W»««eme»t». Preis:
Jährlich 9 «Ä. .HMLHrl. 4^50^.
Vierteljährlich 2 * 25 ^.
Für auswärtig«; Mmncnten mit de» betreffenden Yostaufschlag.
Die einzelne
Klemmet kostet
19 * ^■-»———e^-«
CinrMuitfl»- gebühr
st' Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ dt« 4gespaltene Garinond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 16 ^.
Im Rcklamentheil die Zeile 20 J, für
Auswärts 30 ^.
Amtliches Organ für Staöt- unö LanöKrels Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
$L 130.
Mittwoch den 6. Juni
1900
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 24.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 Apparat zum Cigarrettenmachen, 1 goldener Drathring mit 2 rothen und 1 weißen Steinchen, 1 brauner Herrenglagshandschuh (rechter), 1 Damenglayö- handschuh (rechter), 1 weißer Kinder-Strohhut, 1 Paar weiße lederne Militärhandschuhe mit dem Namen Ebenau.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 25 bis 25 Mark, 1 dunkelgrauer Filzhut, 8 Mk. loses Geld, 1 Quittungskarte für den Tagelöhner Georg Leitner.
Zugelaufen: 1 braungesprenkelter Jagdhund m. Geschl., Empfangnahme bei dem Gutsvorstcher zu Wilhelmsbaderhof. 1 weißer Foxterrier mit schwarz und roth gefleckten Spiegelaugen m. Geschl.; Empfangnahme bei dein Ackermann Wilh. Koch III. in Niederdorfelden.
Entlaufen: 1 gelber Dachshund m. Geschl.
Hanau den 6. Juni 1900.
Der Krieg geht zu Ende.
Durch England klingt der Ruf: „Der Krieg ist zu Ende"; Lord Roberts steht in Pretoria, der Oranje-Freistaat ist bereits zu einer britischen Kolonie erklärt worden, und Transvaal wird dasselbe Schicksal erleiden. Die große Genugthuung, die man in England empfindet, ist nach den schweren Schlappen zu Beginn des Krieges ganz begreiflich. Großen kriegerischen Ruhm hat ja das britische Heer nicht davon getragen; denn es war am Ende kein Kunststück, mit den Hilfsmitteln einer Weltmacht, mit zehnmal überlegenen Streilkrâften ein kleines Bauernvolk von 300000 Seelen niederzuzwingen. Insbesondere haben sich die englischen Führer bis zum Eingreifen des Feldmarschalls Lord Roberts nicht mit Lorbeeren bedeckt; wohl aber muß anerkannt werden, daß die englischen Soldaten trotz der anfänglichen Mißerfolge ausdauernden Muth und Mannszucht bewiesen haben, während die tapferen Burenstreiter aus Mangel an Disziplin ihre ersten Erfolge nicht auszunutzen und ihre spätere Bedrängniß nicht mit Zähigkeit und Selbstvertrauen zu ertragen verstanden.
Das Ende des Krieges regt natürlich zu mancherlei politischen Betrachtungen an. Für uns ist die nächstliegende die, daß unsere Regierung die richtige Voraussicht bewiesen hat, indem sie trotz der ersten bedeutsamen Erfolge der Buren an deren schließlicher Niederlage^ nicht zweifelte. Dies war ein Grund mehr für sie, der Sympathie für das tragische Geschick der Buren nicht nachzugeben und sich in ihrer neu-
Feuilleton.
Plamtoidcn-Eiitdcllmgca im Jahre 1899.
Von kleinen Planeten, die zwischen Mars und Jupiter ihre Bahn um die Sonne beschreiben, wurden im vergangenen Jahre 21 Entdeckungen gemeldet. Drei von den entdeckten Körperchen konnten nicht weiter verfolgt werden. Der Ende August von Mascart in Paris entdeckte Planet stellte sich als ein alter Bekannter heraus, nämlich als der unter der Nummer 32 geführte, der den Namen Pomona trägt. Ebenso fand Coddington im Oktober auf einer photographischen Platte einen Planeten mit der Helligkeit eines Sternes zehnter bis elfter Größe, den er für neu hielt. In Kiel wurde aber sofort die Aehnlichkeit der Bahn dieses Körpers mit der des im Februar 1896 von Wolff in Heidelberg entdeckten Planetoiden Nummer 415 festgestellt. Dazumal war dieser Planet aber nur acht Tage lang verfolgt worden, seine Bahnbestimmung war daher sehr unsicher. Die jetzt für den von Coddington aufgefundcncn Planetoiden berechnete Bahn, die sich übrigens durch neue große Excentricität auszcichnet, stellt die Beobachtungen von 1896 genau dar, so daß an der Identität des Coddington'schen kleinen Planeten mit Nummer 415 kein Zweifel ist.
Außerdem erwiesen sich noch andere von den oben angeführten 21 als entdeckt gemeldeten Planeten nachträglich als identisch mit längst bekannten Körpern, beren Bahnen aber noch so unsicher waren, daß sie bei ihrem Auffinden als neu betrachtet werden mußten. Die „Entdeckungen" haben deshalb erheblichen Werth, weil jetzt genaue Bahnbestimmungen dieser Körper möglich sind, die ein Wiederverlorengehen für die Zukunft völlig ausschließen. Es bleiben somit als im
tralen Haltung nicht beirren zu lassen. Die kaiserliche Politik durfte deshalb auch zur Zeit der schwierigen, geschickt und erfolgreich geführten Samoa-Verhandlungen, wo es galt, unser eigenes Recht und deutsche Interessen zu behaupten, jeden innern Zusammenhang mit der damaligen Kriegslage in Südafrika zurückweisen.
Unmittelbare deutsche Interessen in Transvaal machten sich erst zuletzt geltend, als die Buren drohten, die Minen am Rand zu zerstören. Man schätzt die gcsammten Minen- Kapitalien in Transvaal auf 2900 Millionen Mark. Der Haupttheil davon entfällt nicht, wie vielfach geglaubt wurde, auf England, sondern auf Frankreich und Deutschland, und zwar sind an den 600—800 Millionen Mark, die in Deutschland untergebracht sind, nicht wenig kleine Kapitalisten be- theiligt. Deswegen stand man auch in England dem Gedanken der Zerstörung der Minen ziemlich kühl gegenüber und sah darin zunächst eine Diskreditirung der Buren. Wenn die Transvaalleute schließlich von einem Akt barbarischen Fanatismus, der ihnen nicht das Mindeste genützt und mehr Werthe von Neutralen, als Werthe ihres Feindes, vernichtet hätte, Abstand genommen haben, so ist ihnen dieser Sieg ihres Rechtlichkeits-Gefühls durch die eindringlichen Vorstellungen Deutschlands und Frankreichs erleichtert worden.
Tagesschau.
Der Reichstag
ist nach der Psingstpause am 6. Juni wieder zusammen getreten. Wie man in politischen Kreisen berechnet, dürfte er eine Woche später seine Arbeiten erledigt haben. Man glaubt, daß der Schließung der Session, die sich über zwei Jahre erstreckt hat, am 13. Juni kaum etwas im Wege stehen wird. Das Flotten-Gesetz dürfte in der Kommissionsfassung mit großer Mehrheit durchgehen, und auch die Aenderungen des Stempelsteuer-Gesetzes und des Zolltarifes, die das Geld für die neue Flotte liefern sollen, sind wohl mit den Kommissionsbeschlüssen besiegelt.
Allgemeine Deutsche Lehrerversammlung.
Nachdem der Allgemeine Deutsche Lehrertag vor vier Jahren in der Welthandelsstadt Hamburg und vor zwei Jahren in der alten Hauptstadt Schlesiens versammelt gewesen war, trat er in diesem Jahre im „heiligen Köln" am schönen Rhein zusammen. Auch diesmal erwartetete man an 4000 Theilnehmer, von denen etwa über 3000 eingetroffen sind. Im altberühmten Gürzenich, in der Nähe des Domes, werden die Versammlungen gehalten. Die Begrüßungsvcr- sammlung, mit welcher Montag abend im großen Saale der „Lese" die Lehrerversammlung eröffnet wurde, war von mehreren Tausend Personen besucht, unter ihnen waren sehr viele Damen.
Vorjahre wirklich entdeckt nur 10 Planetoiden übri", welche die Nummern 442 bis 451 erhalten haben. y^t diesen wurden nicht weniger als sieben von den Herren Wolff und Schwaßmann in Heidelberg gefunden, während Cog^ia, Coddington und Charlois je einen entdeckten. Besonders be- merkenswerthe Eigenschaften haben die Bahnen der neuen Planetoiden nicht, sie bleiben in mittleren Abständen zwischen Mars und Jupiter und zeigen weder große Excentricitäteu, noch starke Neigungen gegen die Ekliptik.
Ferner ist im vergangenen Jahre auch der Planet Anna (265) wieder gefunden worden. Derselbe war am 25. Februar 1887 von Palisa in Wien im Sternbilde des großen Löwen entdeckt. Er war so hell wie ein Stern 12. bis 13. Größe und bewegte sich sehr schnell, einen halben Grad täglich nach Südwesten. Bis zum 15. Mai wurden dazumal die Beobachtungen dieses Körpers fortgesetzt, und danach konnte eine ziemlich zuverlässige Bahnberechnung ausgeführt werden, mit deren Hilfe der Planetoid am 6. September 1888 wieder gefunden wurde als Sternchen 14. Größe, das seit seiner Entdeckung mehr als den halben Himmel durchzogen hatte 'nnb bis zum Sternbild des Pegasus gelangt war. Seit dem war Anna nicht mehr gesehen worden. 1889 stand sie in Erdferne und wäre schwächer als 15. Größe gewesen. Im Frühjahre 1891 hätte sie zwar 13. Größe sein müssen, sie stand aber 50 Grad südlich vom Aequator, für europäische Sternwarten daher nicht zu erreichen. So blieb der Planet auch in den folgenden Jahren entweder sehr weit von uns entfernt oder in sehr südlicher Stellung. Erst im August vorigen Jahres kam er für uns in günstige Lage und wurde daher auch als Stern 13. Größe beobachtet, nachdem er seit seiner letzten Beobachtung im Jahre 1888 fast drei volle Umläufe um die Sonne vollendet hatte.
Namens des Ortsausschusses und des Kölner Lchrcrvcrban- des begrüßte Lehrer Scheven die deutsche Lehrerschaft, die sich zum ersten Mal am Rheine versammelt habe. Aus dem Hauptprogramm sind folgende Vorträge auzuführen: Otto- Charlottenburg über die Bedeutung einer gesteigerten Volksbildung für die wirthschaftliche Entwickelung unseres Volkes. Ries-Frankfurt und Scherer-Worms über die Stellungnahme zur Einführung des Handfertigkeits-Unterrichts in den Schulplan der Knabenschulen. (In den angegebenen Leitsätzen spricht sich Ries ablehnend aus, während Scherer eine Umgestaltung des Lehrplanes als Vorbedingung aufstellt.) Wolgast- Kiel verneint in seinem Vortrage die Frage der Einführung des Haushaltungsunterrichts in den Lehrplan der Mädchenschulen und will diesen Lchrgcgenstand der Mädchen-Fortbildungsschule zugcwicsen sehen. Solange diese noch nicht allgemein obligatorisch durchgeführt ist, wird sich die Anlehnung der hauswirthschaftlichen Kurse an die oberen Klassen der Mädchenvolksschulen als wünschenswerth Herausstellen. Am Dienstag den 5. d. M. waren drei Haushaltungsschulen im Betriebe (Teorgsplatz, Antonietlenstraßc und Lochncrstraße) unter der Leitung der Damen Heines, Güsten und Kleemann zu sehen. Von den Nebenversammlungen sind zu nennen: die Hauptversammlung des deutschen Lehrervereins für Naturkunde, die erste Versammlung der freien Vereinigung für philosophische Pädagogik. Hierin werden u. A. sprechen: Rektor Wigge- Rodenkirchen (Oldenburg) über die Kernpunkte des Streites um die Individual- und Sozialpädagogik, Anders-Charlottenburg über das Willensproblem und seine pädagogische Bedeutung, Engel-Elberfeld über Suggestion und Erziehung mit besonderer Berücksichtigung der Kindcrfehlcr und Heilung durch hypnotische Suggestion, Steglich-Dresden über das Verhältniß der pädagogischen Pathologie zu den übrigen Zweigen der Pädagogik. Außerdem sind noch zahlreiche Fachvorträge vorgesehen, darunter über Stenographie, Schreibmaschinen, Zeichnen, Rechenapparate, Behandlung des astronomisch-geographischen Unterrichts in der Volksschule. In der Nebenversammlung des Vereins Abstinenter wird Reg.-Rath Quensel- Köln über die Bedeutung der Alkoholfrage für die Volksschule sprechen. 'Der „Kölner Männergesangverein" veranstaltet am Mittwoch im großen Saale des Gürzenich ein Konzert, dessen Ertrag namentlich für arme Schulkinder (Kinderhorte) bestimmt ist. Ferner plant die deutsche Lehrerversammlung Ausflüge nach dem Siebengebirge und in das Bergische Land.
Der Kongreß der Neuphilvlogen,
der in Leipzig abgehalten wurde, beschloß, die Unterrichts- behörden Deutschlands und Deutschöstcrreichs zu ersuchen, den Oberrealschulen in Gleichstellung mit den Realgymnasien die Berechtigung zum Studium der neuen Philologie zuzuerkennen.
Die R o s e.
Der Juni ist der eigentliche Rosenmonat, der Monat der Königin im Blumenreiche. Durch Hunderte von Jahren hat sich diese Blume ihre Beliebtheit als herrlichste im großen Blumenreiche zu bewahren gewußt, sowohl durch ihren prachtvollen Duft als auch durch schöne Farben und Formen.
Schon in der Sage des Alterthums wird die Rose verherrlicht, und die altklassischcn Dichter haben wonnetrunken die Rose besungen. Der griechische Dichter Anakreon ließ die Rose zugleich mit der Venus aus dem weißglänzcnden Meerschaum erstehen, auf welche die Götter dann voller Entzücken bei ihrem Anblick Nektar träufelten, wodurch die herrliche Blume dann ihre rothe Färbung und ihren köstlichen Duft erhielt.
Nach einer anderen Sage hat Aphrodite die weißen Rosen in rothe verwandelt, als sie von glühender Leidenschaft für den schönen Adonis ergriffen war. Als sie erfuhr, daß der Geliebte verwundet im Haine von Paphos liege, eilte sie, ihrer zarten Füße nicht achtend, zu ihm hin, durch dornenreiche Roscnbüsche, deren weiße Blüthen sie mit ihrem Blute tränkte und die seitdem die Farbe der Liebe tragen. Der Aphrodite und dem Amar, diesen beiden Repräsentanten der Liebe in der griechischen und römischen Götter- wclt, war die Rose deshalb auch geweiht. Auch dem Bacchus, der Diana, den Musen und den Horen war sie als Attribut gegeben.
Nach einer orientalischen Sage aber entstammt die Rose dem Paradiese selbst. Als das erste Menschenpaar, so erzählt die Sage, das Paradies verlassen mußte, erbat sich Eva von dem Cherub zum Andenken eine Rose, und von dieser Rosen- Stammmutter stammen die vielen über die ganze Erde verbreiteten Rosenarten ab. Noch heute schwärmt man aller Orten für die Rose.