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Hanauer Anzeiger

30. April

Aber die Sozialdemokratie schädigt die Interessen der Ar­beiter auch inzwischen durch ihre Taktik. Nicht nur dadurch, daß sie den Interessen der Arbeiter durch ihre Ablehnung der sozialpolitischen Gesetzgebung entgegentritt, sondern auch da­durch, daß sie die Jntereffen der Arbeiter mit revolutionären Bestrebungen zu verquicken sich bemüht. Da aber die Regie­rung die Pflicht hat, den revolutionären Bestrebungen der Sozialdemokratie rücksichtslos entgegen zu treten, und da nach den Erklärungen des Grafen Posadowsky die Regierung ernst entschlossen ist, diese ihre Pflicht mit aller Macht zu erfüllen, so werden die Arbeiter, wenn und wo sie es zulassen, daß ihre Interessen mit revolutionären Jntereffen verquickt werden, nur der Anerkennung und Förderung ihrer eigenen Jntereffen hinderlich sein. Deswegen haben überlegende, einsichtige Ar­beiter sich vieler Orten schon wieder von den sozialdemokra­tischen Volksoerführcrn abgewandt. Aber diese Einsicht und Ueberlegung muß allüberall, wo Angehörige der arbeitenden Klaffen der sozialdemokratischen Verführung erlegen sind, ver­breitet werden. Daß die Regierung die arbeitenden Klassen mit Billigkeit und Gerechtigkeit behandelt, hat sie schon be­wiesen und Graf Posadowsky hat diese Bereitwilligkeit auch erneut betont. Die Regierung hat deutlich gezeigt, daß sie Interessen der arbeitenden Klassen als gleichberechtigte an- erkennt, daß sie aber die revolutionäre Sozialdemokratie nicht als anderen politischen Parteien gleichberechtigt anerkennen könne. Darüber muß man sich in allen bürgerlichen Par­teien, darüber müssen sich alle Angehörigen der bürgerlichen Gesellschaften und auch die arbeitenden Klaffen klar werden und bei den Wahlen danach handeln. Wer für die Sozial­demokratie eintritt, wer nur Hand in Hand mit ihr geht, schädigt, welcher Klasse er auch angehören möge, seine eigenen Interessen und diejenigen des Vaterlandes.

Äur Stadt- imd KstrdZeM Hartem. jisyirH^ unserer Lskalartikel nur mit QueLsusuzahe&aa. Auz.' gestattet.

* Kirchliches Nächsten Mittwoch den 4. Mai, nach­mittags 3 Uhr, findet in der Marienkirche die Einführung des Herrn Superintendenten S o p p durch den Herrn General- superintendenten Pfeiffer statt.

* Evaugelisationsverfammlung. Im evange­lischen Vereinshause dahier findet morgen Abend 8 Uhr Evangelisationsversammlung statt, in welcher Ansprachen halten werden die Herren Pfarrer Göbels-Hanau, Siebert- Eichen, sowie Herr Stadtmissionar H e s e m a u n. Jedermann ist eingeladen.

* Landtagsabgeordneter Zunghenn hat, wie aus dem im zweiten Blatte enthaltenen Bericht über die Kommissionsberalhung des PfarrerbesoldungsgesetzeS zu er­sehen ist, sehr warm für eine Verbesserung des Gesetzes zu Gunsten der Geistlichen ein.

* Ersatzwahlen. Nächsten Montag den 2. Mai finden für die 1. und 2. Wahlabtheilung Ersatzwahlen für je drei Stadtverordnete statt. Wahltermin für die 2. Ab­theilung vormittags 101 Uhr, für die 1. Abtheilung nach­mittags 46 Uhr.

* Landwirthschaftskammer. In der letzthin ab- gehaltenen Sitzung des Vorstandes der Landwirthschafts­kammer wurden 2000 Mark zur Unterstützung der BezirkS- Produktions- und Verkaufs-Genossenschaft bewilligt. Zur Kenntniß genommen wurde die Erklärung der Rindviehbesitzer des Stadtkreises Hanau, daß sie das Gesetz vom 4. August 1897, betreffend das Halten von Zuchtbullen, vorläufig nicht. auf den Stadtkreis Hanau ausgedehnt wissen wollen.

* Alle Handwerker werden gut thun, die neue reichs- gesetzliche Bestimmung, wonach aus Grund der letzten Novelle zur Gewerbeordnung der Lehrvertrag binnen vier Wochen nach Beginn der Lehre schriftlich abzuschließen ist, in ihrem konnte schließlich der eine Theil von einem andern Familien- mitgliede regiert werden. So geschah es, daß Maria später an Stelle ihres noch minderjährigen Sohnes die Regent­schaft in Hanau führen konnte.

Wir überlassen nun den Prinzen Friedrich seinem weiteren Schicksal. Schön ist eS nicht gewesen und Befriedigung hat er keine mehr gefunden. Er wandte sich an Friedrich den Großen und dieser hatte Mitleid mit seinem beklagenswertem Schicksal und übertrug ihm einige leichte Stellungen, doch ist es ihm nicht gelungen, des großen Königs Zufriedenheit zu erwerben. Wir wenden uns nun aber dem Gegenstände zu, der Maris wichtigste Sorge in ihrem ganzen Leben war, zur Erziehung ihrer Söhne.

IV. Maria und ihre Söhne.

Vier Söhne hat Maria ihrem Gatten innerhalb 5 Jahren geschenkt. Der erste starb frühe, den andern war allen ein langes Leben beschicken. Die beiden jüngsten wurden bei­nahe 90 und 92 Jahre alt; der älteste starb 77jährig; eS ist Wilhelm, der erste Kurfürst von Hessen, der mehr durch seine Sonderbarkeiten als durch besondere Herrschertugenden berühmt und volksbekannt gewordene; derselbe, dem Wilhelmshöhe beiCassel seinen Namen und seine Prachtbauten verdankt, während er in an­deren Dingen eine oft übel angebrachte Sparsamkeit walten ließ; der an dem sogenannten Menschenhandel seines Vaters sich betheiligte, während er gleichzeitig in der ihm persönlich ge­hörigen Grafschaft Hanau eine segensreiche Regierung führte; der den alten Kurfürstentitel aus antiq »arischer Liebhaberei annahm, vor Napoleon flüchten und JHröme weichen mußte; der, als er nach der Schlacht bei Leipzig zurückkehren konnte, nichts vergessen und nicht gelernt hatte, den Zopf wieder eia- sührte und seinen militärischen Lächerlichkeiten lebte, und heate auf Wilhelmshöhe in der künstlich hergestellten Ruine einer mittelalterlichm Barg begraben ruht. Dieser und seine zwei Brüder lernten mit ihrer Mutter und deren Hofdame

eigenen Interesse zu beachten. Abgesehen davon, daß sie dazu durch die Ortspolizeibehörde zwangsweise angehalten werden können, sind sie auch nur in diesem Falle in der Lage, ge- wiffe neue Rechte geltend zu machen. So kann der Lehrherr den Anspruch auf zwangsweise Rückkehr des vor Ablauf des Vertrages fortgebliebenen Lehrlings nur dann geltend machen, wenn der Lehrvertrag schriftlich abgeschlossen war. Ferner kann er, wenn das Lehrverhältniß vor Ablauf der verabrede­ten Zeit sein End: erreicht, eine eventuelle Entschädigung nur Bei dem Vorhandensein eines schriftlichen Lehrvertrages ver­langen. Ueberdies ist der Lehrvertrag kosten- und stempel- frei. Er muß enthalten: Die Bezeichnung des Gewerbes oscr des Zweiges der gewerblichen Thätizkeit, in dem die Aus­bildung erfolgt; die Angaben der Dauer der Lehrzeit; die Angaben der gegenseitigen Leistungen; die gesetzlichen und sonstigen Voraussetzungen, unter denen die einseitige Auflösung des Vertrages zulässig ist.

* Fahrplan Im zweiten Blatte veröffentlichen wir den neuen Fahrplan, bez«. das Verzeichniß des Abgangs und der Ankunft der Bahnzüge in den hiesigen Bahnhöfen.

* Gewinnliste. Im Jnseratentheile des zweiten Blattes befindet sich die Gewinnliste her am 28. d. M. zu Gunsten eines kathol. Vereinshauses dahier stattgehabten Vsr- loosung.

* Feldbergfest-Turntag. Nachdem der am 6. März d. J. stattgehabte 58. Feldbergfest-Turntag ergebnißlos ver­laufen war, da der seitherige Vorortsverin Homburg v. d. H. abgelehnt hatte, bei der beschlossenen Mindestzahl von 22 Punkten für den letzten Sieger die Ausführung des Festes zu übernehmen und auch der Feldbergfest Ausschuß keinen anderen Verein als Vorort gewinnen konnte, findet Sonntag, Jahres Hauptversammlung im Vereinslokale Gasthauszum 1. Mai, vormittags 11 Uhr, im Saale desSchützenhofes" Elephanten"; Tagesordnung: 1) Jahresbericht, 2) Kassenbe-

zu Homburg v. d. H. der 59. Feldbergfest-Turntag statt mit richt und Bericht der Revisoren, 3) Anträge und Verschiede- folgender Tagesordnung: 1. Antrag des Ausschusses, die nes, 4) Wahl des 1. Vorsitzenden und Ersatzwahl für die

Mindestpunktzahl zur Erlangung eines Sieges von 22 auf 24 zu erhöhen; 2) Antrag des Ob marines Schaffner-Höchst, die Mindestpunktzahl jährlich um einen Punkt zu erhöhen bis zur Erreichung der durch die' deutsche Wettturnordnung vor- geschriebenen 262/s Punkte. Der Turnverein Homburg v. d. H. hat für den Fall der Annahme eines der beiden Anträge sich zur Uebernahme der Vorortschaft bereit erklärt.

* Stenographisches. Auf der Durchreise am 4./5. n. Mts. von Dresden nach Darmstadt-Mannheim-Heidelb.'rg u. s. w. wird Herr Dr. med. A. von Kunowsky dem hiesigenArends'schen Stenographeu-Verein" (zum Braustübl) einen Besuch abstatten. Alle Vereine der Umgegend wie der hiesige BrudervereinApollobund" und einzelstehende Arendsianer haben Zutritt. Die Zusammenkunft finoet Mitt­woch um Vsö Uhr im Vereinslokal statt. Aus diesem Grunde muß der zum zweiten Male angekündigte unentgeltliche Cursus verlegt werden.

* Brovaufschlag. Die hiesigen Bäcker haben uns mit einem Brodarchchlagerfreut". Erste Sorte kostet von heute ab 60 Pf., zweite Sorte 55 Pf.

* Vermitzt. Wir haben in den letzten Nummern unseres Blattes aus Mainflingen berichtet, daß daselbst bei dem Zündhölzerhändler Adam Winter ein mit der Bahn allein angekommener Knabe Aufnahme gefunden hat, der nur von Lollar spricht, aber weitere Aufklärungen nicht geben kann. Ja Frankfurter Blättern lesen wir, daß dort der von Lollar stammende in Frankfurt mit seiner Mutter zu Besuch weilende siebenjährige Knabe Emil Reiser vermißt wird. Hier scheint die Lösung zu liegen.

die Stange 1020 Pfg.; Spargel, 100 Stück 22,80 Mk.;

Blumenkohl das Stück 2050 Psg.; Kopfsalat, das Stück * Absturz. Der gestern Vormittag von dem Schulz- 1015 Pfg.; Rettig, das Stück 1020 Pfg.; Ober-Kohl- schen Hause in der Krämerstraße mit her Leiter abgestürzte rabi, das Stück 2530 Pfg.; Unter-Kohlrabi, das Stück

Zimmerlehrling Wenzel von'Ravolzhausen hat einen rechts- 1012 Pfg.; Roth kraut, das Stück 4045 Pfg.; Sellerie, seitigen Knöchelbruch, sowie eine Fußverstauchung erlitten. Er das Stück 1020 Pfg.; Gurken, das Stück 5060 Pfg.;

befindet sich im Landkrankenhaus.

und Freundin Tinny Kempen, die stets englisch miteinander | Volk aus seiner Höhe suchen, wird die Kunst erst vornehm redeten, vor allem diese Sprache; für Französisch war durch V " -

eine SchweizerMademoiselle gesorgt, sodaß Prinz Wil­helm schon im siebenten Jahre englische und französische Briefe schreiben konnte; deutsch lernte er erst viel später. Auch später lag die Erziehung der Prinzen Dir allem in Marias Händen, wenn sie freilich auch in wichtigen Fragen sich nach den Wünschen ihres Schwiegervaters richten mußte. Ihr Leben mit den Söhnen ist uns aus vielen Briefen be­kannt und gleicht durchaus der Art und W-ise, wie eine jede tüchtige, gebildete Mutter mit ihren Kindern umgeht.

r=. (Forts.Zsolgt.)

Aus Kunst und Leben.Z'

* Deutsche Bühnengesellschaft. In dem Märzheft derDeutschen Dramaturgie" äußert sich deren Münchener Kunstberichterstatter Walter Dormann über die Nothwendigkeit gemeinsamen Vorgehens auf dem Gebiete der Theaterreform: Vergebens sind heute die Bemühungen Einzelner. Die Zeit ist gekommen, wo aus dem Schooße des Volkes heraus end­lich ein Machtwort und ein Machtwillen entspringen soll, um den Wünschen der Schlegel, Tieck, Jm «ermann, Rötscher, Ed. Devrieut Nachdruck zu geben und nichts wird der Bühne aufhelfen als eine Gesellschaft, die dem Volle vorangeht und deren Mitglieder sich über die Hauptziele klar und fest ver­ständigen. Bis Staat und Volksvertretungen die Kultur- anforderungen des Theaters einmal berücksichtigen, ist eine solche Gesellschaft die einzige Zuflucht und kann auch später noch Schutz und Hilfe genug gewähren.Volksthümlichkeit" in allerechtester Weise verlangt im Namen aller übrige« Künste als das Ziel des Schönen die Bühnenkunst. Zum Volke steigt auch der gebildetste Geist niemals herab, zum Volke als dem Jabegriff aller Stäude und schöpferischen Kulturkräfte kann jeder immer nur hinaufstreben, und das

* Rohheiterr. Der an dem Bahnübergangs in der Mainstraße stationirte Bahnwärter Wiegand wurde am Mittwoch Nachmittag von einigen Reservisten, die der Kou-

trollversammlung angewohnt hatten, chikanirt und insultirt, sowie aufs gröblichste beleidigt. Anzeige ist erstattet.

^ Funde im Main. Gelegentlich der Baggerarbeiten

im Maine wurden im Spätherbst oberhalb Großkrotzeuburg im Ganzen 14 Goldmünzen aus der Tiefe gefördert. Die­selben waren von verschiedener Prägung uud entstammten dem 14. Jahrhunderte. Die 14 wohlerhaltenen Fundstücks reprä- sentirten, wie neuerdings festgestellt wurde, einen Gesammt- werth von 600 Mark. An dem interessanten Funde partizi- pirtsn zu gleichen Theilm der hessische und der bayerische Staat. Von beiden Seiten wurde nunmehr dem Arbeits- resp. Aufsichtspersonal, durch welches der Fund gelang, eine Prämie von zusammen 60 Mk., also 10 pEt. drs Fundes, bewilligt.

* Das Hahnenkammhaus ist jetzt täglich ge­öffnet.

* Sehenswürdigkeiten.Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch); Geöffnet morgen Sonntag vormittags von 11 bis Vi 1 Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.

Für heute. Kunstverein: Gemälde-Ausstellung in der Aula der Königl. Zeichenakademie. Turngemeinde: Abends Dorf 71/» bis 9 Uhr: Kürturnen und Vorturnerstunde. KlubAmicitia": Abends 8 Uhr: 1. Stiftungsfest, verbun­den mit Abendunterhaltung und Ball, in den Sälen der

Centralhalle". Chrisil. Arbeiterverein: AbendS 8^/, Uhr:

statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder. Evang. Männer- und Jünglingsverein: Ebenfalls abends SVa Uhr: Gebetsversammlung (Evang. Vereinshaus). AbendS 9 Uhr: KasinoEintracht" (VereinslokalGoldene Gerste"): Vereinsabend; VereinEinigkeit": Vereinsabendzur großen Krone". FußballklubViktoria": Abends von 9 bis 10 Uhr: Vereins abend imDeutschen Haus". AthletenklubGermania": Ebenfalls abends von 910 Uhr: Vereinsabend (Gasthauszum schwarzen Bären").

Für morgen. I. Hanauer Fußballklub 1893: Nach­mittags 2^1 Uhr: Uebunqsspiel auf dem Exerzierplätze.

Berstetgernngs- & Verpachtung-, re. Kalender für Montag den 2 Mai.

Nachmittags 5 Uhr wird im Gasthauszur Karthaune" das den A. Ehrlich'schen Erben gehörige Grundeigenthum, Schützcngaffe 32, durch den beeid. Taxator und AMionatov

Herrn Fr. Kämpfer öffentlich versteigert.

* HiMeM, 30. April. (Lebensmittelpreis e.) Hülsenfrüchte: Bohnen 3035 Pfg., Erbsen 3035 Pfg., Linsen 4046 Pfg. das Doppelliter; Geflügel: Tauben, das Pärchen 90 Psg. bis 1,10 Mk.; ein alter Hahn 1,30 bis 1,80 Mk.; ein Huhn 1,401,70 Mk.; eine Ente 2,50 bis 3 Mk; Fische: gewöhnliche Sorte 2530 Pfg., bessere Sorten 40-45 Pfg., Aal 11,10 Mk., Hecht 1,201,30 Mk., Bresem 6075 Pfg., Barben 6075 Pfg., Barsch 6075 Pfg. Va kg; Gemüse: Merrettig,

gelbe Rüben (neue), das Bund 4550 Psg.; Rene Erbsen,

Volksthümlichkeit, Deutschheit verlangt die deutsche Bühnen-

kunst. Zu groß ist die Vergangenheit der deutschen Bühne, zu erhaben ihre Muster, als daß es erlaubt wäre als das Neue, das uns kommen soll etwas zu begrüßen, was nicht würdig ist, neben solchem Alten zu stehen. Die Jugend der Kunst, mit der eine gewisse Richtung fälschlich prahlt, die uns ansinnt Unnatur für Natur, geschmückte Lüge für Wahr­heit zu nehmen, sie ist es eben, die wir fordern und des Be­deutenden und Großen von wirklich eigenthümlicher Erfindung und Gedankenkraft gibt es auch heutzutage; schütze» und retten wir, daß es nicht überschwemmt werde unter der Fluth von Nichtigkeiten und ihrer tönenden Reklame. Die Gesellschaft, die wir für das Gedeihen des Theaters im Sinne haben, nimmt keine Partei als die der Kunst; sie pflegt keine alte noch neue Mode, sondern die Kunst. Ihre Führer, ihre Mitglieder und Mitarbeiter gehören nicht zu jenen anschmiezenden Leuten, die fröhlich mit jedem neugeheckten Bastard des Erfolges sich die Hände drücken; sie find ernst. Für das morgenhelle Ideal der Kunst erglühend, suchen sie keinen Kampf, aber sie finden den Kampf, wo sie nur wirken wollen und darum werden sie ihn auSkänpfen ohne Rast und ohne Argen. Und diese Gesellschaft w» ist sie?" Wir glauben an­nehmen zu dürfen, daß die hier gestellte Frage schon eine verheißungsvolle Beantwortung gefunden hat durch den in unserem Blatte (Nr. 98) veröffentlichte«Aufruf an alle Freunde einer guten deutschen Bühne", der auch in unserer Stadt einen Widerhall erwecken und der guten Sache An- Hänzer zuführen möge.

Trotze Berliner Kunstausstellung. Die dies­jährige Große Berliner Kunstausstellung ist gestern Mittag in Gegenwart einer zahlreich geladenen Gesellschaft durch einen Akt im Kuppelsaal des Landes-Ausstellungsgebäudes feierlich eröffnet worden. In Vertretung des Ministers der geistliche»