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Amtliches Organ für Staöt- unS LanöKrels Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Rr. 49

Montag den 28. Februar

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1898

Amtliches.

^artöMret^ ^banau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrath samtes.

Landwirthschastlicher Kreisverein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 5. März, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zumgoldenen Löwen" in Hanau.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Wahl von 2 Delegirten zum Vereinsausschuß der Land- wirthschaftskammer.

3. Besprechung des Gesetzes vom 19. August 1897, betr. die Verpflichtung der Gemeinden zur Bull-nhaltung.

4. Dortrag des Herrn Prof. Dr. Dietrich aus Marburg über die Anwendung künstlicher Düngemittel.

5. Beschaffung von Saatprodukten.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins tu ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 28. Februar 1898.

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Dienstoachrichten aus dem Kreise.

Simon Hensel V. und Johannes Hensel I. von Rüdigheim sind zu Feldhütern der dortigen Gemeinde wider­ruflich bestellt und verpflichtet worden.

Verloren: Zwei Schlüssel (an einem Ring).

Gefunden: Eine Milchkanne mit Inhalt. Ein DouM- armbond. Auf dem letzten Wochenmarlt am 26. d. Mts. ein Butterweck (ca. Vh Pfd.). Ein Haarpfeil von Horn.

Zugelaufen: Am 21. ds. Mts. ein junger großer gelber Hund mit weißem Hals, m. Gefchl.; Empfangnahme beim Weichenwärter Heinrich, Hein in Kahl a/M. Ein schwarzer Jaxdhrnd mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten, m. GesLl.; Empfangnahme bei Gastwirth Keller in Ostheim.

Hanau am 28. Februar 1898.

^tadt&rei# ^anau. WtMtmachuugeu des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Bei der am 21. Februar d. Js. stattgefundenen Wahl der Stadtverordneten für die II. Wahlabtheilung haben ins-

Feuilletsi«.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 28. Februar.

Als ,Erbprinz von Boyreuth" inGutzkows .Zopf und Schwert" sollte Herr Arso Pajovits vom Herzogl. Hoftheater in Meiningen seine Anwartschaft für das Fach des jugendlichen Helden und Liebhabers für die kommende Saison begründen. Solche Gast­spiele haben den Zweck, sowohl das Publikum als auch die Direk­tion vor Enttäuschungen zu bewahren, wie sie der Anfang dieser Spielzeit erbracht hat. Läßt sich auch aus einer Rolle nicht das ganze Können eines Darstellers beurtheilen, so kann doch immerhin festgestellt werden, ob von seiner Verwendung Gutes erwartet werden kann und ob seine Persönlichkeit dem Publikum besagt, denn gerade für das Fach des ersten Liebhabers kommen auch die äußeren Mittel sehr in Betracht Die Erscheinung des Herrn Pajovits machte einen recht günstigen Eindruck, aber der eigenthümliche Klang seines Organs und seine nicht fehlerfreie Sprechweise hoben diesen günstigen Ein­druck sofort wieder auf. Eine verständige Auffassung seiner Aufgabe kann ihm ja nachgerühmt werden, wenn auch sein Mienen- u»d Gebärdenspiel nicht immer mit den Worten harmonirte. Das Publikum verhielt sich seiner Leistung gegenüber äußerst kühl und zurückhaltend nnd auch wir vermögen seinem Engagement nach dieser einen Probe nicht das Wort zu reden, da wir nicht zu sagen ver­mögen, ob man sich an seine Sprechweise gewöhnen wird.

Das Programm für Freitag Abend bestand in drei Einaktern: Unter vier Augen von Fulda,Der sechste Sinn" von Moser und Misch und .Guten Morgen, Herr Fischer"' Alle drei Sachen dürfen von früher her als bekannt gelten. Im ersten Stücke der elegante leichtflüssige Plauderton Fuldas, durchsetzt mit witzigen Pointen, im zweiten die derber zugeschnittene Situationskomik Moser'schcr Manier und im dritten die naiv-drastischen Wirkungen der Komik Friedrichs. Warum unS unsere Direktion nicht vor letzterem Stücke bewahrte, vermögen wir uns nicht zu erklären, denn erstens stehen ihr nicht die nöthigen Gesangskräfte dazu zur Verfügung, und bann ist das Publikum nicht mehr uaiv genug, um an solchen Albernheiten der Handlung Gefallen zu finden. Gespielt wurde befriedigend. Frl. Brandow spielte mit seinem Takt und greßer Liebenswürdigkeit in den beiden ersten Stücken die junge Frau, Herr Steingötter

gesammt 185 Wähler ton ihrem Stimmrechte Gebrauch ge­macht, sodaß die absolute Stimmenmehrheit 93 Stimmen be­trägt.

Die absolute Stimmenmehrheit und zugleich die meisten Stimmen haben folgende Herren erhalten, welche somit gewählt sind:

1. San'tätsrath Dr. Eisenach,

2. Etuisfabrikant August Hoffmann,

3. Kaufmann Jakob Fritz,

4. Fabrikant Friedrich Jung,

5. Rentner Fritz Koch,

6. Rentner Ferdinand Koch,

7. Holzhändler Philipp Müller,

8. Maschinenfabrikant Anton Pelissier,

9. Kaufmann Friedrich Roth,

10. Kaufmann Julius Schwabe,

11. Kaufmann Fritz Weber,

12. Zimmermeister Joh. Wcnd. Wörner.

Gemäß § 29 Abs. 2 der Städteordnung für die Provinz Hessen Nassau rom 4. August 1897 kann von jedem Stimm­berechtigten innerhalb zweier Wochen nach Bekanntmachung des Wahlergebnisses bei dem Stadtrathe Einspruch gegen das stattgehabte Wahlverfahren erhoben werden.

Hanau den 24. Februar 1898.

Der Stadtrath.

Dr. Gebeschus. 2963

18481898.

Fünfzig Jahre sind verflossen, seit die durch die französische Februar-Revolution angefachte revolutionäre Bewegung durch Europa ging und auch Deutschland erschütterte. Die Demo­kratie hofft, durch die Erinnerung an jene Zeiten für sich und ihre Ziele werben zu können. Die von den deutschen Regierungen und der obersten Leitung in dem Fühlen und Denken des Volkes errungene Vertrauensstellung bietet die beste Gewähr, daß die Bemühungen, die Gedenktage des Revolutionsjahres 1848 zu einem neuen Vorstoß gegen das Bestehende zu benutzen, erfolglos bleiben. Wenn heute einer der Vorkämpfer der Erneuerung Deutschlands, der die Zeit der Erhebung nicht mehr erschaut hat, wiederkehren könnte, er würde zugeben müssen, daß die Hoffnungen, die die Besten der Nation an den Staat Friedrichs des Groß n geknüpft, in reichem. Maße sich erfüllt hoben, ja, in weit höherem, als man in jener Zeit erwarten konnte. Wir sehen die kleinern Staaten, die damals zum Theil ihre Kräfte zersplitterten, in der Gegenwart um das K a i s e r t h u m geschaart als Pfleger des Reichsgedonkeus, als Förderer der geistigen und wirth- schastlichen Entwickelung der deutschen Nation.

Die Nachfolger der alten Demokratie, die heute bereits durch die Wortführer der Scziold mokratie in den Hinter-

beide Male ihren Gatten, nur hätten wir gewünscht, daß der Künstler neben der gewechselten Perrücke und dem Anzüge auch den ver­schiedenen Charakter etwas schärfer betont hätte. Herrn Göbel sollte eine Rolle wie der .Aaron Hubert' nicht übertragen werden, sie erfordert gereisteres Können. Köstlich wirkte Herr Tyrkowski im zweiten Stücke, wenn er auch der Neigung zur Uebertreibung nicht ganz widerstehen konnte. Von den übrigen Mitwirkenden des Abends wollen wir noch Frl. Feretty gedenken, die als fesche Wiener Putz­macherin recht hübsches Talet offenbarte und für einen ersten Versuch recht Annehmbares leistete.

Wer ins Theater geht, um sich die Sorgen und Grillen wcgzu- lachen, berfanb gestern bei der Aufführung von .Hans Hucke- bein", Schwank in 3 Akten von Oskar Blnmenthal und Gustav Kadelburg, seine Rechnung; es wurde gelacht von Anfang bis zu Ende des Stückes und die Heiterkeitsausbrüche hatten mitunter einen explosiven Charakter. Im Grunde sind all die Situationen und Per­sonen, der Provinzler, der nach Berlin kommt um sich auszutoben, die eifersüchtige Frau und die böse Schwiegermama, der imaginäre Ge­schäftsfreund, der für alle Streiche und Abende außer Eheabonne­ment herhalten muß u. s w. das älteste bekannteste Schwankn aterial. Aber die Autoren sind auf eine prächtige Idee verfallen: die Er­rungenschaften der Neuzeit auf dem Gebiete der Wissenschaft und Technik müssen charakteristischer Weise auch für die Kunst ausge­arbeitet werden und so haben sie rasch »on dem Kinematographen Besitz ergriffen nnd ihn in Sold des Schwankes genommen. Und dieser Einfall war in seiner Durchführung wirklich köstlich, köstlich und neu. Der unsterbliche Humorist Wilhelm Busch hat beim Titel­geben Pathe gestanden und der herrschende Glaube, daß die Kinder nach den Pathen gerathen, Hot sich glücklich bewährt. Es gibt Menschen, die vom Schicksal verfolgt werden und zu dieser Gattung gehört der gutsituirte Berliner Kaufmann Martin Hallerstadt, er ist das wahre Ideal eines Pechvogels. Die Fülle der Konsequenzen, die für ihn für einen Schritt vom Wege erwachsen, wirkt geradezu verblüffend Auf der Rückreise von London hat erkrankheitshalber einige Tage in Ostente verweilt und die unbeweibte Reisesreiheit zu einem Rendezvous benutzt. Und siehe, der Unglücksrabe, dem seine Freunde den Namen Hans Huckebein beilegten, ist dem Kinemuto- grophen zum Opfer gefallen. Unter den Linden wird die Szene in Ostende als Nr. 6 dem schaulustigen Publikum in seiner ganzen Lieb­lichkeit vorgefübrt und Martin Hallerstadt, der nach einer durch- kneipten Nacht dort einige Zeit schlummern möchte, ist es selbst, der Frau und Schwiegcrmoma zu diesem überraschenden Schauspiel führt.

gründ gedrängt werden, behaupten freilich auch sitzt noch, daß die alten Ideale der Freiheit, wie man sie 1848 meinte, im Neuen Deutschen Reiche nicht erfüllt seien. Von einem höheren Standpunkte aus kann man darauf antworten: es ist ein Glück, daß in dieser Hinsicht nicht alle Blüthemräume reifte*. Die deutsche Nation, von einer Welt »on Feinden umklammert, in kleine, einander mit alter deutscher Fehdesucht bekämpfende Parteien zersplittert und vor große soziale Aus­gaben gestellt, würde mit dem nach der Schablone von 1848 gewünschten Freiheitsstaate, in dem die monarchische Gewalt zur Null werden sollte, unzweifelhaft Schiffbruch erlitten haben.

Ohne ein starkes, von der Monarchie fest und sicher ge­leitetes Heer, ohne die ausgleichende Macht des über den Parteien stehenden Herrschers, wären auch bei uns die Grund­lagen des Staates unterwühlt, wäre Deutschland aufs neue zu einem Spielball für die Willkür des Auslandes gemacht worden. Aber auch die persönliche Freiheit des Einzelnen ist in der starken Monarchie in deutschen Landen besser gewahrt, als in vielen anderen, den demokratischen Idealen näher stehenden Staaten. Die meisten bieten wahrlich kein ver­lockendes Bild. Mit dem aus patriotisch und sittlich ge­schulten Elementen der Nation bestehenden Beamtenthum, mit ihrem starken, in unermüdlicher Selbstzucht arbeitenden Heere würde die Monarchie, wie sie bei uns besteht, allein schon ein erhebendes Bild, ein nachzuahmendeS Beispiel für andere Völker bieten.

Aber sie hat mehr gethan. Unter der Führung des deut­schen Kaiserthxms hat sie zuerst, und zwar zu einer Z it, wo die demokratisch und rein parlamentarisch regierten Reiche sich durchweg in den Dienst einer begüterten Mehrheit stellten, den Muth gehabt, an die Lösung der sozialen Frage Hecanzu- treten. Mit ihren durch die soziale Gesetzgebung der siebziger und achtziger Jahre ins Leben geführten Veranstaltungen zu Gunsten der Armen und Nothleidenden ist die deutsche Mon­archie allen Staaten vorangegangen. Schon jetzt läßt sich absehen, daß die soziale Entwickelung Deutschlands innerhalb des festen monarchischen Rahmens sich vollziehen wird, also aller Wahrscheinlichkeit noch ohne die Stürme, die den demo­kratisch oder rein parlamentarisch regierten Staaten beschieden sein dürsten.

Mit besonderer Genugthuung aber dürfen die deutschen Regierungen sitzt den Gedenktagen von 1848 entgegensehen. Die vom Finanzminister v. Miguel verkündete Politik der Sammlung der produktiven Stände, der Eifer, mit dem der Staatssekretär Graf Posadowsky sich an die Vorbereitung neuer Handelsverträge gemacht hat, die Erwerbung von Kiaotschou und endlich die ebenso maßvolle wie überzeugend begründete Flotten Vorlage, welche Admiral Tirpitz dem Reichstage vorgelegt hat das alles sind Dinge, die jeden patriotischen Deutschen floh in die Zukunft blicken lassen.

Ein Schwank ist eine Attrappe. Kennt man Inhalt und Technik, so ist der Reiz vorbei. An die kommenden Besucher Hans HuckelbemS sollen seine Geheimnisse heute nicht verrathen werden. Nur so viel sei gesagt, daß originell wie der Gedanke der Handlung auch die Lösung des Knotens ist. Die Handlung steigert sich von Akt zu Akt, eine drollige Szene fosit auf die andere und ein Witz auf den an­dern. Schon die köstliche Einqangsszene versetzt das Publikum in die heiterste Stimmung, die bis zum letzten Fallen des Vorhanges anhält. Gespielt wurde ganz vorzüglich. Herrn Stein götter's treffliches Regietalent bewährte sich hier, er hatte für ein flottes En­semble und für hübsche Ausstattung geformt Auch in der Dar­stellung des Pechvogels Martin Hallerstadt leistete er ganz vorzüg­liches; neben ihm wirkten mit Erfolg Frl. Brandow als schmollende junge Frau, Herr Gehrmann und Frau Lehman» als die Schwiegereltern des Paares; Herr Tyrkowski als Boris Mensky, Frl. Krause als Martha Wendel und Herr Linzen als Tobias Krack. Die übrigen kleinen Parthien waren durch Frl. Souvent, die Herren Be rn h ard und Achenbach gut vertreten.

Vermischte Nachrichten.

Kramn als Polizisten. In Amerika und in Eng­land gibt es augenblicklich über 80 Frauen, welche der Kri­minalpolizei Dienste leisten, und man hat dort die Erfahrung gemacht, daß viele Frauen wie geschaffen sind zu diesem Be­rufe. Ja, in London stehen eine größere Anzahl junger Frauen,^ welche in Kaufhäusern oder als Kassnerinnen in gre^en Restaurants beschäftigt sind, zu gleicher Zeit im Dienste der Polizei. Und gerade diesen werben oft die wichtigsten und heikelsten Aufträge anvertraut. Unerläßlich für die Zu- laffung zum Polizeidienste ist es, daß die weiblichen Detektives hübsch und liebenswürdig im Verkehr mit dem Publikum sind; dabei muffen sie vorsichtig und listig sein, um hinter das Geheimniß zu kommen, das gewisse Personen umgibt.