Hnvaupr Anroia^r
«rite 3
19. Mai__________________________________ sonnigim Wetter — ziemlich kalt war. Auch ist zu beadjtm, daß in den achtziger und neunziger Jahren Commer, welche von Juni bis August vorwiegend lühles, regnerisches Wetter brachten, häufig vorkamen, während wir auf einen Commer, tu welchem von Juni bis August jeder Monat mindestens die normale Wärme aufweist, seit Jahrzehnten vergebens warten. Einen Sommer, in welchem Juli und August ihre Normaltcmpcratur wesentlich überschritten, batten wir seit dem Weltausstellungsjahr 1873 nicht! Selbst in Commern, welche einzelne extrem heiße Wochen brachten, war fast immer nur einer der Sommermonate heiß. Da nun vor einem imb zwei Menschenaltern anhaltend heiße Commer in Wien nicht so selten waren, möchte man wohl an die endliche Wiederkehr einer echten Sommersaison glauben und annehmen, daß schon daS Jahr 1900 durch einen solchen Commer für das verpfuschte Frühjahr Ersatz bieten werde. Damit wäre auch verbunden, daß das „Eismänncr"-Jntermezzo bald ein Ende nehmen und schon das letzte Maidrittcl wieder sehr warme Tage bringen würde.
* Gaslichtsiärke. Gaslichtstärke in der Zeit vom 1. Lis 15. Mai 1900:
De: Ische S3enWb ne
Heiner Licht.
1.
Mai
Abends
550
Uhr
20,5
24,so
2.
*
ff
7
ff
20,3
24,36
3.
ff
ff
6
ff
20,5
24,co
4.
ff
ff
6
ff
20,i
24,»
5.
ff
ff
^to
ff
20,0
24,oo
7.
*
ff
6
ff
—
2O,o
24,oo
8.
*
ff
6 ic
ff
—
20,3
24,80
9.
ff
ff
7
ff
—
20,5
2 4,so
10.
ff
ff
6"
ff
20,5
24,60
11.
ff
ff
6
ff
"—
20,7
24,84
12.
ff
7
ff
20,5
24,60
14.
ff
ff
7
ff
zz.
20,8
24,96
15.
ff
ff
6"
ff
—
20,5
24,so
Mithin durchschnittlich 20,4 24,4s
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wctleraui- schen Gesellschaft" (Älislädter Schloß, eine Stieg hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags non 11 bis V 1 Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.
* Das Hahnenkammhans ist jetzt täglich geöffnet. i
* *
0 Marköbel, 17. Mai Wie gefährlich cs ist, wenn Fuhrwerke in raschem T c in p o durch die Ortschaften fahren, haben wir vor einigen Tagen Inr erlebt. Es begegneten einander mitten im Flecken zwei ficmde Chaisen und fuhren dabei so rasch, daß ein Kind nicht geschwind genug auèweichcn konnte und so nahe dem einen Fuhrwerke kam, daß cs zu Fall kam un > beinahe überfahren worden wäre. Da die in das Darmslädüsche führende Landstraße mitten durch unseren Ort führt, sollte doch das eilige Fahren innerhalb des Fleckens strenge untersagt sein.
):( Grotz-Krotztttburg, 18. Mai. Die weithin vor- thcilhaft bekannte Besitzerin des altrenommirten Gasthauses „Zum grünen Baum" im benachbarten Spcssarldorfe Schöllkrippen, Katharine Schuttes, eine ehrwürdige Wittwe von 87 Jahren, pflegte allabendlich als Nachttrunk ein Zweischcn- schnäpschcn zu schlürfen. An einem der letzten Abende verwechselte sie in der Dunkelheit die Flasche und trank unverdünnte Essigessenz. Nach einigen Stunden fürchterlicher Schmerzen war die Greisin eine Leiche. Ihr tragisches Geschick erweckte allgemeine Theilnahme in der weiteren Umgebung. Die zuständige Verwaltungsbehörde nahm auf Grund des bedauerlichen Unglücksfalles Veranlassung, den Verkäufern von Essigessenz zur Auflage zu machen, daß diese ihre Konsumenten auf die Gefahr des Genusses unverdünnter Essigessenz jeweilig
Hinweisen möchten. Den Konsumenten wurde ancmpfohlcn, niemals ein größeres Quant, m Essigissrnz anzukaufen, als sie augenblicklich benölhigen. Düse wohlbegiündcten Ermahnungen seien hiermit auch weiteren Kreisen gebührender Beachtung dringend empfohlen.
Die städtische Bibliothek
Bangcrtstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum gcöfsrict.
Gesammtkataloge sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
mittags 12 Uhr
Sehr trockcu
Beständig
Barometerstand
am 18./5. 19./.5
Schön Veränderlich
Regen (Wind
WA Regen Sturm
TcleiMhislhcr Wcttcrbcricht der bcntfto Sccivarte.
(Telegramm aus Hamburg vom 19. Mai, (9 Uhr 40 Min.)
Ein Maximum befindet sich westlich Irlands, der niedrigste Luftdruck zwischen Jütland bis zur mittleren Ostsee. In Deutschland ist bei westlichen bis nördlichen, an der Westküste ziemlich lebhaften Winden das Wetter kühl und veränderlich mit Niederschlägen, meist kälter. Prognose für den 20. Mai: Wenig Aenderung des herrschenden Wetters wahrscheinlich.
Nereinsnachrichten
für Samstag den 19. Mai.
Kunstverein: In der Aula der Königs. Akademie: Ausstellung von @i niälden.
Evang Männe:- und Jimgliugkvercin: Unterhaltung (Evang. Ver- eniäbaii«)
Christlicher Arbeit,rverein: BereinSabend und Mitgliederausuahme im Veretnsloka^e zum .Elephanten".
Turngemeirde: Küiturnen und Vâtturn erstünde.
Verein „Einigkeit": Ve-einsabeno in her .grasten Krone".
Safina „Eli tracht" (Bereii.slokal .Golone Erste"): Lerttnsabend.
Atybtevkttw »Germania : B reinsabe. d (Restauration Wageubach, Paradlplar)
^nÜbaUfhib .Vittoria": Vercinsabend in der Brauerei W ismantel". „Hanau r Fußbullgesellschajt 1899 : Lereinèavcud im .Schw-rzen Bären".
für Sonntag den 20 Mai.
Hanauer Schntzmvertt : N chm:t:ags von 2 U.;r ab: Schi fern auf dar neuen Schi hstäuden.
Erster Hanauer Fuhoalikl.w 1893; Nrchmittrrs 3 Uhr: UebungS- ipiel. — Futzballttub .V kioria : Ebenfalls nadmiitaa« 3 Ubr: U.bunprspiel. — H^i nn>r FaschaU- in b C^ck l lab : Nachmittags präzis 3 Uhr: UejungejnLl auf dem Exerzierplatz.
Kersteigerungs- etc. Kalender für Montag bett 2t. Mai.
AnackoN b-fr lltbmabme btr in but fiä)t. xchuta^ändrn vor» j’ffthn ei h n Wihdi btnnMie« sind bi« Dornuttage 11 U r im Zimmer Nc. 93 b.« R.ttch.uü« ei,,»reiche.,.
Mainwafferwârme heute Vormittag 11 Grad.
Marktbericht.
Hanan, 19. Mai. (Lebensmittelpreist.) Hülsens, lichte: Bohnen 30 Pfg., Erbsen 35 Pfg., Linsen 45 Pfg. das Doppelter; Geflügel: Io üben daS Pärchen 70—90 Ptg. ; ein alter Hahn 1,20—1,30 Mk.; ein Huhn 1,20—1,30 Mk.; eine Ente 1,70—2 Mk.; Fische: gewöhnliche Corte 35 Pfg., bessere Sorte 70 Pfg., Aal 1,10 Mk., Hecht 1,20 Mk., Barben 60 Pfg., Brcscm 60 Pfg. = ‘'i kg; Gemüse: Spargel, 100 Stück 3,20 biS bis 3,60 Mk., Kopfsalat das Stück 10—18 Pfg., Rettig das Stück 15 Pfg., Ober-Kohlrabi das Stück 12—15 Pfg., Sellerie das Stück 20—30 Pfg., Gurken das Stück 40—80 Pfg., gelbe Rüben das Bund 20 Pfg,, Neue Erbsen dos Pfund 35 Pfg., Schnittkohl die Portion 15—20 Pfg., Schwarzwurzeln das Pfund 30 Pfg., Spinat die Portion 10 bis 25 Pfg., Sattig die Portion 10 — 15 Pfg,, Kartoffeln das Doppeltster 10 Pfg.; Obst: Kirschen, das '/, kg 60 bis 70 Psg., Aepfel das Stück 5—6 Pfg., Citronen daS Stück 7—8 Pfg., Apfelsinen das Stück 5—15 Pfg., Paradiesäpfel das Stück 10—15 Pfg.; Verschiedenes: Lutter das Pfund 1,20—1,35 Mk., Käse 2 Stück 9 Pfg., Eier das Stück 4—7 Pfg., Zwiebel das Doppelliter 25 Pfg., Radieschen das Büirdel 3 Pfg., Weizenmehl 1. Sorte 20 Pfg., 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg. — 1/« kg.
Aus Provinz und Nachbar-gebieten
X. Gimtershaitsen, 18. Mai. Ein Arbeiter L. aus dem benachbarten Dittershausen erschoß sich hier auf freiem Felde. Liebesgram soll ihn zu der verzweifelten That getrieben haben.
X. Cailshafcn, 18. Mai. Bei Vaake wurde in der Weser am 15. d. M. die Leiche einer gut gekleideten Frau, etwa 40 Jahre alt, gelandet. Dieselbe scheint sich in gesegneten Umständen befunden zu haben. Sie trug zwei Trauringe, gezeichnet mit dem Datum den 30. September 1883 und den Buchstaben M B. und M. L.
Wiesbaden, 18. Mai. Wie den „Fr. N." berichtet wird, unternahm heute Früh 8 Uhr der Ka i j er einen Spazierritt über den Sonnenberg hinaus und nahm das Frühstück mit den Schaumburg Lippeschcn Herrschaften ein. Hierauf nahm der Kaiser aus den Händen des Chefs der geheimen Kriegskanzlei die neue Rangliste entgegen, die mit dem 7. Mai abschließt, und hörte dann die Vorträge v. Lucanus' und v. Tchirschky-Bögcndorffs. Prinz und Prinzessin von Schaumburg-Lippe werden um 10 Uhr 45 Min. Wiesbaden verlassen. Zur Frühstückstafel um 1 Uhr folgte der Kaiser einer Einladung der Prinzessin Louise von Preußen. Staatssekretär Graf Bülow traf heute Vormittag hier ein. — Nachmittags 3 Uhr fand auf dem Platz vor dem Kurhaus bei schönstem Wetter der große Blumenkorso statt. Auf den Tribünen hatte ein zahlreiches Publikum Platz genommen. Der Kaiser erschien zu Pferde in Husarcn-Uniform mit den Herren seiner Umgebung. Die Musik spielte die Nationalhymne. Der Kaiser, der mit lebhaften Zurufen begrüßt wurde, nahm seitlich vom Kurhaus Aufstellung. Prinz Aribert von Anhalt trat zu ihm. Der Korso selbst, der sich nach den Klängen zweier Musikkapellen um den Blumengarten herum bewegte, war reich befett. General v. Lindequist eröffnete denselben. Herren und Damen auf blumenge
scheinen aber etwas manierirt, so daß das Bild nicht den Eindruck macht, den sich der Künstler wohl (wenn man nach dem Preis von 4000 Mk. urtheilen darf) davon versprochen^hat.
Endlich sind noch einige, zum Theil sehr hübsche Stillleben ausgestellt, so von Leo Moneglino in Legnano zwei sehr hübsche Fruchtstücke, ein gleiches von Erna Fischer Schuch, Pfirsische und Trauben in einer Muschel, von Julie W e r t h l e in München Trauben und Nteloncn ; von Blumen haben ausgestellt Elise Dauber in Marburg „Lilien", Agnes Rennecke in Rostock „Trauerrosen", Helene Nagel in Berlin „Schneeballen".
Von zwei Skulpturen, die M. M e y e r - T y r i tz in Berlin modellirt hat, ist die eine „Freundschaft" (ein Mädchen mit einem Hund) recht ansprechend, die andere „Clown" wird wohl weniger Beifall finden.
Pariser Modcbncf.
Wou Blanche Thivicrs.
(Nachdruck verboten.)
Die vornehme Pariserin legt sehr großen Werth darauf, immer der Situation entsprechend toilcttirt zu sein. Sie würde in ihrem Salon kein Ctraßenkleid und auf der Straße kein Besuchèkleid tragen, die Toilette, in der sie zum Rennen nach Auteuil fährt, muß einen andcrcn Charakter haben, als diejenige, in der sie zur Eröffnung des ,Salon“ erscheint. Die heurige Saison erfordert ein neues Toilettengenre, welches zum Besuch der Weltarisstcllung getragen wird. Auch dieses hat sein eigenes Kennzeichen, es ist ein Mittelding zwischen Straßen- und Gesellschaflètoilette. In erster Linie sind es die sogenannten englischen Roben, die in leuchtenden Pastell- farben viel gesehen werden und keinen anderen Aufputz zeigen als kunstvolle Ctepparbeit, welche in Figuren „Nouveau art“ zerrannt, Rock und Taile bedecken. Vor Allem sind es hcll-
farbene und drapfarbcue, feine Wollstoffe, welke in dieser Weise verarbeitet werden. Die Taille ist voran unsichtbar zusammengehakt, das Dessin der Stepperei erstreckt sich über das ganze Vorderthcil, läuft die Rückennähte entlang und verliert sich in das frackariigc Schößchen. Der sehr eng anliegende Rock ist tuniqueartig in großen Bogen geschnitten, unter welchen ein wenig welliger Serpentinevolarrt sichtbar wird. Den Bogen entlang zieht sich eine mit dem Vordcrthcil forrefponbirenbe Stickerei. Diese sehr einfachen Toiletten werden durch eigenartige, kleine Cchmncksachen sehr verschönt. Ganz neuartig sind kleine Goldfliegcn mit Smaragden, Rubinen oder Brillanten besetzt, welche in abgemessenen Zwischknrölimcn den Verschluß der Taille mar- kiren. Auch die Chaielaine aus Aligold mit Emailauflagen, an welcher das breite, geflochtene Grldläschchcn aus Golddraht hängt, sowie ein Krystall fla^on, den ein Goldgittier mit farbigen Edelsteinen besetzt, umgibt, und ein kleines Notizbuch aus Gold mit Emailauflage — ist eine der vornehmsten Kleinigkeiten, welche sehr kostspielig sind und den einfachsten Toiletten viel cachet verleihen. Sehr modern sind weiße Tuchtoiletten, Rock, Weste und Bolero, die Revers des Letzteren ganz mit feiner Goldstickerei Mißgestaltet ; die Weste wird meistens doppelreihig ganz anlicgcnd aus Clunyspitzen hergestellt. Der Rock ist in Fallen gelegt, deren jede einzelne bis zur Hälfte des Rockes fest angefteppt ist, um nach unten zu frei auszufallen. Diese weißen Tuchtoiletten vertragen die Bcrühruug mit der Erde niest, und die Trägerin muß den Rock mit der kleinen Schleppe auf ihren Rundgängen meistens in der Hand halten. Dabei kommt der weiße, mit Moussclinevolants garnirte Taffct- jupon aber vorzüglich zur Geltung. Man sicht Ju- xous, die ein kleines Vermögen kosten, mit Inkrustationen in den Mousscliue von eckten, gelblichen Spitzens figurcn; auch solche, die an jedem schmalen Volant ein winziges
schwarzes Picot als Abschluß zeigen. Die Chaussure zu diesen loiletten bildet fast ausnahmslos der Pariser Halbschuh ganz aus schwarzem Lack und schwarzseidene im Zwickel farbig gestickte Strümpfe. Auch als Garnirung der Schirme wird viel Mouffeline verwendet. Man garnirt weiße Taffelschirme mit unzähligen Mousselinevolants, der Griff aus weiß lackirtcm Rohr ist mit einer Riesen-Kokarde aus weißer Mouffeline geschmückt. Den dernier cri de la mode repräsentiern Moiree- schirme mit cingeknüpften Fransen, welche man mit dem langen Stiel nach abwärts trägt, eine wiedergekehrte Mode der siebziger Jahre. Sehr luxuriös wird der en-tout-cas ausgestattet. Er hat meistens einen abschraubbaren Griff aus Gold, nelcher mit einer secessionistischen Blume aus Edelsteinen oder dem Monogramm geschmückt ist. Auch Krystallgriffe, um I welche sich eine Goldschlange mit Smaragdaugen windet, sind sehr vornehm. Bizarr sind Schirme aus farbig gestreifter Seide, deren Griff ein Papagei oder ein Affenkopf schmückt. Kleine Hundeköpfe ganz aus Gold mit Brillantaugen sind moderne Griffe für Damcnstöcke, welche mehr denn je getragen werden. Auch die kleinen Mädchen besitzen ihre Stöckchen aus hellem, buntfarbigem Rohr; die sehr aparten Sackjäckchen aus rothkarririem Cheviot und die weißen, plissnten Tuchröcke, von denen nur der dritte Theil der Länge sichtbar wiid, wissen die kleinen Pariserinnen mit sehr viel Chic zu tragen. Reizend sind die großen gelben Florentinerhüte der Kleinen, die auf der linken Seite stark aufgebogen werden. Die ziemlich hohe Kappe umgibt ein Blätterkranz, aus dem rothglühcnde Kirschen aufleuchten; als Abschluß des Kranzes voran in der Miete ist eine Riesenkokarve aus leuchtendem Atlas angebracht. Die Dan cnhüle dieser Saison huldigen zwei Exlrcnien. Entweder trägt man die sehr breite, stark aus dem Gesicht gerückte Toque aus Aelasroth, die keinen anderen Aufputz hat als links seitlich eine riesige Masche au Stroh, die mit Tüll voilirt ist, oder sehr große, reich m^