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Amtliches «Argan für $faöt~ unS LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Ar. 146

Montag den 27. Juni

1898

-^^W^ftraOSßä^^^affiöl^^

AMtlicheS.

SlcrHtK^ers ^anatt.

BLLWÄWachMgkV des OLerbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Das Nachtrags-Statut der Lucan-Stiftung zu Hanau zur Förderung musikalischer Zwecke liegt vom 28. Juni d. Js. an zwei Wochen lang im Rathhause, Zimmer Nr. 21, offen und steht es jedem Bürger frei, innerhalb dieser Frist bei dem Magistrate Einwendung zu erheben.

Hanau den 20. Juni 1898.

Der Magistrat

Dr. Gebeschus. 9561

Auch Patrioten.

Der nationalen Pflicht, geschlossen gegen die Sozialdemo­kraten vorzugehen, sind bei den Stichwahlen die meisten Par­teien mit erfreulicher Entschiedenheit nachgekommen. Vergessen war der Hader vergangener Tage, als es galt, dem gemein­samen Feinde unserer Staats- und Gesellschaftsordnung, von Thron und Altar eine Niederlage zu bereiten. Und trefflich fürwahr hat sich die Politik der Sammlung bewährt. Eine Reihe von Wahlkreisen ist den Sozialdemokraten abgenommen, andere, die arg bedroht waren, sind den bürgerlichen Parteien erhalten worden. So ist es, um nur ein Beispiel Herauszu­greifen, dank dem opferwilligen Eintreten der konservativen, nationalliberalen und deutsch-sozialen Reformpartei für die freisinnigen Kandidaten gelungen, den Sozialdemokraten zwei Wahlkreise in Berlin zu entreißen. Wäre überall so patriotisch gehandelt worden, so hätte die Sozialdemokratie bei weitem nicht die Mandate errungen, die sie im letzten Reichstage innehatte. Daß nun noch m e h r V e r t r e t e r des Umsturzes aus der Urne als Sieger hervorge­gangen sind, das haben sie demFreisinn zu ver­danken.

Der Freisinn hat bei den Stichwahlen gezeigt, wie er seine Pflichten gegen das Vaterland auffaßt. Mehrere Wahl­kreise wir nennen nur Sorau-Forst, Kottbus-Spremblrg, Kalbe-Aschersleben, Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe sind aus konservativen und nationalliberalen Händen durch die Freisinnigen den Sozialdemokraten überliefert worden. Während die Freisinnigen in mehr als 20 Wahlkreisen die Hilfe der Konservativen und der Nationalliberalen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie in Anspruch nahmen, hatten sie selbst fast überall die Parole ausgegeben, für den So­zialdemokraten zu stimmen. So forderte im Wahl­kreise Zauch-Belzig-Jüterbog-Luckenwalde ein freisinniger Auf­ruf zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Ewald auf gegenüber dem konservativen, Dr. Kropatscheck; und im Wahlkreise Osthavelland, wo der konservative Kompromiß- Kandidat, Tischlermeister Pauli, mit dem Sozialdemokraten Schröder zur Stichwahl stand, erließ der ausgefallene Kan­didat der Freisinnigen, Dr. med. Mugdan in Berlin, eine

ähnliche Kundgebung. ~ ...

Und warum dieses unpatriotische Verhalten? Darüber geben uns freisinnige Blätter Auskunft. So schrieb das »Berliner Tageblatt" am Vorabend der Stichwahl.Möge sich niemand durch daS Taschenspieler-Kunststück verwirren lassen, mit dem man jetzt überall zu beweisen sucht, das er nur einen Feind zu bekämpfen gebe, die Sozialsteni Wer die Reichstags-Verhandlungen aufmerksam verfolgt hat, d-m ist bekannt, daß die Sozialdemokratie im Parl^ ihrer ungerechtfertigten Forderungen dmchge setzt haund leme durchsetzt konnte, und wer da weiß, mit weichen Majon- tätm und Minoritäten man es im Parlament zuthunhL, für den kann es keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß die Sozialdemokratie selbst dann nichts ausrichten konnte, wenn stck ibre >labl verdoppelte. Von ihr droht für die nächster fünf ^abre keine Gefahr, wohl aber von der Reaktion und von den Liebesgabenparteien." Mi anderen Worten: »^ah lieber einen Sozialdemokraten als einen Konservatimn oder eilten Malion«ai»«nlen I« $on tmta «iffi® ^ wurde dieselbe Parole ausgegeben. Kurz, der Frenmu y l-mm Zw-js-l d-rüb-r 8el«fi=n, daß u- ch» d S°M bemohalte da» Reinere Hebet war, er hm weit« Mögt, MB er non d-m Senmilfeln d-r s-m-t»lch°st mU W* SHSBSssSf

Das Verhalten der Freisinnigen m d deck. auch^K tadelt. DieKöln. Zeitung" wirft .%» Ä undSchacherpolitik" vor und sagt mit begreisirchert rung:Soll eüdlich einmal ein geschlossenes Vorgehen gegen

rung:

die Sozialdemokratie angrbahnt werden, so muß das Bürger- thum zunächst die Doppelzüngigen, die AchselNäger, die Ver- räther schonungslos aus seinen Reihen entfernen; das Bürgerthum muß zeigen, daß es in diesen Dingen keinen Spaß versteht, und die Streber und heimtückischen Schleicher über die Klinge springen lassen; mit Gegnern, die mit offenem Visir kämpfen, wnd es dann schon leicht fertig werden."

Nun, die freisinnige Partei wag bessert sicher sein, daß ihr Verhalten bei den Stichwahlen ihren Untergang erheblich beschleunigen wird, auch wenn sie jetzt einige Mandate mit fremder Hilfe von rechts und links erworben hat.

Sozialdemokratische Ausschreitungen.

Vielfach ist es während der Wadlbewegung zu argen Ausschreitungen gekommen, deren ursächlicher Zusammenhang mit der sozialremokratischen Aufwiegelung und Verhetzung sich in den meisten Fällen ohne Schwierigkeit feststellen lässt, In einer Wahlversammlung zu Stralsund schleuderten anwesende Sozialdemokraten Biergläser nach dem konservativen Kandidaten und verletzten denselben erheblich, in Elberfeld-Barmen gingen die Ruhestörungen von der nämlichen Menge aus, die soeben die Verkündigung des sozialdemokratischen Wahlsieges mit stürmischem Jubel entgegengevommen hatte, in einem ober- schlesischen Orte endlich wurde die Bedrohung des Wahl- vorstandes während der Wahlhandlung selber ausdrücklich zu Gunsten des sozialdemokratischen Kandidaten Morawski in Scene gesetzt. In Heilbronn verübten Sozialiften Freitag Nacht von 9 bis 2 Uhr schwere Exzesse, warfen unter den ärgsten Schimpfworten aus Hegelmaier, den König und den Kaiser mit Pflastersteinen die Fenster des Rathhauses ein und leisteten der Polizei und der Feuerwehr, welche Wasserstrahlen auf die Tumultuanten richtete, starken Wider­stand. Schließlich mußte Militär mit aufgepflanztem Seiten­gewehr den Marktplatz und die benachbarten Straßen säubern. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgeummen.

Solche Vorgänge erhellen gleich Schlaglichtern^die Bahn, auf welcher die Sozialdemokratie einherschreitet. Sie spiegeln den innersten Wesenskern und eigentlichen Charakter der ge- sammten sozialdemokratischen Bewegung besser als alles an­dere wieder. Nur eine Bewegung, die ihrem tiefsten Grund- zuge nach auf brutale, terroristrende Gewalt gerichtet ist, kann derartige Erscheinungen zeitigen. Es liegt darin für das Bürgerthum ein warnendes Symbol dessen, was uns ein un­gehemmtes Anwachsen der sozialrevolutionären Fluth noch zu bringen vermag.

Und auch nicht einen einzigen Milderungsgrund gibt es für die genannten Vorfälle. Das Gesetz hat den gleichen Rechtsboden für alle Parteien geschaffen. VonAusbrüchen der Verzweiflung" oder ähnlich klingenden Entschuldigungen kann daher keine Rede sein. Doch halt, derVorwärts" hat thatsächlich einen Entschuldigungsgrund herausgefunden, und dieser Grund lautet Gesetzesunkunde. Hätten die U-belthäter gewußt, welche hohen Strafen sie sich unter Um­ständen zuzögen, so hätten sie sich nach der Ausicht des sozialdemokratischen Blattes sicherlich anders benommen. Der Vorwärts" schnitzt daraus flugs einen neuen Pfeil wider die verrotteten Gesellschaftszustände der Gegenwart, die das Kind ohne Gesetzeskunde aufwachsen lassen. Die Rollen er­scheinen im Handumdrehen vertauscht; die bürgerlichen An­kläger werden zu Angeklagten.

Für die sittliche Verflachung sozialdemokratischer Welt­anschauung sind die Rettungsversuche desVorwärts" höchst bezeichnend. Um sich von Gewaltthaten fernzuhalten, dazu genügen, so sollte man meinen, doch wohl die Lehren der Religion und etwas natürliches Moralgefühl. In der sozial­demokratischen Weltanschauung aber haben die beiden letztern Faktoren keinen Raum. Hier gilt nur die Furcht vor der äußern Strafe, wie solche durch Gesctzeskenntmß veranlaßt wird. Das läßt sich aus den Ausführungen desVorwärts mit vollster Deutlichkeit entnehmen, der damit ein moralisches Glaubensbekenntniß abgelegt hat, wie man es sich offenherziger gar nicht wünschen kann. , , .

Im übrigen wird natürlich seitens der Sozialdemokratie mit starkem Auswande von Entrüstung jegliche Verant­wortung für tumültüarische Ausschreitungen irgend welcher Art abgelehnt. Aber man lasse sich dadurch nur nicht täuschen. Selbst da, wo der direkte sozialdemokratische Ein­fluß nicht nachweisbar ist, liegt ein solcher dennoch unzweifel­haft vor. Es ist dieUnzucht des Wortes", wie der b^ kannte Professor Leo seiner Zeit gesagt hat, die vornehmlich Thatsünden schafft, und niemand pflegtdiese Unzucht des Wortes" mehr, als gerade die Sozialdemokratie. Wie der Ichütze dk Macht über ben einmal entsendeten Ps-il verliert,

so geht es auch mit der Aufstachelung der Leidenschaften. Die Sozialdemokratie mag nachträglich noch so viel abmahnen, ist die böse Saat einmal ausgestreut, so geht sie auch auf und trägt über kurz oder lang blutige Früchte. Den Samen des Hasses und Neides und all der bösen Begierden aber auszustreuen, darin liegt ja die einzige positive Arbeit der Sozialdemokratie.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depescheu-Burea«Herold'.)

Berlin, 26. Juni. Die Klage der Stadtverordneten- Versammlung gegen den Magistrat in Angelegenheiten des März-Denkmals wird vor dem Ober-Verwaltungsgericht am 9. Juli verhandelt werden.

Berlin, 26. Juni. Wie die Volkszeitung hört, wird in Stadtverordnetenkreisen für den erledigten Posten des zweiten Bürgermeisters die Kandidatur des Oberbürgermeisters Wittiug in Posen ventilirt.

Weimar, 26. Juni. Anläßlich des gestrigen 80. Ge­burtstages des Großherzogs von Sachsen-Weimar sind aus dem ganzen Reiche Glückwunsch-Telegramme in Weimar ein­gelaufen, unter Andern vom Kaiser, dem Prinzen Heinrich, dem Fürsten Bismarck und vom Papste.. Der Geburtstag wurde im engsten Familienkreise auf Schloß Wilhelmsthal gefeiert.

Prag, 26. Juni. Gestern Abend kam es auf dem Lend- platze zu einer Schlägereizwischen Militär-und Zivilpersonen. Die eintreffende Gendarmerie wurde thätlich angegriffen, so- daß Militär interveniren mußte. 15 Verhaftungen wurden vorgenommen.

Krakau, 26. Juni. Entgegen den offiziellen Berichten sind die Uuruhen in Neu-Santorz, Grybow und Limanow sowie in den umliegenden Ortschaften noch nicht unterdrückt, sondern dauern noch fort. Bei einem Zusammenstoß mit dem Militär wurden mehrere Bauern getödtet, viele schwer ver­wundet.

Madrid, 26. Juni. General Linares, der sich auf der Höhe von Sevilla verschanzt hatte, wurde vorgestern und gestern von bedeutenden amerikanischen Truppenmassen und Aufständischen angegriffen. Linares schlug, wie er nach hier kabelte, den Feind mit großen Verlusten zurück. Auf Seiten der Spanier blieben 7 Mann, 3 Offiziere und 24 Mann sind verwundet. Die Ausschiffung der Amerikaner in der Bucht von Baiquiri dauern fort.

^London, 26. Juni. Nach hier eingetroffenen Meldungen rücken die Amerikaner weiter vor und stehen nur noch eine deutsche Meile von Santiago entfernt. Die Anzahl der mit ihnen vereinigten Kubaner beträgt 5000 Mann. Santiago ist vollständig umzingelt. In kürzester Zeit beginnt das Bombardement. Die Stadt Advares ist im Sturme ge­nommen worden. Der Widerstand der Spanier war gering. Den einmarschirenden Amerikanern kamen Hunderte halb ver­hungerter fast nackter Leute entgegen. 20,000 Rationen Kleider und Schuhe werden ausgetheilt. Viele Männer er­hielten Flinten und schloffen sich den amerikanischen Truppen an. Der General berichtet, er war erschüttert, diese bis zum Skelett abgemagerten Menschen unter Weinen und Lachen effen zu sehen.

Paris, 26. Juni. Nach einer hier vorliegenden Privat- meldung wird seit gestern stütz um den Besitz der südlfch von Santiago de Kuba gelegenen Ortschaft Sevilla gekämpft.

Moskau, 26. Juni. Die Stadt Bohatyrow ist durch einen furchtbaren Brand heimgesucht worden. Mehrere bundert Wohnhäuser und zwei Kirchen sind eingeäschert worden. 5 Personen kamen in den Flammen um, viele andere trugen schwere Brandwunden davon.

Stichwahl-Ergebnisse.

Northeim Einbeck. Harriehausen (Bund der Landw.).

Czarnikau. Ernst (freis. Ver.).

Göttingen. Götz von Ohlenhusen (Welse).

Osnabrück, von Schele (Welse).

Lanzig-Land. Dörksen (kons.).

West Prignitz. Stubbendorf (kons.).

Güstrow. von Treuenfels (kons.).

Posen. Motty (Pole) gewählt.

Bayreuth. Fischer (natl.).

Eisenach. Kafselmann (freis. Dolksp.).

Weimar Baudert (Soz.).

Parchim. Pachnike (steif. Ver.).

JenN. Baffermann (natl.).

Rttppi». Dietrich (kons.).