Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Erstes Blatt.

Dir einzeln«

Hammer kostet

EinrückungS- gebühr

für Sradt- und Land­kreis Hanau 10 ^ Hc 4gespaltme Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Zugleich U

Amtliches Argsu für Hkaöt» unö Lanölirsis Hsusu

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 300

Samstag den 24. Dezember

1898

Amtliches StcrHMvsrs ^anau.

Ausschreiben.

In der Zeit vom 16. zum 17. d. M. dahier gestohlen:

Ein Opel-Fahrrad, Marke Nr. 2, mit der Fabrik- Nammer 58676 und der Polizei-Nummer 3326 im

Werthe von 170 Mark.

Das Rad hat schwarzen Rahmenbau, vernickelte Lenk­stange mit Ctlluloidgrifsen, gelbe Felgen, Peters Pneumatic- lustreifen, Sattel mit Spiralfedern, gelbes Schutzbai-d und gewöhnliche Pedale; zwischen dem Rahmenbau befand sich eine braunledern dreieckige Tasche mit Werkzeug und einem Radfahrerbuch auf den Namen:Karl Horst, Hanau, lautend.

Um Nachforschung und eventl. Nachricht wird ergebenst ersucht. J. Nr. P. 12638/98

Hanau, am 21. Dezember 1898.

Königliche Polizei-Direktion.

^anMm0 ^ahau.

SekMutmachMgeg des Königlichen Landrathsamtes

In Ausführung der durch die Statuten der Kreissparkasse des Landkreises Hanau vom 18. August d. Js. bestätigt vom Herrn Oberpräsidenten am 6. Oktober d. Js. ge­gebenen Vorschriften, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die Kreissparkaffe

am Montag den 2. Januar 1899, vormittags 9 Uhr,

eröffnet wird.

Spareinlagen werden zu SV/Zo verzinst und Darlehen r

a) gegen Hypothek (mit Amortisation zu .

lohne . 41///o,

b) auf Schuldschein gegen Bürgschaft oder Hinterlegung eines Sicherheit - Faust­pfandes zu..........4i/2°/o und

c) an die Gemeinden des Kreises zu. . . 3/4 /o ausgeliehen.

Das Geschäftslokal befindet sich in den ^ Parterre- Räumen des Landrathsamtsgebäudes uns ist werktäglich von 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 4 nachmittags für den Verkehr mit dem Publikum geöffnet. Hanau am 15. Dezember 1898.

Der Vorstand der Kreissvarkasse.

^Mitteten

Eine Studie von Dr. Karl Eduard »rom^

Wenn wir am Heiligabend den freien L ohn des Waldes in unser Zimmer versetzt sehen, wenn wir auf die Lichter blicken, die die Zweige des Baumes schmücken, und auf die Aepsel und Nüsse, die sich an ihnen schaukeln, wenn nur end­lich der frohen Sitte der Beschenkung beiwohnkn, dann em­pfindet wohl selbst der Unhistorische, welche Fülle von ge! W lichen und mythologischen Beziehungen in diesen formen^un Bräuchen vereinigt sein muß, und ein Ader fühlt sich du ch ene unsichtbare und doch so starke Kette tausendjähriger Wand, hingen und Entwickelungen mit dem Leben.fernster, längst vermoderter Urahnen verbunden. Hat doch nirgends ein ^ Altes und Neues so organisch und »"^^ und charakteristischer Gestalt zu verschmelzen gewu^ a» Weihnachten in Deutschland. Es ist das deutsche Fest sch^^- hin, und seine Form macht bereits H 3 s -^? Name weist rungen in fernen fremden Landen. ^"f * * ' b «J,

Samm r«< b« «mt des H-n» ?/! t/E ^^ stimmungsvolle deutsche Bezeichnung n h p Nächte* die dung noch beut unmittelbar an jene .^«lig n Nächte, die die ältesteVrm ^»«^ und beim Würzen Duste des" ChristbanmeS D^ ^S Bilde? aus der Geschichte der deuts^ passnen lassen, die uns z"gl«y m das Leben und Empf. ,^

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, vorstehende Be­kanntmachung in geeignet erscheinender Weise zur Kenntniß der Ortseingesessenen zu bringen.

Hanau am 15. Dezember 1898.

Der Königliche Landrath.

A. 4622 v. Schenck.

, In Wachenbuchen ist die Maul- und Klauenseuche er­loschen. Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.

Hanau am 24. Dezember 1898.

Der Königliche Landrath.

; J. V.: Dr. Becker.

Diklistmchrichteii aus 6cm Kreise.

Gesunden: Ein Stück Blechrohr. Zwei Spazierstöck, im kleinen Sitzungssaal des hiesigen Rattzhauses stehen ge­blieben. Eine Militärmütze.

Verloren: Ein Pfandschein Nr. 5532. Ein goldener Ohrring mit Camsekopf.

Hanau am 24. D-zember 1898.

Weihnachten.

Liebes trautes Fest! Heilige Zeit, wo die Gottesliebe engelfreundlich ihren Einzug auf die arme Erde hält und mit holdseligen Lippen vom Schoß einer geringen Magd uns grüßt selige, frohe Z it, wo auch unter einander die Menschen der uralten Schuld gedenken, einander zu lieben und Brüder zu heißen. Kein anderes Fest gibt es, das gleicherweise göttliche Herkunft und menschlich schöne Gestalt an sich trägt, als das Christfest. Von .er ersten kommt dir I zweite her. Denn was legt uns in dieser Weihnachtszeit die . wohlth- en)e, beglückende Sprache der Liebe auf die Lippen? | Was öffnet mit golrnem Schlüssel die Thür zu den ver­borgenen S chätzen in den Herzen, daß sie sich in Liebes­diensten oller Art nicht genug thun können? Es ist der gnädige Gott und Vater, der uns heute ausgesucht, es ist die frohe Botschaft von der Leutseligkeit des Herrn, dem Heat | Glod^nklang und Dr gelten ihr Gloria singen. Von der göttlichen Liebe stemmt das menschliche Lieben in dieser Fest­zeit der, womit wir uns erfreuen. In der Dresdener Gemäldegalerie hängt dieheilige Nacht* von Correggio. Es lohne sich, den Blick hineinzutauchen in büfe wunderbare ! Mischung herrlicher Farben, dem der gottbegnadete Künstler redende Sprache verliehen. Vom Encelreigen in der Höhe i strömt Lichtfülle über das göttliche Geheimniß, das da vor ' einigen Hirten enthüllt wird. Das he lige Kind liegt ganz ! umflossen von diesem wur derbaren Licht, und über die Gruppe : der anvetenden Menschen, die dahinein sehen, liegt ein un- bkschreibli"' er Ausdruck seliger Freude ausgebreitet: Uns ist

unseres Volkes in aller und neuer Zeit schätzenswertye Blicke eröffne n.

Versetzen wir uns um siebzehn Jahre zurück. Furchtbar ist die Jahreszeit für den im Urwalde hausenden Germanen. An dn dunklen Tagen ist der Wald unwegsam und unheim­lich, greulich heult der Sturm um die zitternde Hütte, Weg und Steg find verschneit und versperrt, und verzagend fühlt sich der muthige Krieger allen Unholoen preise,egel en. All' sein Sehnen und Trachten richtet sich der Wiedergeburt des heiligen Lichtes entgegen. Wenn die liebe Sonne innehält in ihrem Niedergänge, dann ist die Gewalt der bösen Geister ge­brochen, dann wirbt Freyr um Gerda, die sich ihm nach drei Tagen (die die drei Monate bis Frühlingsanfang symbolisiern) verlobt, dann ist die große segensreiche Wende des Jahres gekommen. Jnne hält das Sonnenrad (jal) auf kurze Zeit in seinem Laufe,wie die im Bogen geworfene Rakete inne- zuhalten scheint, ehe sie, die bisher i och stieg, sich nun all- mählig zu sinken anschickt," und mit ihm hält alle Arbeit inne. Keine Spindel dreht sich, kein Wagen fährt in dieser heiligsten Zeit des Jahres. So lange die Sonne bin steht, währen dieheiligen Nächte.* Da flammen allnächtlich von den Bergen weithin sichtbar die Jubelfeuer, flammende Grüße an die nahende Sonnengöttin. In der Halle aber geht ei hoch her. Mit Tannenzweigen ist sie reich geschmückt, auf dem Herde glüht der Julblock, der für heilig gilt; gern hebt man ihn, oder wenigstens die an ihm angezündeten Zwerge bis zum nächsten Julfeste aus. Nacht für Nacht wird der OpserschmauS gefeiert, bei dem altherkömmliche Gerichte nicht fehlen dürfen; Tanz und Gesang verschönt bn und scheucht die bösen Geister des wüthenden Heeres, die draußen, gefähr­lich für Jedermann, ihren Ui-zug halten. Jetzt, da Gerda sich dem Freyr verlobt, ist auch unter Menschen die rechte Zeit für Gelöbnisse; ein Eber, Thor's heiliges Thier, wird in die Halle geführt und über ihm Versprechen gegeben und

heute der Heiland geboren. Wahrlich, wer das Bild ansteht und nur eine Ahnung empfängt von der göttlichen Liebe, die unser Elend in Freude gewandelt, der glaubt auch, daß auf Erden die Liebe kein Wahn ist, und verspwt ein heiliges Sehnen, im Lieben uns im Dienen wahre Menschengröße zu erreichen.

Wenn drum die lieblichen Weihnachtsbräuche, zu lieben, zu erfreuen und zu schenken, ein Wiederschein von dem Licht in Bethlehem sind, so müssen sie unser ahnendes Herz immer wieder in den Schein dieses Lichtes zurückziehen, und aller Festjubel, Dank, Freude, Anbetung muß sich an der heiligen Krippe sammeln. Wer schenkt, der nehme von dem Reich­thum, der in dieser Krippe liegt,hier sind alle guten Gaben, und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben/ Wer empfängt, der danke der ewigen Liebe, die uns Leben und Seligkeit gibt, wer iu's geöffnete Vaterhaus eilt, der hebe seine Augen zn dem Vater auf, der uns seine lieben Kinder sein heißt, und wer Barmherzigkeit erfährt, der wisse, daß heute im Reich des Himmels auch für den elendesten Sünder eine Thür aufgethan ist.

Weihnachten, o du seUge, fröhliche Zeit 1 Aber der tiefste Quell der Freude, der stärkste Reiz der Liebe, der schönste Glanz des Festes liegt darin beschlossen:Christus ist ge­boten/

Tagesschau.

Antianarchiftenkonserenz. Während bisher ange­nommen wurde, daß die Antisnarchistenkouferenz in Rom ihr Programm vollständig erledigt habe und deshalb definitiv ge­schlossen worden sei, meldet heute ein Telegramm, daß ihr Wiederzusammentritt für Mitte Januar in Aussicht genommen sei. In den Ausschüssen stießen die Berathungen auf große Schwierigkeiten, weil die Bestimmungen so formulirt werden sollten, daß sie sich auch auf die liberal regierten Länder an­wenden lassen. Darüber, daß die anarchipischen Delikte als gemeine Verbrechen gelten sollen, sind die Delegirten einig. In einer Meldung aus Rom über die Resultate der Konferenz heißt es: Das Haupt-Protokoll führt zwei Arten von Maßregeln auf; nämlich neue Verfügungen auf polizei­lichem Gebiet, welche internationalen Charakter haben, und Spejial= Bestimmungen für jedes Land, welche den Gesktzen der betreffenden Länder angepaßt worden sind. Am Schluß der Konferenz sollen alle auf ihre Verhandlungen bezüglichen Protokolle und Schriftstücke verbrannt worden sein.

Portugal und das deutsch englische Abkommen. Die portugiesischen CorleS sollen, nach Lissaboner Melsangen, zum Januar einberufen werden; dann wird der Schleier ge­lüstet werden, der noch auf dem deutsch-englischen Abkommen liegt. In den portugiesischen Zeitungen dauert übrigens der

genommen, auch beim Trank btr ^öttrrmrnne wir® ein Ge­lübde geleistet, wie Hediu im alten nordischen Liede sagt;

Ich hab erkoren die Königstochter Lei Bragi's Becher, deine Braut.

So fand die christliche Kirche bei den Heiden dar Fest der Wintersonnenwende als die große Epoche ihres Jahres- lebens, das mit ihm seinen Anfang nahm, dessen Loos und Gaben sie mit seinen Orakeln entschieden glaubt, n. Da eS zu fest mit dem gesammten Volksleben verwachsen wer, um es avsreißen zu können, so bot sich die Aufgabe, der Feier christ­liche Gedanken und Symbole unterzuschieben. Die Veolezung des Geburtsfestes Christi auf bie Julizeit ein Prozeß, dessen allmähliche Entwicklung Usenet eingehend verfolgt hat, gab hierzu eine ausgezeichnete Gelegenheit. War doch das heilige Ereigwß Deutungen zugänglich, die dem die Sonne feiernden Heiden verständlich sein mußten. Auch Christus war ja das Licht in der Dunkelheit, die Sonne, die über der ver­finsterten Welt anffti-g. Den heidnischen Festgebräuchen selbst aber erwies die Kirche eine schonende Nachsicht. Auch sie erkannte eine längere Festzeit an; sie dehnte das WeihnachlL- fest selbst lange aus, zunächst auf drei Tage, dann verlangte ein Konzil zu Mainz sogar eine viertägige Feier und es ist der dritte Tag als kirchlicher Feiertag erst seit 1779 nach Preußens Vorgang abqeschafft worden. Wie der Heide sich Wodan auf der Drautfahrt gedacht hatte, so erschien fitzt wohl auf Umzügen, Freude verkündend und milde Gaben heischend, das Christkindiein, und die Feuerzeichen wurden nun zu Symbolen der Erinnerung an das Licht in Israel. Zugleich aber bot das Christenthum die ganze Anziehung und Macht seiner Riten und Formen. Dem in der Winternacht vereinsamten und geistigsten Menschen winkte freundlich schon von Weitem der in Hellem Lichterglanz erstrahlende Dom; fernhin über die starren Einöden klang der köstliche Schall der Glocken, die Gegenwart Gottes und der Mms^en