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Auswärts 30 4-

Nr 145.

Montag den 25. Juni

1900

Gefundene und derlsrene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Stempel mit den Buchstaben G U D. 1 schwarzer Damengürtel mit weißer Schnalle. 1 rothledernes Portemonnaie ohne Inhalt. 1 Taubenkorb am 16. d. Mts. aus dem Marktplatz stehen geblieben. 1 Quittungsbuch für das Mitglied Johanna Gebauer der Central-Kranken- und Begräbnißkasse.

Verloren: 1 Brief.

Hanau den 25. Juni 1900.

Zehn Jahre preußischer Finanzminister.

Ein ebenso seltenes wie bedeutsames Jubiläum hat an diesem Sonntage der preußische Finanzminister, Dr. v. Miquel, gefeiert: Zehn Jahre waren seit jenem 24. Juni verflossen, wo der damalige Oberbürgermeister von Frankfurt am Main durch das Vertrauen des Kaisers zur Leitung des preußischen Finanzministeriums berufen wurde. Weder Freund noch Feind werden dem Jubilar das Zeugniß versagen, daß er zu den thätigsten, an fruchtbaren Gedanken und Anregungen reichsten und arbeitskräftigsten Ressortchefs gehört, deren sich die Finanzen Preußens je zu erfreuen gehabt haben.

Die wichtigsten Aufgaben, welche sich der Finanzminister von Miquel gestellt halle, sind: die Reform der ver­fallenden Besteuerung in Staat und Ge­meinde und die dauernde Sicherung der preußischen Finanzen. Die erste große Aufgabe wurde schon im ersten Jahre seiner ministeriellen Thätigkeit' mit dem Einkommen- und Gewerbesteuergesetze begonnen und noch in derselben Legislaturperiode mit dem Ergänzungssteuer- und dem Kommunal-Abgabengesetze abgeschlossen. Wie es bei Steuergesetzen, welche den Einen erleichtern, den Andern mehr belasten, in der Natur der Sache liegt, begegneten die Miquel'schen Vorschläge anfänglich in vielen Kreisen Wider­spruch, jetzt aber geht die allgemeine Meinung bapin, daß ihm der große Wurf gelungen ist, das preußische Steuer-System in Staat und Gemeinde durch den Grundsatz der Be­steuerung nach der Leistungsfähigkeit auf eine der Gerechtigkeit entsprechenden Weise neu zu ordnen und Preußen wieder in dieser Hinsicht an die Spitze der deutschen Staaten zu bringen.

Auch die Sicherung der preußischen Finanzen hat Herr v. Miquel erreicht. Durch planmäßige Strenge bei den Aus­gaben und sorgsame Behandlung der Einnahmen ist es möglich gemacht, daß auch in minder guten Jahren das Gleichgewicht im Staatshaushalt erhalten bleibt. Im Schuldentilgungsgesetz ist eine regelmäßige Tilgung unserer Staatsschuld vor­gesehen und das sogenannte Komptabilitätsgesetz hat die rechtlichen Grundlagen der Finanzverwaltung für die Zukunft

gefestigt.

f So hat es Herr v. Miquel zuwege gebracht, das Ende der 80er Jahre drohende Defizit 311 beseitigen, eine Stärkung der Finanzen zu erzielen, den dringlichen Ltaatsaufgaben gerecht zu werden und die jährlichen Ausgaben für Kultur-und wirth- schaftliche Zwecke in seiner zehnjährigen Thätigkeit um rund 200 Millionen Mark zu steigern. Hiervon entfallen allem auf Gehalts-Erhöhungen der Beamten, Lehrer und Geistlichen jährlich 90 Millionen. Die überraschend günstige Entwicklung der preußischen Staatsfinanzen übte natürlich auch ihre Wir­kung auf das Reich aus, das viele Aufgaben der letzten Jähre nicht hätte erfüllen können, wenn die preußischen Finanzen nicht so befestigt worden wären.

Neben der gesetzgeberischen Thätigkeit aus dem Gebiete der Staatsfinanzen hat Minister v. Miquel Zeit und Kraft ge­sunden, erfolgreich für die L i n d e r u n g der 9t 0 t h der Landwirthschaft, für die innere Kolon 11 a t i0 n und für bie Erhaltung und Kräftigung des Mit t e 1= standes in Stadt und Land zu wirken. Er hat stets dem Grundsätze gehuldigt, daß cs die Anigabe des Staates ist, seine schwächern Glieder zu schützen, stets ie sogenannte manchesterliche Auffassung vom Staat abgeleynt und eine verständige Sozialpolitik befürwortet. Er hat im Anschluß an das in der Bielefelder Kaiserrede niedergelegte Regierungs-Programm den Ruf der Sammlung der produtiw thätigen Schichten der Bevölkerung auf der Grundlage eines gleichmäßigen Schutzes aller Zweige der nationalen Arbeit ertönen lassen. ,

Als Anerkennung seiner Verdienste hat der Kaster dem Minister im Jahre 1897 den Schwarzen Adlerorden und damit den erblichen Adel verliehen. Mit der Ernennung zum Rize-Präsidenten des Staatsministeriums im vorigen ^ ommer

-«ruiwnuui u« ^mu^uuu.i^-- .- , 6i§ zum Samstag feine zuverlastlge amtliche wenning einge-

uxbe der Einfluß des Herrn v. Miquel a i ~ A , +r0«cn mar lagen schon am Freitag Nachrichten über heftige allgemeinen Politik Preußens und damit auch des Reiches | troffen war, tagen |u)ua o a * ;

noch erweitert. An Arbeit und Erfolgen reich war das Jahr­zehnt seiner Wirksamkeit als Finanzminister. Herr v. Miquel hat sich jetzt, in seinem 71. Jahre, die vielleicht größte Auf­gabe seines Lebens gestellt: unser, durch den Hader der Par­teien und die verschiedenen Interessen entzweites Volk wieder zu einigen und damit nach innen und nach außen zu seiner vollen Kraft und Entwicklung zu bringen. Möge Gott ihm die Kraft zur Vollendung dieses großen Werkes verleihen l

Den Nörglern ins Stammbuch.

Kaum ist die Mobilmachung der beiden See-Bataillone an­geordnet, so tauchen auch schon Unkenstimmen auf, die dies als eine unerwünschte, ja unheilvolle Folge der Besitz­ergreifung non Kiautschou ausgeben. Dein gegenüber wird derWeser-Zeitung" aus. Berlin geschrieben:

Kein Urtheil kann thörichter sein. In Kiautschou ist alles ruhig. Damit hat die Mobilmachung nichts zu schaffen. Diese entspringt nur aus unserer Großmachtstellung und der Nothwendigkeit für das Leben von Teutschen, vor allem un­serer eigenen Gesandtschaft die schon längst vor Kiautschou in Peking unterhalten wurde einzutreten. Wenn ein großes Land in solchen Krisen nicht versteht, ihm wider­fahrene schwere Unbill zu rächen und in Reih und Glied mit andern großen Nationen zu marschiren, so kommt er unter die Füße, und sein Ansehen gehört der Vergangenheit an. Tann hätte es besser gethan, gar nicht auf eine politische und wirthschafiliche Wirksamkeit über See auszugehen. Dann sollte es sich einen gehörigen Ofen anschaffen und sich hockend hinter ihm verkriechen.

Gewiß ist an sich die Nothwendigkeit zwei Bataillone deutscher Soldaten nach China zu senden, unerfreulich. Aber an solche Dinge sind ältere Kationen von Weltmachtstcllung so gewöhnt, daß kaum ein Wort darüber verloren wird. Man braucht an die Engländer und ihren gegenwärtigen Krieg garnicht einmal zu denken. Auch die Russen und die wortlose Reise von ganzen Divisionen durch die Einöden Asiens bei irgend einer solchen Verwicklung mag man garnicht neben unserer kleinen Leistung nennen. Die Franzosen führten ihre Kriege in Tongking und Madagaskar, und eben jetzt haben sie ihre Expedition nach den Tuat-Oasen ausge­rüstet. Selbst diefreien" Amerikaner gehen auf Kommando, auf den Wink der Männer, in deren Hände des Vaterlandes Macht gelegt ist, nach den Philippinen, die noch ungesunder sind als Petschili. Italien sandte Divisionen nach Abyssinicn. Und wir sollten murren, weil einige tausend Mann nach China müssen?

Das werden die Angehörigen der Marine-Infanterie selbst am wenigsten billigen. Sie werden nicht hinter den Schiffsbesatzungen zurückstehen wollen, die jeden Augenblick den Befehl zur Landung in irgend einem unruhigen, unge­sunden Lande erhalten können und oft genug erhalten und ausgeführt haben. Eben jetzt beweist der Tod der tapferen Leute auf demIltis", daß diese Gefahren den Angehörigen der Schiffsbesatzung beständig nahe sind. Der NameIllis" erinnert an andere Gefahren, denen der Seemann der Kriegs-

sie dasselbe die Flenner Pflicht eine

flotte beständig ausgesetzt ist, ohne daß er für den Jammer von Ofenhockern über solche Dinge irgend ein Verständniß hätte. Die Marine-Infanterie wird zeigen, daß Herz und dasselbe Ehrgefühl hat. Sie wird und Angstmeier beschämen und nach erfüllter

ehrenvolle Rückkehr feiern.

Die chinesischen Wirren

Die größte Gefahr der chinesischen Wirren liegt offenbar in der Möglichkeit, daß die europäischen Mächte, Nordamerika und Japan unter einander in Streit gerathen könnten. Glücklicherweise haben sich in demfelben Maße, wie sich die Lage bei Peking und Tientsin verschlimmert hat, die Zeichen dafür vermehrt, daß die Mächte zu einmütigem Vorgehen entschloßen sind und gemeinsam ihr Augenmerk auf die schleunige Herstellung der Ordnung richten. Sowohl im eng­lischen als "auch im französischen Parlamente sind Erklärungen vom Ministertische abgegeben worden, die besagen, daß die Rivalität unter den Mächten schweige und alles darauf an­

komme, die begangenen Unthaten zu sühnen und dem Trotz der chinesischen Regierung ein Ende 311 machen.

Inzwischen haben denn auch die Landungskorps der vor Taku vereinigten Geschwader Schulter an Schulter miteinander im Feuer gestanden. Während von der Entsatztruppe unter Admiral Seymour und der nach Peking vorgerückten russi­schen Abtheilung, wie überhaupt über die Lage in Peking, bis zum Samstag keine zuverlässige amtliche Meldung einge-

Kämpfe bei Tientsin vor. Dieser große Handelsplatz war zuerst von Boxern angegriffen worden, vom 16. Juni ab haben aber auch reguläre chinesische Truppen die Stadt bom= bardirt und die russische Abtheilung, die den Bahnhof besetzt hielt, hart bedrängt. Am 21. Juni sind 240 deutsche See- soldaten, 380 Engländer und 1500 Russen mit Artillerie von Taku abgegangen und wahrscheinlich, da der größere Theil der Eisenbahnstrecke fahrbar war, noch am selben Tage vor Tientsin eingetroffen. Deutschland hat in Tientsin eine eigene Niederlassung in der Größe von 57 Hektaren, die wie die andern Konzessionen zwar unter chinesischer Hoheit, aber unter eigener Verwaltung steht. Der Handel liegt haupt­sächlich in deutschen Händen, unter deutschem Schutze stehen 24 Firmen, nach der Statistik des dortigen See-Zollamtes gingen 1896 Waaren im Werthe von 154 Millionen Mark dort ein und aus. Es sind also neben den Interessen der christlichen Missions-Gesellschaften ganz bedeutende Handels- Interessen dort geschädigt und bedroht. Hoffentlich ist es den vereinten Streitkräften der Mächte bereits gelungen, weiterm Blutvergießen Einhalt zu thun. Jedenfalls war aber schon der größere Theil der fremden Niederlassung vor­her zerstört.

Wenngleich die deutsche Politik in der Provinz Pctschili nur Handels- und allgemeine, keine politischen Erwerhs- Jnteressen zu vertreten hat, so sind doch eben jene so be­deutend, daß die Entsendung aller verfügbaren See-Strcit- kräfte nach Ostasien geboten ist. Unsere Missionare, unsere Kaufleute, unsere Ingenieure und ihre Unternehmungen müssen energisch geschirmt, für das bei Taku und Tientsin vergossene deutsche Blut muß vollste Genugthuung verlangt werden. Wir dürfen die Zuversicht hegen, daß sich unter der macht­vollen Führung unseres Kaisers mit der Entschlossenheit des Vorgehens kaltblütige Besonnenheit paaren wird, um eine schwierige Lage erfolgreich zu überwinden.

Bericht des Admirals über den Kampf bei Dak«.

Nunmehr ist die folgende Wiederholung einer am 17. d- Mts. vom Chef des Krcuzergeschwaders über Port Arthur abgeschickten Depesche über das Gefecht bei Taku, die bisher nicht hierher gelangt war, cingetroffen:

Um 12 Uhr 50 Minuten nachts eröffneten die chinesischen Forts Feuer auf die 7 Kanonenböte im Flusse. Forts wurden in sechsstündigem harten Kampfe besiegt und besetzt. Kom­mandant S. M. S.Iltis" war die Seele des Unternehmens und hat hervorragend glänzend gekämpft. An S. M. S. Iltis" sind Maschine, Kessel, Schiffskörper und 8,8 cm Geschütze unbeschädigt, 3,7 cm Geschütze unb Aufbau stark beschädigt. Es sind gefallen: Oberleutnant Hellmann, Büchsen­machersmaat Baestlein, Obermatrosen Sokop, Böthe, Maas, Johannes, Matrose Aehnsoff, Oberheizer Holm; schwerver- wundet der Kommandant Korvetten-Kapitän Lans, Ober­matrose« Splinter, Matrose Schoppengerd, Berichterstatter Herings vom ,Qstastatischen Lloyd," leichtverwundet zehn Mann. Letzte Stunde war Oberleutnant Hoffmann Kom­mandant. Er folgte dem Beispiele des Kapitäns Laus. Haltung der Mannschaft war glänzend. Hilfe von Schiffen auf Reede war unmöglich."

Das Vaterland betrauert dankbar die Todten, die in diesem Heldenkampfe für die Ehre der deutschen Flagge ruhm­voll starben und sendet den Verwundeten den Hoffnungsgruß auf baldige und völlige Genesung. Tie Empfindungen der Trauer treten jedoch zurück vor dem Gefühl freudigen Stolzes über die hervorragend glänzende Haltung, mit welcher der tapfere Kommandant desIltis" und die wackere Besatzung das s. Z. dem Kaiser übersandte Abschiedsgelöbuiß eingelöst haben, wie es vom Kapitän Lans allerdings nicht anders zu erwarten war. Ter Kampf desIltis" gestaltet sich nach dem Zeugniß unseres in Ostasien fommanbirenben Ad­mirals zu einer Waffenthat ersten Ranges. Es war der erste Kampf eines deutschen Kriegsschiffs gegen mit modernen Geschützen versehene Befestigungen und, wenn wir vom Kampf desMeteor" im Jahre 1870 absehen, die Feuer­taufe der deutschen Flotte. Die Befriedigung über das obige Zeugniß wird in Deutschland allgemein sein und noch wesentlich erhöht werden durch die gleiche Mitthellung, wo­nach das Befinden des Kapitäns Lans ein gutes ist.

Ter vor dem Feinde gefallene Oberleutnant Hans Hell­mann war am 6. Dezember 1873 in Neiße, Provinz Schlesien, geboren. Er trat am 9. April 1892 als Kadett in die Marine ein, wurde ein Jahr später zum Leekadett, am 15. September 1895 zum Leutnant zur See und am 16. November 1898 zum Oberleutnant zur See befördert. Seit dem 1. Dezember 1898 gehörte er der Besatzung des Iltis" an.