11. Juli
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sie in einer kurzen Ansprache zu treuem Ausharren, wünschte den Leuten eine gute Fahrt und begab sich darauf zur „Hohenzollern" zurück. Der „Bussard" verließ sodann den Hafen, bald darauf trat die „Hohenzolleru" mit dem Kaiser an Bord die Nordlandreise an, nachdem das Begleitschiff „Greif" vorangegangen war. Das Depeschenboot „Sleipner" folgte. Nächstes Ziel ist Bergen.
Berlin, 10. Juli. Die nach China bestimmte deutsche Brigade soll aus 8 Bataillonen bestehen, von denen Bayern, Sachsen und Württemberg je eins und Preußen 5 stellt. Der Kommandeur der Brigade dürfte noch nicht ernannt fein. Offiziere haben sich ebenso wie Mannschaften in außerordentlich großer Zahl für die Brigade gemeldet. — Nach einer Meldung aus Bremerhaven geht der Lloyddampfer „Gera" am 17. d. M. zur Verwendung _alS Hospitalschiff nach China, auch der neue Lloyddampfer „Straßburg" wurde zu Transportzwecken der Marine gechartert. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, finden zur Zeit zwischen den Mächten Besprechungen statt, die darauf abzielen, ein gemeinsames Verbot der Waffen-Einfuhr in China zu erlassen.
Berlin, 10. Juli. Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" schreibt: Die Nachricht, daß der Kaiser in Kiel der Torpedo- Expedition die schleunige Mobilmachung einer Hochsee-Tor- pedoboots-Division für China angekündigt habe, ist in dieser Form und mit den sonstigen in der Presse angekündigten Einzelheiten unzutreffend. Beabsichtigt ist die Hinaussendung von 5 großen neuen Torpedobooten als Dcpeschenboote für das Kreuzergeschwader. . Die Torpedo- Inspektion ist durch das Reichs-Marineamt angewiesen worden, die Boote 8 90 bis 94 für diesen Zweck zur Entsendung nach China klar zu machen.
1 Berlin, 10. Illi. Dem wegen seiner Betheiligung am südafrikanischen Kriege zu 6 Wochen Festungshaft ver- urtheilten Major von Reitzenstein wurde der Rest der Strafe, welche er auf der Festung Glatz verbüßte, erlassen. Gleichzeitig wurde er durch Kabinetsordre dem neuen deutschen Expeditions-Korps nach China zugetheilt.
Berlin, 11. Juli. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus Salzwedel gemeldet wird, haben sich von dem dort statio- nirten Ulanen-Regiment für die nach China bestimmte gemischte Brigade 95 Mann gemeldet und zwar 80 Gemeine, 10 Unteroffiziere und 5 Offiziere. Die Mehrzahl der Mannschaften ist für den Tropendienst tauglich befunden worden und wird am 26. Juli die Garnison verlassen.
Feldpost in China.
Mit den nächsten Truppentransporten wird sich auch eine Anzahl von Postbeamten und Unterbeamten nach China einschiffen. Diese Beamten sollen gewissermaßen eine Feldpost einrichten, also den Postoerkehr der im Felde stehenden Truppen mit den deutschen Postanstalten in China (Shanghai, Tsingtau und Tientsin) vermitteln. Selbstverständlich kommen nur solche Beamte in Betracht, die sich freiwillig gemeldet und bei den eingehendsten Untersuchungen in Bezug auf ihren Gesundheitszustand und ihre Tropendienstfähigkeit den zu stellenden Anforderungen vollauf genügt haben.
Angesichts der jetzigen Vorgänge in Ostasien und der vermehrten Verwendung deutscher Marinetruppen daselbst ist ein Hinweis auf die Behandlung der a n d i e B e - satzung deutscher Kriegsschiffe gerichteten Briefe u. s. w. nicht überflüssig. Die Sendungen an Angehörige der Marine müssen mit der genauen Adresse des Empfängers (Name, Dienststellung, Schiff bezw. Truppentheil) versehen sein. Einer Angabe des Stationsortes der Schiffe bedarf es nicht, weil die Sendungen sämmtlich dem Marine- Postbureau in Berlin zugeführt und von diesem nach Maßgabe der amtlichen Stationslisten der Schiffe abgesandt werden. Zugelassen sind Briefe bis 250 g, Postkarten, Drucksachen und Waarenproben, auch zusammengepackt bis 2 kg, Post
die servirten Leckerbissen einhauen. Es würde aber von grober Taktlosigkeit der Braut zeugen, wenn auch sie etwas zu berühren sich unterstehen würde. Sie hat nur still da zu sitzen und lächelnd zuzusehen, wie ihr Zukünftiger auf das Wohl des jungen Ehebundes „toastet". Während der Brautmahlzeit stimmt eine der mit der Leitung des Gesanges betrauten Di nerinnen ein Lied an, welches von einem Gelegenheitsdichter, deren es im Reiche der Mitte noch mehr als im Deutschen Reiche gibt, eigens für diese Hochzeit gedichtet ist. In dem Gesänge wird jeder nur mögliche und wünschens- werthe Segen auf das junge Paar herabgeleiert.
Nach Beendigung der Mahlzeiten kehren Braut und Bräutigam in das Empfangszimmer zurück, in welchem sich mittlerweile die ganze Verwandtschaft des Bräutigams versammelt hat. Das Brautpaar verbeugt sich vor allen Verwandten, welche älter sind als es selbst. Dagegen empfängt es die gleiche Reverenz von allen, die jünger sind. Hierauf erheben sich die älteren Verwandten und kritisiren die Vorzüge und Fehler der Braut, wobei diese weder lachen noch weinen, weder süß noch sauer, weder gut noch böse aussehen darf. Je mehr Seelenruhe sie bei dieser Kritik entwickelt, eine desto höhere Achtung wird sie im Hause des Bräutigams genießen.
Am anderen Morgen heißt Fräulein Wu-kin-tong bereits Frau Tschin-kling-bum und darf damit beginnen, himmlische Rosen ins irdische Leben ihres Gatten zu flechten und zu weben. Macht der Gatte mit feiner jungen Frau — wenn er cs will — einen Besuch bei den Eltern der Letzteren und diese haben eine Anzahl Söhne zur Verfügung, so muß der junge Ehemann einem jeden von ihnen eine Hand voll „cahs“ geben, wenn man ihm nicht eines schönen Abends eine — Katzenmusik bringen soll. Meistens will aber der junge Gatte diesen Besuch nicht machen und dann ertheilt er seiner jungen Frau gewöhnlich nach vier Wochen'
Anweisungen bis 800 Mk. Das Porto ist dasselbe wie für gleichartige Sendungen im internen deutschen Verkehr; jedoch kosten Briefe von und an Mannschaften von 20 bis 60 g nur 10 Pfg., Drucksachen u. f. w. über 1 bis 2 kg (0 Pfg., Postanweisungen bis 15 Mk. 10 Pfg. Die Mitwirkung des Marine-Postbureaus ist allerdings ausgeschloffen, und es kommen die bedeutend höheren Sätze des Weltpostvereins zur Anwendung, wenn der Absender die Beförderung auf dem gewöhnlichen Postwege verlangt hat, z. B. durch den Vermerk postlagernd oder per Adresse einer bestimmten dritten Person.
Telegramme:
Berlin, 11. Juni. Wie dem „Lokal-Anzeiger" berichtet wird, soll die Verproviantirung der in China stationirten gesammten Mannschaften von der Hcimath aus geleitet werden. In Abständen von je 14 Tagen dürfen die Sendungen, denen der Bedarf an Munition und Inventarien beigegeben wird, zur Expedition kommen. — Wie zu erwarten war, wird für die bereits nach China entsandten uud noch weiter zu entsendenden Landtruppen das entsprechende Sanitätspersonal und Sanitätsmaterial zur Verfügung gestellt werden. Außer einer größeren Anzahl von Sanitätsoffizieren werden auch Apotheker das Expeditionskorps begleiten. Dem Vernehmen der „Apotheker-Zeitung" nach, sind an die aktiven Militär-Apotheker Anfragen ergangen, ob sie bereit seien, sich für die Expedition zur Verfügung zu stellen. Auf die Apotheker des Beurlaubtenstandes dürfte zunächst nicht zurückgegriffen werden.
London, 11. Juli. „Daily Expreß" berichtet aus Tschifu: Eine japanische Armee von 22,000 Mann, darunter 5000 Mann Kavallerie ist in Taku gelandet. Diese Armee führt 36 schwere Haubitzen und 120 Feldgeschütze mit sich, ebenso eine Abtheilung Genietruppen, sowie 8000 Träger. Die Japaner haben alle Vorkehrungen für einen langen Feldzug getroffen. Diese Thatsache scheint den Ruffen und Deutschen besonders aufzufallen. Auch der französische Befehlshaber sandte seiner Regierung hierüber ein längeres Telegramm. Den Befehl über die japanische Truppenmacht wird entweder der Marschall Nodza oder der Marschall Ozama übernehmen. Innerhalb acht Tagen werden noch weitere 30,000 Mann in Taku landen. Vier Tage später werden wiederum 10,000 Mann nach China befördert werden, so daß Japan ungefähr 60,000 Mann im Norden Chinas stehen hat.
London, 11. Juli. Der Vizekönig Likuyi erklärte einem Korrespondenten der „Daily Mail", er sei bereit, den aus Peking kommenden Befehlen gegen die Fremden Folge zu leisten, wenn er überzeugt wäre, daß die Kaiserin-Mutter noch am Leben fei. Die Chinesen besäßen mehr Waffen und Munition, als sie gebrauchen könnten.
London, 11. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet: Man hat hier Abzüge eines Erlasses erhalten, in welchem sich der Prinz Tuan öffentlich zum Kaiser erklärt und die Boxer zu ihrem Vorgehen gegen die Fremden beglückwünscht.
London, 11. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet: Unter der chinesischen Bevölkerung der Stadt herrscht augenblicklich eine große Entmuthigung. Mehrere tausend Chinesen haben bereits die Stadt verlassen. Der Einfuhrhandel ist gänzlich gebrochen, infolge der Crcditvcrw eigerung der chinesischen Bankgeschäfte. Die meisten Spinnereien sind geschlossen. Das Anerbieten der vom deutschen Kaiser versprochenen 1000 Tael für die Rettung eines Europäers wird mit Mißtrauen ausgenommen.
Washington, 11. Juli. Die amerikanische Regierung hat den Großmächten eine Note zugesandt über ihre Haltung gegenüber China. Es heißt darin, die amerikanische Regierung verfolge heute wie seit 1857 dieselbe Politik, nämlich eine Politik des Friedens in China, eine Politik der Förderung des berechtigten Handels und des Schutzes der Urlaub zu einem alleinigen Besuch bei ihren Verwandten, während dessen es natürlich ganz gehörig über sein Fell hergeht und er sein Fett abkriegt. — Tout comme chez nous!
Ganz wie bei uns gibts in China glückliche und unglückliche Ehen. Doch überwiegen — man sollte es nicht glauben! — die glücklichen Ehen bei Weitem die unglücklichen. Je mehr Knaben die junge Frau ihrem Gatten beschert, desto glücklicher darf sie sich fühlen. — —
Die Kinder bekommen einen provisorischen Namen, den sie als Knaben bis ins Jünglingsalter tragen. Mit zwanzig Jahren ertheilt der Vater ihnen ihren definitiven Namen, den sie dann immer zu führen haben. Die Mädchen werden so gering geachtet, daß man sie nur nach ihrem Alter uumerirt. Man ruft sie bei dieser Nummer, die sie tragen, bis sie verheirathet sind.
Die Automobil-AussttllMg in Frankfurt a. M.
In wenigen Stunden wird die erste Automobil-Ausstellung in Frankfurt a. M. eröffnet werden und manchen ungläubigen Leuten unter den Automobilisten und Motorwagcnfabrikanten den unumstößlichen Beweis liefern, daß sie trotz Berlin, Nürnberg und Wien „etwas" geworden ist. Vielleicht sogar etwas mehr, als einige skeptisch veranlagte Gemüther anzunehmen wohl geneigt schienen. — Allenthalben hörte man draußen im Lande, am Strande der Spree, an den Gestaden des „Dutzendteichs" in Nürnberg und da wo die Isar rauscht: „Ach, das wird nichts, die Frankfurter haben ja nur 400 oder 600 Quadratmeter zur Verfügung." — In dieser Aeußerung liegt die Erklärung für den Skeptizismus der den > Frankfurtern im Uebrigen ganz wohl geneigten Automobilisten, i
amerikanischen Staatsangehörigen, insofern dieselben mit den Verträgen und den Mcnschenrcchtcn übercinstimmen. Die Vereinigten Staaten werde« sich den übrigen Großmächten anschlitßen, um die Eröffnung der Verbindung mit Peking, die Freilassung der amerikanischen Bürger und den Schutz des Lebens und des Eigenthums der amerikanischen Bürger in China zu erlangen. Die Regierung wünsche die Aufrechterhaltung des chinesischen Reiches in Bezug auf das Gebiet und die Verwaltung und wird die durch die Verträge gesicherten Rechte garantirm und die Handelsfreiheit mit ganz China auch fernerhin verlangen.
Politische und unpolitische Nachrichten.
_ Depeschen-Bureau Herold.
Berlin, 10. Juli. Staatssekretär Posadowskyhat heute Mittag, nach dem „Lok.-Anz.", seinen Erholungs-Urlaub angetreten. Er ist zunächst nach Paris zum Besuch der Welt-Ausstellung gereist.
Berlin, 10. Juli. Die Einberufung des Buudcsraths- Ausschusfes für auswärtige Angelegenheiten ist, wie die „Staatsbürger-Zeituirg" meldet, auf Wunsch des Kaifers erfolgt, dem daran gelegen sei, auf dem in der Reichs-Verfassung vorgesehenen Wege die Brindesregierungen über die durch die Wirren in China gegebenen politischen Lage und die ergriffenen und noch zu ergreifenden Maßnahmen in Kenntniß zu setzen. — Wenn auch über die Dauer der liorb= landreise des Kaisers bestimmte Positionen nicht getroffen sind, so ist doch anzunchmen, daß die Fahrt sich diesmal angesichts der politischen Situation räumlich und zeitlich in engeren Grenzen halten wird als in früheren Jahren.
Berlin, 10. Juli. Dem „Börsen-Courier" zufolge ist anzunehmen, daß Staatssekretär Graf Bülow, der heute aus Kiel hier eingetroffen ist, in der morgigen Sitzung des Bun- desraths-Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten seinen Kollegen ein ausführliches Bild der persönlichen und militärischen Lage in China geben wird.
Gmunden, 10. Juli. Nachdem heute Vormittag 10 Uhr im Schloß die Ziviltrauung des Prinzen Max von Baden stattgefunden, erfolgte um 11 Uhr in der evangelischen Kirche die kirchliche Trauung, welcher der Kaiser von Oesterreich, die Eltern der Braut, die Mutter des Bräutigams, sowie sämmtliche anwesenden Fürstlichkeiten beiwohnten. Die Braut, welche eine Toilette von matter weißer Seide, mit kostbaren Spitzen, Myrthen und Orangeblüthen trug, sah reizend aus. Als Brautjungfern fungirten die Erzherzoginnen Elisabeth Marie, Marie Christine, Marie Anna, sowie die Schwestern der Braut, Prinzessinnen Alice und Olga. Nach der Trauung fand im Schloß große Gratulations-Cour statt. Der Kaiser hat an die Würdenträger des Hauses Cumberland hohe Ordens-Auszeichnungen verliehen.
London, 10. Juli. Die fortwährenden Kämpfe der englischen Truppen mit den Buren überraschen hier unangenehm, da man die öffentliche Meinung bereits daran gewöhnt hatte, den Krieg als vollkommen beendet zu betrachten.
Aus Stadt- und Landkreis Hana«.
Aachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe ,Han. Anz.fi gestattet.
H. Vor 30 Jahren. Eine Erinnerungsfeier an den Ausmarsch der deutschen Heere nach Frankreich wird auch hier veranstaltet. Zu derselben sollen alle damaligen Kameraden in unserer näheren Umgebung freundlichst eingeladen werden. Als Fcstlokal ist der Saalbau zum „Deutschen Haus" und als Tag des „Wiedersehens" Sonntag der 12. August in Aussicht genommen.
Als nämlich die erste Kunde von einer Ausstellung in Frankfurt in die Welt hinausging, hieß es, zu einem gedeihlichen Abschlusse des Unternehmens müßten mindestens 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche belegt werden. Man las diesen an sich ja recht deutlichen, ohne jeden Kommentar verständlichen Satz nicht genau und nahm an, die Verhältnisse in Frankfurt a. M. seien so liliputanisch, daß schon nach wenigen Meldungen jedes Eckchen besetzt sei. Wenn nun die Herren von Auswärts hierher kommen und sehen, daß die Ausstellung größer wie die Berliner ist, daß man die Nürnberger bequem fünf Mal hineinsteckcn könnte, werden sie allerdings Augen machen und sagen: „Ja, hätten wir das gewußt, dann hätten wir auch gemeldet."
Es ist aber recht gut, daß Auswärts die irrige Meinung über Frankstirt herrschte, weil dadurch kostspielige Anbauten an die große, über 2000 Quadratmeter fassende Landwirth- schaftliche Halle, welche bis auf den letzten Platz belegt ist, vermieden wurden. Die Ausstellung zeigt Alles, was eine Automobilausstellung zur Zeit zeigen muß, um dem Laim ein deutliches Bild von der gegenwärtigen Lage der Motorwagenindustrie zu geben. Sie wird aber dadurch sehr unterhaltend sein, daß ihr viele Tausende von Quadratmetern benutzbaren Raumes für die fahrende Abtheilung zur Verfügung stehen. Letztere hatte namentlich in Wien einen vollen Erfolg, und cs ist anzunehmen, daß man ihr auch hier ganz besondere Aufmerksamkeit schenken wird.
Augenblicklich sind viele, viele fleißige Hände in der Ausstellungshalle mit der Ausschmückung und Ausstellung der Ausstellungsgegenstände beschäftigt. Auch im Hofe herrscht reges Leben, denn es werden dort große Restauranonshallcn, welche vielen Hunderten von Besuchern Unterkunft gewähren, dergestalt aufgcbaut, daß sie einen bequemen Blick über das Treiben der fahrenden Ausstellung gestatten.