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Amtliches Argali für $faöt- unS Lanökreis Hanau
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Nr. 19
Dienstag den 23. Januar
1900
Amtliches. ^anöUrct^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In M i t t e l b u ch e n und K c s s e l st a d t ist die Maul- unb Klauenseuche erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.
Hanau den 23. Januar 1900.
Der Königliche Landrath.
V 683/4
SlcrHtâ^ois ^banatt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die bei der Leihbank hier bestehende Sparkasse ist durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten vom 5. d. M. — A IV 11020 — im Einvernehmen mit dem Herrn Land- gerichtspräsidenten hierselbst auf Grund des Artikels 75 § 1 des Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch zur Anlegung von Mündelgeld für geeignet erklärt worden.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ge-
eignetet Weife bekannt zu machen. Hanau, am 20. Januar 1900.
Die Leihbank-Direktion : Dr Gebeschus.
1450
Sitzrmg der Stadtverordneten- Versammkmg
1.
am Donnerstag den 25. Januar 1900, nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathhauses.
Tagesordnung:
Bewilligung von 328,68 M. auf E.-O. pro 1900
für
9
3.
4.
5.
Anbringung von Jalousien an den Fenstern des I. Ober- geschoffes des Neustädter Rathhauses.
Einstellung von 950 M. in den Haushaltsplan für 1900, E.-O. für Umgestaltung des Steigerhauses.
Bewilligung von 11200 M. auf E.-O. 1899, bei Uebertragung des Restes auf 1900 für Umpflasterung der Fahrbahn und Herstellung erhöhter Bürgersteige in der Hospitalstraße zwischen Hain- und Brückenstraße.
Bewilligung von 3700 M. auf E.-O. 1900 für einen neuen Hochwasserabschluß der Sandelmühle.
Nachbewilligung von 460 M. aus E.-O. Tit. IV, 1 für 1899, für Anlegung erhöhten Trottoirs am Heumarkt auf die Länge des Hotel Riesen.
6.
7.
8.
9.
Abänderung des Fluchtlinienplanes für die Ausmündung der Augustastraße in den Auheimer Weg.
Kostenberechnung für Ingenieur Dr. Map zu Lasten des Elektrizitätswerkes.
Protokoll über die Abnahmeversuche der Motoren und Pumpen des Wasserwerks II am 10. und 11. Dezember. Aufhebung der Kautionspflicht städtischer Beamten.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 22. Ianuar.)
Bei sehr schwach besetztem Hause wird in die erste Berathung der Unfallversicherungsge setze eingetreten. — Abg. Trimborn (Centr.) drückt seine Genugtuung darüber aus, daß bei diesen Reformgesetzen die früheren Kom-
10. Vertragsabschluß mit Lohnkutschern wegen Bespannung Missionsbeschlüsse berücksichtigt worden "seien. Namentlich sei der Leichenwagen und Gestellung der Begleitkutschen. cs erfreulich, daß die Bau-Unfall-Versicherung auf sämmtliche
11. Ordnung, bctr. die Gesammtvormundschaft zur endgültigen
Zustimmung.
12. Bestreitung von Grabpflegekosten aus der »Bode'schen «Stiftung nach den Bestimmungen dieser Stiftung.
13. Ordnung, betr. die Abfuhr des Haus- und Straßen- kehrichts.
14. Ortsstatut, betr. die nicht lebenslänglich angestellten städt. Beamten.
15. Kündigung einer Examinatorenstelle.
bei Bauten thätige Handwerker erstreckt werde. Daß im
Uebrigen das Handwerk nicht einbezogen sei, werde von seinen Freunden gebilligt, ebenso, daß andererseits häusliche Dienstleistungen der Versicherung unterworfen würden. Dankens- werth sei auch die Erhöhung der Rente für die Kinder. Lehr erwünscht würde seinen Freunden die Erhöhung der Pollrente von 2/s auf s/< des Arbeitsverdienstes sein. Ein
fernerer Wunsch seiner Partei sei das Verlassen des berufsgenossenschaftlichen Systems zu Gunsten des territorialen. Dringend nothwendig seien Vertrauensärzte für die Ver-
16. Nachbewilligung von 379,80 M. Umzugskosten für Fach
lehrer an der gew. Fortbildungsschule Krause. sicherten, bei denen diese sich unentgeltlich Rath holen könnten.
17. Nachbewilligung von 121 M. Umzugskosten für Polizei-»Er, Redner, werde hierfür mit der Zähigkeit der Buren
sergeant Hagemann auf II C 17. kämpfen (Heiterkeit.). In der Kommission werde man flott
18. Rückvergütung von Kanalbetriebsgebühren für April/Juni arbeiten müssen, da man nicht wissen könne, ob nicht wieder
1899. .: Blitz eine Auflösung komme und die Erledigung dieser Vor-
19. Uebertragung des Haltens von Faselvieh an Oekonom
20.
21.
Christian Neuling I. für 1000 M. jährlich. Nachbewilligung von 143,92 M. auf E.-O. II für 1899, Umsatzsteuer für das erworbene Grundstück E. E. 375/35 ec. Nachtrag zur Ordnung, betr. die Einführung und Untersuchung von nicht im städt. Schlachthofe ausgeschlachtctem, frischem Fleisch, zur endgültigen Zustimmung.
22. Verkauf städtischen Geländes an Dr. Kiltsteiner zum Preise von 100 M. pro qm bei Gestattung des Vor- sprungs eines Anbaues um 25 cm über die Baufluchtlinie.
Hanau den 20. Januar 1900.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
Canthal.
1463
lagen dadurch verzögert werde. — Abg. von Richthofen (kons.) hält eine sorgsame Prüfung der Vorlage für geboten, aber nicht vom Standpunkte der gewerblichen Arbeiter allein, sondern vom vaterländischen Standpunkte aus. Mit den neuen für Unfall- und Invalidenversicherung gemeinsamen Schiedsgerichten sei seine Partei einverstanden, obwohl die territoriale Gliederung der Schiedsgerichte namentlich den ländlichen Arbeitern die Vertretung ihrer Interessen erschweren dürfte. Trotzdem stimmten seine Freunde zu, aber in der Erwartung, daß auch die anderen Parteien der Vorlage beitreten. — Mg. Rösicke - Dessau (wildlib.) bedauert, daß nicht die bei der Invalidenversicherung geschaffene abgeschwächte Form des Unterbaues für die Unfallversicherung nutzbar gemacht werde. Das Verfahren werde hierdurch klarer für den Arbeiter, und das fei eine Hauptsache für denselben. Nothwendig sei auch, daß die Fristen für Einlegung der Be-
Gefundene und verlorene Gegenstände etc. . .. t ,
' a rufung verlängert wurden. Dem Verunglückten muffe mehr
Gefunden: 1 weißes Taschentuch, gez. 0 X, 1 Zeit gelassen werden, sich zu entscheiden, ob er die /Berufung
Cigarrenspitze, 1 Herrcnregenschirm, 1 Schwammbüchse, 1 einlegen wolle. Mit dem einheitlichen Schiedsgerichtswesen Packetchen zugeschnittenes Futter (Lcimengarn). sei er einverstanden. Die Versicherungspflicht der Bauhand-
Verloren: 1 offener Brief mit dem Firmenaufdruck Werksbetriebe fei dankenswerth. Aber solle nun auch der
Hofuhrmacher Fölsing, Berlin. Wiederbringer Belohnung. [ Tischler versicherungspflichtig und zwar dauernd sein, der Zugelaufen: 1 junger, brauner Hühnerhund. mur gelegentlich einmal das Anschlägen von Fenstern auf Hanau den 23. Januar 1900. einem Bau unternimmt? Hier werde man einen Ausweg
Feuilleton
Theater - Schmieren.
Von K. Meister.
(Nachdruck verboten.)
Vorbei ist die Zeit, wo dramatische Künstlergruppen das weite deutsche Vaterland durchzogen und heute hier, morgen da, die Bretter betraten, die die Welt bedeuten. Geordnete Verhältnisse stirb eingetreten, die Kunst hat Heime aufge- schlagcn, die Millionen kosteten. Ist es dabei besser geworden um die Darstellung, die darstellende Kunst selbst? Das wäre vielleicht zu verneinen, denn unsere größten Künstler haben zu einem nicht geringen Theile ihre heute ehren- und goldreichc Existenz an wandernden Bühnen begründet, an Theatern, die die jetzige Kunstwelt mit dem Sammelnamen Meerschweinchen oder Schmiere bezeichnet. Noch gar nicht so lange Zeit ist vergangen, daß am Theater besserer Art Streiche geliefert wurden, die man heute fast für unmöglich hält. Ein Beispiel für viele. An dem Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater in Berlin wirkte anfangs vorigen Jahrhunderts unter andern Größen der bekannte und berühmt geworbene Komiker Beckmann. Sein urwüchsiger Humor und seine trockene Komik, verbunden mit einer scharfen Beobachtungsgabe für Alles das, was das große Publikum interes- sirte, hatten ihn bald zum Liebling des Berliner Theaterpublikums gemacht. In früherer Zeit kannte man noch nicht einen so grellen Gegensatz zwischen Schauspieler und Sänger und jeder mußte in dem Fache wirken, worin ihn zu beschäftigen der gestrenge Herr Direktor für gut befand. Somit hatte das Publikum Gelegenheit, seine Lieblinge heute als Darsteller klassischer Rollen, morgen als Stützen der echten „Berliner Possen" bewundern zu können. Zu den verwendbarsten Künstlern gehörte Beckmann und cs "ist keilt Wunder,
daß man in Wien, jenem Hochsitz drainatischer Kunst, lüstern umsomehr that dies Beckmann-Casper, denn er steht im darauf war, den in Berlin vergötterten Komiker Beckmann Zauberkreise eiligst auf, zieht seine Jägerkappe vom Haupte von der Spree an die Donau zu bekommen. Die Gagen- und begrüßt die über die Bühne rennende, feuerspeiende Sau Verhältnisse waren indem kunstliebendèn Wien ungleich bessere mit den Worten: „Guten Abend, Frau Direktor!"
als in dem nüchternen, trockenen Berlin und Beckmann bc- Das Publikmn jauchzte vor Beifall, die Frau Direktor grüßte seinen Ruf an die Donau genau so freudig, wie cs | raste vor Wuth, der Herr Direktor strafte den mit Wiener heute Joseph Kainz gethan hat. Die Wiener Theaterverhült- Hoffnungen erfüllten Beckmann — — aber Befreiung aus
nisse sind eben auch heute lukrativer und ehrenvoller als die Berliner, ganz abgesehen davon, daß bei uns in Deutschland, zumal in Norddeutschland, immer noch ein Etwas neben dem Künstler schreitet in den Augen vieler, was ich fast Mißachtung, zum Mindesten jedoch Geringschätzung nennen möchte, wenngleich auch die Bühnenangehörigen sich in den Augen der Vernünftigen heute eine angesehene persönliche Stellung errungen haben. Ob freilich die Vernünftigen oder die Unvernünftigen den größeren Prozentsatz bilden, das mögen die geehrten Leser selbst beurtheilen; ich weiss, wie es steht, — — möchte jedoch nicht meine Ansicht aussprechen. Die Ver- nünftigen würden vielleicht zu schmerzlich ersehen, welche Minorität sie bilden. Genug davon! — — Der lustige Beckmann begibt sich in der frohen Hoffnung zu seinem Direktor, von' diesem, angesichts der Beckmann zugesicherten bedeutenden Verbesserung seiner künstlerischen Exfolge durch den Wiener Kontrakt, gütigst entlassen zu werden. Aber da kam Beckmann schlecht an. Der Direktions-Tyrann verneinte alles kurz. Jetzt schritt Beckmann zu anderen Mitteln; nach Wien, dem Eldorado aller Künstler, wollte, mußte er, es koste, was es wolle. — Beckmann hatte im „Freischütz" den Jäger Casper zu singen. Die Vorstellung war bereits bis zur Wolfschlucht gediehen, als Casper den Max, den Jäger- genossen des Casper, in der Mitte der Bühne hat. Die losgelassene Hölle am Himmel und auf der Erde treibt ihren! Spuk und endlich kommt auch die feuerspeiende Sau über die Bühne gerannt. Max, der noch vom Bösen nicht besiegte Jüngling, beachtet auch dieses Kind der Hölle nicht merklich; I
den Kontrakt-Ketten lachte Beckmann nicht. Er schritt zum Aeußersren als bald darauf der Direktor den Verdieust(Adlcr)- Orden erhielt. Unter den ersten Gratulationsschreiben, die der geehrte Herr Direktor erhielt, fand sich folgendes Schreiben: ! „Geehrte Herr Direktor ’ Sie sind nun Inhaber des Adler- ordens dritter Klasse, Besitzer eines Theaters zweiter Klasse, aber ein Rindvieh erster Klasse." Das half. Beckmann wurde entlassen. Er feierte in Wien dieselben Triumphe wie in Berlin. — An einer „Schmiere" in Böhmisch-Leipa be- ; fand sich, wie die Mythe der Theatergarderobe oft erzählte, ■ ein erster Held und Liebhaber, der auf die Frau Direktor ein ' Auge geworfen hatte. Der Herr Direktor verfolgte ihn mir Argusaugen und war, wie der Heldendarsteller vermeinte, ; dock sehr blind. Der schönste Tag des Schmieren-Helden ’ kam, der Gagetag. Doch was war das ! Dem Helden werben an der Kasse 50 Kreuzer abgezogen. Wuthschnanbend stürzt dieser zum Direktor und donnert heroisch: „Herr 'Direktor, ich möchte wissen, wofür ich gestraft werde?" ' „Ruhe, Ruhe!" entgegnete würdevoll der Theater-Tyrann.
„Sie haben meine Frau in der Garderobe geküßt, — das kostet 50 Kreuzer, das nächste Mal kostet es 75 Kreuzer. Es ist kein Wunder, wenn Ihnen Ihre Gage zu klein ist. So noble Passionen, wie meine Frau zu küssen, können sich nur Rentiers gestatten." Der Held sah dies ein und schwur sich, sparsamer zu werden.
An den österreichischen „Schmieren" kann man neben den Werken der alten Klassiker auch die der neuen Dichterheroen antreffen, wie Grillparzer, Laube, Halm u. s. w.