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Nr. 170
Montag den 25. Juli
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1898
WWtliaM«
JimtMrä® ^atum. ^etmmtWachullgeu des Königlichen LandrathsaMes.
In Hailer, Kreis Gelnhausen, ist die Rothlaufseuche erloschen und die Sperre aufgehoden worden.
Hanan am 23. Juli 1898.
Der Königliche Landratb.
V. 8153 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Zwei einzelne Mark. Ein weißer Kinderstrohhut. Eine Kinderkavpe. Ein Damenregenschirm. Eine Peitsche. Ein kleiner rother Ziehbeutel und eine Versicherungs- marke ä 24 Pf. Eine Brille, in einem Laden liegen geblieben.
Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.
Entflogen: Eine weiße Trommeltaube.
Verloren: Eine goldne Damenuhr. Ein Portemonnaie mit Inhalt.
Entlaufen: Ein junger weißer Foxterrier mit schwarzen Flecken, w, Geschl.
Hanau am 25. Juli 1898.
Polizeiverordnung, betreffend den Verkehr auf dem Fußpfad von Wachenbuchen nach Wilhelmsbad.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 wird im Einverftändniß mit dem Gemeinderathe der Gemeinde Wachenbuchen für den Bereich dks Gemcindebezirkes Wachenbuchen folgende Polizeiverordnung erlassen.
Einziger Paragraph.
'7 Das Fahren, Reiten und Viehtreiben auf dem Fußpfad von Wachenbuchen nach Wilh-lmsbad ist ver boten und wird im Betretungsfall mit Geldstrafe bis zu 9 Mark eoentl. entsprechender Haft bestraft.
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft.
WachenbuchtN am 22. Juli 1898.
Die Ortspolizeibehörde
Stein. 10919
.Die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Etatsjahr 1897/98 haben sich nach dem Finalabschluß der Reichs-Hauptkaffe, abgesehen von den auf außerordentliche Deckungsmittel ange
Femilletss».
Kaiserin Msaveth in Uauheim.
Nauheim, 22. Juli.
Seit dem 16. d. Mts. weilt Kaiserin Elisabeth von Oesterreich in unserem heilkräftigen Taunusbade. Gleich am Tage nach ier Ankunft der hohen Patientin fand eine eingehende ärztliche Untersuchung mittels Röntgenstrahlen statt, die der hiesige Arzt der Kaiserin, Dr. Schott, ausführte. Im Kurhaus war zu diesem Zwecke ein besonderes Zimmer em- gerichtet worden, und die Untersuchung dauerte von 9—10 Uhr abends. Jetzt nimmt die Kaiserin den Besuch ihres Arztes, der ihre Liebenswürdigkeit nicht genug loben kann, täglich zweimal entgegen. Dr. Schott ist der festen U-ber- zenquna, daß die Nauheimer Kur für die Kaiserin von günstigem Erfolge sein werde. Kaiserin Elisabeth wohnt in Villa Kracht", doch hält sie sich nur wenig dort auf; sie geht und fährt sehr viel spazieren und hat bereits einen großen Theil von Bad Nauheim und der Umgebung kennen gelernt. Auf ihren Ausflügen wirb sie meistens von Mr. Barker, ihrem Vorleser, begleitet. Sehr oft, besonders in den Vormittagsstunden, sieht man die Kaiserin auch allein im Parke lustwandeln, und sie weiß ts dabei so einzurichten, daß sie wenig mit den zahlreichen anderen Bruunengästen zusammen- trifft. Die Kaiserin trägt sich so einfach, daß, als ste vor einigen Tagen auf ihrem gewohnten Epaziergange an das Ende der Parkallee gelangt war, wo gerade der Strom der Kurgäste vom nahen Kurbrunnen her nach Haus fluthete, sie von Niemand erkannt wurde. Das Nämliche war Sonntag früh in der katholijchcn Kirche der Fall. .
Auf ihren Frühpromenaden trägt die Kaiserin ein kurzes schwarzes Kleid, ähnlich wie die Gebirgstonristinnen. Man würde sie kaum beachten, fiele sie nicht durch die Vornehmheit
ihrer Erscheinung, durch ihr schönes, dunkles Haar und den elastischen, etwas schnellen Gang auf. In der Rechten hält die Kaiserin gewöhnlich einen einfachen, grauseidenen Sonnenschirm und in der Linken ihren kleinen, schwarzen Capothut. Wer die hohe Frau grüßt, erhält einen sehr liebenswürdigen Gegengruß. Leider kommt es vor, daß die Kaiserin in lästiger Weise an geschaut wird; dann pflegt sie den Sonnenschirm schützend vor das Gesicht zu halten. Besonders peinlich fühlt sich die Kaiserin berührt, wenn sie durch Operngläser beobachtet oder gar durch Amateurphotographen fixirt wird. Als die Kaiserin ihr erstes Bad in der Fürstenzelle des Badehauses III nahm, standen mehrere dieser „Künstler" hinter Büschen und Bäumen.
Mit Vorliebe besucht die Kaiserin den Johannisberg, der sich etwa 200 Fuß über Nauheim erhebt und von dem man eine prächtige Fernsicht in die Wetterau hat. Meistens fährt Oesterreichs Monarchin durch den Hochwald nach dem Berge, trinkt in der Restauration ein Glas Milch und legt den Weg nach Hause zu Fuß zurück. Jetzt ist für den hohen Gast von der Villa Kracht durch den Garten der Besitzung Schweizerhaus ein direkter Fußweg Nach dem Berge hergestellt worden. Im Schweizerhaus ist provisorisch eine Erholungs- ftatte für israelitische Kinder untergebracht, welche die Kaiserin zu d-ren größten Freude bisweilen besucht. Ovationen dürfen ihr aber nicht dargebracht werden. Mehrere Wege im Walde sollen Namen erhalten/ die an den Aufenthalt der Kaiserin erinnern. Seitdem der herzleidende Erbgroßherzog von Baden im Jahre 1886 die Nauheimer Kur mit gutem Erfolge gebraucht hat, war das Bad von Fürstlichkeiten nicht mehr ausgesucht worden. Nun sind die Nauheimer über die Anwesenheit der Kaiserin natürlich sehr glücklich. Der Besuch des Kaisers Franz Joseph wird hier ganz bestimmt erwartet, zumal das Wetter anhaltend schön ist. Innerhalb der letzten 14 Tage hat eS noch nicht geregnet.
wiesenen Ausgaben, im Vergleich zum Etat in runden Summen, wie folgt, gestaltet:
Für das R e i ch s h e e r sind bei den Kontingentsverwaltungen von Preußen, Sachsen und Württemberg an fortdauernden Ausgaben (mit Einschluß der diele Verwaltungkn angebenden Titel des allgemeinen Pensionssonds) 2,005,000 Mark weniger erforderlich gewesen, wogegen bei den einmaligen Ausgaben ein Mehrbedarf von 212,000 M. eingetreten ist. An Einnahmen sind im Bereiche der Militärverwaltung 587,000 M. mehr ausgenommen. Beim Reichsheer stellt sich hiernach das Gesammtergebniß gegen den Etat um 2,380,000 M. günstiger. Bei der Geldverpflegung der Truppen, ler Naturai Verpflegung, der Bekleidung und Aus-? rüstung der Truppen, bei den Erziehungs- und Bildungsanstalten und an Wotnungsgeldzuschüssen sind erheblichere! Ersparnisse gemacht; auch beim allgemeinen Pensions onds i ist ein namhafter Betrag des zum Etat gebrachten Mehr-! bedarfs nuverwendet geblieben. Dem gegenüber sind Mehrausgaben hauptsächlich beim Garnisonverwaltungs- und Servis- wesen, bei der Verpflegung der Ersatz- und Reservemannschaften, sowie bei Reisekosten und Tagegeldern, Vorspann- und Transportkosten entstanden.
Die Ausgaben der Marine, einsachlich ihres Antheils am allgemeinen Pensionfonds, haben 3 160,000 M. mehr! als die Etatssumme erfordert. Im wesentlichen sind bie: Mehrausgaben durch die Erwerbung und Verwaltung des Gouvernements Kiautschou hervorgerufen. Beim Auswärtigen * Amt sind für die Centralbehörde und die Gesandtschaften^ rund 453,000 M. mehr erforderlich gewesen. Bei dem Reichsamt des Innern ist an fortdauernden Ausgaben eine Ueberschreitung von 439,000 M. nachgewiesen, welche haupt- ’ sächlich auf einer Steigerung des gesetzlichen Reichszuschuffes zur Jnvaliditäts und Altersversicherung der Arbeiter beruht; bei den einmaligen Ausgaben sind neben einer erheblicheren Ersparniß avßeretatsmäßtge Ausgaben von 1,249,000 M. und zwar vornehmlich infolge des weiteren Gr^nderwerbs für die Herstellung eines Präsirialgebäudes für den Reichs-; tag, eingetreten. Die Etatssonds des Reichs-Schatzamts; schließen mit einer Mehrausgabe von 113,000 M. ab, von! denen 101,000 M. auf das Münzwesen entfallen. Die V-r- waltung und Verzinsung der Reichsschuld hat 2,634,000 M. weniger erfordert, weil die Anleihe nicht in dem vorausgesetzten Maße zur Begebung gelangt ist. Der Reichs-Jnva- lidcnfonds weist eine Minderausgabe von 519*000 M. auf. Die übrigen bei den Hauptabschnitten der Ausgabe einge-! tretenen Abweichungen ergeben noch einen Minderberars von! etwa 50,000 M. Im Ganzen bleiben die Minderbedürf- f nisse bei den hier in Betracht gezogenen Ausgabefonds des! ordentlichen Etats hinter dem entstandenen Mehrbedarf um 274 716.87 M. zurück.
Die Einnahmen an Zöllen und Tabaksteuer, von welchen nur der für dieses Jahr von 130,000,000 Mark auf 167,500,000 M. erhöhte feste Antheil der Reichskasse verbleibt, haben gegen das Etatssoll 69,324,000 M. mehr ein« gebracht. Bei den den Bundes staaten im vollen Reinerträge zustehenden Steuern sind gegen den Etat ausgenommen; bei der Verbrauchsabgabe für Branntwein 1,664,000 M. mehr, bei der Stempelabgabe für Werthpapiere, Kaufgeschäfte und Lotterirloose 4,280,000 M. weniger. Diese Abweichungen von der etatsmäßigen Voraussetzung finden im Reichshaushalt i^nn Ausgleich durch entsprechende Veränderung der unter den Ausgaben angesetzten Ueberweisungen an die Buv- desstaaten. Im Ganzen stellen sich die Ueberweisungen unter Mitberücksichtigung der nachträglich für das Etatsjabr 1893/94 vorgenommenen Abrechnung auf 433,114,742 M., das sind 29,058,742 M. mehr, als im Etat vorgesehen. Von den dem Reich verbleibenden Steuern haben gegen den Etat Mehrerträge ergeben: die Zuckersteuer 3,255,000 M., die Salzsteuer 1,600,000 M., die Maischbottich- und Brannt- weinmaterialst-uer 1,235,000 M., die Brausteuer 2,854,000 M., der Spielkartenstempel 80,000 M., die Wechselstempel- steuer 1,289,000 M. und die statistische Gebühr 101,000 M.; die Einnahme an Brennsteuer, welche nur vorläufig der Reichskasse verbleibt, beläuft sich auf 670,000 M. Außerdem ist dem Reich, wie schon erwähnt, ein gegen die etatmäßige Erwartung um 37,500,000 M. erhöhter Antheil aus den Einnahmen an Zöllen und der Tabaksteuer zu gute gekommen.
Die. Betriebsverwaltungen Habm sämmtlich Mchr-Ueber- schüsse geliefert, und zwar die Post- und Telegraphen-Verwaltung 4,161,000 M., die Reichsdruckerei 641,000 M., die Reichs-Eisenbahnen 2,068,000. Ferner sind gegen den Etat mehr ausgenommen: aus dem Bankwesen 7,189,000 M., bei den verschiedenen Verwaltungs-Einnahmen (mit Einschluß der oben angegebenen Einnahmen der Militär-Verwaltung) 1 317,000 M. D-e Zinsen und der Kapitalzuschuß des Reichs-Jnoalidenfonds haben 519,000 M. und die Ueber, schüsse aus früheren Jahren 140,000 M. Mindereinnahmen ergeben. Im Ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, im Vergleich mit dem Etat 63,132,147.43 M. mehr ausgenommen, wovon 274,716.87 M. zur Deckung des Mehrbedarfs bei den Ausgaben und 37,500,000 M. in Gemäßheit des Gesetzes vom 31. März 1898 (R.-G-Bl. S. 138) zur Verminderung der Reichsschuld verwendet sind, sodaß als Ueberschuß des Etatjahres 18 97/98 ein Betrag von 25,357,430.56 M. verbleibt.
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Aus Kunst und Leben.
Hochzeitsmedaille. Um der im Aufblühen begriffenen Medailleur-kunst einen kräftigen Impuls zu geben, hatte bekanntlich der preußische Kultusminister einen Wettbewerb für eine Medaille oder Plaquette ausgeschrieben, welche, ähnlich wie die bekannte Roly'sche Hochzeitsmedaille in Frankreich, jungen Ehepaaren als Gedenk-Münze an den Tag ihrer Eheschließung dienen sollte. Das Resultat dieses Wettbewerbes war der Zahl nach ein sehr erfreuliches: von den 87 kon- kurrirenden Entwürfen wurden 10 mit Preisen ausgezeichnet. Frankfurt ist nächst Berlin die erste deutsche Stadt, in welcher diese Entwürfe dem Publikum vorgeführt werden. sie sind von Sonntag den 24. Juli ab auf drei Wochen im Hörsaal der Polytechnischen Gesellschaft von 10 bis 1 und von 3 bis 6 Uhr zu unentgeltlicher Besichtigung ausgestellt.
Gustav Freytag-Denkmal. Wie aus Wiesbaden gemeldet wird, veröffentlichte das Komitee zur Errichtung eines Gustav Freytag-Denkmals einen Auftus, der von einer großen Anzahl nahmhafter Schriftsteller unterzeichnet -st. Den Ehren- vorsitz führt der Herzog von Sachsen-Memmgen, den Dorsch Hofrath Ludwig Barnay. Im Komitee befinden fi^ u. J. Kultusminister Dr. Bosse und viele Oesterreicher.
Richard Strauß' nächste größere Komposition wird eine viersätzige Symphonie heroischm Charakters sein, welche sich ^Heldenleben" betitelt. Das Werk wird seine erste Auf- fühiung in der nächsten Saison in einem Konzert der Frankfurter Museumsgesellschaft erleben.
Geheimrath Rotzbach, UniversitätSprofessor für klassische Philologie und Direktor des Archäologischen Museums, sowie des Instituts für Kirchenmusik in Breslau, ist vorgestem, 76 Jahre alt, verstorben. Er war in Schmalkalden geboren, seit 44 Jahren Lehrer an der dortigen Hochschule für klassische Philologie und Archäologie. Professor August Roßbach hat