*&»an erneute Preis:
Jährlich 9 =*. e^itirL 4 .X50 .*
Bierlcljährlich 2 M 25 A
Kär auswärtige Mdvnnkiiirri mit de« betreffenden
Postaufschlag.
Die einzelne Hummer kostet 10 A
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für Stadt- und &u* kreis Hanau 10 4 k» 4gespaltene Garmond» jette oder deren Rau«, für Auswärts 15 A
Im Reklameiitheil die Zeile 20 A für Auswärts 30 A
KmMches Organ für Staöl- unS Lanökrais Hannu.
Erscheint täglich mit ArsSrrahme der Smm- «»d Feiertage, mit beüetrrstischer Beilage.
Nr. 179.
Amtliches.
Zwangsversteigerung
• Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuche von Hanau, Band 38, Artikel 2407, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Schneidermeisters Eugen Wirth mann uvd seiner Ehefrau Johanna geb. Alb ach zu Hanau, je zur ideellen Hälfte eingetragenen Grundstücks:
K 296/64 Steinheimerstraße Nr. 55 2 ar 52 qm
a. Wohnhaus mit Stiegenhaus und
Hofraum, 1350 M. Nutzungswerth,
b. Seitenbau rechts (A) 360 „ „
c. Seitenbau links (B) 120 „ „
am 26 Oktober 1900, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Der Versteigerungsvermerk ist am 11. Juli 1900 in das Grundbuch eingetragen.
Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungslermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Vertheilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.
Gleichen Nachtheil trifft den Inhaber einer Hypothek, die vor dem 1. Juli 1874 entstanden und nicht in eine Hypothek des preußischen Rechtes umgewandelt ist, sofern diese nicht bis zu dem vorgenannten Zeitpunkte augemeldet wird.
Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Ertheilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.
Hanau den 21. Juni 1900.
Königliches Amtsgericht, Abth. 2. 12228 Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 Milchkanne; Empfangnahme bei Frau Krick, Langstraße 15. 1 weiße Bettdecke; Empfangnahme bei F. Baumgärtner, Tiefestraße 8. 1 Zwickscheere. 1 Messer. 10 Quittungen pro Monat Juli d. Js. vom „General- Anzeiger" zu Frankfurt a. M.
Verloren: 1 Dienstbuch, lautend auf den Namen Rilkar.
Freitag den 3. August
Seepredigt Sr. Majestät des Kaisers an Bord der „Hohenzollern".
Die Predigt, die der Kaiser in Anwesenheit der Kaiserin am Sonntag, den 29. Juli, an Bord der Dacht „Hohen- zollern" vor Helgoland gehalten hat, kann die „Krcuzztg." im Wortlaut mittheilen. Se. Majestät hatte als Text 2. Mose 17. V. 11 gewählt. Die Predigt — die 7. Seepredigt des Kaisers — behandelte danach: „D i e heilige Pflicht und die heilige Macht der Fürbitte."
Se. Majestät hub an:
„7., Sonntag nach Trinitatis. — Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns Allen. Amen.
Text: 2. Mose 17, V. 11: „So lange Moses seine betenden Hände emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hände niederliesi, siegte Amalek." — Amen."
„Ein ergreifendes Bild ist es, das unser heutiger Text uns vor die Seele malt. Da zieht Israel hin durch die Wüste, vom Rothen Meere zum Berge Sinai. Aber plötzlich tritt ihnen das heidnische Amalekitervolk in den Weg, will ihnen den Durchzug wehren und es kommt zur Schlacht. Josua führt die junge Mannschaft Israels in den Streit, die Schwerter klirren aufeinander und ein heißes, blutiges Ringen beginnt im Thale Raphidim. — Aber siehe, während der Kampf hin und her wogt, steigen die frommen Gottesmänner Moses, Aron und Hur hinauf auf Bergeshöh, sie strecken ihre Hände empor zum Himmel: sie beten. Drunten im Thal die kämpfende Schaar, droben auf dem Berge die betende Schaar — das ist das heilige Schlachtenbild unseres Textes.
Wer verstünde heute nicht, was es uns sagen will! Wiederum hat sich ja heidnischer Amalekitergeist geregt im fernen Asien — mit groß Macht und viel List, mit Sengen und Morden will man dem Durchzug europäischen Handels und europäischen Geistes, will man dem Siegeszug christlicher Sitte und christlichen Glaubens wehren. Und wiederum ist der Gottesbefehl ergangen: „Erwähle Dir Männer, zeuch aus und streite wider Amalek!" Ein heißes, bluiiges Ringen hat begonnen. Schon stehen viele unserer Brüder drüben im Feuer — viele fahren den feindlichen Küsten zu — und ihr habt sie gesehen, die Tausende, die auf den Ruf: „Frei- willigevor! WerwilldesReiches Hütersein?" sich jetzt sammeln, um mit fliegenden Fahnen mit einzutreten in den Kampf.
Aber wir, die wir zurückbleiben müssen in der Heimath, die wir durch andere heilige Pflichten gebunden sind — sagt, hört ihr nicht den Ruf Gottes, der an euch ergeht und der es euch sagt: „Steige hinauf auf den Berg! Hebe
1900
de ine Hände empor zum Himmel! Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist!"
Wohlan denn: drüben in der Ferne die Schaaren der Kämpfer, hier in der Heimath dik Schaaren der Beter — das sei das heilige Schlachtcnbild auch unserer Tage. Mahne denn diese stille Morgenstunde, sie mahne uns an die heilige Pflicht der F ü r b i t t c, sie erinnere uns an die heilige Macht der Fürbitte.
Die heilige Pflicht der Fürbitte!
Gewiß, ein begeisterter Augenblick, wenn ein Schiff, mit der jungen Mannschaft an Bord, seine Anker lichtet! Habt ihr nicht die Augen der Krieger leuchten sehen? Habt ihr nicht ihr tausendstimmiges Hurrah vernommen? Aber wenn dann die heimathliche Küste entschwindet, wenn es hineingeht in die Gluthhitze des Rothen Meeres oder in die Sturzwellen des Ozeans, wie leicht ermattet da Frische und Begeisteruilg!
Gewiß, ein erhebender Augenblick, wenn nach langer Fahrt sich in der Ferne zeigen die geraden Linien der deutschen Forts, wenn sichtbar werden die schwarz-iveiß-rothcn Fahnen der deutschen Kolonie und die Waffenbrüder stehen zum jubelnden Empfang am Ufer —, aber wenn dann kommen die langen Märsche im Sonnenbrand, die langen Biwaknächte im Regen — wie leicht erlahmt da Fröhlichkeit und Kraft. Gewiß, ein langersehnter Augenblick, wenn endlich der Tambour anschlägt zum Sturm und die Trompeten blasen znm Streit, wenn das Kommando ertönt: „Vorwärts auf den Feind!" Aber wenn dann im Donner der Geschütze und beim Sprühen der Granaten die Kameraden fallen zur Rechten und Linken und die feindlichen Batterien wollen nicht weichen; wie leicht fängt da auch das tapferste Herz zu beben an!
Christen, damit unsere Brüder draußen fröhlich bleiben auch in der drückendsten Noth, treu bleiben auch in der schwersten Pflicht, unverzagt bleiben auch in der größten Gefahr — dazu brauchen sie mehr als Munition und scharfe Waffen, auch mehr als jugendlichen Muth und flammende Begeisterung, — dazu brauchen sie Segen von oben, Lebenskräfte und Siegesmächte von oben — sonst können sie nicht gewinnen und den Sieg behalten — und diese himmlische Welt, sie öffnet sich nur dem Gebet. Das Gebet ist der goldene Schlüssel zur Schatzkammer unseres Gottes. Aber wer ihn hat, der hat auch die Verheißung: „Wer da bittet, der empfängt".
Oder wollen wir etwa die Hände müßig in den Schooß legen? Wehe uns, wenn wir träge und lässig wären, während sie das harte, blutige Handwerk treiben! Wehe uns,
Feuilleton.
Die Wellen der See.
Eine Sommerwanderung am Strande.
Von Dr. Paul Lange.
(Nachdruck verboten.)
Wer sich nicht mit einem Sommeraufenthalt in wald- oder wasserreichen Gegenden der Ebene und des Mittelgebirges begnügen mag, der steht beim Herannahen der sommerlichen Reisezeit vor der Alternative: „Hochgebirge oder Meeresstrand". Daß das erstere bei der großen Menge des reisenden Publikums seit langem im Allgemeinen bevorzugt wird, ist ebenso bekannt wie begreiflich; denn der Anblick der himmelanragenden Berge mit ihren Firnfeldern und die Lust, den erobernden Fuß auf jene kühnen Felsenspitzen zu setzen, die sich zwischen deutscher Erde uni Wälschlands Gauen zum Walle emporthürmen, ist ein ewig neuer Anreiz für alle Diejenigen, welche sich auf die Gelenkigkeit ihrer Glieder und die Ausdauer ihrer Muskeln verlassen können.
Trotz aller dieser Vorzüge der Alpenlandschafteu hat aber auch das Meer seine große Schaar treuer Verehrer. Wen die Reise nach Tirol, der Schweiz u. s. w. schreckt, die Familie, deren Kindern es dringend Noth thut, einige Wochen im weichen, molligen Sande des Strandes halb nackt Herumzubuddeln und bald im seichten Wasser watend, bald in der Sonne liegend zwischen Wasser- und Licht- und Luftbädern abzuwechseln, der angestrengte Kopfarbeiter, dem nichts gesunder ist, als wenn er im Strandkorb sitzend procul negotiis auf die flimmernde See hinausblickt,. bis sich die hypnotisirten Augen zum wohlthätigen Schlafe schließen : sie Alle eilen zur goldenen Sommerzeit immer wieder den Bädern und Sommerftischen an der Wasserkante zu. Wenn dann der Bahnzug die letzte Kurve um einen Hügel des Dünen-
walles fährt, und plötzlich sich die weite Fläche entfaltet mit und befindet sich bei einem Aufenthalt auf dem Lande oder ihren Wellen, deren Schaumkämme flattern als sturmgepeitschte in den Bädern der stillen, ruhigen Ostsee, namentlich wenn
Mähnen der Rosse des Poseidon, dann versteht man die Worte des Dichters:
Unaufhaltsam kommt's herangezogen, Majestätisch rollt es seine Wogen Schaumgekrönt das königliche Meer. Hinter seiner Hülle wohnt das Grauen, Doch gewaltig schön ist es zu schauen, Sein Gesang wie Donner, groß und hehr.
Schon Mancher, der am Meere Genesung und Erholung suchte, ist — das muß ehrlicher Weise cingeflanden werden — um eine Enttäuschung reicher nach Hause gefahren, denn so wohlthätig es auf reichlich 9/io aller Erholungsbedürftigen wirkt, so aufregend ist es für manche nervöse Konstitutionen, denen der Aufenthalt in der scharfen, salzgeschwängerten Seeluft und noch mehr der Gebrauch der Bäder namentlich an der Nordsee mit ihrer unvergleichlichen Ncizwirkung auf die Hautnervcn den Schlaf raubt. Eines paßt eben nicht für Alle; das gilt von der See ebenso wie vom Hochgebirge, dessen dünne Luft in den heute so gesuchten Lagen zwischen 1000 und 2000 Mtr. sich durchaus nicht allen Naturen als zuträglich erweist, und wenn, wie gesagt, manchmal die inj
: auf das Wasserbad verzichtet wird, entschieden besser. Dagegen ist der überaus lebhafte Wellenschlag der Nordseebäder, welche, mit Romö und Sylt anfangend und bei Borkum endigend, in weitem, nach Nordwestcn sich öffnenden Bogen der deutschen Küste vorgelagert sind, die rechte Panacee für das Heer der Skrophulösen und jener torpiden Naturen, welche an sich durchaus nicht schwach veranlagt sind, aber einer gründlichen Aufrüttelung bedürfen, uni wieder zu intensivem Leben erweckt zu werden. Wo die Gesundheit defekt . I geworden ist, weil aus schlechter Gewohnheit oder mangelndem ■ Anreiz die Nahrungsaufnahme stockt, wo Magen und Darm ihre Pflicht und Schuldigkeit nicht thun wollen, bei den ver- schiedentlichen Nervenleiden, wie sie sich bei Stubenhockern, Bureaubeamtcn, Menschen, welche eine aufregende Lebensweise führen, cinzustelleu pflegen, endlich für Nachkuren nach an- greifenden Brunnenkuren in Karlsbad, Marienbad, Kissingen, Wiesbaden u. s. w., namentlich aber nach dem Gebrauch von jodhaltigen Trinkquellen ist der Badestrand das Quisisana.
Natürlich sind außer den Wellen der See noch manche andere Sonderheiten des Strandklimas als Heilfaktoren zu j betrachten; denn der Salzgehalt des Seewassers allein, welches ! ungefähr einer 3prozentigen Soole entspricht, genügt nichr, um die spezifische Heilwirkung zu erklären. Vor allem ist
hunderttausend anderen Fällen glänzend erprobte Heilwirkung des Aufenthaltes am Mceresstrand ausbleibt, so ist daran ebenso wenig das Meer wie der leidende Sommerfrischler schuld, sondern einzig und allein der schlechte Rathgeber, der nach der Schablone oder entsprechend den von ihm geahnten, stillen Wünschen seines Patienten ordinirt.
Blutschwache Damen in ein Seebad mit heftigem Wellenschlag und stürmischen Winden zu schicken, ist zum mindesten eine Grausamkeit, und bleichsüchtige Mädchen mit Moor-! ja der Badegast, der in legerem Kostüm den größten Theil bädern zu traktiren, ist einfach unverantwortlich; beider; des Tages am Strande zubringt, ein Luft- und Sonnenbad
da die dichtere Lufl am Meeresspiegel mit in Rechnung zu stellen, welche ähnlich wirkt, wie das in den Landbädern mit Gold ausgewogene Athmen in der verdichteten Luft der neuerdings so in Mode gekommenen pneumatischen Käbinets demnächst ist nicht zu vergessen, daß der häufige Wind auf die Haut wie eine permanente Douche wirkt und endlich nimmt
Kategorien Nervensystem reagirt ungünstig auf heftige Reize par excellence.