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Im ReklaiueniheU die Zeile 20 V mr Auswâris 311 A.
Nr. 283
Dienstag den 4. Dezember
1900
Amtliches
Stadt- und Landkreis Hanau. Bekanntmachung.
Am 1. Januar 1901 tritt die vom Herrn Ober-Präsidenten für die Provinz Hessen-Nassau erlassene Polizeiverordnung betr. den Verkehr mit Fahrrädern auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen vom 11. September d. Js. — abgedruckt in Nr. 41 der Amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" vom 19. v. Mts. — in Kraft.
Der § 13 dieser Verordnung lautet:
1. Es müssen bei sich führen und den Aufsichtsbcamten auf Verlangen vorzeigen:
a) Radfahrer, welche in Preußen einen Wohnsitz haben, eine auf ihren Namen lautende, von der zuständigen Behörde des Wohnortes ausgestellte, für die Dauer des Kalenderjahres giftige Radfahrkarte. — Die Radfahrkarte wird durch die Ortspolizeibehörde ausgestellt. Für Personen unter 14 Jahren erfolgt die Ausstellung auf Antrag des Vaters, Vormundes oder sonstigen Gewalthabers.
b) Radfahrer, welche ihren Wohnsitz ««her- h a l b Preußens in einem Sinnt haben, in dem Rndfnhrkarten gleicher oder ähnlicher Art vorgeschrieben sind, eine nach den dortigen Bestimmungen giltige Radfahrkarte.
c) Radfahrer, welche weder in Preußen noch in einem unter b genannten Stnnte ihren Wohnsitz haben, einen anderweitigen genügenden Ausweis ihrer Person.
2. Militärpersonen, sowie uniformirte und mit einem Dienstabzeichen versehene Beamte, welche das Fahrrad dienstlich benutzen, bedürfen einer Radfahrkarte oder eines sonstigen Ausweises nicht.
Die Ausstellung der nach § 13 Nr. la erforderliche» Radfahrkarten, welche für Stadt- und Landkreis Hanau dieselben sind, erfolgt im Stadtkreise Hanau durch die Kgl. Polizei-Direktion, im Landkreise Hanau durch die Bürgermeisterämter.
Letztere können die erforderlichen Radfahrkarten in der Druckerei des cv. Waisenhauses hierselbst beziehen.
Die Ausstellung der Radfahrkarten erfolgt unentgeltlich. Gleichzeitig mache ich das radfahrende Publikum noch besonders auf § 12 der besagten Verordnung aufmerksam. Der Paragraph lautet:
Auf den Haltruf eines polizeilichen Exekutivbcamten ist jeder ' Radfahrer verpflichtet, sofort einzuhalten und abzusteigen.
Ich bemerke noch, daß die bisherigen Bestimmungen über Radfahrkarten und Nummcrplalten bis zum 1. Januar 1901 in Kraft bleiben.
Hanau den 1. Dezember 1900.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 9676 v. Schenck.
^anö^rei© ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Langenselbold gelten die Backstcinblattern (Nesselfieber), welche daselbst unterm 22. v. Mts. bei einem geschlachteten, aus dem Gehöft des Johannes Schweb stammenden Sckweine festgestellt wurden, als erloschen.
Die über das Schivcd'sche Gehöft verhängte Sperre ist aufgehoben worden.
Hanau den 1. Dezember 1900.
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
In Dortelweil (Kreis Friedberg) ist die Maul- und
Klauenseuche erloschen.
Hanau den 4. Dezember 1900.
Der Königliche Landrath.
V 11896 v. Schenck.
Der Landweg von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen ist von Mittwoch den 5. d. Mts. bis Freitag den 7. d. Mts. wegen Fällung von Tannen im angrenzenden Gcmcindewalde für den öffentlichen Verkehr gesperrt.
Hanau den 3. Dezember 1900.
Der Königliche Landrath.
V 11917 v. Schenck.
LandwirtWastlicher Kreisverein, Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 15. Dezember 1900, nachmittags 2^r Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.
Tagesordnung.
1. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Vortrag des Herrn Fr. Schnapauff aus Wiesbaven, über: „Wirksamste Confer- virung des Stalldüngers, zugleich sicherer Seuchenschutz der Stallungen."
3. Neuwahl des Vereins-Vorstandes.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister wollen die obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichcn Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau den 4. Dezember 1900.
Der Königliche Landrath.
L 153 v. Schenck.
Berichtigung.
Das Inserat betr.: „Oberhessische Portland eement- und Stein-Zndustric-Werke, Actien- gesellschast, Hain-Gründau" wird wie folgt berichtigt:
Die Mitglieder des Aufsichtsraths erhalten zusammen eine Vergütung von 9000 Mk., nicht wie angegeben 90 000 Mk.
Büdingen, den 26. November 1900.
Großherzogliches Amtsgericht. 19655
Zesuudkue und verlorene GegenstsOe etc.
Verloren: 1 kleiner, bräunlich karrirter Handschuh. Hanau den 4. Dezember 1900.
Deutscher Reichstag
(Sitzung vom 3. Dezember.)
Das Haus ist stark besetzt. Am Bundesrathstische Staatssekretär Graf Posadowsky, der Handelsminister Bre- feld, Eisenbahnministcr Thielen. Präsident Graf Balle st rem eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Minuten. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Heim-Müller- Fulda betr. Beseitigung der Kohlentheuerung.
Abg. Heim (Clr.) begründet die Interpellation, nachdem Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt hat, der Reichskanzler wäre bereit, die Interpellation durch die Minister für Handel und Gewerbe und öffentliche Arbeiten beantworten zu lassen.
Abg. Heim (Ctr.) weist auf die früheren Bemühungen des Reichs- und Landtages und die damaligen Aeußerungen des Ministers Thielen hin, daß er von dem Aufhören der Streiks eine Besserung erhoffe. Die Streiks sind beendet, ohne daß die Lage sich gebessert hat. Die Gründe müssen also wo anders liegen. Das Rheinisch-Westfälische Kohlen- syndikat beging schwere Fehler. Redner wendet sich gegen den Zwischenhandel und betont sodann, daß bis zum Jahre 1893, im Jahr, wo sich das Syndikat bildete, der Kohlenpreis schwankte, seitdem aber beständig steige, da jede Konkurrenz fehle. Wenn schon Handel und Industrie und die Landwirthschaft schwer darunter leiden, müssen die Verbraucher noch Schlimmeres aushalten, da ihre Position schwächer ist. Das Syndikat verkauft nach dem Auslande billiger als im Jnlande. So ist beispielsweise der Kohlenpreis in der Schweiz billiger als in Süddeutschland, und da erfahren wir Bauern, welchen Werth die Zugehörigkeit zum Reiche hat. In den ersten neun Monaten des Jahres steigerte sich die Kohlenausfuhr um 12l/i Milliouen Doppelzentner trotz des Mangels im Jnlande. Dabei stellt die Regierung stets nur Erhebungen und Erwägungen an. Man könnte fast glauben, Herr Bre- fcld sei nicht Minister, sondern gehöre dem Aufsichtsrath einer Bergwerks Gesellschaft an. Im Publikum herrscht eine wahre Kohlenangst, weil das Syndikat die Bestellungen der Verbraucher auf V» oder */« reduzirte. Dabei lehnte das Syndikat frivoler Weise die von den Zechen zur Verfügung gestellten Mehrlieferungen ab. Das 18. Armeekorps erhielt bei einer Submission überhaupt keine Antwort und mußte englische Kohlen beziehen. Die Syndikatsblätter meinen, der Reichstag könne nichts thun. Was würden sie sagen, wenn der Reichstag haudelSvcrtragsmäßig fcstsetzte, daß wie Schießpulver und Salz auch Kohle vom Export ausgeschlossen wird
oder nur gegen einen Exportzoll zur Ausfuhr gestattet ist? Die Verbilligung der Jmpsrttarife ist wirkungslos wegen ihrer Geringfügigkeit, aber warum seien die Exporttarife noch nicht in den Normaltarif zurückgeführt wie in Rußland? Der Betrieb der Staatskohlenwerke könne erhöht werden, außerdem biete das Gesetz die Hand, die Besitzer von Muthungen zu reichlicherer Ausbeutung zu nöthigen. Die Lyndikate zeigten sich in ihrer ganzen Gefährlichkeit. Man werde sie über kurz oder lang der Staatsaufsicht unterstellen müssen.
Handelsminister B r e f e l d: Der Interpellant hat in der Begründung eine Menge Einzelheiten vorgebracht, die sich zum Theil auf die Gebahrung des Köhlensyndikats im Ruhr-Kohlenrevier, zum Theil auf die Vertheuerung der Kohlenpreise durch ^den Zwischen- und Kleinhandel beziehen. Ich bin nicht im Stande, diese Einzelheiten zu kontroliren. 3* kann nur das Ergebniß derjenigen Wahrnehmungen konstaiiren, die ich in meiner amtlichen Stellung innerhalb Preußens gemacht habe, und mich darüber aussprechen, was ich meinerseits für Maßnahmen in Aussicht genommen habe. Die Ursachen der Kohlenihcuerung sind ja bekannt; cs sind dies: der Ausfall der englischen Kohle während eines Theiles des Jahres, der Ausfall der sächsischen Kohle, der Ausfall des Importes böhmischer Kohlen und endlich der gesteigerte Bedarf unserer Industrie. Die englische Kohle wird an unseren Nord- und Ostseeküstcn verbraucht, sie dringt auch bis nach Berlin. Diejenigen, die bis dahin die englische Kohle bezogen hatten, wandten sich an die inländischen Kohlenzechen und Händler. Daß diese zunächst ihre bisherigen Kunden berücksichtigten, ist begreiflich. Die sächsische Kohle beziffert sich auf 5 bis 6 Millionen Tonnen, die Einfuhr der böhmitchcn Kohle auf 86,io Millionen Tonnen, die theils nach Bayern, theils nach Westdeutschland, aber auch nach Preußen gehen. Hier in Berlin werben davon allein
800,000 Tonnen verbraucht. Daß infolge des Ausfalles einer so bedeutenden Zufuhr während eines bestimmten Zeitraumes und in einem begrenzten Gebiete ein Nothstand innerhalb dieses Gebietes entstand, darüber kann man sich nicht wundern, namentlich in einer Zeit, wo große Anforderungen an den Kohlenverbrauch gestellt wurden. Unter diesen Umständen war cs die Aufgabe der inländischen Produktion, Alles aufzubictcn, um den Ausfall zu ersetzen, und das hat sie, wie man offen anerkennen muß, redlich gethan. Thatsächlich hat sie in diesem Jahre weit über das Maß ihrer Grenze die Förderung erhöht, es sind über zehn Millionen Tonnen mehr gefördert und dem Konsum zur Verfügung gestellt worden. Ich möchte mir nunmehr gestatten, über die Höhe der Preise entsprechend meinen amtlichen Erhebungen einiges mitzuthcilcn. Es sind dabei die Gruben- und Großhändlerpreisc einerseits und die Zwischenhändler- und Klcinhändlerprcise andererseits zu unterscheiden. Die letzteren sind natürlich erheblich höher, da der Preis naturgemäß in der zweiten und dritten Hand steigt, schon weil der kleine Händler die nicht unerheblichen Kosten der Magazini- rung und Lagerung der Kohlen zu den sonstigen Unkosten zu tragen hat; weil außerdem bei ihm der Umsatz geringer und darum der Verdienst nothwendigerweise höher ist. Allerdings sind nun in vielen Gegenden die Preise der Kleinhändler bis zu einer wucherischen Höhe gestiegen. (Sehr richtig.) Es ist dieser Mißstand selbst hcrvorgctreten in der allernächsten Nähe der Gruben, insbesondere in Oberschlcsien. Die unmittelbare Ursache hiervon ist darin zu suchen, daß Händler in jenen Gebieten alle Kohle aufgekauft haben, daß sie sich dcr Fuhrleute, welche die Kohlen gewerbsmäßig abfahren, vergewissert und die Förderungen direkt von der Grube zur Eisenbahn und mit Hilfe dieser in entlegenere Gegenden, zum Theil ins Ausland, gebracht haben. In dieser Weise sind allein Oberschlcsien 316,000 Tonnen entfremdet worden, wovon etwa 60 Prozent inS Ausland gingen. Diesen Uebel- stand zu beseitigen, war unmöglich, denn einmal wußte die Grube vorerst nicht, wohin die Fuhrleute die Kohlen brachten, und andererseits mußte mir auch der preußische Herr Eisenbahnminister — wie ich das vorausgesehen hatte — auf meine Anfrage, ob man nicht die Verladung der Kohle auf den Eisenbahngleisen inhibiern ^könne, die Auskunft ertheilen, daß das nicht angängig sei. So sind denn au verschiedenen Stellen, allerdings vereinzelt und vorübergehend, in der Thal wucherische vcrtheucrungen der Kohle entstauben. Diesem Uebelstande ist aber noch dadurch Vorschub geleistet worden, daß in vielen Fällen eine wahre Panik platzgegriffen hat. In Zeitungen wurde die Kohlennoth in sensationellen Artikeln geschildert, in Dcrsammlungcn besprochen, das wirkte natürlich auf den Einzelnen ein, ein Jeder suchte sich rechzeitig zu versorgen, und so wurden die Anforderungen an die Gruben