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Nr. 38.

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für Stadt- und Land­kreis Hanau tO ^ die sgespaltme Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

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Amtliches Grgau für Htsöt- unö LsnöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertaoe, mit belletristischer Beilage.

Mittwoch den U. Februar

1900

Amtliches.

^taöWreiö ^anau.

Ausschreiben.

Am 12. d. Mts. dahier gestohlen:

Eine getragene goldene Damen-Remontoiruhr im Werthe von 70 Mark. Die Uhr ist ohne Glas, das Zifferblatt hat mehrere Risse, sogen. Lochstein-Zeiger und trägt im Innern des Rückdeckels den BuchstabenR."

Verdächtig, diesen Diebstahl ausgeführt zu haben, ist der flüchtig gewordene Uhrmachergehülse Georg Betty aus Wien. Derselbe ist ca. 2224 Jahre alt, 1,641,66 Meter groß, von mittlerer Statur, hat hellblondes, kurzgeschnittenes Haar, ist bartlos, trägt schwarzen Gehrock-Anzug, schwarzen, weichen Filzhut, braunen Ueberzieher, sehr hohen Sie tragen mit schwarzrsther Kravatte und rothseidenes Tuch als Kragen- fchsner. Er legte ein sehr feines, gewandtes Benehmen an den Tag und spricht norddeutschen Dialekt.

Um Nachforschung nach der Uhr und dem Thäter, Fest­nahme des Letzteren im Betretungsfalle und telegraphische Nachricht hierher wird ersucht.

Hanau am 14. Februar 1900.

J.-Nr. k1361/00 Königliche Polizei-Direktion.

^aMÖ&reiö ^anau«

BekaMtmachlMgen des Königlichen Landrathsamtes.

In Alzenau ist die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen.

Hanau den 13. Februar 1900.

Der Königliche Landrath.

V 1323 v. Schenck.

Gefundene und verlsrene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 dunkelgrünes Portemonnaie mit 2,22 M. und einigen Freimarken, 1 schwarze Knabenpelzmütze, 1 Brille mit der Hälfte Futteral, 1 grünes, längliches Damen-Porte­monnaie mit 73 Pfg. und einem Schlüssel, 1 Kragenschoner am 5. d. Mts. im Stadtschloß im Garderobezimmer zum Saal, 1 Umhang eines Kindermantels am 9. d. Mts. im Flur der städtischen Abgabenkasse.

Verloren: 1 Trauring gez. J B 98, 1 Stahl-Damen- uhr mit Kette, 1 goldener Kneifer auf dem Teich beim Schlitt­schuhlaufen.

Vom W a s e n m e i st e r am 13. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Bastard und 1 rother Bastard, beide m. Gefchl.

Hanau den 14. Februar 1900.

Feuilleton»

Diecarnes tollendas in dec Havam.

Eine Karnevals-Skizze von Reinhard Bauerbach.

(Nachdruck verbaten.)

In der schönen Havana wird der lustige Firlefanz von Karneval diecarnes tollendas genannt. Liestcarnes tollendas beginnen am drittletzten Tage vor Fastnacht in diesem Jahre also am 24. Februar und bis zum Tagesanbruch bei Aschermittwochs befindet sich die Stadt in einem Wirbel von Jubel, Scherz, Lachen, Tanz und Lust­barkeit verschiedenster Art. Die Gräuel des Krieges sind vergessen und dasCuba librc" wenn auch die im Stillen aufs Beste gehaßtengringos oder Bankers sich unter dem Volke zeigen und das Stern- und Streifenbanner vom Palaste des Gouverneurs und von den öffentlichen Ge­bäuden weht, das Cuba libre hat doch seinen Karneval.

Die Frühstunden des ersten Tages verlaufen im All­gemeinen ruhig und nur das ausgelassene junge Volk, welches sich nicht mehr halten kann, neckt die Leute schon jetzt auf den Straßen.

Die eigentlich rauschende Festlichkeit beginnt erst gegen die Wende des Tages, zu welcher die gluthâugigen Sennoras «nd Sennoritas in festlicher Laune und Tsurnüre öffentlich erscheinen. Man kann sich keine, auch nur annähernde Vor­stellung machen von dem sinnbetäubenden Gewirre, das sich auf den herrlichen Platzas und Paseos immer mehr und mehr entwickelt. Eine so bunte und brillante Blumenlese von geputzten Damen, unter denen die zum Feste dckorirten jungen Amerikanerinnen nicht zuletzt stehen, zeigt sich kaum in Rom oder Paris zu dieser Festzeit auf den öffentlichen

Plätzen. Die Milde des Klimas gestattet die duftigsten, leichtesten, losesten Masken. In unabsehbarer Reihe fahren gar bald die sogen,volantes mit ihren entzückenden Insassinnen auf. Die leichten, malerischen und nur vielleicht durch ihre Länge etwas unbequemen Wägelchen blitzen in silbcuer, oder vergoldeter ©arnitur, welche nur hie und da zivischcn den, in hundert Farben schillernden und tausend und ein Gerüchen duftenden Bkmnenguirlandcn hervorblitzt. Der kutschirende Neger auf dem Pferdesattel hat seine schönste, mit Gold- und Silbertressen überreich verzierte Jacke an. Die maskirten Schönen sitzen, wie hingchaucht im Fond, gewöhnlich zu Dreien in pyramidalischer Anordnung. Nir­gends, selbst im prachtvollen Innern das Theater Tacon nicht, zeigt sich die eigenthümliche Schönheit der Kreolinnen in ihren Körperformen so günstig, so glorios, als bei diesem Maskentors«, wo an Schmuck und Geschmeide, an Blumen und Bändern in den üppigen, tchwarzblauschimmernde» Haaren, an rauschenden Atlas- und dünnen Seidenroben in den grellsten und schimmerndstcn Farben eine Toiletten- pracht zur Schau gestellt wird, welche in der Welt ihres Gleichen sucht. Des immer wachsenden Gedränges wegen müssen die volantes oft Halt machen, um dann in lang­samstem Schritt durch die buMgeputzte Menge der Caballeros sich hindurchzuschlängeln, so daß ein jeder Zuschauer vollauf Zeit hat, die Pracht und Schönheit der Waisen und ihrer Trägerinnen zu bewundern.

Nicht lange dauert so das Plänkeln. Gar bald er­öffnen die sonst so zurückhaltenden Schönen unter dem Schutze ihrer Maske ein wahres Bombardement mit an bunten Bändern befestigten, gestickten Schellenkörbchen auf die Caballeros und suchen deren sombreros zu treffen. Ist ihnen das gelungen, so gibts ein fröhliches, klingen­des Gelächter und der Getroffene vermehrt dasselbe durch seine Ueberraschung. Er weiß gar nicht, von woher ber

Prinz Heinrichs Ankunft in Berlin.

Berlin, 13. Februar.

Prinz Heinrich ist heute Vormittag nach 11 Uhr wohl­behalten in Berlin eingetroffen, freubig bewillkommnet von seinem Kaiserlichen Bruder und mit herzlichem Zuruf begrüßt seitens der Berliner Bevölkerung, die zwei Jahre hindurch feinen Wegen in der weiten Ferne mit lebhafter Theilnahme und Sympathie gefolgt ist. Der Prinz hatte gestern Abend 9l/a Uhr Wien mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge der Nordwestbahn verlassen. Kaiser Franz Joseph, der dem Prinzen Heinrich eine außerordentliche Zuneigung bezeigte, hatte ihn zum Bahnhof geleitet, wo auch die Mitglieder der deutschen Botschaft, der Ehrendienst u. s. w. sich verabschiedeten. Der Abschied des Kaisers von seinem hohen Gaste trug, wie aus Wien gemeldet wird, einen überaus herzlichen Charakter. Als der Zug sich in Bewegung setzte, stand Kaiser Franz Joseph noch salutirend, solange der Prinz sichtbar war.

Der hiesige Anhalter Bahnhof verrieth in den ersten Vor- mittagsstunden in keiner Weise, daß er Schauplatz eines historisch denkwürdigen Momentes sein sollte. Auf dem Dach der Frontseite hingen die zwei vorschriftsmäßigen preußischen Flaggen, durch den Morgennebel fest an die Masten gebannt, sonst deutete nur ein außergewöhnliches Aufgebot für die Fensterreinigung darauf hin, daß etwas Außerordentliches sich ereignen sollte. Gegen 10 Uhr begann die Schuljugend den Bahnsteig zu besetzen, wenigstens bis zu den Durchlaßschranken, und als bald darauf als erster Festzcuge der Regiments- adjutant der Alexander-Grenadiere erschien, um den geeigneten Aufstellungsplatz für die Ehrenkompagnie zu erkunden, flnthetcn in mächtigem Strom die jugendlichen Schaulustigen heran, die sich im Alter von acht Jahren überden Adjutant von Alexander" hinlänglich unterrichtet zeigten. Der Platz vor dem Anhalter Bahnhoi sowie die von hier zum Branden­burger Thor und zum Königlichen Schlosse führenden Straßen wurden inzwischen gleichfalls dicht besetzt, ein gewaltiger Menschenstrom geleitete um lO'/s Uhr die Ehrenkompagnie, die mit den bekannten Grenadiermüyen angethan, auch die Tambours und die Musik führen jetzt solche, in den licht­grauen Mänteln heranzog. Auf Befehl des Kaisers war für heute der Schulunterricht sistirt und massenhaft strömte das junge Deutschland von allen Seiten herbei, den Prinzen, den ihnen die Lehrer stets als leuchtendes Vorbild der Pflichttreue und Vaterlandsliebe hingestellt, mit jugendlichem Enthusias­mus zu begrüßen. Gerade die Massen der Schulkinder, ihre hellen Jubelrufe, mit denen sie gleichzeitig dem Kaiser dafür dankten, daß er ihrer gedachte, erhöhten den Eindruck der spontanen Begrüßung durch die Bevölkerung. Aber auch die Erwachsenen waren in Schaaren gekommen, den Prinzen zu

sehen und zu bewillkommnen. Kopf an Kopf, stellenweise in zehn Reihen und mehr, stand die dichtgedrängte Menge und harrte auf den sie reichlich belohnenden Moment. Die Polizei hatte diesmal in ancrkennenswerthcr Weise die Freizügigkeit völlig gewahrt und mit feinfühligem Verständniß für dieses Wohlwollen hielt das Publikum überall musterhafte Ordnung.

Die Häuser auf dem Askanischen Platz und längs der Einzugsstraßen hatten reich geflaggt, in zahlreichen Schau­fenstern sah man in Blumen die Büsten des Kaisers und des Prinzen. Die Fenster der Häuser waren überall, wo der Zug passiren sollte, dicht besetzt. Nach 10 Uhr begann die Auffahrt der zum Empfang befohlenen Würdenträger, wobei die Marincuniform stark hervortrat. Die Herren fuhren vor dem Hauptportal vor und begaben sich durch die Bahnhofshalle über die Freitreppe auf den Bahnsteig, wo sie längs des linksseitigen Ankunftsgleises Aufstellung nahmen.

Kurz vor 10*/» Uhr verkündeten die Klänge eines Marsches das Anrücken der Ehrenkompagnie vom Kaiser Alexander Garde-Ercnadier-Regiment, die 1. Kompagnie unter Hauptmann von Strautz.

Inzwischen hatten sich die zum Empfange befohlenen Per­sönlichkeiten allmählich auf dem Bahnsteig eingefunden und standen in einer losen Gruppe, die ein überaus farben­prächtiges Bild bot, rechts vom Empfangsflügel beisammen. Der Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen, kommandirender General des VI. Armeekorps, die hier an­wesenden zwei Söhne des Prinzen Albrecht von Preußen, iPrinz Friedrich Heinrich unb Prinz Joachim Friedrich, waren frühzeitig erschienen. Von hohen Würden­trägern bemerkte man: den Reichskanzler Fürsten zu Hohen­lohe, die Staatsminister Staatssekretär des Auswärtigen Graf v. Bülow, Studt, Brefeld, v. Rheinbaben, o. Hammerstein, Graf v. Posadowsky-Wchner, v. Thielen (her Finanzminister Dr. v. Miguel war durch seine Unpäßlichkeit am Erscheinen verhindert), Staatssekretär von Podbielski, ferner aus dem Hauptquartier des Kaisers die Generaladjutanten General der Infanterie von Hahnke und General der Infanterie von Pleffen, die Flügeladjutanten Oberst von Mackensen und Major von Boehn. Die Marine war durch eine stattliche Anzahl ihrer Offiziere vertreten. Wir sahen den Staats­sekretär des Reichsmarineamts, Staatsminister Tirpitz, den Chef des Admiralstabes, Vize-Admiral von Diederichs, die Admirale Frhr. v. Senden-Bibran, Sack und Diederichsen sowie viele Offiziere des Reichsmarineamts und des Wmiral- stabcs.

Die Uhr an der Breitseite der Bahnhalle zeigte 10 Minuten vor 11 Uhr, als donnernde Hurruhrufe von der Straße her das Nahen des Kaisers verkündeten. Der düstere Nebel

Schuß ihn traf und sucht und sucht und lacht schließ­lich mit. Geht so ein gringo vorüber oder Einer von den Blaujacken des Uncle Sam, so wird er zunächst mit einem Kartätschenhagel von Maiskörner überschüttet und es regnet von allen reiten mit Schellenkörbchen nach seinem Hut oder Käppi. Man erwidert das Bombardement von unten her durch Bonbons, Blumenstrüußchen, einzelne Blumen, confetti it. s. w., und das Alles mit einer Ausgelassenheit, als wolle man sich rächen an der Langeweile, zu der die Erziehung das schöne Geschlecht in der Havana verdammt. Auch aus den Häusern, welche hier, der häufigen Orkane und Erdbeben wegen, fast alle einstöckig gebaut find und statt der Fenster nur Eisengitter haben, auch aus den Häusern, in welche man in dieser Zeit freieren Zutritt hat, wird bom- bardirt und Mancher weiß nicht:Kam dieBombe" von einer sennorita von innen oder außen?"

Nach Sonnenuntergang wird der Schwarm erst noch recht interessant. Dann erscheinen die Masken zu Fuß auf den Straßen, in Trupps oder zu zweien. Unter Be­gleitung der Tambourins, Guitarre, Klappern, Blech­tuten, ix welchen die Amerikaner Virtuoses leisten, Kindertrompeten und Mandolinen tummelt man sich haufenweise auf den größeren, breiteren Straßen, den Planas und Paseos, neckt sich, neckt Andere und treibt allerlei, aber immer harmlosen Unfug. Rohheiten kom­men äußerst selten, Zoten unb schmutzige Pantomimen aber niemals vor. Das Gedränge erreicht einen höchsten Grad. Masken wirbeln an Masken, Dnminos an Domi- nos vorüber und das elektrische Bogenlicht, welches dieses Farbcnmccr beleuchtet, ruft wahrhaft zauberische Effekte hervor. Mitten durch das fröhliche Treiben klingen die Trompeten und Hörner der Tanzmusik: cs ist die Militär­kapelle der amerikanischen Besatzung in ihren strahlenden Uniformen. Ein Tanz beginnt hier und dort: ein tolles