Einzelbild herunterladen
 

M»«nrme«t»'

Preis:

»Hrlich 9 M. Mrl. 4^150^. Vierteljährlich

2 M. 25 ^.

Mc auswärtige ^$63flt tot mit best --Äffenden ^ftsufschl-g.

Dir einzeln« Krvkmer koßrt

SiarSSANg». gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ Ht ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil bie Zeile 20 ^, fit

Auswärts 30 ^.

is ^

Amtliches Argan Mr Stsöt- unö Lsuökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

^--------..................--'----------- - -! |-|snT ,-; - ---- -n..... M II

M. 74.

Dienstag den 29. März

1898

Dicnstvachnchten aus dem Ärcifc.

Georg Möller in Rüdigheim ist zum Nachtwächter, Kommandant Korvettenkapitän Kindt, am 26. März in Dur- Schweinehirten und Wasenmerster der Gemeinde Rüdigheim ban angekommen und beabsichtigt, am 4. April nach Loureneo bestellt und verpflichtet worden. Marqu-z in See zu gehen.

Nikolaus Ries in Niederissigheim ist zum Feldhüter der

Gemeinde Riederisstzheim bestellt und verpflichtet worden.

Hanau am 19. März 1898.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 1,501,80 Mark nebst einem Trauring. Ein Portemonnaie mit über 4 Mark Inhalt. Zwei Schlüssel nebst Schlinke mit Haken.

Gefunden: Eine Weißbinderbürste.

Hanau am 29. März 1898.

TsgKsschsrt.

Kaiser Wilhelm besitzt die ebenso seltene als unschätz­bare Gabe, in den Tiefen der Volksseele lesen und seine Wahrnehmungen in Worte umsetzen zu können, die, in Win­deseile hinausgetregen, millionenfachen Widerhall in Deutsch­lands Gauen wecken. So hat auch die an Bord des Llsyd- dampsersKaiser Wilhelm der Große" gehaltene Ansprache deS Monarchen gerade die Seiten der deutschen Volksseele berührt, die am dankbarsten zu reagiren pflegen: Frieden nach Außen, Schutz der nationalen Arbeit nach Junen. Das treue Festhalten an den politischen Traditionen Kaiser Wil­helms I., welches unser jetziger Kaiserlicher Herrscher auch aus obigem Anlaß wiederholt betonte, bietet fern erwerbthänzen Berufsstände« die gar nicht hoch genug zu bewirthende Bürg­schaft nicht nur der Gegenwart, sondern auch einer absehbaren Zukunft. Es schafft sich ganz ander», fördersamer und er­folgreicher, wenn man festen Boden unter den Füßen weiß und das Bewußtsein hat, daß das Staatsschiff einen vonge- fahrdrohenden Klippen und verborgenen Untiefen freien Kurs steuert, als wenn die Unsich-rheit, was der morgende Tag der Allgemeinheit und jedem einzelnen Volksgliede bringen möge, sich wie ein Alp auf die Brust legt und die Schwingen der schaffensfreudigen Thatkraft lähmt. Die herzliche Ehrung des Fürsten Bismarck, der an dem gleichen Tage sein 60jah- riges Militärjubiläum feierte, durch den Kaiser setzt dem Ein­drücke der an Bord des stolzen Lloyddampfers gesprochenen Kaiserworte die Krone auf. Die Segnungen des Friedens,

das Gedeihen der nationalen Arbeit, das sind die beiden ^er- vorragenden Ziele, in deren Erstrcbnvg sich das deutsche Volk mit der vom Altreichskanzler gebilligten Politik des Kaise-s

..... v« vuu. ^utlu,slu»3.c. ^v^a ... ^».....-.., fmi jetzt Tiefseeforschungen, Vermessungsarbeiten rc. in aus-

eins weiß, und die es hoffentlich in den kommenden gedehnterem Maße statrfinden würden. Abg. Liebermann Reichstagswahlen gegen den' Ansturm der politischen und von Sonnenberg (dtschsoz. Ref.) sagt, die Mehrheit wirthschaftlichen Extreme mit Erfolg zu schirmen wissen wird.' seiner Partei trete für die Vorlage ein. Wenn auch der

Leirilletsir.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 29. März.

Herr Walter Dysing, unser jugendlicher Held und Liebhaber, hatte sich zu seiner Bemfizvorsiellung am letzten Freitag das vier- aktige SchauspielFerräol" gewählt. Von den Dramen Sardou's geben wir diesem Stäcke unbedingt den Vorzug, in keinem dürfte die Ein­heit der Handlung besser gewahrt sein als in diesem. Eine ungemein geschickte Scenenführimg steigert das Interesse von Akt zu Akt und die Spannung erreicht bei den aufregenden Vorgängen des letzten Auszuges ihren Höhepunkt. So skrupellos Sardou sonst in der Wahl seiner Mittel ist, das Gemüth des Zuschauers aufzuregen, hier scheint alles ganz einfach und natürlich Den Stoff zu dem Stücke liefert eitie: Gerichtsverhandlung, in welcher ein junger Mann aus der besseren Gesellschaft des Raubmordes angeklagt vor den Geschworenen steht. Die Beweise, die gegen ihn vorliegen, müssen zu einer Ver- nrtheiluna führen und der einzige Zeuge, der im Stande ist den wahren Mörder zu nennen, wagt dieses nicht, weil seine Aussage eine Frau, hier die Frau des Gerichtspräsidenten, schwer komprom ttiren würde. Die Lösung des aufgeworfenen Konfliktes ist überraschend ausgeführt und verräth die Meisterschaft des Dramatikers. Der wahre Mörder liefert sich selbst in die Hände der Justiz in dem Augenblick, wo sich der genannte Zeuge, der junge Edelmann Ferröol, um die Frau nicht zu kompromitiren und einen Unschuldigen zu retten, fälschlich selbst als Mörder angibt. Gespielt wurde unter der Regie des Herrn Stein gölte: mit vorzüglichem Eifer. Herr Walter Dysing fand in der dankbaren Parthie desFerräol' Gelegenheit, die Vorzüge seines Talents in das beste Licht zu stellen, sein temperamentvolles Spiel fand die verdiente Anerkennung; auch an äußeren Zeichen, an Blumen und Kranzspenden fehlte es nicht. Unter der großen Anzahl der übrigen Mitwirkenden seien besonder, Frl. Brandow, Herr Linzen, Herr Steingötter und Herr Hille genannt. Letzterer bot als Feldhüter Martial ein Kabinetstück schauspielerischer Charakterisir.mgSkunst, scharf und treffend. Ein wahrer Beifallssturm folgte seinem letzten Abgang, das Publikum rief den Künstler stürmisch vor die Rampe, dem Herr Hme aber nicht nachkommen konnte.

, Henrik Jbsen's 70. Geburtstag am 20. März gab sowohl der Lammten Presse als auch den deutschen Bühnen Veranlassung, des

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Seeadler",

Marqu-z in See zu gehen.

Gehaltserhöhungen im Postfach. Nach dem De schluß des BundeSraths vom gestrigen Tage soll im Reichs- Haushaltsetat sür 1899 die Erhöhung der Gehälter der Post- V. 2992 unterbeamten und der Landbriefträger vom 1. April 1899 ab , entsprechend den Resolutionen des^Reichstags eingestellt und

deren Bewilligung durch den Reichstag beantragt werden. Das Anfangsgehalt der Postunterbeamten soll danach von 800 auf 900 M., das Endgehalt der Landbriefträger von 900 auf 1000 M. erhöht werden.

Der BundssrEth hat in seiner gestrigen Sitzung der Vorlage, betreffend die Erhöhung des Gehalts von Postunter­beamten, die Zustimmung ertheilt und über die Ertheilung der Erlaubniß zur Beföroerung von Auswanderern an eine Reihe von Gesellschaften und Personen Beschluß gefaßt. Die Vorlage, betreffend den Entwurf von Abänderungen und Er­gänzungen des amtlichen Waarenverzeichnisses zum Zolltarife sowie von Vorschriften für die Zollabfertigung von Mineral­öle«, wurde den zuständigen Ausschüssen überwiesen und die Mittheilung des Präsidenten des Reichktags über den Beschluß des Bundesraths, betreffend die Ausnahme der Anlagen zur Herstellung von Gußstahlkugeln mittelst Kugelschrotmühlen (Kugelfräsmaschinen) in das Verzeichniß der genehmigungs­pflichtigen Gewerbeanlagen zur Kenntniß genommen. Schließ­lich wurde über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

Als Nachfolger Z-Ves, des Berliner Oberbürger­meisters, werden bereits genannt: Bürgermeister Kirfchner- Berlin, Oberbürgermeister Bender-Breslau, Oberbürgermeister Adickes-Frankfurt a. M. und Oberbürgermeister W.sterburg- Cassel.

Der treffend

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 28. März.)

Reichstag hat heute zunächst die Gesetzrutwürfe, be- die Entschädigung der im Wiederauf­

nahmeverfahren sreizesprochenen Personen und die anderweite Festsetzung des Gesammtkontiu- g en tS der Breunereien in dritter Lesung angenommen und sodann die dritte Berathung der Flottenvorlage vorgenommen. In der Generaldiskussion weist Abg. En- neecerus (nsiliB.) auf die groß n Vortheile hin, welche auch die Wissenschaft durch die Vorlage erzielen werde, inso-

nordischen Dichters ganz besonders zu gedenken und auch unsere Theaterdirektion ließ die Gelegenheit nicht vorübergehen, ohne mit einem Werke des bedeutendsten Dramatikers unserer Tage bekannt zu machen. Sie wählte nun dessen sünfaktige? SchauspielEin Volks­feind'. Jbscn's Bühnengeschick, die geschlossene, alles Nebensächliche und Episodenhafte verschmähende Handlung, die straffe Führung aller psychischen Fäden, die mit zwingender Nothwendigkeit den Konflikt herbeiführen, sichern dem nordischen Dichter He Wirkung auch dieses Werkes, in welchem statt des Spannenden, Mysteriösen, Gekünstelten einmal das gerade und ehrliche Denken eines leidenschaftlich fühlen­den Idealisten ungezwungen zum Ausdruck gelangt. Allerdings ge­hört zur Erzielung einer großen Wirkung gerade dieses Schauspiels eine besonders bedeutende Darstellung, denn Ibsens Bühnenge­stalten sind nicht Typen allgemeinen und alltäglichen Gepräges; er schafft Naturen von ungewöhnlicher Eigenart und starker Individuali­tät, die dem Darsteller schwierige Aufgaben stellen. Für den Dr. Stockmann war in Herrn Viktor Hertel ein recht sympathischer Darsteller gewonnen, der den Anforderungen dieser Rolle mit Ver­ständniß entgegerkam. Bemerkt sei, daß im Repertoir des der aus­übenden darstellerischen Thätigkeit selbst längere Jahre entfernt ge­bliebenen Künstlers bisher keine Rollen aus den Stücken des gefeierten Dichters enthalten waren und die schwierige Aufgat e der Darstellung einer sehr umfangreichen Rolle aus Anlaß der Gedenkfeier innerhalb kürzester Frist bewältigt werden mußte. Vor einer Reihe von Jahren gehörte Herr Hertel eine Saison lang unserem Ensemble an und seine Bemühungen um Einbürgerung der Volksbühnenspiele in unserer Stadt in der letzten Zeit sind bekannt, man hat ihn als einen fein- finnigen Künstler schätzen gelernt. Der freundliche Empfang, der ihm auf unserer Bühne am Sonntag zu theil ward und der lebhafte Bei­fall, der seine Darstellung bekleidete, waren Zeugniß davon. Von den übrigen Darstellern wollen wir noch besonders der ganz vorzüglichen Wiedergabe des Bürgermeisters Hans Stockmann durch Herrn Linzen gedenken. Die Regie des Herrn Hille war lobenSwerth.

p Kirchenkonzert.

Hanau, 29. März.

Der Kirchenchor dcr Manergeweir de hatte für gestern Abend zu einer geistlichen Musikoufführung in der Marien­kirche eiligeladcrr, zu welcher die Gkmeindemitglicdtrund andere Freunde der Mueica sacra ziemlich zahlreich erschienen

größere Theil der Wähler nicht hinter der Vorlage stehe, so sei es doch Pflicht der Abgeordneten, dem großen nationale« Werke zuzustimmen und erzieherisch auf die Wähler zu wirken. Sei einmal die Flotte da, so werde das Volk sie liebge­winnen. Die Mehrheit des Centrums habe sich durch die Zustimmung zu der Borlage um das Reich verdient gemacht, und er hoffe, daß die Kluft, die zwischen beiden Konfessionen infolge der Reste der Kulturkampsgesetze noch bestehe, bald überbrückt werde. Abg. Fürst Radziwill (Pole) bemerkt gegenüber den neulichen Aussührungm deS StaatsministerS Grafen Psfadowsky, daß die Haltung der preußischen Regie­rung gegen die Polen für diese maßgebend gewesen sei für ihre ablehnende Haltung gegenüber der Vorlage. Er be­dauere diese Konsequenz, aber die Thatsache der Bedrückung der Geleit und der Germanisirung spreche zu beredt. Der Präsident Frhr. v. Buol rügt den vom Vorredner mit Be­ziehung aus das Vorgehen der Regierung gebrauchten Aus­druckfrivol".

Staatsminister Graf Posadowsky weist die Angriffe des Vorredners gegen die preußische Regierung und vor Allem den Ausdruckfrivol" mit aller Entschiedenheit zurück. Es gebe wohl kaum einen besseren Kenner der Verhältnisse in den polnischen Landestheilen als ihn, den Redner, da er dort lange Jahre amtlich thätig gewesen sei. Ein Theil der pol­nischen Bevölkerung habe ganz entschiede« zu den Maßregeln der preußischen Regierung Anlaß gegeben. An dem Tage, wo die polnische Bevölkerung in ihrer Gesammtheit der Re­gierung die Ueberzeugung beibringe, daß sie sich mit Preußen untrennbar verbunden fühle, und daß sie ihre ganze Zukunft in der Entwickelung Preußens und Deutschlands finde, werde selbstverständlich das Verhalten der preußischen Behörden we­sentlich anders werden.

Abg. Frhr. v. Hodenberg (Welse) bedauert die Hal­tung der Mehrheit des Centrums und erklärt, seine Freunde seien zwar auch für die Vermehrung der Flotte, aber sie könnten der etatsrechtlichen Bindung des Reichstags nicht zu­stimmen. Abg. Rickert (freis. Ver.) betont, daß er in Fragen der Landesvertheidigung keine Parteischablone kenne. Herr Richter möge ihm ein Parlament nennen, wo man Fragen der Landesvertheidigung so wie er behandle. Auch aulätzlich der letzten Militärvorlage habe Richter neue Steuern an die Wand gemalt, wo seim denn aber neue Steuern? Gegenüber dem Abg. Debel bemerke er, daß das vo r diesem gefeierte Milizsystem in der Schweiz reformirt werden müsse, und was der Schweiz recht sei, das sei dem großen Deutschm Reich billig. Abg. Bin bewald (dtschsoz. Resp.) hebt her­vor, die Minderheit seiner Partei sei ebenso national gesinnt wie die Mehrheit, aber der Nothstand der Landwirthschaft hindere sie, für die Vorlage zu stimmen.

Abg. Richter (freis. Volksp.) führt aus, seine Partei sei bereit, die meisten ersten Raten im Rahmen des Marine- waren. Das inhaltreiche Programm zeigte insofern einen sinnvollen inneren Zusommenhaug, als es mit Ausnahme des zum Schluß aufgeführten 42. Psalms für Chor und Solo­stimmen von Mendelssohn die heilszeschichtlichen Vorgänge der Charwoche und des Osterfestes von Jesu Einzug in Jerusalem bis nach seiner Auferstehung in histor scher Folge und gefälligem Wechsel von Orgel-, Chor- und Solovorträgen zum Ausdrucke brächte; die Erledigung desselben erforderte nahezu zwei Stunden. An seiner Spitze stand eine Fanta­sie für die OrgelWie soll ich Dich empfangen* von J. S. Bach, deren Vortrag uns den bewährten Organisten der Kirche, Herrn D. P a u l st i ch , von neuem als einen Meister des Orgelspiels, als einen Künstler von imponirender Technik erkennen ließ. Denstlben Eindruck müßten »ich: minder die feinere korrekte Wiedergabe einer Orgelsonate nach Motiven des OsierchoralsJesus meine Zuversicht" von J. Rhein- berger sowie die durch verstäudnißvolle, manchmal jedoch et­was zu starke Registrirung sich auizeichnende Begleitung ser Eolovorträge und Chöre hervorrufen. Der Chor in ansehn­licher Stir'e brächte nacheinander zum VortragFreue dich, Tochter Zion",Sieh', das ist Gottes Lamm," (dreistimmiger Frauenckor) von Boenecke,O Haupt voll Blut und Wunden" von Btch,Christus ist auferstanden" undBis hierher hat der Herr geholfen" von Stein. Sämmtliche Chöre, auch die aus *ber Mendelssohn'schen Komposition wurden mit voller Sicherheit und Frische und lobenswerther Präcision in den Einsätzen, mit guter Nüancirung und verständnißvoller Deklamation bar geboten und stellten der Einstudiruug der­selben durch den Dirigenten, Herrn Karl Appel, das beste Zeugniß aus. Als Solisten liehen dem Konzert ihre Mitwirkung unsere geschätzte einheimische Konzertsängerin Frau Balser-Landmann sowie der Studiosus der Theologie Herr G. Koch von hier (Violine). Frau Balser- Landmann hat uns durch ihre einfach-edle, ge-