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Nr. 5.

Samstag den 6. Januar

1900

Amtliches ^anölârew ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In B r e i t e n b o r n a. W. (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

In Altenmittlau (Kreis Gelnhausen) ist biese

Seuche erloschen.

Hanau den 4. Januar 1900.

Der Königliche Landrath.

V 66 v. Scheu ck.

^taöt^rei^ âanau.

Bekanntmachungen des OberLnrgermeistcramtrs.

Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. bei dem hiesigen städtischen Meldeamte (Langstr. 41 pari, rechts) zur Rekrutirungs- stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod-, oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, eben­falls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1880, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standes­amt des Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei aus­gestellt wird, vorzulegen.

Hanau, am 2. Januar 1900.

Der Magistrat.

Bode. 203

Konkursverfahren

Das Konkursverfahren über das Vermögen des Archi­tekten Leopold Petri, in Firma Petri u. Lohoff zu Kessel st adt ist durch Schlußvertheilung beendigt und wird deshalb aufgehoben.

Hanau den 29. Dezember 1899.

Königliches Amtsgericht, Abth. 2b. 436 Gesundcne und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Mitgliederbuch der freien Vereinigung der Barbier- und Friseurgchülfen Hanaus.

Z u g e f l o g c n : 1 Turteltaube; Empfangnahme bei Herrn Förster König, Lamboybrücke.

Zugelaufen: 1 Hund, schwarzgrau und weiß, stumpfen Schwanz; Empfangnahme bei Metropolitan Li m b e rt in Ostheim.

Hanau den 6. Januar 1900.

Die Gesundheitsverhäliniffe in Kiautschou finden in der, wie gemeldet, dem Reichstag zugegangenen Denkschrift eine eingehende Besprechung, die, ohne in un­berechtigten Optimismus zu verfallen, doch geeignet erscheint, pessimistische Uebertreibungen auf ihr richtiges Maß zurück­zuführen. Als hygienische Ucbclstände, die zur Zeit noch bestehen und im Berichtsjahre insbesondere eine verhältniß- mäßig große Verbreitung von Darmtyphus und Ruhr vcr- ursagt haben, bezeichnet die Denkschrift erstens Boden- verunreinigung und dadurch bedingte mangelhafte Wasserversorgung, zweitens unzureichende Wohnungs- Verhältnisse.

Die Verunreinigung des Bodens ist durch die bisherige chinesische Mißwirthschaft herbeigeführt worden und hat auch seit der deutschen Besitzergreifung durch den gewaltigen Zuzug einer chinesischen Arbeiterbevölkerung, die sich zum größten Theile rings um Tsingtau ansiedelte, trotz strenger polizeilicher Maßnahmen nicht verhindert werden können. Infolge dieser Verunreinigung sind Typhuserreger in das Grundwasser und so in die Brunnen gelangt, die bisher die Bewohner von Tsingtau ausschließlich mit Wasser versorgen. Von hier aus müssen dann, obwohl das Brunnenwasser auf ärztliche Anordnung stets nur in abgekochtem Zustande zu benutzen war, die Krankheitskeime weiter verschleppt sein. Daneben ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Erd­arbeiten eine Anzahl von Darmtnphuserkrankungen ursächlich veranlaßt haben können. Auf Grund dieser Beobachtungen hat das Gouvernement die Herstellung einer gesundheits­gemäßen Wasserversorgung durch das Projekt einer zentralen Wasserleitung eingeleitet, die in einem der großen Thäler bei dem Dorfe Haipo die von den Hängen hcrabströmcnden Grundwasser auffangen soll, ferner den Ausbau des Kanalisationsnetzes fortgesetzt und die Abfuhr bei den Chinesen nunmehr geregelt. Die bisherigen Wohn­plätze der Chinesen, das schmutzige Oberdorf von Tsingtau und ein großer Theil des Unterdorfes sind beseitigt; den Chinesen wurde verboten, sich in der Europäerstadt nicder- zulassen; statt dessen werden ihnen neue Wohnplätze in Nangtschiat'sun zugewiesen. Zur Förderung der hygienischen Verhältnisse wurde ferner eine besondere hygienisch-chemische Untersuchungsstation mit bakteriologischem Laboratorium ein­

gerichtet, die Fleischschau cingeführt und die Milchwirthsckaftcn der sanitätspolizcilichen Kontrolle unterstellt.

Die Wohnungsverhältnisse waren in dem ersten Ent­wicklungsstadium der Kolonie naturgemäß noch wenig günstig, da die Wohnungen in den alten Chincsenhäusern fast alle zu ebener Erde auf einem verunreinigten Boden liegen, dabei recht feucht und stark belegt sind und unter diesen Verhält­nissen günstige Bedingungen für die Entwickelung und Ver­breitung von ansteckenden Krankheiten abgaben. Insbesondere können die alten chinesischen Lager, in denen die deutsche Garnison zunächst provisorisch untergebracht werden mußte, trotz aller Reparaturarbeitcn auf längere Zeit den Anforde- rungen der Hygiene nicht genügen. Es ist deshalb im Be­richtsjahre mit einer umfassenden Hochbauthätigkeit vorgegangen worden; die Truppen sollen sämmtlich in neuen Kasemen untergebracht werden, die zum Theil bereits fertiggestellt sind. Für die Zwischenzeit bis zur Fertigstellung aller umfangreichen Neubauten wird durch eine Reihe von Arbeiten, insbesondere durch eine ausgedehnte Entwässerung der allen chinesischen Lager, sowie durch Errichtung von Baracken die nothwendigste Abhilfe geschaffen. Das Gouvernement hat den Bau eines Lazarcthcs mit allen erforderlichen Nebengebäuden in Angriff genommen lind zum Theil bereits fertiggestellt; in der Er­wägung, daß auch das Privatpublikum Ausnahme finden soll, wird es für 156 Betten eingerichtet.

Die Denkschrift warnt entschieden vor übertriebenen Be- sorgnissen über die Entwickelung der gesundheitlichen Ver­hältnisse. Es darf nicht übersehen werden, daß die gegen­wärtigeil in Tsingtau auftretenden Krankheiten derart sind, wie sie in dem entsprechenden Entwickclungsstadium einer jeden jungen Kolonie beobachtet wurden. Bei der Gründung der Kolonie Hongkong hatten die Engländer gegen sehr viel schlechtere hygienische Zustände zu kämpfen, als gegenwärtig die Deutschen in Kiautschou; heute aber gehört Hongkong zu den blühendsten englischen Plätzen. Durch Eingreifen hygie­nischer Maßnahmen haben sich die Gesundheitsverhältnisse noch überall wesentlich bessern lassen, wo die klimatischen und sonstigen Grundbedingungen einer Kolonie so günstig waren wie in Kiautschou. In einem Nachtrage zu dem Kapitel Gesundheitswesen erwähnt die Denkschrift übrigens, daß seit Schluß des Berichtsjahres die Darm­typhuserkrankungen nach einer vorübergehenden Zunahme sich erheblich vermindert haben. Seit Mitte November zeigen die Gesundheitsverhältnisse wieder ein befriedigendes Bild.

Tagesschau.

ttebcr den Stand der Bismarcksäntenbewegung bringen dieGörlitzer Rachr." eine Darstellung, der wir Folgendes entnehmen:Kein größerer deutscher Bundesstaat,

Ft-uiiivltm

Dreilönigstag in iur Kunst

Eine Skizze zum 6. Januar.

Von Theodor Lamprecht

(Nachdruck verboten.)

Wenige Gestalten aus dem Neuen Testamente haben sich eine solche Volksthümlichkeit erworben, wie die heiligen Drei Könige. Obgleich sie in ben heiligen Geschichten nur die Stelle einer Episode einnehmen, so ist doch diese Episode so voll von bem Zauber orientalischer Märchcnpocsie übcr- strahlt, daß ihre Helden sich daâ Herz des Volkes gewinnen mußten und darum in zahlreichen Wcihnachts- und Drei- königsspielen immer wieder verherrlicht wurden. Doch vor allem mußte die Szene der Anbetung der Könige die Phantasie der Künstler ergreifen; und so finden wir sie denn in der That von ben Tagen des Frühchristenthums bis in die höchsten Blüthccpochen der Kunst schier unzählige Male dargestellt. Sie ist auf Reliefs, Gemälden und Mosaikcit, auf Elfenbeintafeln, Brouzethüren, Reliquicnschreinen, Münzen und Miniaturen behandelt worden, die Künstler des Südens und des Nordens haben sie gleicherweise geliebt und alle Temperamente, alle Stile haben sich an ihr versucht. Dadurch ist die Anbetung der Könige unter jene Stoffe gerückt, an denen wir gewissermassen die Leistungsfähigkeit der Kunst in den verschiedenen Epochen messen können; und es ist die Verfolgung des Themas durch die Kunstgeschichte um so interessanter, als sie uns zu einigen der größten Meisterwerke der Kunst führt und uns ihr Verständniß er­leichtert.

In den ältesten Zeiten war cs freilich nicht der künst­lerische, sondern rein der religiöse Gehalt der Begebenheit,

der die Bildner anzog ; die Anbetung der Könige wurde aus­schließlich als das Symbol der Huldigung des Heidenthums vor dem Christkindlein betrachtet und bei dieser Auffassung lag kein Bedürfniß zu einer lebendigeren Charakteristik und menschlich interessanten näheren Veranschaulichung der Szene vor. Auf altchristlichen Denkmälern, w. z. B. einer wohl dem 5. Jahrhundert entstammenden, in der Schatzkammer des Mailänder Doms aufbewahrenten Elfenbeintafcl, sehen wir daher drei bartlose Männer in phrygischen Mützen dem auf dem Schoße der Madonna sitzenden Kinde ihre Geschenke darbringen, ohne daß der Ort des Vorganges genauer be- stimmt, die Männer schärfer gekennzeichnet und voneinander unterschieden wären, und ohne daß ein seelisches Moment in der Darstellung zum Ausdruck käme. Ja, die Männer er-

scheinen hier noch nicht einmal als Könige, wie denn auch. lvvlvl

der Evangelist Matthäus nur von den drei Weisen aus das liebliche Bild vor ihnen.

dem eine Fülle von Beobachtungen und frischen Motiven leicht zu verwenden war. So hat die Behandlung der An­betung der Könige, nachdem ein Jahrtausend dahingegangcn ist, eine ganz neue Form angenommen. Diese neue Form zeigt uns das schöne Gemälde des Umbriers Gentile da Fabriano, das er 1423 für Palla Strozzi vollendete, und daS Heul in der Akademie zu Florenz aufbewahrt wird.

Da sehen wir die Jungfiau, das Kind auf dem Schoße, mit Joseph und zwei Frauen vor einem ruinenartigen Ge­bäude sitzen. Oechslein und Eselein fehlen nicht. In diese Dürftigkeit hinein tritt nun der prächtige Zug der fremden Gäste. Die drei Könige nahen sieb anbctcnd: der älteste, ein Greis, ist schon vor dein Jesukindlein ins Knie gesunken; die andern, ein Mann und ein Jüngling, beides Gestalten von

hohem Adel und idealer Schönheit, blicken wie verzaubert auf

dein 12.

der

Btorgenlande

spricht.

Erst

seit

der

Dahinter aber drängt sich ein

agdhund reckt sich

Morgenlande spricht. Erst seit der im zahlreiches Gefolge; Rosie stampfen, ein Jagdhund reckt sich, Jahrhundert erfolgten Uebertragung der Reliquien Garneele halten unbeweglich still, ein Affe sitzt auf dem Rücken drei Magier nach Köln (Friedrich Barba : des einen. In mannigfacher und lebhafter Theilnahme folgen

rossa schenkte seinem Erbkanzler, dem Erzbischöfe Raittald von die Begleiter dem Vorgänge. Welch' ein Abstand zwischen Dassel, diesen kostbaren Schatz) wurde die Vorstellung allge- jener primitiven Darstellung auf der alten Elfenbeintafel und mein, daß es Könige aus dem Morgenlande gewesen seien, diesem Werke! Hier ist alles Leben, Bewegung, Unmittelbar die der Stern nach Bethlehem geführt habe, und damit feit. die Szene hat Fleisch und Blut' bekommen. Doch mußten sich auch schnell alle bisherigen Vorstellungen von der ist sie keineswegs realistisch behandelt. Vielmehr ist es eine Szene wandeln. Denn große Fürsten bei Orients waren! heitere ideale Welt, dir Gentile hier darstellt; der prächtige nun nicht mehr in gemeiner Tracht zu denken; sie mußten in Zug der anbctcnden Könige ist dazu benutzt, um ein Andachtâ- prächtigen Kleidern, mit gebührendem Gefolge reisen; auch bild von märchenhafter Poesie zu schaffen und das Auge lag es nahe, sic nach Alter und Gestalt zu unterscheiden und durchs Pracht und Glanz zu erfreuen.

dadurch mehr individuell, als typisch zu gestalten. Eine ähn­liche Entwickelung ^machte auch die Auffassung aller anderen Bestandtheile der Darstellung durch: sie alle wurden bestimmt,

spczialisirt, und je mehr sich die Kunst von den Fesseln der Tradition befreite und mit dem Leben in Verbindung trat, um so lebhafter mußte sie gerade dieser Stoff anziehcn, bei

Die heutige Nummer umfasst außer dem Unterhaltttngsblatt 12 Seiten

Damit war die Bahn gebrochen; andere mochten nun auftreten und dem Stoffe neue Seiten abgewinnen. Das that etwa ein Menschenalter später Andrea Mantegna, der große Paduaner, dessen vielgefeicrtcr Altar in den Uffizien zu Florenz die Anbetung auf seinem Mittel- bilde zeigt. Die Pracht des Farbenglanzes tritt bier