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Amtliches Organ für Staöt- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Rr. 47.
Freitag den 25. Februar
1898
«MtNcheS. ^anößreto ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Viehbestände des GutspächterS Otto Marcus zu Wasserlos, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre ungeordnet worden. Hanau am 24. Februar 1898.
Der Königliche Landrath
V. 2189 v. Schenck.
Dienstnachlichteil aus dem Kreise.
Entlaufen: Ein schwarzer Schäferhund.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Verloren: Ein goldner Kinderohrring.
Zugelaufen: Ein weißer Jagdhund mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl.
Hanau am 25. Februar 1898.
^taöt&reio ^banau.
AeksÄutmachullgeu des Oberbürgermeisteramtes^ Höhere Mädchenschule.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vom 21. bis 26. d. Mts., vormittags von 11—12 Uhr, im Schulze-' bäude, Steinheimerstraße 37, entgegengenommen, und es sind hierbei die Geburts- und Impfscheine vorzulegen.
In die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder auf-! genommen, welche 6 Jahr alt sind. Den geltenden Bestimmungen gemäß finden jedoch auch die Kinder, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober zurücklegen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reis erscheinen, zu Ostern Aufnahme.
Hanau den 18. Februar 1898.
Der Direktor der höheren Mädchenschule Bungenstab. 2503
Der Zola-Prozetz.
Unter dem tosenden Beifall der Menge ist Zola am Mittwoch von dem Schwurgerichte wegen Verleumdung des Kriegsgerichts, das im Prozeß Esterhazy Recht sprechen sollte,' zu dem höchsten Strafmaße, einem Jahr Gefängniß, verur-i theilt worden. Zola hatte in seinem offenen Briefe, der mit; den Worten anhob: „Ich klage an", den Kriegsminister, den Generalstabsches, den Ministerpräsidenten und schließlich auch das Kriegsgericht im Prozeß Esterbazy beschuldigt, daß sie die Wahrheit unterdrückten. Die Regierung hielt es für taktisch klug, nur wegen Verleumdung des Kriegsgerichts,
^■gggMM|gM*MIII"IM,,IMg Feuilleton.
Zchatzfinders Glück und Gnde.
In einem kleinen Städtchen Kaliforniens, in Koloma, ist vor einigen Tagen ein Mann gestorben, der durch eine kleine That in Amerika, ja auf der ganzen Erde eine Umwälzung der wirthschaftlichen Verhälmisse hervorrief, wie sie seit Jahrhunderten nicht eingetreten war. Er hieß James W. Marshall — sein Name klingt uns so unbekannt, wie er selbst es zeitlebens der Welt geblieben ist. Auch seine That war nur ein Produkt des Zufalls, jenes blinden £u falls, der es liebt, sich für die größten und erfolgreichsten Dinge die unbedeutendsten Menschen auszusuchen. So hat Marshall, ohne daß er es wußte, mehr geleistet, als mancher weitberühmte Amerikaner, und er blieb doch was er immer gewesen war, unbekannt, unbedeutend, weil er sich nicht durch Energie, durch die Kraft des Geistes über die gewöhnliche Mittelmäßigkeit erheben konnte. Er gebot vielleicht über die größten Schätze, er hat vielleicht einst ein großes Vermögen besessen oder hatte einer der gewaltigsten Millionäre der neuen Welt sein können. Aber er starb arm in einer alten, baufälligen, hölzernen Hütte; er war als Greis so arm, wie er als Jüngling war, als er noch durch mühsame Arbeit im C chweiße seines Angesichts einen spärlichen Tageslohn verdiente.
Einige Worte umfassen die ganze Bedeutung und die ganze Biographie dieses Mannes: James W. Marshall war derjenige, der das erste Gold in Kalffornien entdeckt hatte, und dieses Ereigniß hatte jetzt sein halbhundertjähriges Jubiläum.
Es war so recht mitten im Winter — in Kalifornien sreilich gibt es keinen Winter — am 28. Januar 1848, als
dem Zola nachgesagt hatte, daß es auf höhern Befehl Ester- Hazy freigesprochen habe, die Anklage zu erheben. Den höhern Befehl konnte Zola natürlich nicht beweisen, und so ist er formell wenigstens mit Recht verurtheilt worden. ES ist aber der Vertheidigung gelangen, eine ganze Menge Dinge an den Tag zu bringen, die zeigen, daß Drepfus nicht nur fast gewiß ungefetzwähig, sondern daß er wahrscheinlich auch unschuldig verurtheilt worden ist.
Der Zola-Prozeß war mehr ein Spektakelstück als eine sachgemäße Gerichtsverhandlung. Der Vorsitzende hatte von vornherein erklärt: „Von dem Dreyfus-Prozeß wird nicht gesprochen!" Trotzdem ist die längste Zeit über nichts anderes geredet worden, und der Vorsitzende erinnerte sich seines Vorsatzes immer nur dann, wenn es galt, unbequeme Beweise abzuschneiden. Dies geschah namentlich jedesmal, wenn ein Zeuge erklären sollte, ob dem Kriegsgerichte im Falle Drepfus hinter dem Rücken des Angeklagten geheime Schriftstücke vorgilegt worden seien, was in jedem Staate mit geordneter Rechtspflege hinreicht, um das Verlangen nach Revision des Prozesses vollauf zu begründen. Theatralisch war insbesondere das Auftreten der Generale. General Pellienx macht sich mit der Behauptung, daß er eine zwei Jahre nach dem Dreyfus-Prozcß ausgetauchte, für die Schuld Drepfus sprechende Vist-eukarte gesehen habe, zum Volks- Helden; der Generalstabschef Boisdeffre ruft vor den 12 Geschworenen aus: „Entscheiden Sie darüber, ob ich noch länger an der Spitze des Generalstabes bleiben soll!" Der Major Esterhazp endlich, der Mann mit der trüben Vergangenheit, der den Ulanenbrief geschrieben und dessen Hand- schrist eine so verblüffende Ähnlichkeit mit der des berühmten Bordereau aus dem Dreyfus-Prozesse bat und dem, wenn es ihm an den Kragen gehen soll, verschleierte Damen zu Hilfe kommen, er hüllt sich, froh der liebevollen Schonung seiner
( Vorgesetzten, allen Fragen gegenüber in verächtliches Schweigen. Und die Menge vor dem Gerichtsgebäude ruft: „Hoch Pel lieux, hoch Esterhazy, hoch die Armee!" Was die Armee als solche mit dem Glauben einiger Leute zu thun hat, daß in dem Drcyfus-Prozeß nicht alles mit rechten Dingen zu- gezangen sei, ist selbst dem Regierungsorgan „TempS" unklar geblieben, das sich deutlich wegen der Rolle der Generale besorgt sei.
Mit dem Spruche der Geschworenen ist die Sache natürlich noch lange nicht zu Ende. Zola wird wahrscheinlich wegen der mancherlei Unregelmäßigkeiten in dem Verfahren die Revision bei dem Kassationshofe einlegen. Auch wenn es der Regierung in den bevorstehenden Kammerdebatten gelingt, ihre Position so zu stärken, daß sie sich wenigstens bis nach den Wahlen Ruhe erzwingt, wird die mit so vielen Zweideutigkeiten umgebene Dreysus-Lache nicht ganz von der Tagesordnung verschwinden, biS größere Klarheit geschafft ist.
ein Mann, der in einem kleinen weltverlassenen Thale Kaliforniens, am Fuße eines der Felsenberge wohnte, bei seiner Arbeit mit Hacke und Schaufel auf einen Stein stieß, der sich in seinem Aussehen von anderen Steinen unterschied. Der Körper war mit Erde überdeckt, aber durch die dünne Erdschicht glänzte und blinkte es wie gleißendes Gold. Er reinigte seinen Fund, betrachtete ihn aufmerksam, zeigte ihn dann seinen Kameraden und bald stand es fest, daß der Mann, es war Marshall, einen kleinen Klumpen Gold gefunden hatte. Die Fundstätte befand sich in der Nähe einer Mühle, die von einem Gebirgsbächlein getrieben wurde — Sutter's Mühle — und der Goldklumpen war wohl vom Wasser herausgewaschen worden.
In den Köp'en der Dorfbewohner dämmerte eine große Ahnung. Daß Amerika ein Goldland ist, wußte man seit jeher. Und Kalifornien liegt in unmittelbarer Nähe des altberühmten Goldlandes Mexiko, das freilich seinen alten Ruf als Dorado schon eingebüßt hatte. Das wahre Dorado, jenes Goldparadies, das die Sxanier einst so eifrig gesucht, hatte man ja nie gefunden, es blieb eine Lage, trotzdem es feit der Entdeckung Amerikas feststand, daß sich irgendwo Gold in geradezu ungeheueren Mengen vorfinden müßte. Daß die Felsenberge selbst, diese gewaltige Bergkette, die sich vom äußersten Norden Nord-Amerikas bis zur Südspitze Südamerikas hinzieht, fast an jeder Stelle goldhaltig sind — wie es sich jetzt auch in Klondhke zeigt — wußte man damals noch nicht. Aber der kleine Goldfund stieß förmlich die Leute darauf, daß in der Nähe doch noch mehr Gold vorhanden sein müßte. Die Ahnung von etwas Großem ging in ihnen auf, ein dunkles Gefühl, als sei das so lang gesuchte Gold- paradies hier, in ihrem vergessenen, unbekannten Erdenwinkel endlich gefunden worden.
Mit Marshall an der Spitze begannen nun einige Leute den Boden zu durchwühlen. Es sollte tiefes Geheimniß
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 24. Februar.)
Der Reichstag hat heute nach dem Vorschläge der Ge- schiftsordnungskommifsion den Antrag des Abg. Augst (südd. Volksp.) auf Fortdauer eines gegen ihn schwebenden Strafverfahrens wegen Beleidigung angenommen »nd sodann den von dem Abg. Schneider (freis. Volksp.) beantragten Gesetzentwurf, betreffend die eingetragenen BerufSvereine, in Verbindung mit einem denselben Gegenstand behandelnden Antrag des Abg. Lieber (Clr.) berathen.
Abg. Schneider (steif. Volksp.) bedauert, daß es bei der Berathung deS Bürgerlichen Gesetzbuches nicht gelungen sei, die Berussvereine gesetzlich anzuerkennen. Von einer Bevorzugung der Arbeiter würde hierbei nicht die Rede sein, da die BerufSvereine sich auf alle möglichen Gebiete erstreckten und völlige Bewegungsfreiheit haben müßten, vor Allem vor der Auflöfung bewahrt bleiben sollten. Es hätten nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Arbeitgeber an dem Gesetzentwurf ein Interesse. Unsere Gewerkvereine hatten sich sehr günstig entwickelt; sie dienten in vielfacher Beziehung den Be- rufsintereffen ihrer Mitglieder und wünschten vor Allem, wcht als politische Vereine betrachtet zu werden. Eine reichSgesetz- liche Regelung der Materie sei sehr nothwendig.
Abg. Spähn (Ctr.) führt aus, daS Bedürfniß, die Verhältnisse der BerufSvereine zu regeln, sei von allen Seiten anerkannt, mit Ausnahme der Abgg. Frhrn. v. Stumm und Schall. Das sei bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Ausdruck gekommen. Eine Einigung über die beiden vorliegenden Entwürfe sei leicht zu erzielen. Der Reichstag möge nun zu dieser Frage Stellung nehmen.
Abg. Frhr. v. Stumm (Reichsp.) sagt, der Antrag Schneider gehe ihm viel zu weit, eS könnte danach auch jeder politifche Verein unter die Berussvereine gerechnet werden. Der Antrag stelle eine wesentliche Abweichung von den Grundsätzen und Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches dar, und vor solchen Abänderungen solle man sich hüten. Daß die gesetzliche Anerkennung der Berussvereine in den sozialpolitischen Erlässen in Aussicht gestellt sei, bestreite er. Gegen eine gemeinschaftliche Organisation von Arbeitgebern und Arbeitnehmern habe er nichts einzuwenden. Die Gewerkoer- eine könnten nicht mehr das Ziel erreichen, das sie sich gesteckt hätten, da sie eine Gegenorganisation der Arbeitgeber hervorriefen, und diese würde doch immer die weitaus stärkere sein. Es frage sich, ob es nicht richtiger sei, die arbeitswilligen Arbeiter gegen ihre eigenen Kollegen zu schützen, als gegen ihre Arbeitgeber. Die Gewerkschaften seien anerkannte Hülfs- truppen der Sozialdemokratie. Die ganze weitere Berathung der heutigen Anträge sei eine Arbeit pro nihilo.
Abg. Ro e j icke (b. k. F.) betont, von den Berufsvereinen und Gewerkschaften sei keine Förderung, sondern eher
»»■■»■»■■^■■■■^■■■■■■■■■■■■WMMh' bleiben, was da geschah. Aber das Gold ist nicht nur gleißend und drängt zum Tageslicht, es macht auch berauscht, j es verwirrt die Sinne. Und so kam es, daß das Geheimniß nur wenige Tage gehütet wurde. Tramps — Landstreicher, — die das Land nach allen Richtungen durchstreiften, Auswanderer, die das Glück im fernen Westen suchten, Verbrecher, die nur in den wenig bewohnten und unbeachteten Dörfern der Felsengebirge eine sichere Zuflucht finden konnten, erfuhren, was da geschehen war. Schon kurze Zeit nach dem allerersten Goldfunde war das bis dahin so stille Dorf von Menschen überfluthet.
Heute, fünfzig Jahre nach dem ersten Goldfunde, ist Kalifornien fast ausgebeutet, und was man dort im Felsen- ! gebirge an Edelmetallen noch gewinnt, geschieht nur durch * bergmännisches Verfahren. Heute geht der Zug der Gold- suchenden nach dem hohen Norden. Kalifornien hat inzwischen andere Schätze gefunden, wahre Schätze, die besser und dauerhafter find, als das gleißende Gold, nämlich die Fruchtbarkeit des Bodens, begünstigt durch ein herrliches Klima. Längst verweht aber ist das Andenken an Kaliforniens ersten Goldfinder.
Utder die Toilrttrn aus dem „Concordia"- _ KaU, j
der vergangenen Dienstag in Wien stattfand, berichtet das „N. W. T.": Auch in diesem Jahre hatten sich Eleganz und feinster Geschmack auf der Estrade des Concordia-Ballcs ein Stelldichein gegeben. Eine prächtige Robe hatte Fräulein Adele Sandrock gewählt: weiße Duchesse mit Blattapplikation aus weißem Plüsch, durch Silberstickerei belebt. Das Corsage schmückten schöne echte Spitzen und Rosen. Die vornehme Wirkung der aparten Toilette wurde durch keinerlei Schmuck unterbrochen. Fräulein Willi Sandrock war in rosa Atlas