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Amtliches Organ für Stsöi

unS Lanökrsis Hanan

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Nr. 97.

Mittwoch den 27. April

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Amtliches.

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tmschMM des Oberbürgermeisteramtes»

Bekanntmachung.

Das Reinigen der städtischen Straßen und Plätze soll vom 15. nächsten Monats ab bis zum 1. April 1899 neu vergeben werden. Bedingungen und Arbeitsplan liegen auf dem Stadtbauamt II in den Stunden von vormittags 10 12^2 Uhr zur Einsicht auf. Ebendaselbst können Angebots­formulare in Empfang genommen werden. Bietungslustige werden eingeladen, bis Donnerstag den 5« n. Mts , morgens 11 Uhr, ihre Angebote auf dem Stadtbauamt II versiegelt und mit der AufschriftStratzenreinigung" versehen abzugeben. Zu dieser Zeit findet die Eröffnung der Angebote statt, der die Bieter beiwohnen können.

Hanau den 22. April 1898.

Der Magistrat

Dr. Gebeschus. 6282

Kiautschou.

Nachdem das deutsche Reich in Kiautschou festen Fuß ge­faßt hat, werde« natürlich auch Maßnahmen getroffen werden müssen, um unsere neue Besitzung wirthschastlich und militärisch möglichst werthvoll für uns zu gestalten. Die Aussichten für die wirthschaftliche Entwickelung sind durchaus günstig; die Erschließung des Hinterlandes, die gute Gelegenheit für die Herstellung einer Eisenbahn, die vortreffliche Lage für die Schifffahrt und. als Stapelplatz für den Küstenhandel dürften unser Schutzgebiet in Ostssien bald in Blüthe bringen.

Zunächst wird der Hafen genau zu vermessen sein, damit die Schiffe sicher fahren, laden und löschen können. Ferner muß das Fahrwasser festgestellt und für die erforderlichen Signal-Einrichtungen, Ladebrücken und Krähne gesorgt werden. Auf dem Lande müssen ebenfalls Vermessungen vorgenommen werden. Dann würde ein Bebauungsplan zu entwerfen und das für die Anlagen der Zivil- und Militärverwaltung er­forderliche Land zu erwerben sein. Auch müssen die Befitz- verhältnisse ermittelt werden, und schließlich würde die Anlage eines Grundbuches anzustreben sein.

Die Verwaltung von Kiautschou ist erst zu organisiren. Ein Gouverneur ist bereits dort, ein richterlicher Beamter soll ihm beigegeben werden, der die Untersuchungen über die Besitzverhältnisse anstellt und berufen ist, die Rechtsstreitig­keiten mit den Chinesen oder der Chinesen untereinander zu schlichten, sowie die Strafjustiz auch als Auditeur für die Garnison zu pflegen. Das Bestreben wird dahin gehen, so­bald wie möglich die Selbstverwaltung in der Kolonie durch- zuführen.

.............................. ......

Lerrittetsii.

Spanische Soldaten.

Bon Louis Abel.

(Nachdruck verboten.)

Keine Armee der Welt tat ruhmreichere Traditionen, als die spanische. Gegen das Ende des Mittelalters war sie die erste Streitmacht Europas und eine bedeutsame Entwickelung der Kriegskunst ist unzertrennlich mit ihr verknüpft. Spanische Soldaten vollbrachten jene Eroberung der neuen Welt, von der ihr Geschichtsschreiber Prescott treffend gesagt hat, sie gliche mehr einem phantastischen Romane als einem histori­schen Begebnisse. Und am Anfänge unseres Jahrhunderts waren es die Spanier, die zuerst, und lange Zeit auch allein, dem Allüberwinder Napoleon widerstanden und sich in einem leldenmüthigen Kampfe gegen eine politisch und militärisch weitaus stärkere Macht ihre Unabhängigkeit errangen. Solche Erinnerungen sind doch mehr als ein leerer Schall; und dies trifft bei einem Volke von dem nationalen Stolz« der Spanier doppelt zu. Ost glaubt man in dem kühnen Ausdruck- der knochigen Bronzegesichter der Mannschaften spanischer Elite- rcgimenter zu lesen, daß sie sich ihrer nationalen Ueberliefe­rungen voll bewußt und jeden Augenblick bereit sind, sie zu vertreten. Im übrigen ist der Eindruck, den die spanische Armee auf den ausländischen Beobachter macht, ein wechseln­der, und es ist leicht erklärlich, daß man recht verschiedene Urtheile über sie bört. Im allgemeinen nämlich sieht der Spanier, man möchte fast sagen, schwächlich aus. Die bleiche Schmutzfarbe, das abgezehrte Aussehen seines Gesichtes, selbst "«Bereifter halb hungriger Gallenga sagt: wölfischer rufen leicht die Vorstellung hervor, daß die spanischen Soldaten schlecht genährt, kraftlos und mißvergnügt seien.

Die nach Kiautschou entsandte Garnison, welche bekanntlich aus einem Bataillon Marine-Infanterie und einer Kompagnie Matrosen-Artillerie mit einigen leichten Feldgeschützen besteht, wird daselbst zunächst nicht zu entbehren sein. Unsere Be­sitzung ist mit einer verwilderten Bevölkerung dicht besetzt, deren Zahl auf etwa 60 000 geschätzt wird. Bis sich diese an die neuen Verhältnisse gewöhnt hat, ist mit der Möglich­keit von Unruhen zu rechnen. Die Anwesenheit unserer Sol­daten wird auch nothwendig sein, wenn sich beim Bahnbau im Binnenlande Schwierigkeiten ergeben sollten. Man muß abwarten, welchen Eindruck der Bau der Bahn und die Er­schließung des Innern, sowie die Ausnutzung der Kohlenminen auf die chinesische Bevölkerung machen; das Neue hat bei den Chinesen bisher zunächst stets Unruhe erzeugt. Die Garnison bildet ferner eine Macht für den Fall, daß überhaupt deutsche Interessen in Ostasien bedroht sind.

Unter solchen Umständen ist es unerläßlich, daß für die Garnison Wohnungen, ein Lazareth u. s. w. gebaut werden. Die bisherige Unterbringung in den Chinesenforts war nur Nothbehelf. Die neuen Gebäude werden voraussichtlich nicht billig sein. Das Klima erfordert eine solide Bauart; die meisten Materialien werden zunächst von außerhalb Heran­geschafft werden müssen. Die große Entfernung aber ver­ursacht bedeutende Transportkosten, auch ist erst eine regel­mäßige Dampfer-Verbindung nach Kiautschou geschaffen, welche für ihre Frachten beliebige Preise feftsetzen kann. Die An­lage von dauernden Befestigungen ist zunächst nicht in Aus­sicht genommen., Diese werden erst dann nothwendig, wenn durch die wirthschaftliche Entwickelung des Platzes daselbst Werthe geschaffen sind, welche im Kriege einen feindlichen An­griff von außrn her l-rfürchtcu lassen.

Es ist klar, daß selbst, wenn nur das Nothwendige durchgeführt wird, ein gewisses Anlagekapital L fonds perdu in den Platz gesteckt werden muß. Allerdings besteht die be­gründete Hoffnung, daß dieses Anlage-Kapital sich bald ver­zinsen und die Kolonie sich in Bezug auf ihre wesentlichsten Bedürfnisse in nicht zu ferner Zukunft selbst erhalten wird. Man wird daher in Kiautschou ebenso, wie bei den übrigen Schutzgebieten, zunächst mit einem Pauschquantum zu arbeiten haben. Ein solches wird, wie bekannt, im Nachtrags-Etat in Höhe von 5 Millionen Mark gefordert.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 26. April.)

Präsident Frhr. v. Buol heißt zunächst die Erschienenen herzlich willkommen und verliest sodann ein Danktelegramm des Königs von Sachsen für die ihm vom Reichstag dargebrachte Gratulation. Tagesordnung: 1. Lesung des Gesetzentwurfs betr. die elektrischen Maßeinheiten. Staatssekretär Graf Pos adowsky empfiehlt die Vorlage. Nach ganz kurzer Debatte ist die 1. Lesung beendet; die zweit« Lesung findet demnächst gleich im Plenum statt. Es folgt

Dies trifft keineswegs zu. Dies Aussehen ist ein Kenn­zeichen der spanischen Rasse überhaupt. Gerade die Elite- Truppm und -Regimenter, die nur hochgewachsene Männer ausLehmen, wie die guardia civil, die Carabmeros u. i w, liefern den besten Beweis hierfür, indem die größeren Männer keineswegs erheblich kräftiger aussehen. Eine große Schlank- heit und Magerkeit, eine gebückte Haltung haftet gewöhnlich auch dem kräftigsten Spanier an, und so kommt eS, daß der erste Eindruck, den man von einem spanischen Regiment- er­hält, allerdings Den Vorstellungen, die man nach deutschen Erfahrungen von soldatischer Strammheit hat, allerdings oft recht sehr widerspricht.

Trotzdem darf der Spanier als ein vorzüglicher Soldat bezeichnet werden. Er ist nüchtern, ausdauernd, tapfer, be­geistert, zu langen Märschen geeignet und großer Strapazen fähig. Seine Bedürsnißlostgkcit ist fast orientalisch; obwohl die Offiziere in Friedenözeiten für die Ernährung der Mann­schaften mit einer gereiften Liebe sorgen, so daß man fast von einem UeberMe sprechen darf, so wird er doch im Felde unt einer Zwiebel und einem Glase Wein zusnrven sein. Dabei z-ichvet sich der sonst so ernste und beinahe feierliche Spanier erfahrunzss-äßig im Kriege durch eine große Fröhlichkeit aus; im Lager und auf dem Marsche pflegen die Soldaten zu singe« und zu scherzen, und wie viel dies bedeuten will, braucht wohl nicht erst erörtert zu werden. Auch sonst macht sich der spanische Natioualcharakter, wenn es gegen einen Feind geht, ehr vortheilhaf: geltend. Der spanische Soldat vereinigt eine fast fanatische Liebe zu seinem Vaterlande mit jenem Fatal Is­mus, dem die Türken nicht zuletzt die trefflichen Eigenschaften ihrer Armee verdanken. Mit der ganzen tttterltt$en Halstakeit ihrer Rasse gehen sie, ohne nach den Aue,achten zu fragen und die drohenden Gefahren sich zum Bewußtsein zu bringen, in blinder Begeisterung in den Kam^; und ein vortrefflicher Kenner Spaniens hat darum mit Recht gesagt,

die 2. Lesung der vom Abg. Prinz Arenberg und Gen. beantrag­ten Novelle zum Strafgesetzbuch (lex Heintze). Beim § 180, Kuppeleiparagraph, empfiehlt Abg. Schwartze als Referent die Beschlüsse der Kommission. Abg. Schall (kons.) bittet ebenfalls, diese Beschlüsse unverändert anzunehmen und alle die vielen Ab­änderungsanträge abzulehnen. Abg. Jskraut (Antis. bittet, den Absatz 2, wonach die Wohnungsvermiethung an gewerbsmäßig Unzucht treibende Frauenspersonen nur dann als Vorschubleistung anzusehen ist, wenn damit eine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbes der Mietherin verbunden ist, zu streichen, bezw. den Absatz wie folgt zu fassen: Die Verfolgung der Vermiether von Wohnungen an Per­sonen,, welche erwerbsmäßig Unzucht treiben, tritt auf Antrag der Polizeibehörde ein. Abg. Stad tha gen (Soz.) kann diesem Vorschläge nicht zustimmen, weil derselbe die Polizei zum Richter darüber machen würde, was in dieser Beziehung sittlich und was un­sittlich sei. Es sei überhaupt falsch, den Dirnen zu sagen: wegen eures Gewerbes wollen wir euch nicht strafen, aber wohnen dürft ihr nirgends. Er bitte und beantrage, Absatz 2 so zu fassen, daß das Wohnungsvermiethen an weibliche Personen, welche gewerbsmäßige Unzucht treiben, nicht als Vorschubleistung anzusehen sei. Abg. P ieschel (ntl.) bezeichnet den Paragraphen, der sich auf die Ar­beitgeber bezieht (Mißbrauch ihres Verhältnisses zum Arbeitnehmer), als viel zu weitgehend. Ebenso seien die Bestimmungen bedenklich über die öffentliche Ausstellung von Schriften ?c. Was § 180 an- lange, so könnten seine Freunde demselben zustimmen, und zwar auch dem Absatz 2 in der Fassung der Kommission; da,egen müßten sie sowohl den Antrag Jskraut, wie den Antrag Stadthagen ablehnen. Abg. Roeren (Centr.) bittet um unveränderte Annahme des § 180 und um Ablehnung der Anträge der Abgg. Jskraut und Stadthagen. Man könne unmöglich, wie es der Antrag Jskraut wolle, der Polizei ein solches Ermessen gewähren. Die Debatte wird geschlossen. Vor der Abstimmung erklärt Abg. Richter (fts. Vp), seine Freunde seien nicht Gegner des Entwurfs in allen seinen Punkten. Aber Angesichts der bereits ausgeschriebenen Reichs­tagswahlen seien sie der Ansicht, daß daS Pensum des Reichstages auf das Allernothwendigste beschränkt werden müßte. Seine Freunde seien daher nicht geneigt, die Verhandlungen über dieses Gesetz vor einem uubcschlußfähigen Hause vorzunehmen. Er, Redner, bezweifle die Beichlußzählgteit des Hauses. Die Auszählung ergibt die An­wesenheit von 132 Mitgliedern, das Haus ist also nicht beschlußfähig. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr: Nachtragsetat, 2. Lesung der Novelle zur Konkursordnung, Antrag Salisch betr. den Nacheid.

Preußischer Landtag.

(Sitzu«g vsm 26. April.)

Am Ministertische: Justizminister Schö nstedt. Vom Grafen Klinkowström ist eine Interpellation, betr. die Aufhebung der gemischten Transitläger, eingegangen. Zunächst werden Petitionen erledigt, hierauf gelangen mehrere Berichte über Eisenbahnangelegen­heiten durch Kenntnißnahme zur Erledigung. Eine Petition um Aufhebung des dem Grafen V. Thiele-Winkler in der Herrschaft Wyslowitz-Kattowitz zustehenden Privatbergwerksregals soll nach dem Anträge der Kommission durch Tagesordnung erledigt, gleichzeitig aber die Regierung ersucht werden, auf eine Neuregelung der öffent­lich rechtlichen Ausflüsse der Privatbergwerksregale, namentlich der Bergpolizei im Sinne eines erweiterten Einflusses des Staates Be­dacht zu nehmen Beide Kommissionsanträge werden angenommen.

Morgen 1 Uhr: Interpellation Klinkowström und Etat.

daß ein Appell an die Ehre rmd den Patriotismus eines spanischen Soldaten selten ohne sofortiges Echo bleibt. Man könnte darnach denken, daß die spanische Armee etwa jenen preußischen Grenadieren ähnlich sehen müßte, von denen Friedrich der Große sagte, sie sahen wir Grasteufel aus, aber sie bissen auch. Das trifft indeß insofern nicht zu, als die spanischen Soldaten im allgemeinen sehr gut gekleidet sind. Ja, es ist sogar auffällig, daß ihre den französischen im all­gemeinen ähnlichen Uniformen sich durchweine besondere Ele­ganz des Schnittes und Feinheit des Stoffes auszüchnen. Auch die Nebengepenstände der Kleidung, wie Schuhe, Hand­schuhe u. s. w., pfl-gen eine gewisse Zierlichkeit zu zeigen, waS sich daraus erklärt, daß den Soldaten für diese Zwecke eine Pauschalsumme ausgesolgt wird, deren Verwendung im Einzelnen ihnen überloffen bleibt.

Müssen so der spanische« Armee unleugbar große Vor­züge nachgerühmt «erden, so leidet sie doch auch an ernsten Mängeln, die sich hanpisächlich aus ihrer neueren Geschichte erklären. Fast ausnahmslos hat der spanische Soldat im 19. Jahrhundert die Waffen in Bürgerkriegen getragen. Im Bürgerkriege aber liegt der Natur der Sache nach immer ein korrumpirendes Element für das Heer. Der militärische Geist wird untergraben, wenn der Soldat gegen Jemanden ficht, der gestern sein guter Freund war und es morgen viel­leicht wieder sein wird. Er nimmt dann den Kampf um so weniger ganz erst, als ja die nationale Ehre beim Streite zwischen Spguiern nicht engagirt ist, und er übrigens sicker weiß, daß der Kampf nach spanischen Gewohnheiten in dieser oder jener Art doch schließlich auf ein Remis hinauslaufen wird. So hat sich in der spanischen Armee, ähnlich, wie in der griechischen, der Einfluß der Politik sehr ungünstig fühl­bar gemacht. Nicht nur, daß jeder Offizier und Gemeine Pareimann ist und für den Gegner keine Achtung und noch weniger Unterordvnng übrig hat, in Spanien ist