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Nr. 272
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llmiier Wetter.
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Amtliches Organ für StaSt» unS LanSkreis Hanan.
Erscheint täglich mit 8lusnahme der Sonn- und Feiertage, mit bellelrifftischer Beilage
Dienstag den 20 November
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für Klodt- und ?anb- freie Hanau 10 4 die ^gespaltene t^annand» j«k oder deren Kaum, für Luswän« 15 ^
Am RrNannnthetl die j^eile 2f/ ' A. säte
Auswärts 30 4.
1900
Amtliches.
Bekanntmachung,
Einrichtung eines deutschen Postamts in Tongku (China)
Das Schreiben eines Staatsanwaltes auf Genehmigung der Einleitung eines Strafverfahrens gegen einen Abgeordneten wird der Gcschäftsordnungskommission überwiesen.
Ein schleuniger Antrag Albrecht und Genossen (soz.) auf Einstellung eines gegen den Abg. Fischer (Sachsen) beim königlichen Landgericht zu Bautzen schwebenden Strafverfahrens wird genehmigt.
Es folgt die Interpellation Albrecht und Genossen betreffend die Zwölftausend Markangelegcnheii.
Auf die Frage des Präsidenten, sb und wann er bereit sei, die Anfrage zu beantworten, erklärt
Reichskanzler Graf Bülow:
Ich bin bereit, die Interpellation zu beantworten und zwar am nächsten Donnerstag.
Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfes betreffend die Feststellung eines dritten Nachtrages zum Reichshaushaltsetat für das Rechnung s j a hr 1900.
Reichskanzler Graf Bülow
führte nach dem telegraphischen Bericht der „Franks. Zlg." aus:
Meine Herren! Jcb wünsche die erste Gelegenheit zu ergreifen, um mich vor diesem hohen Hause auszusprechen über diejenige Frage, welche im Vordergründe des öffentlichen Interesses steht, nämlich über unser Vorgehen in China. Sie werden es »erstehen, meine Herren, wenn ich anÄ heute nicht wohl Dinge sagen kann, die schwebende Verhandlungen gefährden, oder die die von den Mächten in China unternommene gemeinsame Aktion beeinträchtigen könnten. Ich bin aber viel zu sehr durchdrungen von der Nothwendigkeit, daß zwischen den verbündeten Regierungen und diesem hohen Hause und zwischen den verbündeten Negierungen und dem deutschen Volke die Fühlung nicht verloren gehen darf und ich erkenne das Recht des Landes und des Reichstages, zu wissen, wohin die Fahrt geht, viel zu willig an, als daß ich nicht gern bereit fein sollte, so offen und s» deutlich zu reden, wie dies das Staatsintereffe nur irgend zuläßt. Was die Vorgeschichte der Wirren in China angeht, so beziehe ich mio, in dieser Hinsicht auf das Zirkular, welches ich seiner Zeit an die Bundesregierungen gerichtet hatte. Ich habe mich bemüht, in diesem Zirkular die Gründe darzulegen, wie wir in China zu diesem Zustande gelangt sind, dem sich die zioilisirlc Welt dort plötzlich gegenübersah. Ich habe auch damals schon die Ziele bezeichnet, welche sich die deutsche Politik in China gesteckt hat, die Ziele, an denen wir nach wie vor festhalten. Bevor ich jedoch übergehe zu dem, was wir in China verfolgen, und was wir in China erreichen wollen, möchte ich zwei Punkte »orwegnehmen, die in der bisherigen Diskussion des Inlandes und vielleicht auch noch mehr des Auslandes über unsere China-Politik eine gewisse Rolle gespielt haben. Es ist gesagt worden, daß wir die Krisis, die in China ausgebrochen ist, nicht vorausgeschen hätten. Darauf möchte ich zunächst erwidern, daß sich jedenfalls die meisten der übrigen Regierungen in der gleichen Lage befunden haben dürften, und daß die weiften von ihnen im vergangenen Frühjahr auch nicht angenommen haben, daß das über China und Ostasien ausgebrochene Ungewitter so hastig und daß es so rasch eintrcten würde. Die Anzeichen, welche diesem Ungewitter »orausgingen, sind aber gerade uns nicht entgangen; wir haben die Vertreter in China und wir haben die anderen Kabinete mehr als einmal aus diese Wetterzeichen hingewiesen. Alles was von den Vertretern in China den diplomatischen und konsularische« wie militärischen Vertretern als nothwendig für die Aufrechterhaltung der Ordnung bezeichnet wurde, ist von uns sofort gewährt worden. Wir haben insbesondere an militärischen Schutzmaßnahmen und an militärischen Schutzdetachements sogleich Alles zur Verfügung gestellt, was von den Vertretern an Ort und Stelle als wünschenswerth bezeichnet wurde. Wir haben in dieser Richtung sogar mehr angeboten, als Letztere forderten und für nöthig hielten. Ich möchte keinerlei Vorwurf erheben gegen Männer, welche in schwerer, in sehr schwerer Nöthlage heldenhafte Ausdauer, welche Muth, welche die höchste Tapferkeit an den Tag gelegt haben; fern sei es von mir »or Allem, auch nur ein Wort, auch nur eine Silbe des Tadels zu sagen gegen unseren ritterlichen Gesandten in Peking, den Freiherrn v. Kett el er, der in treuester Pflichterfüllung, in Vertretung eines allgemeinen — nicht eines speziell deutschen — Interesses in letzter, in zwölfter Stunde den Versuch unternahm, die chinesische Zentralgewalt durch Darlegung des wüsten Treibens, das im Gange war, zur Besinnung z»rück- zuführen und der dann bei diesem Versuche fest und unerschütterlich, wie es seine Art war, in den Tod gegangen ist, der gefallen ist wie ei» Offizier vor der Front, würdig des
In Tsngku (Chin«) ist ein deutsches Postamt eingerichtet worden. Seine Thätigkeit erstreckt sich außer auf den Brief- post- und Zeitungsdicnst auch auf den Postanwcisungsdienst, den Austausch »on Briefen und Kästchen mit Werthangabe, sowie auf den Austausch »on Postpacketen mit oder ohne Werthangabc und mit »der ohne Nachnahme.
Ueber die Taxen und Verscndungsbedingungen ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.
Berlin W., 14. November 1900.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
B. Podbielski.
Bekanntmachung.
Postanweisungen nach Cuba u. den Philippinen.
Von jetzt ab sind nach Euba und den Philippinen Postanweisungen bis zum Betrage »on 100 Dollars unter den gleichen Bedingungen wie nach den Vereinigten Staaten von Amerika zulässig.
Berlin W., 10. November 1900.
Reichs-Postamt. I. Abtheilung.
Kractke.
^artè&rew ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Spielberg (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau den 19. November 1900.
Der Königliche Landrath
V 11171 v. Schenck.
4>taöt&rew jaartavt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Wegen der am 1. Dezember cr. statisindenden Volks-, Vieh- und Obstbaumzählung wird der Wochenmarkt vom Samstag den 1. Dezember auf
Freitag den 30. November 1900 verlegt.
Hanau den 6. November 1900.
Der Magistrat.
Dr. Gebcschus. 18232
Bekanntmachung.
Das Kommando der Schiffsjungen-Abtheilung Friedrichsort sucht eine größere Anzahl von Schiffsjungen.
Junge Leute im Alter von 16—18 Jahren, die gewillt sind, in die Schiffsjungen-Abtheilung einzutreten, können sich unter Vorzeigung ihres Geburtszeugnisses im Dienstzimmcr des Bezirks-Kommandos Frankfurt a. M., Infanterie-Kaserne Zimmer 75, Gutleutstraße, an einem Mittwoch oder Samstag, vormittags 10 Uhr, zur ärztlichen Untersuchung einfindcn. M 5001 Bezirkskommando Frankfurt a. M.
MMdeueund verlorene Gegenstände etc.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 15—16 M. Inhalt.
1 weißes Taschentuch mit dem Namen Helene. 1 Damen- nickcluhr.
Abhanden gekommen: 1 Firmenschild mit dem Namen Georg Gunst, Schuhmacher.
Hanau den 20. November 1900.
Deutscher Reichstag.
Sitzujng vom 19. November.
China-Vorlage.
Am Tisch des Bundesraths : Reichskanzler Graf Bülow, Graf P , s a d o w s k y, Freiherr ». R i ch t h o f e n, Dr. Nieberding, v. Goßler, Dr. Studt, Freiherr v. Thielmann, v. T i r p i tz, ». Schönstedt, v. Podbielski.
Das Haus ist gut besetzt.
Präsident Graf B a l l e st r e m eröffnet die Sitzung.
Verlesen wird das Ergebniß der Wahl der Abtheilungsvorsitzenden und der Schriftführer des Reichstages.
Landes, das er vertrat unb würdig des historischen Namens, den er trug. (Lebhaftes Bra»o.) Aber die Europäer in Peking haben sich mehr oder weniger und fast Alle getäuscht in der Beurtheilung der Tragweite der B o x e r b e w c g u u g, die hier »an Anfang an ernster aufgefaßt wurde, als dies in China in europäischen Niederlassungen meistens der Fall war. Wir werden in Zukunft auch darauf unsere Aufmerksamkeit, unser Augenmerk zu richten haben, über die Vorgänge in China und über die Pläne und Absichten der chinesischen Beamten unb Militärs schneller unterichtet zu werden, als dies bisher der Fall war. Inzwischen konstatire ich aber, daß von deutscher Seite nichts vernachlässigt worden war unb nichts verabsäumt worden ist, was den Ereignissen in China eine andere Wendung hätte geben können, weder in militärischer noch in diplomatischer Hinsicht. Ich komme nun zu dem anderen Vorwurf, der uns gemacht worden ist. Es ist im Auslande gesagt worden, daß Deutschland die Schuld trage an den Ereignissen in China, und cs ist speziell gesagt worden, daß diese jüngsten Wirren in China zurückzuführen wären auf unsere Festsetzung in Kiautschou. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube, ich habe den Zwischenruf „sehr richtig!" gehört. Meine Herren, in deutschfeindlichen, in ausländischen Blättern habe ich den in Rede stehenden, völlig unbegründeten Vorwurf schon seit Sangern gelesen; ich glaubte aber nicht, daß er ein Echo finden würde in diesem Saale hier. (Lebhafter Beifall. — Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Warum fol denn die Abtretung, die pachtweise Ueberlassung von Kiautschou an Deutschland das chinesische Reich mehr erschüttert haben, als die Abtretung von Hongkong und Birma an @nglanb (sehr richtig!) von Tonking und Annam an Frankreich (sehr richtig !), von Parmir und dem Amurgebiet an Rußla id (sehr richtig!), von Formosa an Japan, von Port Arthur unb Wci-hai-wai ganz zu schweigen? (Sehr richtig!) Es hat Exzesse in China gegen Missionare gegeben und es hat Verfolgungen eingeborener chinesischer Christen gegeben, lange bevor wir nach Kiautschou gingen, in einer Zeit, wo der Name Deutschland in China ziemlich unbekannt war, und cs hat auch Expeditionen nach China gegeben unb es hat auch Züge nach Peking gegeben, lange "bevor wir in Kiautschou festen Fuß faßten. (Lebhafter Beifall.) Die Wahrheit ist, daß oan den jetzt in China engagirten Mächten wir uns am meisten und am längsten zurückgehalten haben. (Sehr richtig!) Erst als wir uns davon überzeugen mußten, daß Andere, ohne unsere Zurückhaltung und ohne unsere rührende Bescheidenheit nach- zuahmcn, sich in China wichtige Vortheile, werthvolle Konzessionen ausbedangen, als es den Anschein gewann, daß ohne uns an die Auftheilung von China gegangen werden sollte, und als gleichzeitig wiederholte Angriffe auf die deutsche Mission in Schantung, Angriffe, die in der Ermordung zweier deutscher Missionare gipfelten, uns zwangen, für die Sicherheit unserer Staatsangehörigen und unserer Interessen selbst zu sorgen, erst dann sind wir aus unserer Reserve herausgetreten, nicht aus Abenteuerlust, nicht aus Willkür, fenbeni in der Erkenntniß einer unabweisbaren Nothwendigkeit. (Sehr richtig!). Unsere Festsetzung in Kiautschou haben wir sodann in einer Weise durchgeführt, daß durch sie der Friede in keiner Weise gestört worden ist, weder direkt noch indirekt. Unsere Position in China, meine Herren — das möchte ich doch bei diesem Anlaß noch sagen — beruht nicht auf gewaltsamer Eroberung, sondern sie beruht auf einem »ölkerrechtlichen Verträge. Wir stehen in China nicht als Eindringlinge, wir stehen in Kiautschou nicht als räuberische Eindringlinge da, sondern al» Besitzer einer mit der chinesischen Regierung in freiem Einscrständniß vereinbarten Konzession. Deutschland hat sich überhaupt gegenüber China iwmer freundlich und wohlwollend benommen. Der beste Beweis dafür ist die Haltung, die wir noch vor »ier Jahren in einem für China recht kritischen Augenblick ihm gegenüber eingenommen haben, in dem Augenblick, wo China die Beute eines siegreichen Gegners war. Wir haben auch in China und gerade hier festgehaltcn an dem von mir mehr als einmal vor Ihnen bargelegten Prinzip: den Rechten Anderer nicht zu nahe zu treten, dafür aber die eigenen Rechte unbedingt zu wahren. Darum befinden wir uns gegenüber Chin« im Stande einer legitimen Abwehr, im Stande einer legitimen Nothwehr. Die chinesische Ccntralregierung hat die Boxer- bewegung, die nicht zu« mindesten durch ihre eigene Schuld, durch die Schuld ihrer jämmerlichen Verwaltung entstandene Boxerbewegung weiter und weiter um sich greifen lassen in offenbarem Mangel an gutem Willen. Sie hat »»» Anfang an gegenüber den ««ßvollen und berechtigten Vorstellungen der fremben Gesandten eine theils zweideutige, theils lästige Haltung eingmomme«. Sie hat endlich ohne jede Provokation