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genauer Anzeiger
10 Mai
Orte Gr.-Bislaw fand der Fleischer Grabowski in seinem Garten beim Ausgraben eines eingegangenen Apfelbaumes ein menschliches Skelett, das anscheinend von einem 10= bis 12jährigen Kinde herrührt. Es wurde polizeilich beschlagnahmt. Wie man vermuthet, ist das Skelett das eines Jungen aus dem eine Meile von Bislaw gelegenen Orte Jwitz, der vor 8 bis 10 Jahren verschwunden ist. Das Grundstück in welchem das Skelett gefunden worden ist, befand sich im Herbst 1899 im Besitz des Händlers Michael Rosenberg.
Waldbrand. In unmittelbarer Nähe von Costebrau bei Finsterwalde (Mark) entstand ein Waldbrand, der einen Komplex von ca. 2000 Morgen Wald einäscherte. In ungefähr drei Stunden legten die Flammen einen Weg von einer Stunde zurück, einen Theil der Ortschaft Gohra, „Pechhütte" genannt, stark bedrohend. Die Pechhütte ist ziemlich vom Walde eingeschlossen. Den Wald zu retten war unmöglich, da heftiger Wind herrschte. Es mußte daher Bedacht genommen werden, die Ortschaft zu retten. Dies gelang glücklicherweise. Dem Herd des Feuers konnte man aber nicht beikommen. Vorgestern Mittag drehte sich der Wind etwas nach Südwesten, und bald darauf stiegen mächtige Rauchwolken in die Höhe, die mehrere Stunden weit, bis Dobri- lugk-Kirchhcin der Sonne kaum Durchblick gestatteten. Der prächtige königliche Forst, hundertjähriger Bestand, wurde ein Raub der Flammen. Um 6 Uhr abends war das furchtbare Element bis Grünhölz vorgedrungen. Menschenkraft wird wohl vergebens sein, nur strömender Regen könnte helfen. Zwei Kinder sollen in den Flammen umgekommen sein.
Ein Opfer der Mutterliebe. In Sant Agata Militello, einem Fischerdörfchen bei Palermo war der kleine Salvatore Baglio mit seinem Vater zum Fischfang auf das Meer hinausgefahren. Als Stunden vergingen und der Kleine nicht zurückkehrte, begab sich die Mutter an den Strand. Mittlerweile brach die Nacht herein. Da hörte sie plötzlich vom Wasser ängstliche Hülfcrufe. Mit dem entsetzlichen Schrei: Mein Sohn, mein Sohn! stürzte sie sich ins Meer in der Richtung der Hülferufe, aber die Wogen begruben die Mutter in ihrer Tiefe. Unterdessen waren aber Vater und Sohn an einer anderen Stelle gelandet. Die Leute umringten die beiden Heimgekehrten und erzählten den Verzweifelten, was geschehen. Die Stimme nämlich, welche die Mutter als die ihres Sohnes zu erkennen glaubte, war die einer Frau, welche sich in selbstmörderischer Absicht ins Meer gestürzt hatte und gerettet wurde, während der Leichnam der Mutter, die sich für ihren Sohn geopfert hatte, km anderen Tage von den Wellen an das Land gespült wurde.
Don einem Grabstein zerschmettert. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich in München. Dort hatte ein im Hause, Thalkirchnerstraße 76, wohnender Schweinemetzger auf dem Hofe einen Grabstein an der Mauer aufgestellt. Ein mit seiner Mutter, der Schlssserfrau Jergang, in den Hof gekommener achtjähriger Knabe machte sich an dem Grabsteine zu schaffen. Plötzlich gab der Aufsatz des Letzteren nach, fiel um und traf das Kind mit seiner ganzen Schwere. Völlig zerschmettert wurde dasselbe unter dem Steine hervorgezogen und gab schon nach wenigen Minuten seinen Geist auf.
Fräulein Doktor. Nachdem dieser Tage Gräfin Gabriele Wartensleben als erste von der Wiener Universität zum Doktor der Philosophie promooirt worden ist, wird noch im Laufe dieses Semesters Fräulein Cäcilie Wendl, die jugendliche Tochter des Professors Wendl in Troppau, der gleichen Auszeichnung theilhaftig werden. Fräulein Wendl, die dieser Tage das philosophische Rigorosum mit Auszeichnung bestand, hat vor vier Jahren die Maturitätsprüfung in ihrer Vaterstadt mit sehr gutem Erfolg bestanden, nachdem sie die Gymnasial- studien privat absolvirt hatte. Sodann bezog sie zunächst als Hospitantin die Wiener Universität. Sie steht jetzt im achten Semester. Frühzeitig erweckte sie die Aufmerksamkeit der Mathematiker durch eine gediegene mathematische Arbeit „Note über die Kreisfunktionen".
Eisenbahnzusammenstotz. Der am Montag abend 10 Uhr 25 Minuten von Berlin abgegangene Schnellzug traf in München mit dreistündiger Verspätung ein, da ihm auf Station Roslau ein mit Steinen beladener Güterwagen in die Seite fuhr. Beide Maschinen des Schnellzuges, der Packwagen und zwei Personenwagen wurden beschädigt; Personen sind nicht verletzt worden.
Großer unvermutheter Geldkrach. Der hochangesehene Rechtsanwalt Kortuem aus Rostock vergiftete sich in Lugano; die bisher fcstgestellten Passiva betragen nahezu 500000 Mk., Aktiva kaum vorhanden.
Der Werth der Orden, welche Kaiser Franz Joseph nach Berlin mitgebracht hat, wird, wie aus Wien verlautet, auf 127 000 Gulden geschätzt.
Durch einen merkwürdigen Zufall fand ein Bewohner von Solingen seinen Tod auf der Eisenbahn. Er fuhr in einem Wagen 4. Klaffe nach Düsseldorf. In der Nähe von Hilden fuhr auf einem Anschlußgleise ein Güterzug vorbei, und als dessen letzter Wagen mit dem Personenzug einen Winkel bildete, schlug ein Stück Eisen, das zu der Ladung dieses Wagens gehörte, durch die Erschütterung beim Passiren der Weiche in den Personenwagen und dem Solinger so vor die Stirn, daß er eine schwere klaffence Wunde davontrug. Ein Mitreisender Lehrer zog die Nothbremse, diese trat aber nicht in Thätigkeit und so mußte der Verwundete bis Düsseldorf ohne ausreichende Hülfe bleiben. Dadurch wurde der Blutverlust derart, daß der Mann noch an demselben Tage in Düsseldorf im Krankenhause starb.
Im Bett erstickt. Die beiden Töchterchen eines Hamburger Schiffers (Zwillinge) wurden leblos im Bette aufgefunden; sie waren durch die auf ihnen liegende Bettdecke erstickt.
Gekentert. Vor dem Lebaer Hafen sind gestern früh bei Nordsturin vier Kutter gekentert. Sämmtliche Mannschaften sind ertrunken. Es fehlen noch mehrere Kutter.
Muster-Register.
(Eintragungen beim Königl. Amtsgericht zu Hanau, Abth. 5.)
Die Firma B. Neresheimer & Söhne in Hanau hat für die am 5. April 1897 angemeldeten, unter Nr. 822 des Musterregisters! eingetragenen Muster Nr. 2523, 2524, 2529, 2530 und 2531 die Verlängerung der Schutzfrist um weitere 5 Jahre beantragt.
Die Firma Conrad Deines jr. in Hanau hat für das am 26. April 1897 angemeibete, unter Nr. 827 des Musterregisters eingetragene Muster Nr. 2128 die Verlängerung der Schutzfrist um weitere 3 Jahre beantragt.
Gebrauchs-Mu st er.
Nr. 130 999. Schlüsselring aus einem zu zwei konzentrischen Kreisen zusammengebsgenen Stahldraht mit Knopf an dem äußeren Ende. Ludwig Eberling in Frankfurt a. M., Hafenstraße 61, vom 8. Februar 1900 ab. — E. 3716. Kl. 44.
Nr. 130 734. Eisernes Wagenrad mit Doppelspeichen, deren Enden an der Nabe mittels Nippel und Gegenmuttern befestigt sind. Josef Hauser in Frankfurt a. M., Feststraße 8, vom 15. Februar 1900 ab. — H. 13 462. Kl. 63.
Schiffsbericht.
Hamburg, 7. Mai. Der Dampfer „Francia" von der Hamburg - Amerika - Linie ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
London, 9. Mai. Der Union-Dampfer „Norman" ist auf der Ausreise gestern in Kapstadt eingetroffen.
DrahtMchrichèLA des Hamuel Anzeiger.
Berlin, 10. Mai. Die im Herrenhause vorbereitete Interpellation von Hertzberg wegen der angeblichen Ritualmorde ist am Widerstande der Mehrheit der konservativen Fraktion des Herrenhauses gescheitert. Die „Deutsche Tagesztg." dagegen hebt hervor, daß die Einbringung der Interpellation deshalb unterbleibt, weil die Regierung nicht in der Lage ist, über eine schwebende Angelegenheit Auskunft zu ertheilen.
Berlin, 10. Mai. Im Abgeordnetenhause sollen, wie die „National-Zeitung" hört, die Sitzungeir am 16. Mai wieder beginnen.
Berlin, 10. Mai. Nach Meldungen aus Neapel nehmen die Eruptionen des Vesuv an Gewalt zu. Das Observatorium ist von der telegraphischen Verbindung abgeschnitten. Die Lavaströme ergießen sich 150 Meter. Der Ausbruch der gewaltigen Massen beschränkt sich bis jetzt auf den Hauptkrater. Große Massen feuriger Schlacken werden auf ungeheure Entfernungen geschleudert. Die Einwohner der umliegenden Ortschaften befinden sich durch die fortgesetzten Erdstöße in großer Aufregung.
London, 10. Mai. Der Marineminister hielt gestern eine Ansprache in der er mittheilte, daß die englischen Marinegeschütze den Werth-der französischen überstiegen. Er erklärte ferner, daß die englischen Explosivstoffe der Regierung volle Befriedigung geben. Nichtsdestoweniger werde die Regierung ein Komitee, bestehend aus Ingenieuren und Gelehrten, zusammenberufen und es beauftragen, nachzuforschen, ob es nothwendig sei, irgendwelche Aenderungen an den Marinegeschützen und Marinegeschossen vorzunehmen.
Barcelona, 10. Mai. Der Minister des Innern wohnte gestern dem Pferderennen bei und reiste abends nach Madrid, um dem heute dort stattfindenden Ministerrathe beizuwohnen.
Vom Kriegsschauplatz.
Berlin, 10. Mai. Der „Lokal-Anzeiger" enthält folgendes Kabel-Telegramm aus Kronstadt vom 9. Mai 7 Uhr 28 Min. vorin.: Die Buren halten am Zandflusse und in der Umgebung tapfer Stand. Präsident Stein hielt in Kronstadt eine erhebende Ansprache, worin er die Burghers ermahnte, auch in dieser Zeit des Unglücks unverzagt auszuhalten. Das Land sei nicht verloren, weil die Sympathie in der ganzen Welt auf Seiten der verbündeten Republiken stünde und vie.e Ausländer für den Wahlspruch: Recht, Freiheit, Eintracht und Macht gekämpft, ja sogar in den Tod gegangen seien. Nur Kranke aus der männlichen Bevölkerung dürften zu Hause bleiben, alle anderen müßten sich bereit halten, sofort gegen den Feind zu marschiren. — Präsident Stein ist heute abgereist, nachdem er vier Tage bei den Burghers in der Front geweilt hat.
London, 10. Mai. „Daily Mail" meldet aus Lorenzo Marquez, daß der neue portugiesische Gouverneur dieser Stadt die schärfsten Maßregeln getroffen hat, um die Einführung von Kriegs-Contrebande zu Gunsten der Buren zu verhindern. Die Kaufleute der Stadt vernahmen mit größter Bestürzung, daß Conservenfleisch, Decken und Kleidungsstücke fortan als Kriegs-Contrebande betrachtet werden. Wenn nicht alle Lebensmittel als Kriegs-Contrebande bezeichnet werden, so ist dies einzig und allein den gefangenen Engländern zu- zuschreiben. — Aus Kapstadt wird berichtet, daß der Vormarsch des Generals Buller gegen die Biggarsberge begonnen hat. Die Buren ziehen sich zurück.
Berlin, 10. Mai. Der „L.-A." meldet aus London: Eine halbamtliche Depesche aus Prätoria über Lourenzo Marquez besagt, Präsident Krüger erhielt eine Kollektivnote der europäischen Mächte, die sich auf dessen angebliche Absicht, die Minen von Johannesberg in die Luft zu sprengen, bezieht und ihn in offizieller Weise für eine solche Handlung ver
antwortlich macht. Die Mächte würden England unterstützen, wenn er Maßnahmen treffen sollte, um durch die Zerstörung eine Schadloshaltung zu erzwingen.
Neueröffnung des Transvaal-Parlaments.
Pretoria, 9. Mai. Der formelle Schluß der Session von 1899 des Volksraad fand gestern Vormittag statt. Von 60 Mitgliedern des Volksraad waren mehr als 50 zugegen. Die Sitze Jouberts und de Kocks waren mit Lorbeerkränzen geschmückt. Viele Zuschauer wohnten der Sitzung bei. Es herrschte eindrucksvolles Schweigen, als der Präsident Krüger den Saal betrat. Ein Geistlicher sprach ein Gebet, in dem er Jouberts gedachte und Viele zu Thränen rührte. Die neue Session wurde gestern Nachmittag eröffnet. Präsident Krüger fuhr, begleitet von einer Eskorte, in einem Staatswagen zum Parlament. Die fremden Konsuln und Militärattachees einschließlich des russischen Oberst Gurko waren bei der Eröffnung zugegen. Präsident Krüger zollte dem verstorbenen Joubert hohe Anerkennung, hob seine menschenfreundliche und muthige Haltung rühmend hervor, lobte die Loyalität und Beharrlichkeit des Freistaats, der seinen Verpflichtungen gegenüber Transvaal gerecht geworden sei. Der Freistaat habe der Schwesterrepublik damit ein gutes Beispiel gegeben und habe einen großen moralischen Einfluß auf alle gehabt, die den Anstrengungen eines kleinen Staates, sich seine Unabhängigkeit zu erhalten, gefolgt seien. Die Beziehungen Transvaals zu den auswärtigen Mächten seien gut, abgesehen von England. Durch die Gesetzgebung und ihr Verhalten zu England im abgelaufenen Jahre habe die Republik ihren Wunsch bewiesen, den Frieden zu erhalten, und sie werde auch jetzt Alles thun, um den Frieden wieder herzustellcn. Der Präsident machte sodann Mittheilung von der Entsendung der Friedensgesandtschaft nach Europa und verwies auf die Anwesenheit der Militärattachees verschiedener Mächte als Beweis für das Interesse, das diese an der Kampfweise der Republiken nehmen. Er drückte seine Freude darüber aus, die Sympathien der ganzen Welt auf Seite der Buren- zu sehen und erwähnte den Protest, den Transvaal gegen die Verletzung der Genfer Uebereinkunft durch die Engländer an die Mächte richtete. Mit Genugthuung stellte der Präsident fest, daß die Finanzen Transvaals in der Lage seien, die Anspannung durch den Krieg zu ertragen. Den Zustand der Minenbetriebe bezeichnete er als blühend. Ferner verwies er darauf, daß Transvaal dem Oranje-Freistaat mit einer Anleihe ausgeholfen habe. Nach der Mittheilung, daß die Session kurz sein und nur die wichtigsten Angelegenheiten erledigen solle, schloß Präsident Krüger, indem er den Segen des Himmels für die Buren erflehte.
È Abwaschungen ^Ä strengungen rc. ist eine erste Bedingung für die Gesundheit des Körpers und der Pflege der Haut. Die Thätigkeit der Poren muß erhalten, die Hautathmung störende Ablagerungen müssen beseitigt werden! Hierzu ist aber nur eine Seife zu empfehlen, welche die durch erhöhte Thätigkeit empfindlich gewordene Haut nicht reizt, sonder beruhigt und eignet sich dazu nach den vielen Aussprüchen erfahrener Mediziner die Patent-Myrrholin-Seife am besten, denn sie erzeugt nach dem Gebrauch ein äußerst wohlthuendes, sammetartiges Gefühl. Alle, welche durch körperliche Anstrengung die Hautabsonderung erhöhen, sollten sich daher beim Waschen und Baden nur der Patent-Myrrholin-Seife bedienen. Ueberall, auch in den Apotheken, erhältlich.
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