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Freitag den 14. September

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Bekanntmachung.

Bei der Kreiskommunalkasse und der Stadthaupikasse hier- selbst sind MM Besten der nach China entsandten Truppen folgende Beträge weiter eingegangen und an die Königliche Hauplseehandlungskassc zu Berlin abgeführt worden:

Aus der Gemeinde Hochstadt 28,50 Mk., Bergen 134,70 Großkrotzenburg 114,60 Ostheim 113, M Ravolzhausen 45, Oberdorfelden 25,50 Hüttengesäß 12, Summa 473,30 Mk.

Hanau den 11. September 1900.

Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Rothen Kreuz zu Hanau.

I. V.: v. S ch e n ck.

Gesrulderre und verlorene Gegenstände etc.

Verloren: 1 Bröschchen mit Gcmmer in Gold ein­gefaßt.

Entlaufen: 1 männlicher, weißer Jagdhund mit schwarzen Abzeichen und mit einem Halsband mit dem Namen Leutnant v. Papen II.

Hanau den 14. September 1900.

Sozialdemokratie und Wirthschaftspolitik.

Die mit der Parteileitung in engem Zusammenhänge stehende sozialdemokratische Presse gibt die Parole aus, daß die Sozialdemokraten innerhalb und außerhalb des Reichs­tages, wie sie auch in anderen Fragen mehr und mehr an der Spitze der Opposition gegen die Regierungspolitik ge­standen hätten, so auch inbezug auf die Bekämpfung der Politik des Schutzes der nationalen Arbeit bei der Neuord­nung unserer Handelsbeziehungen zum Auslande die Füh­rung zu übernehmen hätten. Die Verhältnisse »er freihänd­lerischen Gruppen innerhalb der bürgerlichen Parteien be­rechtigten leider nur zu sehr zu der Annahme, daß die Sozial­demokratie in der Lage sein wird, diese ihre Absicht zu ver­wirklichen. Die Freisinnige Vereinigung, welche in Heeres­und Flottenfragen einen von der Sozialdemokratie grundver­schiedenen Standpunkt einnimmt, umschmeichelt in ihrer Presse jetzt die Sozialdemokratie so geflissentlich, daß man angesichts der Leidenschaftlichkeit, mit welcher gerade in dieser Gruppe Freihandelspotitik getrieben wird, mit Bestimmtheit darauf rechnen kann, auch diese Gruppe werde bei den bevorstehenden

handelspolitischen Kämpfen der Führung der Sozialdemokratie willig folgen. Wenn diese sich f« geflissentlich in den Vorder­grund der Opposition gegen eine wirklich nationale Wirth- schaftSpolitik stellt, so ist dabei zweifellos weniger die Hoffnung, die Wege dieser Politik ernstlich durchkreuzen zu können, maß­gebend, wie der Wunsch, als besonders eifriger Vertreter der Arbeitcrinteressen zu erscheinen und demzufolge mehr Popu­larität in diesen Kreisen zu gewinnen, als die bürgerliche Demokratie. Obwohl Niemand in Wirklichkeit ein größeres Interesse an der Durchführung der Politik des Schutzes der nationalen Arbeit hat, als der deutsche Arbeiter, wird er be­kanntlich von allen frcihändlerischcn Richtungen gleichmäßig mit der Aussicht auf Verbilligung seines Verbrauchs geködert, und es ist klar, daß die Sozialdemokratie die Früchte dieser Taktik in erster Linie für sich nicht nur einheimsen will, sondern auch alle Aussicht hat, diese ihre Absicht zu verwirk­lichen. Für die lebhafte Bekämpfung jedes wirksamen Schutzes der heimischen Landwirthschaft liefern die sozialdemokratischen Parteitage freilich noch andere Gründe. So ist auf dem letzten Parteitage der österreichischen Sozialdemokraten offen ausgesprochen worden, daß die Sozialdemokratie keine Aus­sicht habe, jemals die in gesunden wirthschaftlichen Verhält­nissen lebenden Bauern für sich zu gewinnen, mit der ent­schiedenen Gegnerschaft derselben vielmehr dauernd rechnen müsse. Nur solche Bauern, welche sich in wirthschaftlichem Verfall befinden, und demzufolge der Gefahr der Proletari- sirung auSgesetzt sind, ließen sich für die sozialdemokratische Propaganda gewinnen. Das sozialdemokratische parteiintern esse ist daher mit einem gesunden und kräftigen Bauernstande nicht wohl vereinbar, es erheischt vielmehr die wirthschaftliche Zerrüttung des ländlichen Mittelstandes. Erst dann würde hier der Boden für die Ausbreitung des sozialdemokratischen Einflusses geebnet werden. Je energischer daher alle wirk­lichen Freunde des landwirthschaftlichen Mittelstandes einen wirksamen Schutz desselben gegen übermächtige Auslands­konkurrenz befürworten, um so leidenschaftlicher bekämpfen die Sozialdemokraten jede Zollmaßregel im Interesse der heimischen Landwirthschaft. Mag diese Politik den Ruin zahlreicher wirthschaftlicher Existenzen zur Folge haben; das ist für die Sozialdemokraten gleichgiltig, wenn dabei nur ihre eigenen Parteibcstrebungen gedeihen. Aus ganz ähnlrchen Erwägungen bekämpft die Sozialdemokratie alle Bestrebungen, welche auf Erhaltung und Kräftigung bei gewerblichen Mittelstandes abzielcn. Der selbständige Gewerbetreibende ist eben, so lange er sein ordentliches Fortkommen findet, den sozialdemokratischen Bestrebungen ebenso wenig zugänglich wie der Bauer. Gerade aber an diesem Verhalte« der Sozialdemokraten erkennt man, von wie hervorragend staatserhaltender Natur und Bedeutung die auf die Erhaltung und Kräftigung bei Mittelstandes in

Stadt und Land gerichtete Politik der Regierung ist unb'wi sehr insbesondere der wirksame Schutz der nationalen Arbeit auch als Mittel zur Erhaltung des inneren Friedens und der inneren ©târte unseres Volkes dient.

Ueber die Wirren in China liegen heute recht wichtige Nachrichten vor, von denen wir zunächst folgende registriren:

Berlin, 13. Septbr. DemLokal-Anzeiger" wird aus Shanghai tclegraphirt: Aus Nanking wird gemeldet, daß der von Kaiser Wilhelm kund gegebene Entschluß, Vergeltung zu üben, unter den Vizekönigen der Dangtse-Provinzen eine große Panik verursachte. Man befürchtet dort Operationen seitens Deutschlands und anderer Mächte gegen die Nangtsc- forts. Der deutsche Vertreter stellt sich unfreundlich "zu den Vizekönigen, sodaß es ihnen gerathen erschien, Kricgsvor- bereitungen zu treffen. Die chinesischen Kanonenboote werden dementsprechend mit Munition und Lebensmitteln versehen. Täglich treffen große Mengen von Reis ein. Die Garnisonen von Kiangyin und von Euhu wurden um einige tausend Mann verstärkt. Der Tao-Tai von Nanking gab Befehl zur Aushebung von 3000 Mann. Eine gleiche Zahl wird unter den Salsschmugglern rckrutirt, deren Chef zum Kommandeur von 30 Kriegs-Dschunken ernannt wurde. Unter den Euro­päern herrscht die Meinung vor, daß, solange die Aangtse- forts nicht zerstört sind, an Frieden nicht zu denken sei. Das KriegsschiffSeeadler" passirte klar zum Gefecht Nanking. Die Mandarinen erkennen Tuans Autorität an, weil sie seine Rache fürchten. Prinz Tsching befindet sich in Peking, um die Verhandlungen cinznleiten. General Aung-lu ist im Ge­folge des Kaisers in Tatung-fu in der Provinz Schaust. Die Kaiserin lehnte es ab, Tatung-fu zu verlassen.

Berti»», 13. Septbr. Aus Shanghai liegt folgendes Telegramm der ostasialischen Nachrichten-Expedition des deut­schen Flotten-Vereins vor: Li - Hung - Tschang hat heute Morgen nachstehendes Telegramm der russischen Siegierung erhalten: Die russische Regierung stellt folgendes Ultimatum: Der Kaiser von China soll die Regierung wieder selbst übernehmen, soll seinerseits sofort für Verhaftung und Bestrafung des Prinzen Tuan und der übrigen 'Boxer­führer Sorge tragen und den Einfluß der Kaiserin auf die Regierung auSschlicßcn. Li-Hung-Tschang hat außer der ersten Bedingung diese Vorschläge als unannehm­bar erklärt und seine Abreise von Shanghai nach dem Norden aufgegeben.

Berlin, 13. Septbr. Feldmarschall Graf Waldersce ist gestern Nachmittag auf derSachsen" in Singapore einge- lroffen. Man darf annchmen, daß die Reise heute fortgesetzt

Feuilleton.

Hamburger Thcaterlebcu.

Hamburg, 12. September.

Der große Theatertag von Hamburg bricht an. Von allen Seiten werden sie kommen, die Bühnendichter, die Künstler, die Intendanten, die Direktoren und die Journalisten, um der heute vor einem geladenen Publikum in Form einer Generalprobe stattfindenden Eröffnung des neuen Schauspiel­hauses beizuwohnen. An und für sich ist eigentlich die Er­richtung eines neuen Theaters nur ein künstlerisches Ereigniß lokaler Natur; die Eröffnung des Hamburger Schauspiel­hauses jedoch findet eine allgemeine Theilnahme, und diese ist in erster Reihe der Persönlichkeit des künstlerischen Leiters dieses Instituts, sowie der Thatsache zuzuschreiben, daß auS Deutschlands größter Handelsstadt auch eine maßgebende Theaterstadt geworden ist. Im8. L.-A." finden wir nun folgende Plauderei:

Hamburgs erste Bühne, die mit den Namen und. Thaten eines Lessing und eines F. L. Schröder eng verknüpft ist, hat im Verlaufe der Jahrzehnte Wandlungen von höchster künstlerischer Blüthe bis zum tiefsten künstlerischen Verfall er­lebt. Man mag über Pollini urtheilen, wie man wolle, das Verdienst ist ihm nicht abzusprechen: er hat die arg zer­fahrenen Hamburger Theaterverhältnisse gehoben, er hat ein Stadttheater geschaffen, das den Charakter eines reichsubven- tionirten, großen Hoftheaters trug. Er hat die besten Künstler herangezogen, die höchsten Gagen bezahlt und namentlich auf dem Opernmarkte alle Novitäten erworben, er hat Geld ge­sät, um Geld zu ernten. Nach seinem plötzlichen Tode ent­stand um die Uebernahme der Hamburger Theater ein Wett­streit unter Deutschlands großen Bühnenleitern. Bittong und

Abonnemeniszeichnungen für die Stadtthcaier und das Thalia- Theater bedeutend gestiegen; hierin liegt einerseits eine An­erkennung der Direktion Bittong-Bachur, andererseits aber auch der Beweis, daß eine Stadt von der Größe und dem Reichthi m Hamburgs ein neues, vom modernen Geiste durch­wehtes Schauspielhaus nicht nur vertragen, sondern wahr­scheinlich auch brauchen kann.

Die Abonnementsziffern sind für deutsche Privattheater- verhältnisse geradezu märchenhaft, sie kennzeichnen das In­teresse und die Wohlhabenheit der Hamburger Theaterfreunde; für das Stadttheater sind bisher zu dieser Saison aus Abonnements zirka 550 000 Mark, für das Thalia-Theater zirka 250 000 Mark gezeichnet, und dabei sind die Abonne- mcntslisten noch nicht geschlossen. Der Zuschauerraum des Stadttheaters, mehr noch des Thalia-Theaters trägt eine solid bürgerliche, ruhig vornehme Physiognomie, die dem Abonne­ments-Verhältnisse entspringt; denn die ersten Familien haben ganze Logen abonnirt, von denen einzelne gegen 10 000 Mark pro Saison kosten.

Ganz besonders markant tritt diese Physiognomie im Thalia-Thearer hervor, das schon durch seine einfach-noble Intimität Stimmung verbreitet. Hier sitzen reihenweise Mütter mit ihren jungen Töchtern, hier herrscht jener Councx zwischen Bühne und Zuschauerraum, der im Interesse der Darstellung und der Zuhörer so nothwendig ist. Hier werden die Liebhaber und Liebhaberinnen in allen Ehren angeschwärmt, nach der Vorstellung am Ausgang erwartet und mit Zurufen und Tücherwehen begrüßt. Und nun gar erst ein Benefiz- abend. Die Benefize, die selbst die kleinen Stadttheater ab­geschafft haben, sind hier traditionell, ihr Ausfall würde eine Lücke im Hamburger Theaterleben bilden. Diese Ehrenabende finden nur an den Donnerstagen statt, und obgleich der Donnerstag die theuerste AbonnementSquote hat, ist er voll­ständig ausabonnirt, denn jeder will sich seinen Platz für die

Bachur, der Opcrnrcgisseur und der Oberkassirer Pollinis gingen als Sieger hervor. Es war eigentlich die beste Wahl und glücklichste Lösung, denn diese beiden Männer waren mit Pollinis Direktionsführung, die dem Geschmacke der Ham­burger entsprach, aufs Innigste vertraut. Bittong, dieser ausgezeichnete Regisseur im modernen Geiste, übernahm die künstlerische, Bachur, der Miquel der deutschen Theaterwelt, die finanzielle Leitung, und Bittong und Bachur waren ver­nünftig genug, die ihnen anvertrauten Theater im Sinne Pollinis wcitcrzuführen, ohne dessen kühnen Spekulationen nachzueifern.

Es geht ein großer Stil durch die Hamburger Theater, und Ziffern sprechen für diejen Stil. Der monatliche Gagen- etat der vereinigten Stadtlheatcr zu Hamburg und Altona, von denen das Thalia-Theater ganz getrennt ist, beziffert sich auf 91 000 Mark, die jährlich an die Theatergesellschaft zu zahlende Summe auf 70 000 Mark. Die Stadt gibt als Subvention der Gesellschaft jährlich für 56 000 Mark elek­trisches Licht, welcher Betrag der Direktion von ihrem Licht­verbrauche gutgeschriebcn wird; sämmtliche Neuanschaffungen werden Eigenthum der Theatergesellschaft, und hier scheint ein wunder Punkt vorhanden, denn eine -derartige Abmachung muß unwillkürlich die Bühnenleiter in der Vergrößerung des Fundus, den sie mit ihrem Gelde für andere anschaffen, be­hindern und so künstlerisch von Schaden sein. Der jähr­liche Gesammtetat beträgt gegen I'/, Millionen Mark, selbst­verständlich müssen derartigen Ausgaben äquivalente Ein­nahmen gegenüberstehen.

Gerade jetzt, da Hamburg ein neues interessantes Theater erhält, mußte sich die Leistungsfähigkeit der Direktoren und des Publikums offenbaren. Das neue Schauspielhaus, an dessen Spitze ein Mann von den litterarischen Qualitäten Alfeld von Berges steht, hat bereits für das erste Jahr ein großes Abonnement aufzuweisen, allein trotzdem sind die