Movvement».
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fta Stadt- und Landkreis Hanau 10 4 die 4qespaltene Garmono- zerle oder deren Raum, fur Llurwänt 15 4
Iw Reklawenihei!
die Jette 20 4, *ui Ausldärls 30 3.
Amtliches Organ für Sfaöf- und LauKKreis Harum.
Erscheint täglich mit AnsnaWe der Sonn- und Feiertage, m>t bellen nnfd er Beilage
Nr. 27.
Donnerstag den 1. Februar
1900
Amtliches.
^anöUrei© ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindvieh des Oekonömen Peter Kämpf zu Frankfurt a. M., Löbersgaffe 18, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau den 31. Januar 1900.
Der Königliche Landrath.
Y 891 v. Schenck.
^t aöt&rei# ^öanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteranites.
Anlcitzc der Stadt Hanau.
Ziehuirg am 28. September 1899, Auszahlung am 31. März 1900.
I. Anleihe vom 30» September 1880. (Privilegium vom 30. Juni 1880 I. Reihe zu 4°'/o XIX. Ziehung). Lit. A. Nr. 67, 94, 105, 153 4 1000 M.
„ B. „ 2, 35, 199, 228, 240, 305 4 500 M.
„ 0. „ 8, 27, 43, 56, 67, 110, 237, 310, 437, 443, 501, 522, 642, 651, 717, 743 4 200 M.
Rückständig: Lit. C. Nr. 317 und 613 ü 200 M.
n Anleihe vom 1. April 1888. (Privilegium vom 30. Juni 1880 n Reihe zu 3'/- °/o (X. Ziehung). Lit. A. Nr. 1, 47, 128 4 1000 M. „ B. „ 103, 123, 173, 288 â 500 M.
„ C. „ 94, 102, 182, 274, 336, 358, 473, 629, 638 und 731 â 200 M.
Rückständig: Lit. A. Nr. 65 4 1000 M. und Lit. C.
Nr. 98 a 200 M.
III Slnleihe vom 1. Oktober 1889 H Serie zu 30s O'o (X. Ziehung).
Lit. A. Nr. 103, 106, 149 4 2000 M.
„ B. „ 173, 281 4 1000 M. „ C. „ 229, 241, 304, 397 4 500 M. „ D. „ 304 4 200 M.
Rückständig: Lit. C. Nr. 291 4 500 M. und Lit. B.
Nr. 223 4 1000 M.
IV. Anleihe vom 1. Oktober 1889 I. Serie zu 30z °/o (VIII. Ziehung).
Lit. A. Nr. 9 â 2000 M. „ B. „ 33, 63, 99 4 1000 M. , C. „ 55, 164 4 500 M. „ D. „ 90, 127 4 200 M.
Rückständig: Lit. C. Nr. 150 4 500 M.
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V. Anleihe vom 21. Juni 1898 30- °/o (I. Ziehung).
Lit. A. Nr. 34, 134, 175, 220, 270, 287 L 2000 M. „ B. „ 101, 200, 232, 236, 254, 312, 344, 36 9, 398 4 1000 M. „ C. „ 45, 46, 277, 294, 305, 344, 414, 418, 474, 545, 580, 582 â 500 M. „ D. „ 95, 101, 211, 260, 317, 327, 343, 447, 461, 469, 472, 546, 618, 668, 746 4 200 M.
Hanau den 2. Oktober 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 5
Handelsregister.
Neu eingetragen sind die Firma H einr ich Pfersdorf in Hanau und als ihr Inhaber der Schuhwaarenhändler Heinrich Pfersdorf daselbst.
Hanau den 30. Januar 1900.
Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 1878
Lord Salisbury über den Krieg.
Das Hauptinteresse der Debatten, mit denen die neue Tagung des englischen Parlaments vorgestern eröffnet worden ist, konzentrirte sich naturgemäß auf die Rede, in der den Premierminister Lord Salisbury im Oberhause die Stellung der Regierung zu den Ereignissen auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz präcisierte. Aus dem aus London übermittelter Inhalt der Rede ergibt sich, daß die englische Regierung sich durch die bisherigen fast unausgesetzten Niederlagen der britischen Truppen nicht hat entmutigen lassen, sondern den Versuch, das Kricgsglück womöglich doch noch zu Gunsten Englands zu wenden, fortsetzen will. Lord Salisbury ging zunächst auf Angriffe des oppositionellen Oberhausmitgliedes Lord Kimberley ein und führte aus:
„In den Bestimmungen der Konventionen von 1881 und 1884 ist nichts enthalten, was den freien Import irgend welcher Kriegsmunition, die Transvaal nur wünschen könne, hindert. Wenn Lord Kimberley sagt, wir hätten wegen der Artillerie und der Munition Bescheid wissen müssen, welche die Buren in das Land brachten, so möchte ich ihm entgegnen, wie wir dies hätten erfahren sollen. Wenn ick cs auch nicht aus amtlicher Quelle weiß, so glaube ich doch, daß die Geschütze im Allgemeinen in Dampfkesseln und die Munition in Pianokisten eingeführt wurden. Das Volk freut sich st sehr darüber, daß unser Geheimdienftfonds nur stein- ist, aber wenn man viele Informationen wünscht, muß man auch dafür bezahlen. Im Vergleich zu den gewaltigen Summen,
welche andere Mächte für den Geheimdienst verwenden (unter diesen namentlich Transvaal, welches, wie mir ein in hoher Stellung befindlicher Diplomat sagte, in einem Jahre dafür allein 800 000 Pfd. ausgegeben hat), ist der Betrag, welchen die englische Regierung hierfür aufgcwcndet, klein, es ist uns also unmöglich, so allwissend zu sein, wie Lord Kimberlev von uns verlangte. Meiner Ansicht nach lag der Fehler in der Konvention von 1881 und 1884, durch welche mitten in unser Land eine uns bitter feindliche Buren-Bevölkerung gesetzt wurde, der es ein Leichtes war, Waffen einzuführen. Wir hatten kein Mittel an der Hand, zu erfahren, wie weit diese Vorbereitungen gingen, obwohl Jedermann wußte, daß sie in gewissem Umfange getroffen wurden. Ich bin froh darüber, daß Lord Kimberley keine sofortige Untersuchung des Verhaltens der Militärbehörden hier und im Auslande verlangt hat. Obwohl eine solche Untersuchung durchaus angebracht sein würde, so wäre es doch besser, sie auf eine gelegenere Zeit zu verschieben. Ich glaube nicht an die Vollkommenheit der Britishen Einrichtungen für den Kriegsfall. Es ist klar, daß in der Maschinerie etwas nicht in Ordnung ist. Die Kriegswissenschaft ist auf dem Festlandc mit einer Gründlichkeit und einer Selbstaufopferung studirt worden, welche keiner anderen Wissenschaft zugewendet wurden. Wir finden uns von fünf großen militärischen Nationen umgeben. Wir befolgen jedoch in diesen Angelegenheiten von höchster Wichtigkeit eine ganz verschiedene Politik. Ich glaube nicht, daß die britische Verfassung, wie sie jetzt angewendet wird, eine gute Kampfmaschine sei. Sie ist darin nicht zu übertreffen, in Zeiten des Friedens Glück und Segen zu schaffen, aber zu Zeiten des Krieges, wo die Großmächte uns nicht mit freundlichem Auge ansehen, tritt an uns die Nothwendigkeit heran, darüber nachzudenken, ob wir nicht unsere Einrichtung in gewissem Grade modifiziren müssen, um Gefahren zu begegnen, welche jeden Augenblick entstehen können. Eine Kritik dürfte in der jetzigen Krisis nicht von sehr großem Nutzen sein. Wir müssen vielmehr uns alle vereinen, um alle Kraft, die wir aufwenden können, daran zu setzen, uns aus dieser Lage zu reißen, welche für uns eine Demüthigung bildet und nicht frei von Gefahren ist. Wir haben allen Grund, anzunehmen, daß, wenn wir uns herzhaft an die Arbeit machen, und alle zuverlässigen Machtmittel, die wir besitzen, anwenden, wir den Krieg zu einem erfolgreichen Ende bringen werden. Unsere Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, so schnell als möglich uns aus dieser Situation zu befreien, sie ist die schlimmste, in der wir uns je befunden haben. Denn wir kämpfen gegen Leute, welche in unser Gebiet eingebrungen sind, und das Unglück, welches wir dnrchgemacht haben, ist nur deshalb »ns widerfahren, weil wir nicht im Stande waren, dies unsererseits zu thun.
Fvuillvlvn.
Chcglülk auf Chinas Thron.
Anders, als cs in anderen gesitteten Ländern und Staaten der Fall zu sein pflegt, vollzieht sich im Reiche der Mitte der Eintritt des Throninhabers in den heiligen Stand der Ehe. Gerade jetzt gewinnt dieses Thema aktuelles Interesse, wo Kaiser Kwangsu von seiner energischen Tante kurzer Hand entthront worden und sein Name in aller Munde ist.
Im Jahre 1888, ein Jahr vor seiner Verhejrathung, wurde dein Kaiser eine „Fei" gegeben, ein vornehmes mandschurisches Mädchen von 15 Jahren, dem das Ehrenamt zu Theil wurde, ihn für die Ehe vorzubereiten. Im Oktober 1889 vermählte sich der Kaiser mit Veh-ho-ua-la, einer Tochter des stellvertretenden Bannergenerals Kwcihsiang, welche aus nicht weniger als 1500 Kandidatinnen, lauter Töchtern von prinzkichen Geschlechtern des Mandsckuvolkes, die das Privilegium haben, die Kaiser mit Gemahlinnen zu versehen, auserwühlt worden war. Die Wahl einer Kaiserin ist eine Ceremonie, die der Kaiser selbst vorzunchmen hat. An dem dafür bestimmten Tage zieht durch das Labyrinth der Pekinger Straßen eine lange Prozession von verdeckten Ochsenfuhrwerken, in denen die Mandschnprinzen mit ihren Töchtern, die sie dem Kaiser vorführcn, sitzen. Durch das Nordthor der Kaiserstadt werden die Hcirathskandidalinnen in den inneren Hofraum geführt. Kurz darauf erscheint der Kaiser, an seiner Seite die Regentin-Mutter mit einem großen Gefolge von Eunuchen. Von hölzernen Täfelchen, die auf einem Tische liegen, liest der Kaiser Namen und Familie jeder der Prinzessinnen ab, die beim Namensaufruf, begleitet von ihrem Vater und dem Gouverneur ihrer Pro
vinz, durch einige Eunuchen dem Kaiser vorgeführt wird. Der Kaiser spricht mit ihr und mit ihren Begleitern, zieht über ihre Person Erkundigungen ein, und die Toilette der jungen Dame gibt ihm Gelegenheit, sich auch ein Unheil über die Vorzüge ihrer Erscheinung zu bilden. Es sei hier bemerkt, daß die Mandschus nicht die abscheuliche Sitte der Chinesen angenommen haben, die Füße ihrer Töchter zu verkrüppeln. Gefällt die Kandidatin dem Kaiser nicht, so wirft er das Namenstäfelchen in einen — Papicrkorb, und ein Wink mit seiner Hand gibt dem Mädchen die Erlaubniß, sich zurückzüziehcn; auf die NamenStäfclchcn der ihm gefallenden Damen schreibt der Kaiser eine Klassifikation, die drei Stufen umfaßt, und legt das Täfelchen bei Seite. Nach Durchführung dieser Examination werden die Prinzessinnen alle aus dem Palaste geführt, und nach vier Tagen erhalten jene, die nicht gefallen haben, die Erlaubniß zur Heimkehr. Die übrig gebliebenen werden noch strengeren und viele Monate währenden Prüfungen unterworfen, bei denen die Beurtheilung des Charakters der Kandidatinnen durch die Kaiserin-Wittwe die Hauptrolle spielt. Erst nach vielen Monaten werden aus 15 übrig gebliebenen Kandidatinnen drei gewählt, von denen die eine legitime Kaiserin, die beiden anderen Nebenfrauen werden. Die Gemahlin des Kaisers Kwangsu, die aus Schanghai stammt, war bei ihrer Vermählung 18 Jahre, die beiden Nebenkaiserinnen, zwei Schwestern, 13 und 15 Jahre alt. Die Vermählungs- fcierlichkeitcn wurden mit einer noch nie dagcwescnen Pracht vollzogen und sollen mehr als 40 Millionen Mark verschlungen haben.
Mit dem gleichen Prunke vollzog sich am 4. März 1889 die Ceremonie des formellen RcgicrungsmPrilts des Kaisers Kwangsu. Wie alle Feierlichkeiten am chinesischen Hofe, ging auch diese innerhalb der geschlossenen Palaststadt vor sich, und kein einziger chinesischer Unterthan war ihr Zeuge.
Tharsächlich haben mit Ausnahme der Bewohner des kaiserlichen Palastes — es sind dies nur Eunuchen und Weiber — bloß die höchsten Würdenträger des Reiches und ausländische Gesandte Gelegenheit, den Kaiser von Angesicht zu Angesicht zu sehen.
In der ersten Zeit nach seiner Großjährigkeitserklärung und seinem Regierungsantritte beschränkte sich Kaiser Kwangsu auf jene traditionelle Schattcnrolle, welche das Cerc- moniell ihm vorschreibt. Er erfüllte fleißig seine Hauptpflicht, den Vorfahren Opfer darzubringen, alle fünf Tage seine Tante zu besuchen und den Großwürdcuträgern Audienzen zu ertheilen, in denen er ihre Berichte entgegen nimmt. Diese sieht der Kaiser durch, kommemirt die für die Veröffentlichung bestimmten mit einem Rothstift, worauf diese Berichte und Verordnungen auf Aushângetafcln außerhalb des Palastes affichirt werden. Das ist das Originalmanuskript der seit 800 Jahren beinahe täglich erscheinenden Pekinger Staatszeitung. Von offiziellen Schreibern werden diese Msnuskripre kopirt, und diese ersten Abschriften gelten als Originalausgaben des Journals, die von Privai- druckereien gekauft und dann in kleinere« Format als Heit- chen in gelbem Umschlag, die im ganzen Reiche verbreitet find, reproduzirt werden. Charakteristisch für die An, wie diese Zeitung redigirt wird — wenn man von einer Redaktion sprechen darf — ist die Thatsache, daß über den ganzen Krieg mit Japan nur die eine Mittheilung publizirt wurde, daß die^ Kaiserin-Wittwe 4000 Schachteln kühlender Pillen an die Soldaten nach Korea geschickt hat.
Es wird erzählt, daß Kaiser Kwangsu, der seit jeher von schwacher Gesundheit war und auch im Wachsthum wie in sonstiger körperlicher Entwicklung zurückgeblieben war, eine ziemlich unvernünftige Lebensweise führte, indem n die RegierungLgeschäfte zur Nachtzeit erledigte und bei Tage schlief. Er nährte fick fast ausschließlich von Reis, trotzdem