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Hanauer Anzeiger

Dezember

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* Hochwasser wird vom Oberrhcin und dem jtectar gerbet. Auch der Main und die Kinzig sind stark an- gejchwolten.

Schwindler. Ein kürzlich von einer Buchhandlung angeftcUrer Reisender, der sich Heinrich Buschmann nannte, entpuppte sich als ein Mann, der schon in verschiedenen Orlen édnninbeleien verübt haue und von hier nach erfolgreichein ähnlichem Debüt verschwand. Sein richtiger Name ist Karl Hans Birkenstock ans Langenfeld bei Köln. In seiner Begleitung befand sich die um 20 Jahre ältere Frau eines Mannheimer Einwohners. Die Angaben des betrogenen Mannes führten auf die Spur des Schwindlers.

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gt. Grotzauheim, 6. Dez. Gestern Abend hielt der kürzlich neu gegründete Katholische Männer- und Arbeiter­verein im Saale des HanbauseS zum Anker seine erste Monats- vcrwmmlung ab. Dieselbe erfreute sich eines recht zahlreichen LesuÄes. Nach einigen Erüffnnngs- und Bcgrüßungswortcn des hochwürdigen Herrn Pfarrers Bott ging man zu dem einzigen Ranfte der Tagesordnung: Berathung der Statuten, Aber. Der Entwurf wurde mit einigen unwesentlichen Ab­änderungen angenommen. Die ansgearbeiicten Statuten sollen nunmehr dem Drucke übergeben und bei Gelegenheit der nüdbRen Monatssersammlung, am ersten Mittwoch im Januar, den Mitgliedern zugestellt werden. Ein besonderer Borirag war zwar nicht für den Dereinsabend vorgesehen; trotzdem gab Herr Pfarrer Bott in längerer belehrender An­sprache so viel praktische Winke über Fortbildung, Lektüre, offenes, männliches Auftreten u. A. m., daß diese einein Vor­träge gleichkam und hoffentlich wirksame Folgen haben wird. Die Mitgliederliste har die Zahl 100 überstiegen. Neu­anmeidungen werden fortwährend bei den provisorischen Vor- siandsmitzliedcrn entgegen genommen. An der gedeihlichen und günstigen Entwickelung des hier nothwendigen Vereins ist nicht zu zweifeln.

t Gr.-Au-eim, 5. Dczbr. Gestern Vormittag er­eignete sich beim hiesigen Schulhaus-Neubau bedauerlicher Weise der erste Unfall. Ein Manrerhandlanger stürbe ein Stockwerk in die Tiefe und erlitt infolgedessen einen Knöchelbruch. Nachdem Herr Dr. Freisfeld den ersten ärzt­lichen Beistand geleistet hatte, wurde der Verunglückte (Karl Funk von hier) ins Schwesternhaus St. Vincenz nach Hanau überführt.

):( Fechenheim, 4. Dczbr. Gestern Abend hielt in dem hiesigen Männeroerein Herr Gymnasiallehrer Professor Dr. Krebs aus Franffurt einen Dortrag überEindrücke vom O b e r a m m e r g au e r P a s s i s n s s p i e l", zu welkem ndj die Mitglieder des Offenbacher Vereins recht zahlreich als Gäste eingefunden hatten. Reichlicher und wohl­verdienter Beifall folgte dem nahezu zweistündigen belehrenden und fesselnden Vortrag, für den der Vorsitzende, Herr Pfarrer Fritsch, besonders dem Referenten den Dank der Anwesen­den rum Ausdruck brachte.

Bergen, 8. Dezbr. Der unter der virtuosen Leitung des Herrn Lehrer W. Lamb aus Frankfurt- Seckbach stehende hiesige GesangvereinHumoria" veran­staltete am Sonntag Abend im Saale des Herrn ®. Touring dahier unter gefälliger Mitwirkung des Herrn Lehrer Georg Ries-Frankfurt a. M. einenHerren-Liederabend", der in allen feinen Theilen in vorzüglicher Weise zur Ausführung kam und gewiß alle Konzerlbesucher in hohem Maße befriedigte. Mit Rück- ffchl darauf, daß eine allzugroße Ueberfüllung des Saales eine exakte Erledigung des Programms oft in ungünstiger Weise beeinflußt, hatte man diesmal von einem größeren Besuch abgesehen und nur in beschränkter Zahl Eintrittskarten verausgabt. Das sehr reichhaltige und gewählte Programm wies sowohl für Chor- als auch für Sologesang die an­sprechendsten Nummern auf und brachte vor Allem das deutsche Volkslied, das oft hinter dem Kunstgcsang zurück stehen mich, in ausgiebigster Weise zur Geltung. Eingeleitet uyirde der Liederabend durch den Bruch'schen ChorVom Rhein", dessen «irkffh mustergilliger Vortrag den Zuhörer davon überzeugen müßte, daß der konzertirende Verein auch eine strenge Kritik nicht zu scheuen braucht und unter seinem derzeitigen, überaus rührigen und kunstverständigen Dirigenten, Herrn Lamb, eine Höhe erklommen, die ihm wohl erlaubt, in einen Wettstreit mit erprobten Männergesangvereinen cinzu- trrten. Auch die übrigen ChornummernStumm schläft der Sänger" von Tilcher,Die s ch ö n e S ch ä fer in" von Spangenberg,Der König im Thäle" von Heim undSechs niederländische Volkslieder" wurden, was Tonreinheit, Aussprache und Auffassung anlangt, ganz prächtig gebracht. Am daukbarsten wurden wohl die zu« Vortrag gebrachten Volkslieder ausgenommen; wieI a schön ist mein Schatz nicht" von Schwartz,Es st e h r e i n 'L i n d i n j e n e m Thal" von Harlhau und 's ist Alles dunkel" von Spangenberg, die so tief empfunden, so schlicht volksthümlich gehalten waren, daß sie den Zuhörer mit dem ganzen unaussprechlichen Zauber, mit der ganzen ursprünglichen Naivität des Volksliedes an- muthrten. Von den Solisten des Abends seien die Herren Röder und S-ch midt-Bergenin erster Linie erwähnt, welche durch hübsche Licdervorträge bei recht sympathischer Sirflme reichlichen und wohlverdienten Beifall ernteten. Auch die beiden Duettisten brachten ihre NummernZwei Wanderer" von Abt undWand'res Nachtlicd" von Rubinstein zu schöner Wirkung. Die beste Unterstützung erfuhr das Konzert durch die gefällige Mitwirkung des Pianisten Herrn Georg Ries aus Frankfurt a. M., der mit großer technischer Fertigkeit Kompositionen von Mendelssohn, Brahms und Chopin auf dem Klavier zu Gehör brachte und reichen Beifall erntete. Die Glanznummer des Abends aber war ein nicht programmmäßig vorgesehener Tenorsolo des

H tnn L a in b, der mit seiner äußerst sympathischen, vor­züglich gefälltsten Stimme in bekannter virtuoser Weise eine kleine Komposition sang und wahre Beifallsstürme entfachte. Nur schade, daß Herr Lamb in seiner Bescheidenheit seinen Koilzcrtbcsilchern nicht eine ausgiebigere Probe seines geschulten Könnens gab! Sicherlich ist der Hinterbliebene Eindruck des von ihm arrangirten Liederabends ein nachhaltiger! Der GesangvereinHumoria" hat auch diesmal seinen alten Ruf bewährt und eine neue P^obe dafür gegeben, daß er ein Recht hat, sich hören zu lassen. Möge er unter seinem wackeren Diregenten auch ferner den deutschen Volksgesang pflegen und uns mit seinen Darbietungen noch oft erfreuen!

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung des Schöffengerichts vom 5. Dezember.

Ein Bettler erhält 14 Tage Haft. Der Fabrikarbeiter H. wurde gelegentlich von einem Kollegen gehänselt und schlug demselben nachher im Zorn sein Kaffeekännchen auf den Kopf. Er muß dies mit 15 Mk. büßen. Der Taglöhner F. soll ruhestörenden Lärm verübt haben. Da dies nicht erwiesen ist, erfolgt seine Freisprechung. Die Fabrikarbeiterin R. stahl ihrer früheren Dienstherrschaft zwei werthvolle Ringe aus einem Handschuhkästchen und versilberte den einen davon auf dem Leihhaus. Sie erhält 6 Wochen Gefängniß. Die Fabrik­arbeiterin St. hatte ein Strafmandat von 5 Mk. wegen ruhestörenden Lärms erhalten. Auf erhobenen Einspruch wird die Strafe auf 1 Mk. herabgesetzt. Der Landwirth L. ster von Dörnigheim hat vor «gangenem Gemeindebeschluß mit der Ernte begonnen. Die Strafe wird auf 1 Mk. fest, gesetzt. Ein Schwämmesncher K. soll unbefugt eine Wiese betreten haben. Er wird fceigesprochen. Der Arbeiter D. von Großauheim fuhr mit einem Billet 4. Klasse in einem Koupee 3. Klasse. Als ihn der Schaffner darob zur Rede stellte, meinte er, er (der Schaffner) habe ihm gar nichts zu sagen. Er erhält wegen Beleidigung und Betrugs 20 Mk. Geldstrafe. Ein halbwüchsiger Bursche St. von Groß­krotzenburg verübte anläßlich eines dortigen jüdischen Festballs an verschiedenen Mädchen grobe Ungehörigkeiten, was ihm wegen groben Unfugs ein Strafmandat von 20 Mk. eintrug. Sein Einspruch wird verworfen. Der Taglöhner M. von Kleinauheim war an der Station Pulverfabrik von dem Werk­führer einer Bausirma für die Ausführung von Erdarbeiten am Bahnhof Elm engagirt worden. Er erhielt für die Fahrt dorthin für sich sowie für 4 weitere von ihm mitzubringende Arbeiter 5 Mk., welche er behielt und weder selbst an den Bestimmungsort fuhr, noch Andere hinschickte. Ferner ent­wendete er einem Arbeitskollegen eine gestrickte Jacke. Es wird auf 5 Wochen Gefängniß erkannt. Ein vorlauter kleiner Junge verhöhnte und beschimpfte den Ausläufer M. wegen eines körperlichen Gebrechens, wofür ihm der M. eine Ohrfeige applizirte. Der zufällig vorübergehenhe Arbeiter F., der den Zusammenhang nicht ahnte, stellte den M. über die Mißhandlung des Jungen zur Rede, wodurch die Beiden in Streit geriethen. Sie stießen sich hin und her und es ent­stand ein großer Menschenauflauf. Inzwischen kam auch der Kutscher P. hinzu und dieser spielte den Beschützer des M. in der Weise, daß er dem auf die Erde gefallenen F. ohne Weiteres mit einem Hausschlüssel ins Gesicht schlug. Ein vierter Beiheiligter, K., der mit dem Messer hantirte, ist in­zwischen wegen Geisteskrankheit in die Irrenanstalt verbracht worden, während die andern drei der gegenseitigen Körper­verletzung beschuldigt sind. Der P. erhält 10 Mk., der M. 5 Mk. Geldstrafe, der F. wird freigesprochen.

Sprechsaal.

Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.

Handelsschule.

Geehrter Herr Redaktenr!

Sie würden «ich zu Dank verpflichten, wollten Ste die folgenden Zeilen im Sprechsaal Ihres geschätzten Blattes bringen.

Dem Vernehmen nach sind Pläne im Gang, welche den bisherigen Stundenplan an der Handelsschule umstoßen sollen, was sehr zu bedauern wäre. Störend waren für uns nur die Stunden Mittwoch nachmittags, und wenn es gelänge, dieselben mit dem Morgenunterricht zu verbinden und zwar die einzelnen Klassen an verschiedenen Tagen, damit uns nicht alle jungen Leute auf einmal «eggenommen werden, so wäre eine sehr vortheilhafte Einrichtung getroffen. Ueber den Werth des Morgenunterrichts kann ich als Laie nicht viel sagen, aber ich glaube, daß Morgenstunde Gold im Munde hat, wenigstens machen meine Lehrlinge zu meiner Freude recht schöne Fortschritte, und was Pünktlichkeit und Ordnung angeht, da gibt cs nichts Besseres als das frühe Aufstehen. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, die Frage noch einmal gründlich zu prüfen. Hochachtungsvoll

ein Althanauer Kaufmann.

TelejMhischki Wetterbericht der deutsche« Seewurtc.

Telegramm aus Hamburg vom 6. Dezember.

(9 Uhr 40 Min.)

Ein höchster Luftdruck lagert über Südwesteuropa, ein Minimum unter 745 mm über Mitteldeutschland, ostwärts fortschreitend. In Deutschland ist bai Wetter regnerisch, sehr mild, im Süden herrscht Weststurm.

Prognose für den 7. Dezbr.: Mildes Wetter, Nieder­schläge wahrscheinlich.

Barometerstand

mittags 12 Uhr am 5./12. G./12.

Sehr trocken

Beständig

Schön

Veränderlich

Regen (Wind

Viel Siegen

Sturm

UerrinKnachricht-»

für Donnerstag den 6. Dezember.

Kunstverein In der Aula der König!. Akademie: Ausstellung von Gemälden rc.

Hanauer G-schichtsverein: Abends 7V- Uhr im rothen Sälchen bei Bürgervereins' Vortrng des Akademielehrers Herrn Ernst Zimm rmoni! über:Die Leibeigensch ist im Hanauer Gebiet'.

Kirchenmor der Johanniskirche: Abends präcis 8 Uhr: Probe int U-buiigssälcheii der Kirche.

Kirchenchor der Marienkirche: Abends 8 Uhr: Probe.

Abends 8'/, Uhr im Saale Frankfurterstraße 6, Hinterhaus: Deffent» liier religiöser Vortrag.

Ssang. Männer- und Jünglingsverein: Bibelstunde (Evang. Vereinr- haus).

Bürgerverei» e. G.: Abends 9 Uhr: Mitgliederversammlung.

Techniker-Verein: Vereinsabend in der Restauration Mohr.

ärenbSfier Stenographenverein (gegründet 1897): Vereinsabend in der Restaurationzur großen Krone".

Katholischer Männerverein: BereinSabend in derRestauration Mohr' (Krämerstraße).

Hanauer Fußball- und Cricketklub : Bereiusabeud in der Restauration Alemannia".

Turn- u. Fechtklub: Fechten.

5t. Joseph Bauverein: Vereinsabend Und Kassenauflage im Gasthaus zur goldenen Gerste."

RadfahrervereinVorwärts": Zusammenkunft im Gasthaus ,zm Sonne'.

Erste Hanauer Poulegesellschaft - Preisspiel in der , Stadt Bremen".

Erster Hanauer Fußball-Klub 1893: Klubabend im Vereinslokal (Brauerei Kaiser, Altstadts.

Radfahrerverein Hanau 1885: Klubabend in derCentralhalle".

Feuerwehr-Vorstandssitzung in der Brauerei Beck. spesjart-Touristenverein: Vereinsabend im Gasthauszum Ele­phanten".

Aus Provinz und Nachbargebieten.

X. Cgffel, 5. Dezbr. Eine gestern Abend hier statt- gehabte zahlreich besuchte Versammlung des Alldeutschen Verbandes beschloß die Absendung einer drahtlichen Be- grüßungâ- und Sympathie-Kundgebung an den Präsidenten Krüger.

Landessynode für Kurhefsen.

Cassel, 5. Dezbr.

Die achte öffentliche Sitzung wurde gestern Abend von von 5 Uhr ab im großen Saale des Evangelischen Vereins- Hauses abgehalten. Herr Unterstaatssekrekär a. D. D. Dr. Exellenz von Weyrauch leitet als Vorsitzender die Ver­handlung. Zu Schriftführern wurden die Herren Superintendent Hebel und Kreissekretär Köhler-Fulda ernannt.

Als erster Gegenstand gelangt zur Berathung die Inter­pellation Schrader, betreffend die Verwendung aus dem Zuschußfond nach §§ 3 und 4 des Besoldungs­gesetzes. Herr Pfarrer Schrader-Breitenbach a. F. führt zur Begründung seiner Interpellation Folgendes auf:

Durch die Ausführung der Paragraphen 3 und 4 des Besoldungsgesetzes vom 2. Juli 1898 sei in weite Kreise der Geistlichen eine gewisse Beunruhigung hineingetragen. Er svreche nicht gern davon, denn er selbst sei hierbei ganz un- betheiligt. Er wisse auch, daß man es nicht Allen recht machen könne; aber er glaube, daß es dem Konsistorium nicht unlieb sein werde, sich über die Grundsätze, von welchen es sich bei Bewilligung der Zuschüsse zum Grundgehalt habe leiten lassen, hier öffentlich auszusprechen. Er hoffe, daß da' durch viel zur Beruhigung beigctragen werde. Der Pfarrer in der Stadt habe von jeher vor seinen Amisbrüdern auf dem Lande in jeder Beziehung so viel im Voraus gehabt, daß man wohl auf eine gewisse Ausgleichung durch das Be' soldungsgesetz habe hoffen dürfen. Der § 3 und 4 des in Rede stehenden Gesetzes habe auch die Handhabe hierzu geboten, denn es sollten danach besonders schwierige Stellen in erster Linie berücksichtigt werden, und es sollten auch Zu­schüsse auf Zeit bewilligt werden dürfen. Nun hieße es doch, Eulen nach Athen tragen, wollte man in dieser Versammlung noch davon reden, daß das Märchen von dem billigen Leben auf dem Lande eben ein längst verklungenes Märchen ist. Die Lebensmittel seien auf dem Lande nicht einen Pfennig billiger als in der Stadt, wohl aber ein gut Theil schlechter. Im Falle längerer Krankheit erwachsen dem Geistlichen ans dem Lande Ausgaben für Arzt und Apotheker, die er von seinem Gehalt unmöglich einbringen könne. Wachsen aber die Kinder heran und es entstehe die Nothwendigkeit, eins, zwei ober mehrere von Haus zu geben, so sei der Vorzug, den die schon in der Stadt wohnenden Anitsbrüder haben, besonders in die Augen fallend, und cs hätte sicher schon mancher Pfarrer auf dem Lande gern eine Altcrstufe davon ge­geben, wenn er dafür hätte in die Stadt ziehen und seine Kinder bei sich behalten können. Und was sei nun lr schehen? Die Zuschüsse zum Grundgehalt haben nur du Pfarrer in den Städten, und zwar seien denselben ZuschnP