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Erftheist täglich mit AyLnahWe der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 91.
Donnerstag den 19. April
1900
Amtliches, .^anörireto ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Roth (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 17. April 1900. 8
Der Königliche Landrath.
V 3531 v. Schenck.
In diesem Jahre können wiederum auf Kreiskosten 15 Kinder hülfsbedürftiger Eltern aus dem Landkreise Hanau zu einer 4 wöchentlichen Badekur in der Kinderheilanstalt Orb zugelassen werden.
Etwaige Anträge, zu denen die vorgeschriebenen Formulare hier erhältlich, sind bis spätestens den 2L April d. I. durch Vermittelung der Herren Bürgermeister, welche zuvor die Hülfsbedürftigkeit zu bescheinigen haben, bei mir anzubringen.
Bei der beschränkten Zahl der zur Verfügung stehenden Stellen können nur besonders hiilfsbedürstige Kinder Berücksichtigung finden.
Die Herren Bürgermeister wollen für geeignete Verbreitung dieser Bekanntmachung Sorge tragen.
Hanau den 29. März 1900.
Der Königliche Landrath.
A 1332 v. Schenck.
An der evangelischen Volksschule in Marköbel ist eine Lehrerstelle zu besetzen.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Wohnung 1200 Mk. und der Einheitssatz der Alterszulagen 150 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 10 Tagen dem Herrn Lotälschulinspektor Pfarrer Reich in Marköbel einreichen.
Hanau, 16. April 1900.
Namens des Schulvorstandes der Königliche Landrath.
V 3658__v. Schenck.___
Stâdtisäw Handelsschule.
Die Anmeldungen für das Schuljahr 1900/1901 werden Montag den 23. April 1900, um 12 Uhr- mittags im 1. Stock des Altstâdter Rathhauses entgegengenommen. Geburtsschein und letztes S ch u l z e u g N i tz sind vorzulegen.
Der Unterricht erstreckt sich auf: Deutsch, Englisch, Französisch, Rechnen, Buchführung, Erdkunde, Stenographie, Schreiben.
An dem Unterricht der I. Klasse können als Hospitanten mit Vortheil Schüler theilnehmen, die im Besitz des Be- rechtigungszeugnisies zum einjährig-freiwilligen Dienste sind.
Hanau den 15. April 1900.
Der Dirigent der Handelsschule:
Dr. Ankel. 6354
Auszug aus dem Ortsstatut, betreffend die Handelsschule in Hanau.
§ 1. Alle im Gemeindebczirk der Stadt Hanau beschäftigten Gehülfen und Lehrlinge in Handelsgeschäften, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind verpflichtet, die Handelsschule an d n festgesetzten Tagen und Stunden zu besuchen. (Kaufmännischer Privatunterricht entbindet nicht von der Verpflichtung zum Besuche der Handelsschule.)
§ 2. A u sgettoMMeN von dieser Verpflichtung sind alle diejenigen Lehrlinge und Gehülfen in Handelsgeschäften, die den Besitz des Berechtignngszengniffes zum einjährig-sreiwilligen Dienste nachweisen.
' § 3. Die zum Besuche der Handelsschule verpflichteten kaufmännischen Gehülfen und Lehrlinge müssen sich mit Beginn ihrer Schulpflicht bei dem Dirigenten der Anstalt persönlich anmelden und zu den für sie bestimmten Unterrichtsstunden rcchizeitig einfinden.
§ 5. Die Inhaber von Handelsgeschäften haben jeden von ihnen beschäftigten, noch nicht 18 Jahre alten Gehülfen und Lehrling späte st eNs am (i. Tage, nachdem sie ihn kontraktlich oder probeweise angenommen haben, zum Eintritt in die Handelsschule unter genauer Angabe des Namens, des Jahres und Tages der Geburt des Lehrlings, sowie des Namens, Berufs und Wohnorts der Eltern, bezw. des Vormundes des jungen Mannes bei der Ortsbehörde (StädtischesMeldeamt) anzume ldenund spätestens a M 3. Tage, nachdem sie ihn aus irgend welchem Grunde aus der Beschäftigung entlassen haben, daselbst wieder ahzumelden.
Gesundkne und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 neue grüne Herrenradfahrermütze, 3 Wohlfahrtslotterie-Loose, 1 Paar weiße Militärhandschuhe mit dem Namen Waßmuth, 1 längliches rundes Körbchen mit grüner Verzierung und zwei einliegenden weißen Taschentüchern, das eine ohne Zeichen, das andere mit Monogramm L T, 1 kleines braunes Portemonnaie mit einem Kettchen
und 20 Pfg. Inhalt, 1 Geldstück im Bureau der städtischen Stenerkasse.
Verloren: 1 Mssaikbrosche, 1 schwarzer Damenregenschirm ohne Griff, 1 graues Stück Leinen mit ausgezeichneter Stickerei für ein Schlafkisschen.
Hanau den 19. April 1900.
Deutschlands zukünftiger Kaiser.
Der herannahende Volljährigkeitstermin hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Person des deutschen Kronprinzen gelenkt. Dem hohenzollernschen Hausgesetze entsprechend, wird der Thronfolger in Preußen mit dem vollendeten 18. Lebensjahre volljährig, d. h. zugleich regierungsfähig für den Fall, daß der Thron erledigt sein sollte.
Der deutsche Kronprinz trägt die Namen Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst, wurde am 6. Mai 1882 in Potsdam im dortigen Marmorpalais geboren und am 11. Mai getauft. Bei diesem Akte waren durch außerordentliche Beauftragte als Pathen vertreten der Kaiser von Oesterreich, der Zar, König Albert von Sachsen, König Humbert von Italien, König Leopold von Belgien, der Großherzog von Sachsen- Weimar, der damalige Großherzog von Sachsen-Coburg und die Königin Viktoria von Großbritannien.
Der junge Prinz wurde von frühester Jugend an in strenger Schule erzogen, nicht etwa, daß ihm die elterliche Liebe gefehlt hätte, cs ist bekannt, welch ein schönes, harmonisches Familienleben am Kaiserlichen Hofe herrscht, — aber der Hinblick auf den künftigen Herrscherberuf hat doch auf diese Erziehung sehr nachdrücklich eingewirkt. Der Kaiser, sowie die Kaiserin überwachten diese Erziehung auf das Sorgfältigste ununterbrochen, womöglich täglich mußten die Civil- nnd Militärlehrer des Prinzen Bericht erstatten, und die geistige und körperliche Entwickelung des Kronprinzen nahm unter diesen Umständen den vielversprechendsten Verlauf.
Dèr Prinz hat Energie und festen Sinn, er ist geistig lebhaft und aufgeweckt und doch liegt über der ganzen Erscheinung ein Hauch der an die Kaiserliche Mutter erinnernden, lächelnden Hcrzensgüte und Gemüthsweichheit ausgebreitet. Die blauen Augen blicken mit seelenvollem Glanze in die Ferne; cs scheint, als könnten sie eher in Herzensfreude und in Menschenliebe Heller erstrahlen, als im Zorn, in schwer zu zügelnder, leidenschaftlicher Thatenlust aufflammcn. Reitet der Kronprinz mit seinem Kaiserlichen Vater, so fällt der Unterschied der beiden Fürsten, trotz einer gang unverkennbaren, frappirenden Ähnlichkeit, ohne Weiteres ins Auge. Nur- Wenige haben den Kaiser bei diesen Spazierritten lächeln sehen, oder auch nur mit erhellten Mienen erblickt ; immer kerzengerade, streng gegen sich und gegen Andere, mit unbeweglichen Gefichtsinuskeln, aber scharf und durchdringend um sich spä-
Feuilleton.
Franz non Gandy.
Eine Skizze zu (einem 100. Geburtstage, 19. April.
Von August Hagemann.
(Nachdruck verboten.)
Selbst der gebildete Deutsche pflegt den Reichthum unserer Litteratur zu unterschätzen, weil er, wie natürlich, seine Aufmerksamkeit den ragenden Gipfeln unserer Dichtung zuwendet und darüber so manche liebliche Blume Übersicht, die still im Thale blüht. Zu diesen mit Unrecht Uebersehenen gehört der Freiherr Franz von Gaudp. Wer ihn nicht aus seinen Werken, sondern nur aus der Litteraturgeschichte kennt, der pflegt von ihm kaum mehr zu wissen, als daß er für einen Nachahmer Heines gehalten wird. Und das ist keine Empfehlung. Denn die Nachahmung Heines muß immer hart an die Karrikatur streifen.. Wer sich aber die Mühe nimmt, sich, in Gaudps Werke zu vertiefen, der erkennt, daß Heine freilich nicht ohne Einlluß auf unseren Dichter gewesen, daß aber dieser Einfluß ein erheblich geringerer ist, als man gewöhnlich annimmt. Gaudp ist eine selbständige litterarische Persönlichkeit geblieben; ja, es liegt über seinem Leben wie über seinen Gedichten oft ein gewisser erfrischender Hauch von Originalität, der uns die gelungensten seiner Arbeiten noch heut erfreulich und genußreich macht. ~
Er war der Sprößling einer preußischen Offiziersfamilie; sein Vater war Major, als Franz geboren wurde, und starb als Generalleutnant. In Frankfurt a. O. geboren, mußte der Knabe in seinen frühesten Lebensjahren den häufigen Wechsel der Garnisonsorte mit seinem Vater mitmachen, und so kam von vornherein etwas Unruhiges in seine Jugend. Ein unruhiger Geist aber war das Kind selbst. Gaudp
:! gleichen: mit Balzac. 9iie hat er frei aufathmen können, : und es ist höchst bezeichnend, daß er in den letzten Versen, ) die er vor seinem Tode schrieb, Haus Mors, den Tod, unter > der Gestalt eines Gläubigers zeichnete, der einen Schuldbrief i prüfen tirt. Fast hat cs etwas Rührendes, daß er unter ■ solchen Umständen diesen ewigen Geldjammer in dem hübschen Gedichte „Wo bleibtsmein Geld?" noch humoristisch behandeln
. konnte. Zunächst jedenfalls kostete ihm das „fremde Geld", : wie die taktvollen Römer sagten, nüchterner ausgedrückt: seine Schulden, die Gardelitzen. Von Potsdam wurde er nach Breslau zur Linie versetzt. Die schlesische Zeit Gaudys hat eine gewisse Berühmtheit erlangt durch die viclbcrufenen tollen Streiche, die er damals verübte. Ob er wirklich einem Schneider, der ihn um Bezahlung seiner Rechnung drängte, ein Ohr abgehauen hat, muß dahingestellt bleiben; daß er aber wegen verschiedener Duelle wiederholt nach Bricg, Kosel und Silberberg auf Festung kam, ist zweifellos. Er hatte eine scharfe Zunge, der Satiriker in ihm trat mehr und mehr hervor, und so kam es leicht zu Reibungen. Daß aber schließlich die bittere Ironie in seinem Wesen über den lachenden Humor die Ueberhand gewann, daran war die unglückliche Gestaltung seiner Lebensverhältnisse Schuld, in die er sich ohne eine Verfehlung seinerseits rettungslos verstrickt sah. Im Jahre 1823 starb der Vater. Der Schlag war an sich schon herb genug; den Verlust empfand Gaudp so tief, daß er damals nur noch mit schwarzem Lack gesiegelt hat. Zugleich aber stellten sich die Vermögensverhältnisse der Familie als sehr ungünstige heraus; durch die ungeschickte oder gewissenlose Thätigkeit eines Vormundes wurden sie noch verschlechtert, und als sich Gaudp so als einen völlig mittellosen jungen Offizier sah, hob er das Verlöbniß auf, das ihn an ein geliebtes Mädchen gefesselt hatte. So war er mit einem Schlage allein, arm, unglücklich, — kein Wunder, daß seine Seele bitter ward.
war früh reif, schon in seinem vierten Jahre konnte er Französisch sprechen und lesen; allerdings war das Französische im Vaterhanse fast die Sprache des Umgangs, aber das sich hier ausdrückende Sprachtalent hat Gaudy doch Zeit seines Lebens behalten und bewiesen. Ein merkwürdiges Zeichen seiner frühen Entwicklung ist es, wie zeitig bei ihm gewisse Züge seines Charakters bereits hervortraten. Er war noch ein Kind, als es sich schon ganz deutlich zeigte, daß ein Schalk und ein Kritiker in ihm steckte. Der Schalk äußerte sich in schier zahllosen wilden Streichen, die ihn überall zum Entsetzen seiner Lehrer machten; den Kritiker aber verräth ein von Fedor von Zobeltitz soeben in der „Zeitschrift für Bücherfreunde" veröffentlichtes Tagebuch aus seiner Kinderzeit, in dem er sehr scharf und klar mit sich selbst zu Gericht geht. In ein geordnetes Bett mündete seine Erziehung erst, als er nach Berlin in das Französische Gymnasium un^ dann nach Schulpforta kam. Ein übermüthiger und wilder Scholar blieb er freilich immer und immer wieder mußte ihn seine Mutter mahnen, die köstliche Jugendzeit nicht zu vergeuden. Aber diese köstliche Frau fühlte doch zugleich auch das Ungewöhnliche und Bedeutende im Geist, des Sohnes heraus und hatte ein feines Verständniß für den anscheinend so ungebcrdigen Jungen. Darum war es ein großer Verlust für Gaudp, daß er die Mutter damals verlor; mit dem strengen Vater konnte er in ein so inniges Verhältniß doch nicht treten.
Die Ansicht freilich, daß der Vater ihn gegen seinen Willen zur Ofsizierslaufbahn gezwungen habe, läßt sich nach Zobeltitz' gedachter Veröffentlichung nicht mehr halten. Vielmehr hat Franz von Gaudp eher gegen den Willen des Vaters schon jetzt den Offiziersrock angezogen. Die Laufbahn sollte ihm in mehrfacher Hinsicht schwere Enttäuschungen bringen, ; vor Allem deshalb, weil er immer und immer mit leidiger I Geldnoth zu kämpfen hatte. In diesem traurigen Kampf um i den Mammon muß man Gaudp mit einem Größeren vcr- I