Einzelbild herunterladen
 

Ueweewewtl«

Preis: Jährlich ö M. Mhrl. 4^50*

Vierteljährlich 2 ^ 25 uJ. G

9*t auswärtig« ÄMmentm mit dem betreffenden P-staufschlag.

We einzelne Vktmmer kostet 19 ^.

ieriAisgl. gebühr

für Cradt- und Land­kreis Hanau 10 ^ Mt 4yfpaltme Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für SisSt- unS LsnSKreis Hanau

Erscheint tätlich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

». 21.

Amtliches.

^anö&reio jbattaxt.

Bekanntmachungen des Königlichen Landraths amtcs.

Der Herr Oberpräsident hat genehmigt, daß zum Zweck der Beschaffung von Heizungsmaterial für die Kirche in Windecken eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben bei den Gliedern der dortigen Kirchengemeinde durch polizeilich legitimirte Sammler in der Zeit bis zum 30. März d. Js. abgehalten werden darf.

Hanan am 19. Januar 1898.

Der Königliche Landrath

V. 778 v. Schenck.

Unter dem Rindviehbestande des Bürgermeisters Haldp zu Neuwiedermuß ist die Maul- und Klauenseuche ausge­brochen; es wird daher bis auf Weiteres die Orts- und Gemartungssperre für Neuwtedermutz angeordnet. Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Neuwiedermuß ist sonach verboten.

Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Aus­führung des Reichsviehseuchengesetzes (ReichSges.-Blatt für 1895, Seite 358 ff.) §§ 58, 59 ff. sind genau zu beachten.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 26. Januar 1898.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Die Maul- und Klauenseuche ist nicht, wie in Nr. 15 des Hauptblattes des Hanauer Anzeiger veröffentlicht, in der Gemeinde Altwiedermus, sondern in der selbständigen Gemarkung Beundehof, Kreis Büdingen, ausgebrochen.

In Aufenau, Kreis Gelnhausen, ist die Ortssperre auf­gehoben worden. Die Gehöftsperre bei dem Schäfer Ulrich bleibt vorläufig bestehen.

Hanau am 25. Januar 1898.

Der Königliche Landrath

V. 984 v. Schenck.

In Marköbel und Ostheim ist die Maul- und Klaven- seuche erloschen. Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.

Hanau am 26. Januar 1898.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Dicllstliachrichtcn aus dem Kreise.

Aufgefangen: Am 24. d. Mts. auf dem s. g. Rangen­berge bei Oberdorfelden eine Kuh, Friesenraye und schwarz- scheckig; Empfangnahme bei Landwirth Konrad Kohlhepp II. zu Oberdorfelden.

Gefunden: Eine schwarze Broche mit Goldverzierung. Baares Geld, nicht unbedeutend. Ein kleines graues Knaben- rädchcn. Ein brauner Handschuh mit Ledetbesatz. Ein far­biges Kindertaschentuch.

Entlaufen: Ein schwarzer Spitz mit weißem Fleck vor der Brust, m. Geschl.

Hanau am 26. Januar 1898.

Zu Kaisers Geburtstage.

Wieder hat unser Kaiser ein Jahr seiner Lebenslausbahn vollendet. Millionen von Herzen senden morgen, an dem Tage der Kaiserlichen Geburtstagsfeier, ihre Wünsche zu den Stufen des Thrones empor, vieltausendstimmige Hochrufe durchhallen die Luft, und Festesfreude regt sich, soweit die deutsche Zunge klingt.

Mißt man das Erdenglück mit allgemein menschlichem Maßstabe, so erscheint Kaiser Wilhelm II. als der Geseg- fegnetsten einer. Getragen von der Liebe und Hingebung seiner frommen, hochherzigen Gemahlin, deren Wesen und Walten allenthalben, wo sie sich naht, sonnigen Glanz ver­breitet, umgeben von der blühenden, in Geistesfrische und Jugendschöne emporwachsenden Kinderschaar, was könnte unser Herrscher anders erflehen von der Gnade deS Himmels, als daß ihm dieses Glück erhalten bliebe? Und unsere. Gebete einen sich mit dem seinigen. Auch wir erbitten des Bestand des Segens, dessen der Kaiser theilhaftig geworden. In dem Wohlsein am häuslichen Herde, in den Gütern und Gaben eines begnadeten Familienlebens liegt ja die schönste und

Mittwoch den 26. Januar

reinste Quelle irdischen Glückes beschloffen. Möge diese Quelle für unsern Kaiser niemals die leiseste Trübung er­fahren, möge sie ihm erhalten bleiben wie bisher in kristall­heller Klarheit und stetig sprudelnder Fülle und ein Labsal sein für und für in den Anfechtungen und Mühen feines schweren, dornenvollen Berufs.

Ja, dieser Beruf, der ist's, der an Kaisers Geburtstag die Blicke nicht haften läßt an dem persönlichen Schicksale des Gefeierten, der sie vielmehr darüber hinauslenkt auf die Geschicke des Vaterlandes, auf das Wohl und Wehe einer ganzen Nation. Wir erinnern uns, bei einem unserer gcist- und gemüthvollstkn Schriftsüller einmal gelesen zu haben, am Lustgarten in Berlin, dort wo das alte Hohenzollerschloß seine machtvollen Mauern emporreckt, dort schlage das Herz von Preußen und morgen natürlich das von Gesammtdeutsch- land. Diese Worte treffen den Kern der Sache. So ist es in der That. Monarchie und Vaterland sind bei uns eins, im Kaiser gipfeln die Geschicke des Volkes. Da er­scheint es denn auch natürlich, ja unabweisbar, am Jahres- feste der Monarchie des Vaterlandes Lage zu betrachten, Ver­gangenes und Gegenwärtiges zu überblicken, dem Wunsche und der Hoffnung Worte zu leihen.

Der diesjährige Geburtstag des Kaisers trägt eine ganz besondere Weihe. Nur wenige Monde noch, und es vollendet sich ein Jahrzehnt, seit Kaiser Wilhelm II. durch das Herbe Todesgeschick seines unvergeßlichen Vaters so überraschend frühzeitig an das Staatsruder berufen wurde. Eine Regierungsepoche, reich an Arbeit und Erfolgen, aber auch reich an mancher trüben Erfahruna, liegt hinter unserm jugendlichen Herrscher. Doch des Kaisers Stern und des Reiches Pol weisen unaufhaltsam vorwärts. Wundersam, gerade das begonnene Jahr, das Jahr, welches das neue Jahrzehnt eivzuleiten bestimmt ist, hebt unter verheißungs­vollen Zeichen an. Es scheint fast, als sollte Deutschland in dem neuen Zeitabschnitte auch eine neue Staffel nationaler Macht und Ehre erklimmen. Geschieht dies aber, so gebührt dem Kaiser selber der Hauptantheil des Verdienstes. Er und kein anderer hat durch den Ruf zur Sammlung die Nebel zertheilt, die von dem Parteigezänke des Tages herauf­beschworen, und unser Volk wieder nationale Selbstbesinnung gelehrt. Ihm ferner ist es in erster Linie zu danken, wenn wir drüben in Ostasien einen Friedenserfolg errungen, der dem Schutze der Religion und unsern wirihschastlichen In­teressen gleicherweise zu dienen vermag.

So erscheint Kaiser Wilhelm II. unS als leuchtendes Vorbild für alle häuslichen und öffentlichen Tugenden, als Schützer des Friedens und als Mehrer des Reiches. Möge es ihm auch fernerhin beschieden sein, in diesem Sinne zu Nutzen und Frommen des Landes fortzuwirken. Wir aber, können unserm Kaiser kein besseres Angebinde zu seinem Namenstage darbringen, als wenn wir geloben, ihm zu folgen auf der Bahn, die er uns voranschritt, und für die Durch­führung der großen nationalen Ziele, denen er sein Leben ge­weiht, auch unser Bestes einzusetzen. r.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober Kommando der Marine ist S. M. S. Geier", Kommandant Korvettenkapitän Jacobsen, am 23. Januar in Port au Prince angekommen und beabsichtigt, am 28. d. M. wieder in See zu gehen; S. M. S.Seeadler", Kommandant Korvettenkapitän Kindt, ist vorgestern in Kap­stadt angekommen.

Die netten Schnellfeuergeschütze. Die von den Artilleriewerkstätten zur Ausgabe an die Truppentheile ge­langenden neuen Schnellfeuergeschütze weisen eine reiche deko­rative Ciselirarbeit auf, die, nach der Ausschmückung des Randes an der Mündung, etwa in der Mitte des Laufes mit der in den Stahl eingelassenen Inschrift beginnt:Pro Gloria et Patria". Dann folgt der eingravirte heraldische Adler. Weiter unten, umrahmt von Blätterschmück, erscheinen die Jnsignien des obersten Kriegsherrn: W. R. II. Den Ab­schluß der kunstvollen Arbeit bilden die eingemeißelten Worte: Ultimo Ratio Regis". Diese dekorative Ausstattung der neuen Kanonen ist auf die eigenste Anordnung der Kaisers zurückzuführen.

Die Crklarnngen des Staatssekretärs von Bülow über die auswärtige Politik des deutschen Reiches sind begreiflicherweise auch überall im Auslande mit großem Interesse ausgenommen worden. In England, wo unser Vorgehen in Ostasien mit der gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgt wird, sieht man sich genithigt, zuzugeben, daß gegen die von Herrn von Bülow proklamirten Grundsätze von keiner

1898

Seite etwas eingewendet werden könne. Ein Telegramm be­richtet darüber wie folgt:London, 25. Januar. Die Er­klärungen des Staatssekretärs v. Bülow über die Kiaotschau- Angelegenheit haben in hiesigen Regierungskreisen einen sehr befriedigenden Eindruck gemacht. Man hofft nunmehr zuver­sichtlich, daß die deutsch-englischen Beziehungen hinsichtlich Chinas dauernd auf einer kordialen Basis etablirt werden können. Infolge dessen schlägt auch die Presse jetzt einen viel freundlicheren Ton gegen Deutschland an. Daß gegen­wärtig auch die Beziehungen zwischen Rußland und England nicht mehr so gespannt sind, wie es eine Zeit lang scheinen konnte, geht aus einer neuerlichen Meldung der Russischen Telegraphen-Agentur hervor, worin in Uebereinstimmung mit früheren Mittheilungen konstatirt wird, daß in Port Arthur keine englischen Schiffe liegen. Es ist, so wird hinzugefügt, klar, daß das Einlaufen der Schiffe in diesen Hafen, sowie das Verlassen des Hafens auf die Initiative des Komman­danten genannten Geschwaders, und zwar ohne jegliche Wei­sung aus London, zurückzuführen ist.

Erklärungen zur auswärtigen Politik.

Die Budget-Kommission des Reichstags hat sich am Mon­tag in einer längeren Sitzung mit der auswärtigen Politik beschäftigt. Verschiedene Abgeordnete waren sehr wißbegierig; Fragen über die verschiedenartigsten Dinge, unser Schiff vor Kreta, die Stellung Portugals und Englands in Afrika, die Dreyfus-Angelegenheit, die Rechte der deutschen Gläubiger Griechenlands und Portugals, die Franzosen auf der Insel Hcynan, Größe, Kosten-Aussichten unseres Besitzes in Kiaot- schau u. s. w. wurden an den Staatssekretär von Bülow gerichtet und von ihm, soweit es anging, beantwortet. Ein Staatsmann kann nicht immer alles sagen, was er weiß; bei Dingen, die noch im Fluß sind, wird er sich hüten, sich durch bestimmte Aeußerungen im voraus für die Zukunft festzulegen. Unter ten Fragen, zu denen Herr von Bülow bündige Erklärungen abgeben konnte, sind zwei besonders hervorzuheben: über Drepfus und über das Kiaotschau- Abkommen.

Der unglückselige Mann auf der Teufelsinsil hat nie­mals zu irgend welchen deutschen Organen B-ziehung irgend welcher Art gehabt. Die Geschichte von den in dem Papier­korbe einer Botschaft gefundenen Beweisstücken würde sich, wie Herr v. Bülow sagte, vielleicht in einem Hintertreppen- Roman hübsch ausnehmen, hat sich aber nicht ereignet. Die Franzosen haben also von etwaigen Aufklärungen, welche der Zola- und andere Prozeffe noch bringen könnten, gar nichts nach der deutschen Seite hin zu befürchten, »nd die leere Vor­spiegelung, daß Frankreich durch Aufdeckung der Wahrheit mit Deutschland in Verwicklungen gerathen könnte, sollte nun endlich für die wildesten Chauvinisten abgethan sein. Die gleichmäßig ruhigen" deutsch -französischen Beziehungen sind von den Skandalen um Dreyfus nicht berührt worden.

Neben dem Kiaotschau-Abkommen ist die Frage der Stellung der deutschen Missionen in China besonders geregelt worden. Für die an katholischen Missionaren verübten Un­thaten haben der Gouverneur von Shantung und 6 Man­darinen büßen müssen, die Mission, der die Ermordeten an­gehörten, erhält eine hohe Entschädigung, und zur weiteren Sühne neben der Bestrafung der Uebelthäter sind drei Kirchen zu errichten. Ferner wird gesondert noch über mehrere wich­tige Spezialfragen, wie Bau von Eisenbahnen und Ausbeu­tung von Kohlenlagern, mit guten Aussichten verhandelt. Bei Erwerbung des Hafens haben wir nicht nöthig gehabt, be­sondere Verbindlichkeiten mit irgend einer dritten Macht ein- zugehen, und besondere Erklärungen an die Mächte vor oder nach Entsendung des Kreuzergeschwaders erübrigten sich umso mehr, als wir bei der Festsetzung in Kiaotschau weder der französischen und englischen Interessen-Sphäre noch dem rus­sischen Machtgebiete zu nahe getreten sind. Was die Frage betrifft, welche handelspolitischen Maßnahmen in Kiaotschau getroffen werden sollen, so sind darüber noch keine endgiltigen Beschlüsse gefaßt; aber wahrscheinlich werden wir nach dem GrundsätzeLeben und leben lassen" verfahren, d. h. den Verkehr keinen besondern Beschränkungen zum Nachtheile an­derer Nationen unterwerfen. Kiaotschau wird zwar nicht von heute auf morgen in ein deutsches Hongkong verwandelt werden; aber nach dem Urtheil aller Sachverständigen erfüllt es die Voraussetzungen für eine günstige wirthschaftliche Ent­wicklung. Besonders werthvoll war es, aus dem Munde des Staatssekretärs die Versicherung zu hören, daß durch unsere ostastatische Aktion die Beziehungen zu irgend einer andern Macht nicht gestört worden sind.