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Montag den 10 September
1910
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 kleines, neues Mcsscrchen mit brauner Schale. 1 Metermaaß (Zollstock), auf dem Wege Pulverfabrik—Großauheim durch den Wald. 1 blaue, gestreifte Kinderschürze. 1 silberner Fingerring mit der Inschrift „25./8. 75 Jubiläum, 25./8. 1900". Abzuholen bei Ortsdiener Demuth in Ostheim.
Verloren: 1 silberne Herrcnuhr mit Sprungdeckel, kurzer Nickelkette und blauem Stein. 1 ziemlich neues, grünes Portemonnaie mit Inhalt, am Samstag auf dem Wochenmarkt. 1 Granatbrosche ohne Nadel.
Hanau den 10. September 1900.
Deutschlands Antwort an Ruhland.
Die aus amerikanischer und englischer Quelle verbreiteten Nachrichten über besondere Vorschläge, die Deutschland zur Frage der Räumung Pekings gemacht haben soll, sind durchweg unbegründet. Die deutsche Regierung hat die Note des Petersburger Kabinets mit einer andern beantwortet, die lediglich die Ansicht der deutschen Politik über die von Rußland angeregten Punkte darlegt, sich aber jeder Aeußerung eines deutschen Wunsches für die weitere Behandlung der Räumungsfrage enthält. Der Gedanke, das Gros der fremden Truppen aus Peking zurückzuziehen, dafür aber kleine Abtheilungen der verschiedenen Nationalitäten dort zu belassen, ist in der deutschen Antwort mit keiner Silbe erwähnt. Vertritt man überhaupt — und dies scheint die Mehrheit der Großmächte zu thun — dm Standpunkt, daß eine militärische Besetzung Pekings einstweilen, zur sichern Durchführung der mit China zu haltenden Abrechnung fortdauern muß, so kann die Frage, wieviel Truppen dazu erforoerlich sind, nicht in einer diplomatischen Note entschieden werden. Darüber hat die militärische Oberleitung nach Zweckmäßigkeitsgründen zu bestimmen. Ohne Noth große Truppenmassen in oder bei Peking anzuhäufen, wird nicht beabsichtigt. Auch ist die chinesische Hauptstadt keineswegs ein so angenehmer Aufenthalt, daß die verbündeten Streitkräfte länger, als es für die Lösung der zwischen den Mächten und China schwebenden Fragen erforderlich ist, dort bleiben werden. Die chinesische Regierung hat es also selbst in der Hand, durch schnelle Unterwerfung unter den Willen der Mächte und durch Gewährung der zur Sicherung der fremden Interessen in China erforderlichen Bürgschaften den Abzug der Truppen zu beschleunigen. Durch bloße Ucbcrredungskünste aber, wie Li-Hung-Tschang glaubt, wird dies nicht gelingen.
* *
Einige Details über die Ermordung des Freiherrn von Ketteler.
. Die Geschäfte der Oesterreichisch-Ungarischen Gesandtschaft in Peking werden nach der Abreise des Herrn von Rosthorn durch den Ersten Sekretär der Deutschen Gesandtschaft, Herrn von Below, wahrgenommen. Vom Deutschen Gesandtschaftsarzt, Stabsarzt Dr. Velde, ist als Todesursache im Falle des ermordeten Gesandten Freiherrn von Ketteler ein Schuß in den Hals festgcstellt worden, der unmittelbar darauf den Tod herbeigeführt haben muß. Der Mord wurde gegen 9 Uhr vormittags ausgeführt. Die Gesandten hatten für 9 Uhr um eine Unterredung im Tsungli-Aamen nachgesucht, um gegen die von der chinesischen Regierung über das diplomatische Korps verhängte Ausweisung Einspruch zu erheben, bekamen aber auf das Audienzgesuch keinen Bescheid und unterließen lediglich deshalb, nicht aus Besorgniß vor den Umständen nach nicht zu vermuthenden Angriffen, ihren Besuch. Sie hatten auch Freiherrn von Ketteler nicht gewarnt, als dieser infolge anderweitiger Verabredung das Tsungli-Namen allem aufsuchen wollte. Bei der Bestattung des deutschen Gesandten fungirte als Geistlicher der Generaloikar Tarlins. Der amerikanische Gesandte hielt eine ergreifende Ansprache. Das diplomatische Korps und die fremden Detachements waren vollzählig anwesend. — Prinz Tschings Truppen kämpften anfänglich gegen die Boxer, PungluS Haltung war zweideutig, seine Truppen kämpften gegen die Gesandtschaften.
Wer regiert China.
Ueber obige Ueberschrift veröffentlicht Herr K. A. Körnig in der „N. Zürch. Ztg." eine Mittheilung, in der es heißt:
„Es ist jetzt, ein wenig früh, wie es mir scheint, die Rede davon, mit der chinesischen Regierung in Verhandlungen einzutreten. Man geht dabei von der sehr verkehrten Anschauung aus, als wäre die Regierung in Peking etwa das, was z. B. die in St. Petersburg ist, nämlich eine Alles überragende zentrale Regierung, die unbedingten Gehorsam verlangt und erreicht. Dem ist keinesfalls so.
China ist eine große Republik mit einer representativen Spitze, welche keinesfalls in allen Fällen willkürlich handeln darf und zudem durch sehr viele Gesetze, Religions-Vorschriften u. A. gebunden ist. Unseres Erachtens nach wäre es von Seiten der Mächte das einzig Richtige, sich um die aus der Hauptstadt vertriebene Mandschu-Dynastie, die ihr Ansehen schon lange eingebüßt hat, gar nicht zu bekümmern und sich lediglich mit den wirklichen Regenten, den sogenannten Vizekönigen, Gouverneuren, Präfekten rc. zu verständigen und diese zu veranlassen, daß sie in ihren Bezirken Ordnung schaffen. Die Machtbefugnisse besitzen diese Herren durchaus.
Man zählt in China acht Vizekönigc oder Tsong-tou, Gencralgouverncure. Sie verwalten die acht großen Provinzen nebst deren Beibezirken und werden genannt 1) Dschi- Li - tsonz - tou. Er verwaltet Tschi-li. Vor Beginn der Wirren regierte hier der Nachfolger des alten Li-Hung-Tschang, Exzellenz W an g - Wen- s ch a o. Er wurde 1898 durch den Günstling der Kaiserin, den Generalissimus Pung-Lou ersetzt, dieser aber nach drei Monaten durch Au-Lou, einen Mandschu und .einen ehemaligen Tartarcu-Marschall von Futschau. Es heißt, Iu-Lou sei in der Schlacht von Peitsang gefallen. Schon vorher hatte die alle Kaiserin wieder ihren Vertrauensmann Li-Hung-Tschang auf seinen früheren Posten berufen, cs ist bekannt, weshalb Li sein Amt noch nicht angetreten hat, und es heißt auch, die Kaiserin habe vorläufig den General Tschao-Schu-kiao ernannt, einen Fremdenfeind, dessen Hinrichtung die Mächte verlangt haben.
Der zweite ist der Liang Kiang - t so n g - t o u, der Vizekönig der zwei Kiang. Ihm unterstehen die beiden Kiang, Kiang-Si und Kiang-Nan; ferner Kiang-Su (später abgethcilt) und Ngan-Huei (Anhui). Sein Titelträger ist Exzellenz Liou-Kuen-i, geb. 1830 in Hu-Nan. Er ist Vizekönig seit 1879, wurde 1881 auf Antrag eines Zensors dcgradirt, aber kam dann wieder in Gnade, d. h. er konnte wieder gehörig bezahlen und übernahm sein Amt wieder am 22. November 1890.
Der dritte ist der M i n - T s ch e - t s o n g t o u. Ihm gehorcht das Flußgebiet des Min, die Provinzen Fu-Kien und Tschc-Kiang. Der jetzige Vizekönig ist Siu-Ai ng- P n e i, ein echter Chinese aus Kuang-Tung, der schon 1878 litterarischer Kanzler von Kan-Su und 1882 Vizepräsident des Finanzministeriums war.
Der vierte der Vizekönige wird genannt: Liang-Hu- tsong-tou, d. h. Verwalter der beiden Hu, nämlich der Provinzen H u - P e und Hu-Nan. Hier regiert der alte, vielgenannte Tschang-Tschi-tung, der fremdcnfrcund- lich und eine der geeignetsten Persönlichkeiten ist, mit welcher die Mächte Fühlung nehmen sollten.
Der fünfte ist der Liang-Kuang-tsong-tou, der Generalgouvcrueur der beiden Kuang-Provinzen, Kuang- Tung und Kuang-Su. Sie sind zur Zeit ohne Regenten. Im vorigen Jahre war auf Frankreichs Antrag der wilde Fanatiker T'au Tschung-lin, ein Hu-NawChincse, abgesetzt worden, da man ihn für die fortwährenden Unruhen in Kanton verantwortlich machte. An seine Stelle war Li- Hung-Tschang getreten, der offenbar in Voraussicht der kommenden Dinge es vorzog, sich möglichst weit vom Schusse zu begeben und sich einer Verantwortlichkeit zu entziehen, die ihm leicht hätte den Kopf kosten können.
Dem sechsten Vizekönige, dem Aun-Kuei-tsong- tou, unterstehen Aünnan und Kuei-tschou. Der Titelträger heißt Song-fan, ist ein Mandschu und war vor seiner Berufung seit 1881 Gouverneur (Fu-tai) in Kuei-tschou.
Der siebente der Generalgouverneure, genannt S ch e n - Kan-tsong-tou, und des Namens Tao-Mo, regiert die Provinzen Schen-Si und Kan-Su. Diese Exzellenz war Richter in Tschili und seit 1885 Finanzkommissar in Schen-Si.
Der achte und letzte Vizekönig wird genannt: S e - Tschuen-tsong-tou. Ihm untersteht Se-Tschuen. Er ist ein Mandschu Namens K' u e i - K i u n und war 1891 Gouverneur von Schan-Si und Kiang-Su.
Neben diesen acht Vizekönigen, oder genauer den Generalgouverneuren, gibt es fünfzehn Gouverneure mit dem Titel Fu-tai, von denen die von Schan-Tung, Schan-Si und Hu-Nan die höchsten Stellen entnehmen und ihrem Vizekönige nicht unterstehen.
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Telegramme:
Berlin, 10. September. Wie das „Kleine Journal" von besonderer Seite erfährt, hat die Leitung der deutschen Politik ihren Standpunkt in bestimmter Weise dahin präzisirt, daß an eine Zurückziehung der deutschen Truppen
aus Peking nicht eher zu denken sei, als bis von einer chinesischen Regierung, die zugleich die Garantiern der Beständigkeit bieten müßte, »ollste Genugthuung für das Geschehene erlangt worden sei. Dieser Politik hat, wie das „Berliner Tageblatt" weiter erfährt, die englische Regierung in positiver Form ihre bedingungslose Kooperation zugesagt.
Köln, 10. Septbr. Die „Köln. Ztg." schreibt zu der Wiener Mittheilung, Rußland beharre auf seinem Vorschläge, Peking zu räumen und habe neuerdings diesen seinen Standpunkt in einer Note an das Berliner Auswärtige Amt mitgetheilt und zwar in rückhaltloser Weise, man 'könne sagen mit brutaler Offenheit, die russischen Interessen in den Vordergrund gestellt: Wir können feststcllen, daß eine solche oder ähnliche russische Note in Berlin nicht überreicht worden ist.
Köln, 10. Septbr. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Der japanische Vertreter in Shanghai hat einem Kollegen die Mittheilung gemacht, daß auch Japan sich an der Besetzung von Shanghai mit Laudtruppen betheiligen werde. Bei ihrem Eintreffen wird eine Abtheilung von japanischen Matrosen und Seesoldaten in der Stärke von 600 Mann gelandet werden.
London, 10. Septbr. Die Blätter drücken die Ansicht aus, daß die Unterhandlungen der Großmächte über die China-Frage zu internationalen Verwickelungen führen könnten. Sie stellen dabei fest, daß England augenblicklich wegen des südafrikanischen Krieges sich in einer schlechten Situation befinde.
London, 10. Septbr. Aus Shantung wird gemeldet: Ein Missionar wurde auf offener Straße von Eingeborenen angegriffen und nur durch das rechtzeitige Eintreffen europäischer Soldaten gerettet. Man versichert hier, daß die Franzosen Kwang-Chouan angegriffen und daß die Mandarinen in ihrer Angst die Fremden ersucht haben, nicht in die Stadt einzudringen.
Paris, 101 Septbr. „Sièclc" veröffentlicht ein Telegramm aus Petersburg, nach welchem bei Blagoweschtschensk 3000 Chinesen, die sich nicht an dem Kampfe betheiligt hätten, von den Russen in den Amurfluß gedrängt wurden, wo sie sämmtlich ertranken.
Nom, 10. September. Direkte Meldungen aus Peking besagen, daß die Kommandeure der verbündeten Truppen entschieden gegen die geplante Uebergabe der Stadt an die Chinesen sich ausgesprochen haben. Die Zustände in Peking seien derart, daß eine solche Maßregel zu weiteren Unruhen führen müßte. Die von der Bevölkerung fortgesetzt feindliche Haltung erfordere, daß fast täglich Exekutionen an Boxern vollzogen werden.
Konflikt im serbischen Königshause.
Zwischen König Alexander von Serbien und seiner Mutter, der Exkönigin Natalie, ist cs, wie bereits berichtet wurde, aus Anlaß der Hochzeit deS Königs zu einer Verstimmung gekommen, die sich jetzt zu einem argen Konflikt ausgewachsen hat. Es ist amtlich in Belgrad eine Kundgebung veröffentlicht worden, deren Wortlaut der nachstehende ist:
Der König hat sowohl in seiner Proklamation vom 8. Juli als in seinen Reden, die er seither gehalten hat, auf das nachdrücklichste betont, er werde es nicht mehr zugcbcn, daß um das Königshaus Ränke geschmiedet werden, daß es sein fester Wille sei, solche Ränke als verrätherische, gegen ihn und das Vaterland gerichtete Unternehmungen vom Königshause fernzuhalten. Trotzdem wurden seither nach dieser Richtung einzelne Versuche gemacht, über die jedoch der König mit Verachtung hinwegging. Vor einigen Tagen hat jedoch die gewesene Königin Natalie ihrem hier wohnenden Hofmarschall eine offene Postkarte gesandt, in welcher sie das Königspaar in den verletzendsten und niedrigsten Ausdrücken angreift. In Folge dessen wird im Auftrage des Königs hiermit bekannt gegeben, daß alle Intriguen und alle Kundgebungen, welche den Zweck verfolgen, das Königshaus zu unterwühlen, als verrätherische Unternehmen betrachtet werden mögen, ob sie von welcher Seite auch immer kommen und wen immer zum Urheber haben. Diejenigen, welche darauf ausgehen, die Ruhe und den Frieden, die sowohl Serbien als seinem König so sehr am Herzen liegen, irgendwie zu stören, dürfen sich keinerlei Illusionen hingcbcn darüber, daß ihnen gegenüber so verfahren werden wird, wie Verräthern und Aufwieglern gegenüber verfahren werden muß.