suchen, die an den Festtagen der Ausstellung stattfinden und alles bisher Dage­wesene zu überbieten suchen.

Und in die Anlagen des Trocadero hinein hat man die Ausftellungsgebäude aller Völker jener Welttheile gestellt, die des weißen Mannes Last" sind Völker, die noch nicht gelernt haben, den Werth des Menschenlebens, die Segnungen

und anderer schwarzer Erdensöhne. Weiter nach unten nähert man sich den besser entwickelten Kolonien. Algier, das bc- kanntlich schon in der Lage ist, Paris und andere französische Großstädte mit ausgezeichneten Frühgemüsen zu versorgen, hat eine Miniaturstadt hierher gestellt, die allerdings nicht den ganzen Reiz der von früheren Ausstellungen her berühmten Straßen von Kairo besitzt, doch aber auf dem besten Wege ist, sich zu einem Haupt-Anziehungspunkte der Ausstellung auszuwachsen, denn hier sind vorwiegend jene bronzenen Ge­stalten der Wüstensöhne anzutreffen, deren weiße oder farbige Burnusgewânder nebst dem rothen Fez und sonstigem male- rischen Beiwerk niemals aufhören werden, den Begriff einer Ausstellung vollwerthig zu machen.

Hier auf dieser Seite des Ausstellungsgebietes ist auch das eigentliche Gelände der Musik-Kapellen. Von allen Seiten schwimmen muntere Klänge durcheinander, und es ist, als schlänge ihr Klang ein Band der Gemeinsamkeit und des Wohlwollens um die Menschenmenge, die hier hin und her wogt. Man ruft sich einander Bemerkungen z«, man lacht sich an, denn da und dort vernimmt man die vielgeliebten Laute der Heimathsprache, während vielleicht einige Araber dicht daneben helfen, die Erinnerung an die babylonische Sprachenverwirrung wachzurufen. Doch ist'« mittlerweile Zeit geworden, den Weg über die Jenabrücke wieder an­zutreten.

Links vom Eiffelthurm, hinter dem Kostümpalast und der Rückwand deS Hauptgebäudes liegt eine Station der elek­trischen Rundbahn, die für 25 Centimes nach den Invaliden oder sonst einer Station befördert natürlich kann man auch zu jedem beliebigen andern Thore hinausgehen. Nur wer in der Gegend der Madeleine, der Boulevards Hauß­mann, des Capucins oder sonstwo zu thun hat, lenkt seine Schritte wieder dem drollig bunten Haupt-Eingangsthor zu. Große Schaaren von Ankömmlingen strömen zur großen Allee