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Hanauer Anzeiger

17. November

Seite 2

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Am L Dezember d. I. findet in hiesiger Stadt gleich­zeitig mit der Volks- und Viehzählung eine Obstbaum- zählung mittelst Zählkarten statt.

Die Besitzer (Pächter, Verwalter rc.) der Gehöfte, Pflanzungen, Gärten, Aecker, Wiesen, Deiche, Chausseen, Eisenbahndämme u. s. w. werden hierdurch ersucht, die An­zahl der auf oder an diesen Oerilichkeiten stehenden Obst­bäume und zwar gesondert nach

Aepfelbâumen,

Birnbäumen,

Pflaumen- und Zwetschenbäumcn,

Kirschbäumen

baldigst zu ermitteln, damit sie dieselben am 1. Dezember d. I. richtig in die Zählbar en einzutragen vermögen.

Hanau den 6. November 1900.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 18410

BekMntmachttng«

Die Arbeiten und Lieferungen zum Verfüllen der unter­irdischen Strecke des Schloßgrabens von der Nordstraße bis einschließlich Namsaystraße sollen öffentlich vergeben werden.

Bcdingungsunterlagen können werktäglich auf dem Stadt­bauamt, Äbthlg. Il, Langstraße 41, von vorm. 10121/» Uhr eingesehen werden.

Versiegelte Angebote mit AufschriftVerfüllen des Schloß- grabens" sind bei der genannten Dienststelle bis Montag den 26. d. Mts., vormittags 11 Uhr, abzugeben, zu welcher Zeit die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt.

Hanau, den 17. November 1900.

Der Stadtbaurath.

Schmidt. 18827

Handelsregister.

1. Bei der Firma G. D. Bracker Söhne in Hanau ist nachträglich eingetragen worden: Der Gesellschafter l i Treusch ist am 1. Oktober 1895 eingetreten.

2. Gelöscht sind folgende Firmen:

a. Jean G. Lorsch in Hanau.

b. Leopold Greif in Hanau

Hanau den 14. November 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 18763

GtfMdM Wd verlorene ^öeiiliÄ m.

Gefunden: 1 10-Markstück. 1 Kneifer mit Nickel- einfassung. 1 schwarzer Damenregenschirm mit gezacktem Horngriff; im Laden bei August Kausel, Philipp-Ludwigs­anlage 17, stehen geblieben.

Vom Wasenmeister am 16. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Bastard, Rehpinscher, mit rothen Abzeichen, m. Gcschl.

Hanau den 17. November 1900.

der Polizeipräsident und der Präsident der Eisenbahndirektion zugegen waren. S. M. der Kaiser in Kürassieruniform entstieg dem Salonwagen, ihm folgten die erbprinzlich meiningenschen Herrschaften. Nach herzlicher Verabschiedung von der Erb- prinzesfin fuhr der Kaiser mit den Erbprinzen von Sachsen- Meiningen in offener Equipage nach der Kürassierkaserne in Kleinburg. Auf der Fahrt ereignete sich an der Ecke der Garten- und Teichstraße ein Zwischenfall. Eine anscheinend geistesgestörte Frau aus dem Publikum warf mit einem kurzen Handbeil in der Richtung des Wagens des Kaisers. Das Beil fiel hinter dem Wagen zur Erde, ohne daß irgend Jemand Schaden genommen hätte. Die Frau wurde sistirt.

* *

Telegramme:

Berlin, 17. Nov. Wie denBerliner Neuesten Nach­richten" von zuständiger Seite mitgetheilt wird, kann das Verfahren in Sachen des Breslauer Zwischenfalles, der an­fangs Anlaß zu stark übertriebenen Gerüchten gegeben hatte, als vorläufig abgeschlossen gelten. Die verhaftete Schnapka ist, wie nunmehr sowohl durch ihre Vernehmung durch den Staatsanwalt als durch die polizeilichen Ermittelungen fest­gestellt wurde, geisteskrank. Allgemein wird die Befriedigung darüber sein, daß das Leben des Monarchen ernstlich nicht bedroht war und daß der Zwischenfall jeder politischen Be­deutung entbehrt.

Wien, 17. Nov. Die gestimmte Presse ohne Unterschied der Parteien drückt ihre ausdrückliche Freude über das Miß­lingen des Attentates auf Kaiser Wilhelm in längeren Leit­artikeln aus. Das Fremdenblatt hebt hervor, daß hier kein Mordanschlag politischer Art vorliegt. DieNeue Freie Presse" und dasNeue Wiener Tagblatt" äußern sich in derselben Weise.

London, 17. Nov. Das Attentat auf Kaiser Wilhelm rief hier lebhafte Theilnahme und Entrüstung hervor. All­gemein herrscht hohe Befriedigung über den mißglückten Anschlag. Der Königin wurde die Nachricht in Windsor durch die Prinzessin Beatrice in schonender Weise mitgetheilt. Obwohl tief ergriffen, ist die greife Monarchin doch gefaßt und sandte sofort an Kaiser Wilhelm einen Glückwunsch ab.

Poris, 17. November. Kurz vor Eröffnung der Kammersitzung wurde das Breslauer Attentat bekannt, welches im Sitzungssaale lebhaft besprochen wurde. Die Regierung hatte um diese Stunde noch keine Meldung erhalten, doch bald erhielt der Minister des Aeußern, Delcaffä nähere De-- peschen, welche sofort dem Elysee mitgetheilt wurden. Auf den Boulevards fanden die Extra-Ausgaben reißenden Ab­satz. Man hörte allgemein Ausdrücke der Befriedigung über das Mißlingen des Anschlages und sehr sympathische Worte für den deutschen Kaiser. Nach dem Eintreffen der ersten Nachricht erschien in der deutschen Botschaft der Protokollchef Crozier, um im Namen Loubets nachzufragen. Der Bot­schafter ließ im Laufe des Tages eingehende Nachrichten nach dem Elysee gelangen.

Die Erkrankung des Z »ren.

Petersburg, 16. Novbr. Ueber den Gesundheitszu- tand des Kaisers wurde heute Vormittag 10 Uhr folgendes Bulletin ausgegeben: Der Kaiser brachte gestern den ganzen Tag befriedigend zu; Abends war die Temperatur 39 Grad, Puls 72 Grad. Nachts schlief der Kaiser hinlänglich gut. Morgens war die Temperatur 38,1, der Puls 68. Das Allgemeinbefinden war sehr gut.;

Berlin, 16. Novbr. DieN. A. Ztg." schreibt:. Die Nachricht einer ernsteren Erkrankung des Kaisers von Ruß­land ruft in weiten Kreisen Deutschlands die herzliche Theil­nahme hervor, die den in unserem Vaterlande für den edlen Monarchen gehegten Synpathien entspricht. Glücklicher Weise berechtigen die bisherigen Meldungen über den Verlauf der Krankheit zu der Hoffnung, daß unsere warmen Wünsche 'ür die baldige Genesung des befreundeten Herrschers in Er- üllung gehen.

q-

Telegramm:

Berlin, 17. Novbr. DerLokal-Anzeiger" meldet ans Kopenhagen: Da die letzten hier eingetroffenen Nach­richten über des Befinden des Zaren günstig lauten, hat der Thronfolger die Rückreise aufgeschoben und wird dieselbe gemeinsam mit der Zarin-Mutter antreten.

Feld-Post- und Tel, grammverkehr nach Ostasten.

Jm Interesse der Anverwandten von Marineange­hörigen (Schiffsbesatzungen und Seebataillone) werden nachstehend nockmals alle über den Feld-Post- und Telegramm­oerkehr nach Ostasien erlassenen Bestimmungen zusammen- gefaßt.

Die gleichen Bestimmungen gelten auch für die in Ost­asten befindlichen Angehörigen der Armee und der freiwilligen Krankenpflege. (Für die Offiziere und Mannschaften der nicht in Ostafien, sondern auf anderen auswärtigen Sta­tionen befindlichen Kriegsschiffe gelten nach wie vor die all­gemein für Personen der Schiffsbesatzungen der außerhalb bei teutschen Reichs befindlichen Kriegsschiffe erlassenen Bestim­mungen. Die Adresse für Briefe lautet für diese also nicht Feldpostbrief", sonderndurch Vermittelung des Hofpostamts Berlin.") Es empfiehlt sich, die nachstehend gegebenen Be­stimmungen auszuschneiden und aufzuheben.

Postverkehr nach Ostasten.

g,. B r i e f v e r k e h r.

Die Feldpost befördert gewöhnliche Briefe bis zu 50 g (das ist etwa ein Kouvert und sechs mittelstarke Brief­bogen) und Postkarten portofrei.

Mißglückter Attentatsversuch auf den Kaiser.

Gegen Kaiser Wilhelm ist gestern Mittag in Breslau, wo er kurz vorher aus Trachenberg eingetroffen war, ein Attentat versucht worden, das glücklicherweise ohne jed n El folg geblieben ist. Durch Extrablätter haben wir bereits gestern Nachmittag die uns zugegangenen Telegramme ver­breitet. Die Einzelheiten des Vorfalls, durch welche alle im ersten Augenblick gehegten Befürchtungen für die Person des Monarchen zur Freude des ganzen Volkes hinfällig werden, lauten:

Breslau, 16. Novbr. Als der Kaiser heute Mittag um S/U Uhr nach seiner Ankunft auf dem Oberschlesischen Bahnhöfe mit dem Erbprinzen von Sachsen-Meiningen in einem offenen Wagen die Fahrt durch die Stadt antrat und eben an der Ecke der Garlenstraße angekommen war, warf eine Frau ein Beil, das sie bis dahin in ein Tuch eingewickelt hatte, nach dem Kaiser. Das Beil flog gegen den Kaiserlichen Wagen und fiel unter diesem zur Erde, ohne irgend welchen Schaden angerichlet zu haben. Die Frau wurde sofort von mehrer n Herren aus dem Publikum fefigenommen und schutz- leuten übergeben, die sie nach dem riahe gelegenen Polizei- Revier Nr. 14 in der Ernststraße brachten. Auf dem Wege dorthin sprach sie fortwährend von Leuten, die sie aufgehetzt härten: N@r hat mich ja geheißen," rief sie. Sie wurde nach kurzem Verhör auf dem Revier dem Polizei-Präsidium zu- gefübrt.

Breslau, 16. Novbr. Das von der Frau geschleuderte Beil prallte am Hinterrad des Wag ns ab. Als die Thäterin sich bückte, um es wieder aufzuheben, wurde sie ergriffen und verhaftet. Das Beil ist in den Händen der Polizei. Der Kaiser fuhr in sichtlich ernster Stimmung nach der Kürassier- kaserne weiter.

Breslau, 16. Novbr. Die verhaftete Frauensperson heißt Selma Schnapke ; sic stand in der vordersten Reihe des Publikums, auf der Seite des Wagens, wo der Erbprinz von Meiningen saß. Als der Wagen vorbeifuhr, schleuderte sie daS kurze Beil nach demselben; das Beil prallte vom Wagen ab und fiel unmittelbar dahinter nieder. Die Menge stürzte sich auf die Frau, welche Schutzleute sogleich festnahmen. Die Frau ist eine Breslauer Händlerin ; die vorläufigen amtlichen Ermittelungen ergaben, daß sie offenbar geistes­gestört ist.

Halbamtlich wird folgende Darstellung des Vorfalles gegeben :

Breslau, 16. Novbr. Der Kaiserliche Sonderzug tra um 12/* Ugr auf dem Oberschlesischen Bahnhof ein, woselbst

Für Briefe über 50 g bis zu 250 g werden 10 Pfg. als Porto erhoben.*) Die Briefe müssen vom Absender fran- kirt sein.

Die Adresse muß enthalten:

1. den VermerkFeldpostbrief",

2. Name und Dienstgrad des Empfängers,

3. genaue Bezeichnung des Kriegsschiffes oder Truppen­theils, zu dem der Empfänger gehört.

Beispiel.

^F e l d p o st b r i e f."

An

den Obermatrosen Heinrich Schmidt

S. M. S.Hansa".

Es ist nicht nöthig, eine Ortsbezeichnung beizu­fügen. Formulare für Feldpostkarten werden bei den Postan­stalten zum Preise von 5 Pfennig für 10 Stück verkauft.

b. Telegrammverkehr.

Telegramme von hier nach Ostasien müssen in offener Sprache (keine verabredeten Kodexworte) abgefaßt sein.

Dafür gelten folgende Vergünstigungen :

1. Die ganze Adresse gilt nur als ein Wort.

2. Es wird nur d ie Hälfte der tarif­mäßigen Gebühr erhoben.

Die volle tarifmäßige Gebühr für ein Wort nach Ost- asiatischen Häfen beträgt etwa 5.75 Mk.

Die Adresse ist ebenso abzufassen wie bei den Feldpost­briefen, nur daß statt des Vermerks :Feldpostbrief" der Ver­merkFcldtelegramm" tritt.

Beispiel:

Feldtelegram m."

Seesoldat Ernst Huber.

3. Kompagnie I. Seebataillon.

c. Packeèverkehr.

Die Feldpost befördert Pallete an die in Ostasien befind­lichen Truppen (Angehörigen der Marine und Armee) unter folgenden Bedingungen:

1. Das Gewicht darf 21/« kg ( 5 Pfund nicht über­steigen.

2. Größe des Packeis . nicht erheblich über: Länge 35 cm, Breite 15 cm, Höhe 10 cm (etwa die Größe einer Cigarrenkiste).

3. Verpackung in Kistchen oder h a l t b a r e n Kartons, recht dauerhaft mit Umhüllung in haltbarer Leiuwand oder Wachsleinwand und mit fester Ver­schnürung.

4. Die Aufschrift ist so herzustellen, daß auf die Sendung eine Felopostkarte mit genauer Adresse (wie beim Feldpostbrief) haltbar aufgeheftet oder aufgeklebt wird. Dabei ist der Absender und der Inhalt der Sendung anzugeben.

Beispiel:

F e l d p o ft k a r t e."

An

den Maschinistenmaaten

Friedrich Wiebe, S. M. S.Gefion".

Absender: Karl Wiebe, Bitterfeld:

Inhalt: Unterkleider.

Das Porto beträgt 1 Mark. Die Sendung muß fr a n k i r t sein.

Ausgeschlossen von der Versendung mit Feldpostpacket sind: Flüssigkeiten, Sachen, die dem schnellen Verderben unterliegen (Lebensmittel), zerbrechliche und leicht entzündliche Sachen. Waffen und Kriegsmaterial werden nur dann be­fördert, wenn die Bescheinigung einer deutschen Behörde vor­liegt, daß dieselben für die deutschen Streitkräfte in Ostasien bestimmt sind.

d. Geldsendungen.

Postanweisungen und Werthpapiere bezw. Werthpackete an Angehörige, der Marine in Ostasien werden durch die Feldpost noch nicht befördert. Will man an diese Geld senden, so kann es etwa auf folgende Weise gemacht werden:

Das Geld wird mit Postanweisung oder Werthbrief an eins der deutschen Postämter in Ostasien (Shanghai, Tschingtau, Tschifu, Tientsin, Peking) postlagernd geschickt. Zugleich wird der Adressat mit Feldpostbrief benachrichtigt, daß Geld an ihn abgesendet sei. Dieser müßte dann entweder selbst oder durch eine bevollmächtigte Mittelsperson das Geld vom Postamt abheben. Bei dem häufigen Wechsel des Aufenthaltsorts der Kriegsschiffe ist dies Verfahren jedoch für die Schiffs­besatzungen nicht zu empfehlen. Hierfür empfiehlt sich das gewöhnliche Verfahren im Verkehr mit den Nuslandsschiffen. Der Adresse ist also zuzusetzen:

Durch Vermittelung des Hofpostamts in Berlin".

Das Porto ist bei Sendungen an Offiziere und an die im Osfizicrrange stehenden Marinebeamten

die für inländische Postanweisungen festgesetzte Gebühr, bei Sendungen an Mannschaften

für eine Postanweisung bis 15 Mark: 10 Pfennig, für Postanweisungen auf höhere Beträge die gewöhnliche Gebühr für inländische Postanweisungen.

Die Postanweisungen dürfen außer der Aufschrift und der Angabe des NamenS und des Wohnorts bezw. der Wohnung des Absenders andere Mittheilungen nicht ent­halten, da sie nur als Grundlage für die Uebermittelung des Betrages dienen, dem Empfänger aber nicht ausgehändigt werden. Die Bezeichnung des Absenders ist aber nothwendig-

*) Mannschaftsbriefe in einem Gewicht von 51 bis 60 g, welche Angehörige der in Ostasien befindlichen Schiffsbcsatz ungen gertql« sind, kosten ebenso wie die gleichen Briefe, welche an Angehörige der «e- satzung von nicht in Ostasien, sondern auf anderen auswärtige« Stationen befindlichen Schiffen gerichtet sind, nur 10 Pfg. Porto.