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Die einzelne

Stummer kostet

10 -A

Nr. 114.

UtsnnementS- Preis:

Jährlich 9 yM.

H«Ljährl. 4 v« 50 ^. Vierteljährlich 2 y* 25 ^

Für auswärtige #onntnttn mit dem betreffenden Postauffchtag.

Amtliches Argan für Htaöl- unö LanöKreis Hanau.

Einrülknngs' gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ägespaltene Garmond» zcile oder deren Rau«, für Auswärts 15 4.

Im Reklamentbtil die Zeile 20 .j, für AuSwârt« 30 4

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mittwoch den 16. Mai

1900

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 31. HMMaMMM Illi HMIiâaBB BBMBHI

Amtliches.

Bekanntmachung.

Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wildungen eine Postanstalt mit Telcgraphenbetricb als Zweigstelle des Postamts in Wildungen Stadt unterhalten werden.

Eaffel den 8. Mai 1900.

Kaiserliche Ober - Postdirektion.

I. V.: Schreiner.

SI^Hkâ^or-s ^anavu

Die zwischen den Häusern Nr. 23 und 25 der Markt- Zaffe liegende, in der Richtung auf die Bangertstraße hin­ziehende und durch eine Mauer nach der Marttgasse abge- schloflene Grundstücksparzellc, Karte H Nr. 15, soll als öffentlicher Weg eingezogen werden. Gemäß § 57 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 fordere ich hier­durch auf, etwaige Einsprüche gegen die beabsichtigte Ein­ziehung zur Vermeidung des Ausschlusses binnen vier Wochen, vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei mir geltend zu machen.

Hanau den 3. Mai 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 3807 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Handelsregister.

1. Neu eingetragen sind:

a. die Firma Fritz Houy & Hugo Thaut, offene Handelsgesellschaft in Hanau und als ihre Inhaber der Emaillemaler Fritz H o u y in Hanau und Emaillemaler Hugo Thaut in Hanau;

d. die Firma F r ied rich Keunecke in Hanau und als ihr Inhaber der Bauunternehmer Friedrich Keunecke in Hanau;

c. die Firma Fried rich Rumpf in Hanau und als ihr Inhaber der Bauunternehmer Friedrich Rumpf in Hanau.

2. Bei der Firma Eduard Zahn, Hanauer Senf-Fabrik in Hanau, ist eingetragen: Das Geschäft ist auf den Kaufmann Richard Zahn in Hanau übergegangen, der es unter der alten Firma fortführt.

3. Gelöscht sind folgende Firmen:

a. Louis Kronenberger in Hanan,

b. C. Schulz in Hanau.

Hanau den 15. Mai 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 8050 Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 2 goldene Anhänger, darstellend 2 Porte­monnaies, 1 goldenes Armband, 1 Jnvalidenkarte, lautend auf Margaretha Morlock aus Hanau.

Verloren: 1 goldener Manschettenknopf, gcz. P.

Hanau den 16. Mai 1900.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 15. Mai.)

Zweite Berathung der Militärstrafgerichtsordnung für Kiaulschou. Zu Paragraph 2 beantragt Abg. Basser­mann (utl.) einen Zusatz, wonach das Gesetz bis zum 1. Januar 1906 Gültigkeit habe. Der Antrag wird ange­nommen. Der Rest des Gesetzes wird in der Fassung der Regierungsvorlage erledigt. Es folgt die zweite Berathung des Seeunfallversicherungsgesetzes. Ueber einzelne Paragraphen entspinnen sich längere Debatten. Der Rest des Gesetzes wird dann debattelos angenommen; ebenso eine Resolution: zu erwägen, ob und wie über die in den Schutzgebieten des Deutschen Reiches und im Auslande in deutschen Betrieben beschäftigten deutschen Betriebsbeamten und Arbeitern eine Unfallversicherung einzuführen ist. Die vorliegenden Petitionen werden für erledigt erklärt. Morgen 1 Uhr dritte Lesung der Militärstrafgerichtsordnung für Kiautschou. Rechnungssachen. Nachtragsetat und Unfall­fürsorge für Gefangene. Abg. Rickert bittet den Präsidenten, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung das Münzgesetz zu setzen. Der Präsident erklärt, er habe in Aussicht genommen, dem Hause vorzuschlagen, sobald ein passender Moment sich findet und er werde sich finden, das Münzgesetz auf die Tagesordnung zu setzen. Schluß nach halb 6 Uhr.

Preußischer LZudtag. Abgeordnetenhaus. (Sitzung vom 15. M ai.)

Am Ministertische: von Thielen.

Präs. v. Krücher übermittelt dem Hause den Dank des Kaisers, der Kaiserin und des Kronprinzen für die von ihm mit dem Vorstande denselben überbrachten Glückwünsche an­läßlich der Feier der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen

am 6. Mai. Auf Antrag der Geschäftsordnungskommisflon wird das Mandat des Abg. Sch wecke ndieck durch dessen Ernennung zuni Wirkl. Geh. Ober-Regierungsrath für nicht erloschen erklärt.

Sodann gelangt die folgende Interpellation der Abgg. Dr. Hirsch und Krieger-Königsberg (fr. Vp.) zur Er­örterung :Welche Maßregeln beabsichtigt die Königliche Staatsregierung zu ergreifen, um die durch die Versandung verursachte Sperrung des Memèl er Hafens, durch welche der Handel und die Schifffahrt Memels und die Lcbensintcresscn ihrer Einwohnerschaft gefährdet werden, zu beseitigen und deren Wiederkehr für die Zukunft zu verhüten?" Minister ».Thielen erklärt sich bereit, die Interpellation sogleich zu beantworten. Zur Begründung derselben erhält zunächst das Wort Abg. Krieger-Königsberg (fr. Bp.), dessen Ausführungen aber im Zusammenhänge unverständlich bleiben. Er schildert die durch die Versandung hervorge- rufcneu Mißstände; es sei nur noch eine schmale Fahrrinne mit etwa 4 m Tiefe vorhanden. Wenn sich zwei Schiffe be­gegneten, so könnten sie sich nur schwer ausweichen. Das beste Mittel, um solchen Kalamitäten für die Zukunft zu be­gegnen, würde der Ausbau der Südermole sein. Seine Freunde würden daher für den von konservativer Seite ein­gebrachten Antrag stimmen, der diesen Ausbau fordere. Minister von Thielen legt dar, daß fast alle unsere Ost­seehäfen mehr oder minder der Versandung ausgesetzt sind. In Memel lägen die Verhältnisse besonders ungünstig, weil der seewärts gehende Strom nur schwach sei. Dort sei man daher auf künstliche Mittel angewiesen. Es seien auch dort bis zum vorigen Herbst zwei Bagger stationirt gewesen, die hohe Kosten verursacht, aber auch gute Dienste geleistet hätten. Den besonders sturmreifen Zeiten im vorigen Herbst seien diese Bagger aber nicht gewachsen gewesen und er habe des­halb einen Bagger nach neuem System hingesandt, der drei Monate gearbeitet habe. Im Frühjahr mußte aber der neue Bagger einer Reparatur unterzogen werden, und gerade in dieser Zeit trat eine neue, noch schwerere Versandung ein. Inzwischen ist aber der neue Bagger bereits wieder im Hafen von Memel eingetroffen und hat die Arbeit wieder ausge­nommen. Es sei bereits wieder eine Tiefe von 5,20 Dieter erreicht. Die Regierung werde sich damit aber nicht begnügen. Sie habe bereits Auftrag zur Aufstellung des Projekts für eine Verlängerung der Südermole gegeben. Es sei aber be­reits jetzt mit dem Finanzminister ein Einverständniß darüber erzielt worden, daß noch im Laufe dieses Sommers mit den laufenden Mitteln der Bau begonnen werden soll. Die Interpellation ist damit erledigt.

Es folgt die Berathung des folgenden Antrages des Abg. Krause-Dewillen (k.)die Königl. Staatsregierung zu er-

Feuilleton.

Vom Vesuv und feiner Geschichte.

Bon Dr. Bernhard Wagner.

(Nachdruck verboten.)

In den jüngsten Tagen hat seit langer Zeit zum ersten Male wieder der alte Feuerriese am Golfe von Neapel von sich hören lassen. Länger als ein Vierteljahrhundert hat er nun mit leidlicher Ruhe auf das lachende Land und die sorg­losen Menschen zu seinen Füßen herabgeblickt ; jetzt aber hat ihn wieder einmal die alte Cyklopenwuth erfaßt, und sein fauchender Athem, auf Meilen weit hörbar, scheuchte die Be­wohner des glücklichen Campanicns jâh aus ihrer Sorglosig­keit auf. So haben die Menschen hier immer zwischen leich­testem Lebensgenuß und jäher Verzweiflung geschwankt; zwischen Gott und Satan eingespannt nennt sie darum mit einem drastischen Ausdrucke Lord Byron. Der herrlich ge­formte Feuerberg, der als das weithin sichtbare Wahrzeichen der Gegend hart am Gestade der See aufragt, ist zugleich der Segen und der Fluch der ganzen Gegend. Seinen Pro­dukten verdankt sie ihre üppige und unerschöpfliche Fruchtbar­keit; zu den Füßen des Berges und selbst bis zu seiner halben Höhe ziehen sich köstliche Orangenhaine hin und jene gesegneten Weingärten in denen u. a. die weltberühmten Lacrymae Christi wachsen. Lachende Dörfer und Paläste, be­lebte Häfen, würdige Kirchen vervollständigen dies einzige Bild von Schönheit und Segen, das einst schon die wandern­den Griechen und Phönizier entzückte und zu Niederlassungen veranlaßte, und später ebenso die Römer und die Normannen begeistert hat. Aber den ältesten Ansiedlern in der Nachbar­schaft des Vesuvs, von denen uns die Geschichte erzählt, galt der Derg wahrscheinlich durchaus nicht als. eine Gefahr.

ganzen Furchtbarkeit jener Katastrophe doch auch andererseits wieder eine gewisse Empfindung spüren, die dem Danke ähn­lich genug sieht.

Die Katastrophe kündigte sich bereits 16 Jahre früher an. Ein schweres Erdbeben im Jahre 63 war das erste Zeichen, daß der Cyklop aus seinem vielhundertjährigen Schlafe zu er­wachen sich anschickte. Ties Erdbeben richtete schweren Schaden an und zerstörte in den Städten am Fuße des Vesuvs überaus zahlreiche Gebäude. So besonders in Pom­peji, wo man noch heut an zerrissenen Mauern und gestürzten Säulen die Spuren des Erdbebens vom Jahre 63 erblickt, auch viele herbeigeschaffte Materialien sieht, die zur Aus­besserung des Schadens bestimmt waren. In Neapel sang gerade der Kaiser Nero an einer öffentlichen Bühne, als in­folge des Erdstoßes zahlreiche Gebäude einstürztcn. Die Menschen auf und am Vesuv hatten in wildem Schrecken eilends ihre Wohnungen verlassen; aber bald erholten sie sich von ihrer Angst, kehrten in ihre Häuser zurück, reparirten bie entstandenen Schäden und lebten sorglos weiter in den Tag hinein.

Da trat im August des Jahres 79 die Katastrophe selbst ein. Ueber dieses Ereigniß sind später wundersame Mären verbreitet worden. Da sollten vor dem Ausbruche riesenhafte Gestalten von schreckhaftem Ansehen in den Lüften sichtbar ge­worden sein, und die Asche des Vesuvs soll bis nach Syrien und bis nach Egypten geflogen sein. Zum Glück sind wir ja über das unerhörte Ereigniß bekanntlich durch jene beiden Briefe des jüngeren Plinius unterrichtet, der der Katastrophe selbst nur mit Mühe entgangen ist und dabei feinen Oheim verloren hat, der damals das Kommando der Flotte zu Misenum führte. Er hat diese beiden Briefe an den Geschichtsschreiber Tacitus gerichtet, und im ersten den Tod seines Oheims anschaulich geschildert, der, von wissen­schaftlicher Neugier und dem Wunsche zu helfen getrieben

Wenigstens war es in den Zeiten der Nönier die allgemeine Ansicht, daß der Vesuv als ein erloschener Berg anzusehen sei. So bemerkt der Geograph Strabo, die Farbe und Be­schaffenheit des Gesteines des Vesuvs legten den Gedanken nahe, daß der Berg einstmals einen glühenden Feuerherd in seinem Schooße geborgen habe.Der Vulkan ist erloschen, nachdem alle brennbaren Stoffe seines Inneren aufgezehrt waren." Im selben Sinne sagt Diodor von Sizilien, der Vesuv habe in vergangenen Zeiten, wie der Aetna, Feuer ge­spieen, und zeige noch viele Spuren alter Ausbrüche. Daraus ergibt sich also, daß der Vesuv damals viele hundert Jahre geruht hatte und daß die Vorstellung, als ob er eine Gefahr für die Menschen in sich berge, in den Geistern der Menschen längst erstorben war. Nirgends hatte sich in Italien eine so üppige und reiche Kultur entwickelt, als gerade hier auf den fruchlbaren Gefilden am Fuße des Feuerberges.

Furchtbar war das Erwachen aus diesem Wahn. Es war die berühmte Katastrophe i. J. 79 nach Christus, die der Vorstellung von der Friedfertigkeit des Vesuvs ein Ende mit Schrecken bereitete. Seit dieser Zeit hat der Vesuv mehr als 50 Eruptionen gehabt, und manche von ihnen waren von den schwersten Folgen begleitet; aber jener Ausbruch, der die blühenden Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiä mi? Tausenden von Menschen begrub und zerstörte, ist doch die tragischste aller Vesuv-Katastrophen geblieben. Und selbst, wenn was Gott verhüten möge! ein Unglück von gleicher Größe und gleicher Art sich je wiederholte, so würde doch der Ausbruch vom Jahre 79 in der Erinnerung der Menschen deshalb immer einen bevorzugten Platz behalten, weil durch ihn uns ja das Leben des Alterthums gleichsam in der Erstarrung des Momentes bis zum heutigen Tage in unvergleichlicher Ursprünglichkeit erhalten worden ist. Wer durch die stillen Straßen des einst so belebten Pompeji heut dahinwandelt, der muß neben dem lebendigen Gefühle der1