28. Mai
Hanauer Anzeiger
Seite 3
Legitimation nach der neuen dort in Kraft getretenen Fahrradordnung * besitzen, im ganzen Regierungsbezirk Cassel die gleiche Vergünstigung gewährt wird.
ia? * Arendsscher Sterrographen-Vereirr. Am zwei ten Feiertag Betheiligung am 2. Verbandstage des „Deutschen Arbeiter-Stenographenbundes" (System Arends) zu Offeu- bach a. M., Restauration „zum Lindenfels".
" Fustballsport. Die am 1. Pfingstfeiertag auf dem hiesigen Exeizierplotze angesetzten beiden Wettspiele des Ha- nauec Fußballklub „Diktocia" gegen die Mannheimer Fußball- Gescllschaft „Union" können leider nicht zum Austrage gebracht werden, da die Mannheimer Gesellschaft noch in letzter Stunde abgesagt hat. Jedem Spieler der „Viktoria" ist es unangenehm, daß die beiden Match am 1. Pfirgstfeiertage nicht stattfinden, da es in den letzten 6 Wochen sich ein jeder angelegen sein ließ, die Uebuvgespiele so viel als möglich auszunutzen und so konnten der Mannheimer Gesillschaft „Union" am 1. Pfingstfeiertage zwei gut eintränirte Mann frästen von der „Viktoria" entgegenaestellt werden.
* I Brüning u. Sohn, Aktiengesellschaft, in Langendiebach. Die Konstituiruug dieser Gesellschaft bat unter dem 26. d. Mts. stattgefunden. Das Aktienkapital beträgt 1 Million Mark. Den ersten Aufsichtsrath bilden außer dem Vorbesitzer (Herr August Brüning in Lanzendiebach) Herr Heinrich Brüning in Hanau; Herr Fritz C anth al, Präsident der Handelskammer in Hanau; Herr Bankvirektor Otto Körner in Magdeburg; Herr H. Ott, Mitglied der Handelskammer in Hanau, und Herr Eisenbahubauunteruehmer H. C h r i st u e r in Hanau. Alleiniger Vorstand der Gesell schaff ist Herr August Brüning in Laugendiebach.
* Gestohlenes Fahrrad Als gestern Vormittag ein in B^uchtöbel beschäftigter Ziegeleiverwelter dahier in einem Restaurant der gr. Dechaneigosse ein Glas Bier zu sich nahm, wurde ihm inzwischen sein daselbst im Hofe stehendes Fahrrad, Adler-Marke Nr. 35, Fabriknummer 57,061, gestohlen. Das Rad besitzt einen Werth von 200 Mk., so- daß unter Umstanden der Erfrischungstrunk sich recht kostspielig gestalten kann.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet am ersten und zweiten Pfingstfeiertag vormittags von 11 bis ^il Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachse ner ist der Eintritt nicht gestattet.
Für heute. Turngemeinde: Abends von 7^2 bis 9 Uhr: Kürturnen und Vorturner stunde. — Evang. Männer und Jünglingsverein : Abends 8 Uhr: Unterhaltung und Sparkasse (Evang. Vereinshaus). — Christlicher Arbeiterverein: Abends SVa Uhr! Gemüthliche Zusammenkunft im Vereinslokal „zum Elephanten". — Kirchenchor der Johannis- kirche: Ebenfalls abends 81/» Uhr: Hauptprobe in der Kirche. — Abends 9 Uhr: Kasino „Eintracht" (Vereinslokal „Goldene Gerste"): Vereinsabend; — Verein „Einigkeit": Vereinsabend „zur großen Krone"; — Philharmonischer Verein! Generalversammlung; Tagesordnung: Lawboyttst betr. — Fußballklub „Viktoria": Abends von 9 bis 10 Uhr: Vereins abend im „Deutschen Haus". — Athletenklub „Germania" : Ebenfalls abends von 9—10 Uhr: Vereinsabend (Gasthaus „zum schwarzen Bären").
Für morgen. I. Hauauer Fußballklub 1893: Nach mittags 2^2 Uhr: Nebungsspiel auf dem Exerzierplätze. — Havarier Schützmgefcllschaft: Nachmittags von 2 Uhr ab: Schießen auf den neuen Schießständen.
* Das Hahnenkammhaus ist jetzt täglich geöffnet.
] [ Großauheim, 28. Mai. Der hiesige Darlehnskassenverein hielt gestern Abend in der Brauerei zum Löwen" seine übliche Frühjahrs-Generelversammlung ab, die verhältnitzmätzig recht gut besucht war. Der Bercinsvorstcher Herr Karl Lenz eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er die erschienenen Mitglieder herzlich bewillkommnete» die Tagesordnung bekannt machte und über den Geschäftsgang im abgelaufenen Vereinsjahr einen allgemeinen Ueberblick gab. Herr Jean Heuser, Rechner des Vereins, erstattete sodann den Rechenschaftsbericht. Hiernach belaufen sich die Einnahmen auf 123,735,36 Mk. und die Ausgaben auf 119,452,62, so daß ein Gesammtumschlag von 24 3,187,98 Mk. zu verzeichnen ist. Die Zahlen beweisen zur Genüge, daß in dem Verein reger Geschäftsgang obwaltet. Es wurden durch Vermittlung des Darlehnskassenvereins für zirka 18000 M. landwirthschaftliche Bezüge gemacht. Wenn man bedenkt, welche große Ersparnisse gerade durch die gemeinschaftlichen Bezüge an Futter- und Düng- mrttcln gemacht, und wie hierdurch der wucherischen Ausbeutung ent- gegengearbeitet wird, so kann und muß man das segensreiche Wirken dieser Institute gewiß anerkennen. D«r Reingewinn pro 1897 be- trug 1098 Mk., der laut Beschluß der Generalversammlung wieder- um dem Reservefonds zugeschrieben werden soll. Vorstand und nach Darlegung des Geschäfts- und Rechenschafts- entlastet werden. Bei der Ergänzungswahl «w»^! »„k6 m bunden die drei ausscheidenden Herren S. Laber, Taaesordminn ,?k^ «nstimmig wiedergewählt. Hiermit war die Vorstände «^e/ÄkEl» ^”r Lehrer Fickert dankte dem gesummten Leitung bes^vr^nl’^ »für die umsichtige und uneigennützige beÄe Körne^ns^ ^ verflossenen Geschäftsjahre und brächte auf »°ZKM-^A ^°Z«»
4ppeü an die DtUgllcder, auch fernerhin der Raiffeisensache treu zu bleiben und mitzuwirken, daß bald alle selbst ständigen MännerGrost auheims diesem tx jeder Hinsicht segensreich wirkenden Institut an-
* Hanau, 28. Mai. (Lebensmittelpreise 1 Hülsenftüchte: Bohnen 30—36 Pfg., Erbsen 30—36 Pfa Linsen 40-48 Pfg. das Doppelliter; Geflügel: Tauben! das Pärchen 90 Pfg. bis 1,10 Mk.; ein alter Hahn 1,30 bis 1/70 Mk.; ein Huhn 1,40—1,80 Mk.; eine Ente 2,50-3 eine Gans (junge) 2,60—3 Mk.; Fische; gewöhnliche Sorte 25—30 Pfg., bessere Sorten 40—45 Pfg., Aal 1-1/10 Mk., Hecht 1,10-1,20 Mk., Bresem 60-75 Pfg., L« .°^° Pfg., Barsch 60-75 Psg. = ■/, kg; @emuse. Merrettig, die Stange 10—20 Pfg.; Spargel, 100 2,80-3 Mk.; Blumenkohl das Stück 50-70 Psg.;
Kopfsalat, das Stück 5— 8 Pfg.; Rettig, das Stück 5—10 Pfg.; Ober - Kohlrabi (neue), das Stück 10—20 Pfg.; Wirsing (neues), das Stück 20—25 Pfg.; Weißkraut (neues), das Stück 50 Psg.; Sellerie, das Stück 10—20 Pfg.; Gurken, das Stück 30—50 Pfg.; gelbe Rüben (neue), das Bund 20 Pfg.; Neue Erbsen, die Portion 35—40 Pfg.; Neue Bohnen, die Portion 40—50 Mk.; Schnittkohl, die Portion 15—20 Pfg.; Spinat, die Portion 20—30 Psg.; Lattig, die Portion 10—20 Pfg.; Kartoffel, 15 Pfg. das Doppelliter; Obst: Kirschen, das Vs kg 40 bis 50 Pfg.; Aepfel, das Pfund 30—40 Pfg.; Zitronen, das Stück 8—10 Pfg.; Apfelsinen, das Stück 8—15 Pfg.; Paradiesäpfel, das ctüct 12—15 Pfg.; Verschiedenes: Butter das Psunv 1—1,15 Mk.; Käse, das Stück 4—5 Pfg.; Eier, das Stück 6—7 Pfg.; Gänseeier, das Stück 12—14 Pfg.; Zwiebel, das Doppelliter 22—24 Pfg.; Welschkorn, das Doppelliter 24—26 Pfg.; Radieschen, das Bündel 3-5 Pfg.; Kastanien, das ^2 kg 18—20 Pfg.; Weizenmehl, 1. Sorte 24 Pfg., 2. Sorte 22 Pfg., 3. Sorte 20 Pfg., 4. Sorte 18 Pfg. — V« kg.; Stroh 2,30 bis 2,60 Mk. und Heu 3,20—3,70 Mk. — 50 kg.; Buchenholz, der Meter 9,50 Mk.
Barometerstand
mittag) 12 Uhr am 27./5.
Sehr trocken ” “
Beständig J
Schön 760 ==
Veränderlich
Regen (Wind) —“
Biel Regen 740—1|£
Sturm —m
730__=
720__M
710 W
28./5.
AuS der Provinz und den Rachbargebieten.
Frankfurt, 24. Mai. Die Ehefrau eines ganz unbemittelten Handelsmannes, der auf einem Dorfe bei Rüssels- hnm seine Familie seither kümmerlich ernährt hatte, hat in den letzten Wochen einen Bruder aus Amerika beerbt. Auf den Antheil der Frau entfielen 900 000 Mark. Die vielköpfige Familie ist diese Woche hierher übergestedelt.
Frankfurt a. M., 27. Mai. Um die Lippen des Agenten Wilhelm Böckel aus Fulda zieht sich noch kaum der erste Flaum des Barts; weiter als sein Alter sind augenscheinlich seine Talente gediehen, die ihn mit Nachdruck aus die Verbrecherlausbahn wiesen. Er arbeitete nach einem längst nicht mehr ungewöhnlichen Muster, geht an's Telephon und stellt sich einem Geschäfte als ein hiesiger bekannter Arzt oder sonst als eine Persönlichkeit vor, bei der man in der Regel Kreditfähigkeit voraussetzt. Er hat Bedarf in Hemden; seine Halsweite ist 38, und theilt mit, daß er einen Dienst- mann schicke, dem die Hemden gegen Abgabe der definitiven schriftlichen Bestellung auszuhändigen seien. Die Rechnung bezahle er eigenhändig. Der Dienstmann erscheint in dem attoquirten Geschäft, erhält die Hemden und — die Firma ist geprellt, denn Böckel bezahlt nicht und der mit dem Namen des Doktors unterzeichnete Bestellbrief ist gefälscht. Nach diesem Muster — harmlos variirt — v-rfuhr der junge Mann in vier heute zur Anklage stehenden Fällen, bei denen ihm auch ein Paar Stiefel und zu ei Fahrräder zur Beute fielen. Wegen einer Urkundenfälschung bat er bereits als Vierzehnjähriger eine Gefängnißstrafe verbißt und wegen desselben Vergehen im Zusammentreffen mit Betrug wird er in der heutigen Straskammersitzung mit 9 Monaten Gefängniß bestrast.
Mainz, 27. Mai. Zur Aufhebung des Oktrors auf Mehl schreibt der „Mainzer Anzeiger": Wie voraus - zusehen war, haben die Erhebungen, welche die Bürgermeisterei bei der Oktroiverwaltung und der Bäcker-Innung zur Losung der Frage angestellt bat, ob die Aufhebung des Mehl-OkiroiS einen Brodabschlag zur Folge haben werde, ein negatives Resultat geliefert: Die Suspendirung des Oktrois wurde keine Herabsetzung des Brodpreises herbeiführen. Zu diesem Ergebniß hätte man wohl auch gelangen können, ohne emen umständlichen Erhebungsapparst "vd die gesammte Lokalpresse in Bewegung zu setzen. Eine einfache Erkundigung bei ein paar Bäckermeistern und ein emfackes Rechenexempel hatten zu demselben Ziele geführt: Das Oktrol bettagt für 200 Pfund M.hl 50 Pfg. Aus 800 Pfund Mehl stellt der Bäcker durchschnittlich 400 Pfund Brod oder 100 Larb H Pfund her. Demnach entfallen auf den merpfunbtgen „aib Brod S/4 Pfg. Oktroi. Da aber der Bäcker emen Brodabschlag unter einem Pfennig unmöglich ««treten lassen kann, winde die Aufhebung des Oktrois gar keinen Einfluß, auf den Brodpreis ausüben, sondern käme nur den Backern
zu
gute. __________
Die Stratzentumutte in Erfurt.
Erfurt, 26. Mai.
Auf dem Friedrich-Wilhelmsplatz gibt seit Dienstag der Cirkus Deike Vorstellungen. Bereits am ersten Abend kam es dort zu ernsten Zusammenstößen zwischen verschiedenen, dem Rowdythum huldigenden Burschen und der Poüzel. Ow Beamten wurden verhöhnt und hm und her gestoßen. Um gestern Abend energisch auftreten zu können, hatte Herr
Polizei-Inspektor Metzler die ihm zu Gebote stehenden Beamten — etwa 40 — zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung kommandirt. Wie sehr diese Maßnahme gerechtfertigt war, bewiesen die folgenden tumultuarischen Austritte, die aller Beschreibung spotteten.
Einige 20 Personen wurden festgenommen. Mitglieder der Sanitätskolonue vom „Rothen Kreuz" traten in Aktivität. Wohl einige 50 Personen mögen mehr oder minder schwer verletzt worden sein.
Diese Aufruhrszenen auf dem Friedrich-Wilhelmsplatze wiederholten sich Donnerstag Abend in verstärktem Maße. Außer etwa 40 Polizeiser geante«, drei Kommissaren und dem Polizei-Inspektor Metzler waren Fußgendarmen, sowie acht Gendarmen und Polizeibeamte zu Pferde auf dem Platze. Inmitten desfelben standen der General der Kavallerie von Kröcher mit einem Adjutanten, Regierungsrath Metze, Oberbürgermeister Dr. Schmidt, Bürgermeister Lange und Staatsanwalt Schubert, sowie ein Vertreter der griffe. Zunächst besetzte die Polizei die in den Friedrich-Wilhelmsplatz einmündenden Straßenzüge. Wer nach dem Zirkus oder nach seiner Wohnung wollte, konnte passtren, er wurde aber bis zum Ziel beobachtet.
Während das Publikum im Zirkus sich amüsirte, erhob sich plötzlich auf der Peterstraße ein wahrer Höllenspektakel. Steine flogen unter die dort stehenden Beamten, diesen und jenen verwundend. Der Ansturm der Polizei wurde von einem Halbzug Einundsiebziger, welche im Laufschritt von der Zitadelle „Peterskerg" kamen, thatkräftig unterstützt. Wer nicht sofort zurückwich, wurde durch Kolbenstöße dazu gezwungen. Während dort die Menge in Schach gehalten wurde, drang von der Andreasstraße ein Haufen vor, faßte hinter den Anlagen am Landgerichtsgebäude Posten und warf mit S teinen, welche auf die Helme der Polizisten aufschlugen. Auch die dort angebrachte öffentliche Bedürsnißanstelt diente jugendlichen Radaumachern als Schlupfwinkel. Sie mußten mit blanker Waffe vertrieben werden. Die dann wieder Vor- drinqenden wurden mit kräftigen Wasserleitungsstrahlen empfangen. Waffer wurde übrigens so viel verbraucht, als ob eine Feuersbrunst zu bekämpfen sei.
Gegen IOV2 Uhr abends nahm der Skandal derartig zu, daß Polizei-Inspektor Metzler das Ganze sammeln ließ. Es galt die Andreasstraß-, von wo aus ein Bombardement mit großen Steinen eröffnet wurde, zu säubern. Anfangs wichen die Menschen schreiend zurück. Nur Einige hielten Stand, auf welche natürlich k ästig eingehauen wurde. Blut floß, wie sich der Referent der D.W. überzeugte, aus beiden Seiten. Auch der Vertreter der Preffe wurde durch einen Steinwurs an dem rechten Knie verletzt. Zahlreiche Personen wurden sistirt, unter Anderen auch ein Diener in Livre, der mit Steinen geworfen haben sollte. Kommissar Michels erhielt eine stark blutende Verletzung an der rechten Schläfe; Kommissar Brehme wurde am rechten Ellenbogen und am Unter leibe verletzt, Wachtmeist-r Müuzer bekam einen Back- steinwur^, welcher den rechten Stiefel durchschlug, so daß das Blut hervor quoll. Die meisten der Beamten erhielten mehr oder minder starke Kontusionen. — Einmal war der Steinhagel so dicht — es wurden sogar aus Fenstern der Häuser der Weißegaffe große Steine herabgeschleudert, daß die Polizei zurückwich. Nunmehr ließ Polizei-Inspektor Metzler die 8 Berittenen an die Spitze der Beamtenphalanx stellen und autoristrte sie, bei nochmaligem Steinhagel von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. In kurzem Trab ging es aus die schreiende Menge zu. Als wieder toteine flogen, so daß die Pferde scheuten, gaben die Gendarmen Schnellfeuer. Sie feuerten wohl mehr in die Luft, sonst hätte es ein Blutbad geben müssen. Immerhin gab es zahlreiche Verwundete. Erst nach 11 Uhr war die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt. Die Polizei rückte ab. Patrouillen blieben zurück.
Hd. Erfurt, 27. Mai. Gestern in später Nachtstunde mußte das Militär die Tumultanten angreifen. Die Gendarmerie gab Schnellfeuer. Viele Beamte wurden durch Steinwürfe verletzt. Im Ganzen sollen 80 Personen bei den letzttägigen Unruhen verwundet worden sein.
Hd. Erfurt, 28. Mai. (Telegramm.) Gestern wieder- hollen sich vereinzelt die letzttägigen Straßenunruhen. Abends wurden die Demonstranten durch berittene Schutzleute auseinander getrieben. Das Militär stand bereit, schrüt aber nicht ein.____________
" Drahtnachrichten des „Han. Anz.""
Berlin, 28. Mai. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe begibt sich von Baden-Baden aus auf kurze Zeit nach Paris und von dort nach Schillingsfürst. Hier trifft der Reichskanzler Anfang Juni mit seiner ganzen Familie zusammen. Alsdann findet die Beisetzung der verstorbenen Fürstin vom Mausoleum aus auf dem fürstlichen Friedhofe statt. Der Fürst wird längere Zeit in Schillingsfürst zu seiner Erholung verweilen.
Berlin, 28. Mai. Die revoluttonäre Beweguni in Italien ist noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Dem „Lokal-Anzeiger" zufolge erhielt die italienische Regierung von verschiedenen Präfekten Mittheilungen, wonach die Landarbeiter, namentlich in der Provinz Bologna Maffeustreiks planen. Jufolgedeffeu ordnete das Ministerium an, daß in allen Regimentern des 4., 5., 6., 7. und 8. Korps Kompagnien gebildet werden, welche erforderlichenfalls die Ernte- Arbeiten ausführen.
Pr<rg, 28. Mai. In hiesigen politischen Kreisen hegt man die Zuversicht, Lippert zur Beibehaltung des Mandats zu bewegen. Es soll zu diesem Zweck eine Kundgebung der deutsch-böhmischen Verttauensmänner für Lippert statt- finden.
Budapest, 28. Mai. Bei den Unruhen in Nagyvanz- sony belagerten die Bauern das Gemeindehaus und wollten