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Amtliches Grgan für StaSi" unS LanSKreis Hanau
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für Stadt- und Saab» kreis Hanau 10 ^ bit ^gespaltene Garmondzelle oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Nr. 95.
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Montag den 25. April
1898
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Amtliches, jpf^ötorgw ^anau. Bekanntmachung.
Wegen Neubeschottung der Nordstraße wird letztere für den 26., 27. und 28. d. Mts. zwischen Eberhardt- und Bogenstraße für den Fuhrverkehr jeder Art gesperrt.
Hanau am 25. April 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 4358 v. Schenck.
Dienstnachcichtcn aus dem Kreise.
Entflogen: Ein Huhn.
Gefunden: Ein Großh. Mecklenb.-Schweriner Va ßoo3.
Ein Handsäckchen von blauem Sammt mit Messer, Scheere, Schlüssel 2C. Ein ledernes Cigarrenetui mit Inhalt.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 6 Mk. Inhalt.
Vom Wasenmeister am 23. d. Mts. eingefangen: Ein großer gelber Pinscher und ein schwarzer Schäferhund, beide m. Geschl.
Hanau am 25. April 1898.
St^Ht^srs ^anau.
Ve.?EtNschANM des OLerLürgermeisteramLes. Oeffentliche Sitzung der Stadt- verordneten Versammlung Dienstag den 26. April d g«„ nachmittags öVi Uhr.
Tagesordnung:
1. Wahl zweier Beisitzer und zweier Stellvertreter für die Stadtverordneten- Ersatz Wahlen.
2. Wahl der Mitglieder einer Wahlprüfungs-Kommission.
3. Wahl einer Kommission zum Vorschlag der in die Kommissionen zu delegirenden Mitglieder. 6201
Stadt und Land.
„Was gehen uns die Bauern an? Unsere Interessen find ja g a n z a n d e r e!" So etwa wird die Antwort vieler Städter lauten, wenn man sie um ihre Ansicht über die Landwirthschaft fragt. Jene Anschauung findet man sowohl bei Handel- und Gewerbetreibenden, als auch bei Arbeitern; sie ist in der Regel eine Wirkung der Entstellungen und Unwahrheiten, wie sie von linksstehenden Parteien in Wort und Schrift verbreitet werden, um die von der Land- wirthschaft lebende Bevölkerung zu verdächtigen, als ob sie sich auf Kosten dir Gesammtheit Vortheile verschaffen wolle. Würde der Städter einmal selbst darüber Nachdenken, so würde er finden, daß Stadt und Land nicht nur nicht sich feindlich gegenüberstehen, sondern daß ihre Interessen dieselben sind.
Ebenso wie der Arbeiter leidet, wenn der Fabrikant seinen Betrieb einschränkt, ebenso wird auch die von Handel und Gewerbe lebende Bevölkerung in der Stadt — und das find die weitaus meisten Städter — an Verdienst einbüßen, wenn die Landwirthschaft treibende Bevölkerung verarmt und damit ihre Kausfähigkeit verliert. Von der Stadtkundschaft allein werden die wenigsten Kaufleute und Handwerker leben können. Man sehe sich doch einmal die Käufer in den Läden der mittleren und kleinen Städte an. Sind nicht die benachbarten Landbewohner vielfach die Hauptabnehmer der Waaren? Wo sollten sie denn auch anders ihren Bedarf an Kleidungsstücken, Kolonialwaaren, Hausund Kuchengeräthen und dergleichen wehr decken? In ähnlicher Weise spinnen sich Tausende von Fäden vom Lande zur Stadt hinüber. Der größere Absatz der städtischen Handel- und Gewerbetreibenden hat wieder einen größeren Waarenbezug aus den Fabriken und von den Großkaufleuten zur Folge, denen somit indirekt die Kaufkraft der Landbevölkerung Nutzen bringt. So ließen sich viele Beispiele anführen, die die Juteressen-Gemeinschaft zwischen Stadt und Land beweisen.
Unser größter Staatsmann und Wirthschastspolitiker, Fürst Bismarck, hat diesen Gedanken am 9. Juli 1893 in seiner an die Sekretäre der Handelskammern gerichteten Ansprache offen ausgesprochen, indem er sagte: „Die Trennung von Gewerbe, Handel und Landwirthschaft halte ich für eine nresührenke und irrige. Der Handel kann in einem verarmenden Lande nicht gedeihen. Der Kaufmann steht sich un- zweifelhaft besser, wenn er die Geschäfte eines wohlhabenden Hinterlandes und einer reichen Heimath zu besorgen hat, als
wenn er nur einer armen oder verarmenden Bevölkerung den zu erwerben. Der britische Gesandte in Peking telegraphirte Austausch und Verkehr der Waareu zu vermitteln hätte. am 24. März, China sei gezwungen gewesen, Rußland gegen Der beste Absatz ist immer der an Inländer. Die ganze seinen Willen nachzugeben. Rußland drohte mit feindlichen Ausfuhr tritt gegen den inländischen Absatz sehr zurück. Maßnahmen, falls die Pachtung von Port Arthur und Wir müssen ja den ausländischen Absatz haben, aber wenn Talienwan nicht vor dem 27. März gewährt werde. Lord der inländische fehlte, so würde das noch schlimmer sein. Die f Salisbury telegraphirte am 25. März folgende Antwort: Erzeugnisse der Industrie nimmt eine prosperirende Land-s Das Gleichgewicht des Machtbesitzes im Petschili-Golf ist wirthschaft willig auf!" Und weiter sagt Fürst Bismarck bei! wesentlich verändert durch die Uebergabe Port Arthurs an derselben Gelegenheit: „Es ist ein Irrthum, wenn man Handel i Rußland. Daher ist es nothwendig, die Ueberlassung Wei- und Gewerbe und Landwirthschaft von einander trennen will, bai-wei's zu verlangen. Die Bedingungen sollen dieselben Wir müssen zusammen gedeihen, oder wir gehen zusammen sein, welche Rußland für Port Arthur gewährt wurden. Am zu Grunde!"
Auf demselben Boden steht auch die Politik der Sammlung. Sie erkennt die Jnteressen-Gemeinschaft von Stadt und Land an rub will verfahr en nach dem altpreußischen Grundsätze: Jedem das Seine! Wenn daher der Landwirthschaft, deren No hlage über allem Zweifel ist, aufgeholfen werden soll, so liegt es im Interesse der städtischen Bevölkerung, diese Bestrebungen zu unterstützen. Wenn Stadt und Land günstige Eristenz-Bedingungen haben, so wird auch die Wirkung auf die Arbeiter nicht ausblciben. Löhne und Lebenshaltung der Arbeiter heben sich, sobald die Arbeit sich bezahlt macht.
TngeDfchuu.
Neuwahlen zum Reichstag. Nach einer kaiserlichen Verordnung vom 22. d. Mts. werden die Neuwahlen zum Reichstage am 16. Juni stattfinden.
Gesetzentwurf, betr. das Diensieintommen ev. Pfarrer. Dir Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung des Gesetzentwurfs, betreffend das Diensteinkommen evangelischer Pfarrer, nahm am Samstag das ganze Gesetz an.
Wenn die PartetbrMe verlegt ist. In einem Artikel über „die Kriegsvorbereitungen Spaniens und der Union" heißt es im sozialdemokratischen „Vorwärts" : „Langsamer, als wir dies bei den Kontinental- staaten Europas infolge des deutschen vorbildlich gewordenen Musters gewohnt sind, vollziehen sich die einer vollständigen Mobilmachung entsprechenden Rüstungen der beiden genannten Staaten, ein Zeichen, daß ihre Wehrkraft bei weitem nicht auf der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Millionen werden von beiden Seiten ausgegeben und Preise für Waffen, Schiffe und Ausrüstungs- gegenstände damit bezahlt, welche den normalen Werth der Sachen oft um das Doppelte übersteigen. In aller Eile werden namentlich Seekriegsmittel der verschiedensten Art beschafft, ganz fertige oder in Ausrüstung begriffene fremde Kriegsschiffe und Handelsdampfer gekauft, um die eigene Kriegsflotte zu verstärken; aber es darf dabei nicht übersehen werden, daß ein Quantum gekaufter Schiffe noch keine Kriegsflotte ist, sondern gerade hier in besonders hohem Grade der Werth einer krieg3mäßigen Ausbildung von Mannschaften und Führern insGewicht fällt und die Geschw aderführnng eine Beherrschung deslebenden wie todten Materials erheischt,
die durch die Komplizirtheit des letzter« noch ganz außerordentlich erschwert wird." Wir befinden uns in der seltenen Lage, einmal mit dem sozialdemokrattschen Hauptblatte über- einzustimmen, können jedoch einige Bemerkungen nicht unterdrücken. Hat nicht die Sozialdemokratie — und der „Vorwärts" in erster Linie — stets „den Werth einer kriegs- mäßigen Ausbildung von Mannschaften und Führern" be- stritten? Hat die Sozialdemokratie nicht vielmehr stets darauf gedrängt, „die kriegsmäßige Ausbildung von Mannschaften und Führern" — wie sie doch durch die allgemeine Wehrpflicht am wirksamsten erreicht wird — fallen zu lcssen und statt dessen die Einführung einer Art von Volkswehr befürwortet, die nur dann Zusammentritt, wenn der Feind die Grenzen des Landes bedroht? Hat nicht die Sozialdemokratie stets ausdrücklich gegen den „Militarismus" und „Marinismus" gewettert mit der Begründung, daß die Volkswehr dem stehenden Heer mindestens ebenbürtig sei? Daß der „Vorwärts" in dem angeführten Artikel einmal den Nagel auf den Kopf getroffen hat, indem er die Ansichten der Sozialdemokratie über das Heerwesen' einer vernichtenden Kritik unterzieht, dürfte ihm von der Parteileitung nicht gerade zum Lobe ««gerechnet werden. Das Blatt wird sich .....v..,..,...., ”'3» ^ ***♦*" rj« vvv -<yiy4.mm<y W» »VH^tt»
vielleicht damit entschuldigen können, daß es die Dinge ein- befand sich Graf Paar; zum Ehrendienst ist Generallieutenant mal ohne Parteibrille angesehen hat. v. d. Planitz kommandirt. Den^ militärischen Ehrendienst ver-
Blaubuch über China. London, 24. April. Das richtet eine Kompagnie vom Schützen-Regiment Nr. 108. gestern veröffentlichte Blaubuch über China schildert die Vor- Auf der Fahrt zum Schlosse bildete eine Schwadron des 1. gonge welche die britische Regierung bewogen, Wei-hai-wei sächsischen Ulanen-Regiments 17 die Ehreneskorte. Auf dem
folgenden Tage ermächtigte Lord Salisbmy den britischen Botschafter am Berliner Hofe, die deutsche Regierung zu verständigen, daß auf englischer Seite keine Absicht vorhanden sei, die Interessen Deutschlands in Schantung zu beeinträchtigen. Die russische Regierung ließ am 29. Mär; Lord Salisbury verständigen, Talienwan würde dem ganzen Handel offen sein. Schließlich waren alle Mächte damit einverstanden, daß Wei-hai-wei von England gepachtet werde.
Das sächsische Königsjubiläum.
Dresden, 23. April. Gestern Abend fand im Alt- städter Hoftheater Thtzatre pure statt. In der großen Mittel- loge hatte das Königspaar Platz genommen. Daneben saßen die Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der Kronprinz von Schweden-Norwegen, der Prinzregent von Bayern und die Erbprinzessin von Sschsen-Meiningen.
Hinter dem Königspaar und in den Seitenlogen hatten die übrigen Fürstlichkeiten und die Mitglieder des Königshauses Platz genommen und das Parket und die Ränge füllte eine glänzende Versammlung des diplomatischen Korps, der außerordentlichen Gesandten der fremden Höfe, Gefolge der Fürstlichkeiten, Minister, Geueralität und Spitzen der Behörden. Fanfaren begrüßten den Eintritt. Ein Festp'Rog stellte in lebensvollen Gruppen charakteristischer Volkstrachten die Huldigung der verschiedenen Berufe an den König dar und klang aus in die Königshymne, in welche die Festversammlung begeistert einstimmte. Es folgte das Vorspiel u^b der dritte Aufzug der Meistersinger. Nach der Vorstellung nahm das Königspaar mit den Gästen vom Theater aus den Fackelzug und die Serenade der Dresdner Bürgerschaft entgegen. Der Theaterplatz und deffen Umgebung boten einen wunderbaren Anblick. Die katholische Hofkirche und das Schloß erstrahlten in vollem Lichte. Den Platz füllten 14,000 Fackel- und Lampionträger, Vereinigungen, militärische und andere Vereine, Schüler, Turner und Arbeiter. 2500 Sänger trugen eine von Reinhold Becker komponirte Festhymne vor. Oberbürg rmeister Bentler hielt eine Ansprache, die mit einem Hoch aus den König schloß. Alsdann folgte der Vorbeimarsch des Zuges, woraus der König den Festausschuß empfing. Heute früh fand große Reveille statt. Um 83/4 Uhr brächte der Dresdner Allgemeine Musikverein dem Köuig im großen Schloßhose eine Morgenmusik dar. Das Wetter ist trübe.
Dresden, 23. April. Kaiser Wilhelm traf heute Vormittag 9 Uhr 50 Min. hier ein. Zum Empfange hatten sich der König in der Uniform seines ostpreußischen Dragonerregiments mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, die Prinzen, die Staatsminister und die Spitzen der Behörden eingefunden, sowie auch der zum Ehrendienst kommandirte Generallieutennnt von Hansen. Vor dem Bahnhöfe hatte eine Kompagnie des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101 mit Fahne und Musik Aufstellung genommen. Der Kaiser, welcher von den Chefs des Militär- und Civilkabinets, General v. Hahnke und v. Lucanus, dem Generaladjutanten v. Pleß und dem Gesandten, Graf Wolff-Metternich, begleitet war, trug die Uniform seines 2. sächsischen Grenadier-Regiments mit dem Bande des Ordens der Rautenkrone. Nach herzlicher Begrüßung und Entgegennahme der militärischen Ehrenbezeugungen, fuhr der Kaiser, begleitet vom Prinzen Georg, nach dem Schlosse, eskortirt von einer Schwadron Husaren. Die zahlreiche Menschenmenge bereitete dem Kaiser stürmische Kundgebungen. König Albert blieb auf dem Bahnhof und empfing den Kaiser von Oesterreich, welcher 10 Uhr 35 Minuten eintraf. Der König trug die Uniform seines österreichischen Grenadier-Regiments mit dem Bande des Stephansordens, während Kaiser Franz Josef die Uniform seines sächsischen Ulanen-Regiments trug, über welche er das Band des Ordens der Rautenkrone und das Band des Schwarzen Adlerordens angelegt hatte. In der Begleitung des Kaisers
v. d. Planitz kommandirt. Den militärischen Ehrendienst ver-