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AuSwänr 30 ^.

Nr. 274

Amtliches Grgsn für Htsöl- unö LanSKreis Vansu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Donnerstag den 24. November

1898

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 77.

Amtliches

^anMrd0 ^banau.

Helamtmachullgen des Königliche« Laadrethsamtcs.

In Horbach und Lieblos, Kreis Gelnhausen, sowie in Büdeshrim in Oberheffen ist die Maul und Klauen fett die festgestellt und Orts- und Gemmkungssperre bezw. Gehöftssperre angeordnet worden.

Hanau am 23. November 1898.

Der Königliche Landrath.

V. 12597/12728 v. Schenck.

Unter der Schafheerde zu Hof Leustadt, Kreis Büdingen, ist die Räude festgestellt und für diese Heerde die Gemarkungs- sperre angeordnet worden.

Hanau am 23. November 1898.

Der Königliche Landrath.

v. S chen ck.

Dieil-llaHnchteu aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit Inhalt. Eine Legi­timationskarte der Havarier Ortskrcnkevkaste, lautend auf den Namen Maria Krämer. Eine unechte Brcche mit zwei Schwalben.

Verloren: Eine Scheere.

Vom Wasenmeister eivgefaagen: Ein brauner Jagdhund, ein grauer Spitz und ein weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen, sämmtlich m. Geschl.

Hanau am 24. November 1898.

Ein sozialdemokratischer Kalender.

Die politische Partei-Tendenz, die ja das ganze moderne Leben durchtränkt und vielfach vergiftet, hat leider auch den Kalender, jenen harmlosen, allbeliebten Familiensreond, ihren Zwecken dienstbar zu machen gewußt. Eine recht augenfällige Bestätigung dieser Thatsache liefert beispielsweise der vor und liegende: »Neue Weltkalender für 1899* aus dem bekannten sozialdemokratischen Verlage von Auer u. Co. in Hamburg. Sein Inhalt athmet fast durchweg politischen Geist. Die nothwendigen Kalenderangaben und wenige objektiv gehaltene Artikel belehrender Natur stellen gewissermaßen nur die äußere Verbrämung dar; alles übrige dient den Zwecken sozialdemokratischer Agitation. Man darf getrost behaupten: der utopisch-revolutionäre Hang, die Vaterlaudslosi^keit, die

Verhetzungssucht wie die Religionsoerachtung der Sozial-1 demokratie kommen in dem genannten Kalender gleichermaßen zur Geltung.

Wo immer Witz und Spott in dem sozialdemokratischen Kalender ihr Wesen treiben, da geschieht es zumeist unter mißbräuchlicher Verwendung religiösen Stoffes. Trinkgelage werden alsArbeit im Weinberge des Herrv* bezeichnet, unter dem Bilde eines wohlbeleibten Mannes, der mit ge­falteten Händen beim leckern Male sitzt, prangt als Unter- > schrift: »Unser heutiges Brot gieb uns täglich," und in einer! kleinen Erzählung endlich wird geschildert, wie ein P arrer während einer Leichenfeier auf dem Kirchhofe durch einen in der Nähe weilenden Ochien in Angst und Verwirrung ge­setzt wird und nun mit seiner Rede zu allerlei Irrthümern Anlaß bietet. Da heißt es beispielsweise: »Von Erde bist du gekommen seht, seht seht, wie er glotzt!" oder »Zur Erde sollst du werden seht, seht, wie er arsschlägt," und was dcrglttchrn widerwärtige Spässe mehr sind. Nette Illustrationen, alles das für den Setz: »Religion ist Privat- sache." Ja, Privatsache insofern, als jeder sozialdemokratische Hohlkopf religiö'e Empfindungen für vogelfrei erachtet, um an ihnen seinen täppischen Witz üben zu können.

Doch genug, die beste Gegenwirkung wider derartiges Gift besteht in der Darreichung einer gesunden litterarischen Kost. Man sorge dafür, daß unter Volk in ferner All­gemeinheit Kalender und Vollsschriften empfängt, die von christlichem wie vaterländischem Geiste getragen sind, und die kunftmäßigen Hetzprodukte der Sozialdemokratie haben als­bald den größten Theil ihrer Kraft eingebüßt.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Dep escheu-Bureau .Herold'.)

Berlin, 23. Novbr. Die Eiats für die Aenderung in der Organisation des Reichsheeres sind dem Luudesratd zu- geganxen nebst einer Nebe-stcht der Etatsstärke des deutschen Heeres nach den für 1^99 geplanten organisatorischen Der- änderunzev. Für Preußen werden dadurch neue dauernde Ausgaben von circa 5 Millionen, einmalige Ausgaben von etwa 28 Millionen bedingt; für Sachsen l1/* bezw. 10 Millionen. Neue Kasernen erhalten n. 8. Trier (1 Mill.) ( und Hanau (2 Millionen 400,000 Mk.)

Berlin, 23. Novbr. Die wiffenschaftliche Deputation für das Medicinalwesen ist heute unter dem Vorsitz deS Medicival-Direktors Dr. von Dartsch im Kultus Ministerium zusammengetreten. Die Sitzungen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Auf der Tagesordnung steht unter Anderem die Frage, oa nicht den Medicivalbeamten bei der Errichtung und Veränderung gewerblicher Anlagen eine stä kere Mit­wirkung einzw Lumen ist.

Budapest, 23. Novbr. In der heutigen Sitzung des AbgeordneienhauseS ieterprllirte die Opposition die Regierung wegen der gestrigen Ueberschreitungen der Polizei. Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, daß die Poli^i einige technische Hochschüler massscrit habe. Die Opposition erhob hieraus einen Höllenlärm, weshalb die Sitzung auf 10 Minuten unterbrochen wurde. Mittlerweile stellte sich die Unwahrheit des Gerüchtes heraus und die Debatte konnte fortgesetzt werden. Um 12 Uhr kam eS vor der Universität zu einem Zusammen­stoß zwischen Studenten und der Polizei. Letztere machte von der blanken Waffe Gebrauch. Auf beiden Seiten gab es Verwundete. Nachdem die Rädelsführer verhaftet waren, lenute die Ruhe wieder hergestellt werden.

Rom, 23. Novbr. Der italienische Anarchist Gino, der kürzlich aus der Schweiz ausgewiesen wurde, ist in St. Ludwig im Elsatz verhaftet worden. Man fand bei ihm einen langen scharf geschliffenen Dolch. Es wird vermuthet, Gino habe seiner Zeit Lrccheui zur Ermordung der Kaiserin von Oester­reich angebiftet.

Paris, 23. Novbr. Wichtig für die Affäre Picquart ist Borst» ffrcs gestrige Vernehmung vor dem Kaffationshose. Boisdeffre gestand vämlich zu, daß er alle Schritte Picaaarts gegen Esterha-y gekannt und gebilligt habe.

Zentralstelle der preußischen Land Wirthschaststammerm.

23.sR«vember 1898.

a) Weltmarkt

aus Grund Teveichen vom Mittwoch, m Mark ver Tonne, eiuschl. Fracht, Zoll unb Sötten, aber ausschl. der Qualitäts- Untettchirde.

Von Rew-Aork

nach Berlin (Weizen)

am 23.11. am 22.11.

78»/. Cts. 184^0 ^ 181.75 X

Von Chicago

nach Berlin

68 EtS. 176,00

^ 174,50

X

Von Livervool

nach Berlin

0

6 S 0'/» b.184,50

^ 184,25

X

Von Odeffa

nach Berlin

92 Kop. 179/. 5

^ 179,25

X

Bon Riga

nach Berlin

1W . 183,75

M 185,00

X

Ju Patts

21,70 Fr. 175,00

* 174,75

X

Von Amsterdam

nach Köln

- hl. a. -,-

j -,-

X

Don New-Dork

nach Berlin (Roggen)

59'/, CtS. 162,00

, 162,10

X

Von Odesia

nach Berlin

75 Kop. 156,75

. |158,00

Von Riga

nach Berlin Von Amsterdam

-

83 , 1157,25

. *158^0

r

---

141 6L «.(156,90

. 1156,50

Fenälleton

Gelehrte Fräsen.

(Nachdruck verboten.)

»Gelehrte Frauen!" Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden die blue stockings als eine Art Monstrosität ver­spottet, heut staunen wir sie als wunderliche Seltenheiten an, in 20, 30 Jahren aber sitzen die jungen Damen vielleicht ganz allgemein neben den Studenten auf den Dänken der Hörfäle, und das »Fräulein Profrffor" ist uns dann viel­leicht so natürlich, wie es unS jetzt fremdartig ist. So werfen das 19. und das 20. Säkulum in wenigen Jahr,ehrten die Einrichtungen und Anschauungen um, die Jahrtausende lang vnbrdivgt herrscht'«, und sie machen gewöhnlich, was vordem unerhört war. Aber gerade jene seltenen Frauen der alten Zeiten, die allen Schwierigkeiten und Dorurtherlen zum Trotz- sich den Weg in die heiligen Hallen der Wissenschaft bahnten, erregen dmch ihre Talente wie durch ihre Cha­raktere unser besonderes Interesse, und es lohnt dieser entlegene, aber anziehende Winkel der Kulturgeschichte wohl einmal einen Besuch.

In den ersten Jahrhuuverten der christlichen Aera be- gegnet uns in Alexandrien, dem großen Sammelpunkte der Studien und der Gelehrsamkeit, eire gelehrte Dame von großem Rufe. Es ist Hyp-tia, die Tochter deS Theon, die KirgSlep bekanntlich sogar zur Heldin eines RomanS gemacht hat. Ganz in der Atmosphäre der Gelehrsamkett avfgewachsen, kam das begabte und lebhafte junge Mädchen wie ton selbst in die Studien hinein; ihr Vater und die entzerrn Professoren am Museum unterrichteten sie zuerst, tont stodirte sie in Athen unb nach ihrer Rückkehr bestieg

sie selbst den Lehrstuhl des berühmten Plottu, auf dem sie sich bald den Ruf einer großen Philosophin erwarb. Eine große Schaar begeisterter Schüler saß zu ihren Füßen. Ein ' zeitgenössischer Poet Hot die gefeierte Dame in einem Ge­dichte besungen: »Wenn ich Dich sehe unb Deine Vorträge höre, bete ich Dich an; dann schaue ich die ätherische Gestalt der Jungst au, denn dem Himmel ist Dein ganzes Leben ge­weiht, erhabene Hppatia, J-eal der Beredsamkett, fleckeulofes Gestirn der Weisheit^. Ein ttagisches Ende unterbrach i Hppatta's glänzende Wirksamkeit. Lei einem Strette zwischen den Heiden und des Christen L J. 415 wurde sie, die zu . den Heiden gehörte und als Christerfriudin galt, von Fanatttern von ihrem Stuhle gerrffen und ins>a reum geschleppt, wo man sie ihrer Kleidung beraubte und , baun steinigte.

Ein ganz anderes Frauenbild treffen wir sechs Jahr­hunderte später auf den Gefilden der Wiffenschasr an. Die heilige Hildeg^ard war eine Pfälzerin aus der Famllie der Lpanheim. schort in ihrem 8. Lebensjahre trat irr ins Kloster, später wurde sie Arbtisfin und starb am 17. Dezem-. 5er 1199 im Kloster St. Rupert bei Lmgen, wohin sie sich zurückgezogen hmte. In der Einsamkeü ihrer Zelle hat sich diese fromme Dame intensiv mit der Wissenschaft beschäftigt, und es ist in hohem Grade merkwürdig, in den Schriften her Einsiedlerin von St. Difibod aud St. Rupert vielfach die Keime späterer Entdeckuugen zu bemerken. So finden ich in ihrer AbhandlungDe physica wesentliche Momente der kopernikanischen Lehre; sie ver'etzt hier die Sonne in die Mitte deS FftmamernS und zeigt sie uns (vielleicht in einer Ahnung der Gesetze die erst viel später Newton fand) durch Anzrehungr kraft der anderen Himmelskörper gehalten; sie er­klärt, daß die Sterne nicht unbeweglich seien, daß sie uicht die gleiche Größe und den gleichen Glanz besäßen und ge­braucht in diesem Zusammenhänge sogar gelegentlich einen

; Vergleich, der sie Becmuthung nahe legt, » chr bereit# Harvep's Idee vom Blutamlauf« angegangen sei. So findet man bei dieser Gelehrttu des 12. Jahrhunderts noch mehrfach Anklänge an ganz moderne Austastung», die ihr sowohl in der Wissenschaft jener dunkelen Epoche wie in der Reihe ihrer gleichstredenden Geschlechtsgenossiuoeu eine hervorragende Stellung sichern.

Wieder vergehen 600 Jahre, ehe wir auf bedeutende ge­lehrte Frauen stoßen. Die Baronin von Beansoleil hat in ihrer Schrift wRestitution de Pluton* (1632) auf die Wichtigkeit der mineralischen Schätze Frankreichs mit Kennt­niß und Verständniß Hingewieseu; Matte Ervus führte 1641 in das arithmetische Rechnen verschiedene seitdem allge­mein «cceprirte Verbesserungen ein. Eine deutsche Natur­forscherin war Marie Sibplle Meriau, geboren 1647 zu Frarttfurt a. M^ die nicht allein die vornehmsten nvrurhistori- schen Sammlungen in Europa ftudirte, sondern auch zwei Jahre in Svriaam lebte unb sich hier eifrig enromslogischen Forschungen hingab. Berühmter als diese Frauen ward aber, zum Theil infolge ihrer Schicksale, Emilie du Chatelet, geborene de Lreleuil (170649). Diese hübsche, muntere und begabte Dame verstand Wiffenschaft and Lebensgenuß mit einander zu verewig«. Sie war die Frtnsdm Voltaire'S, dem sie auf ihrem schlofft Cirep eine Heimstätte gewöhne; aber sie hat, da sie mit ihrem Gatten nur in einer K»n- oenstnzehe lebte, feine Bedenken getragen, ihr liebedürftiges Herz vor dem Verhälmiffe zu dem großen Spötter und nachher auch anderen Männern zu schenken. Lnltaire. Hat sie »die sublime Emilie^ genannt und ihr wahrheitsgemäß, aber vielleicht nicht ganz zart, «achgesazl: »Sie liebte die Vergnügungen, die Künste und die Wahr heu". Was ihre wiffenschaftliche« Leistungen angeht, so wurde ihre 1738 der Akademie zu Paris »orgelegte Abhandlung »über die Natur und Derbrettnvg des Feuers^ zwar von einer das gleiche