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Jährlich 9 *.
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Vierteljährlich
2 M 25 ^.
W- auswärtige
Momenten mit dem betreffenden Pstzaufschlag.
Giarück««§D- gebühr
für Stadt- und Loch» kreis Hanau 10 ^ M Igeshaltene Garmoch» zeile oder deren Ran», für Auswärts 15 4
Im ReklamentheU die Zeile 20 ^, D,
Auswärts 30 ^.
Amtliches Argan für Htsöt- unS Lanökrels Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Dienstag den 24. Mai sn»Kw»anHffii
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 37
AMMches.
^faöfRret^ ^anau.
WWrmMnchiMM des Oberbürgermeister erntet
Bekanntmachung.
Der Fabrikant Heinrich Brüning hier beabsichtigt auf seinem Grundstück Karte C. C. Nr. 18 hiesiger Gemarkung — sogenannter Karabmeracker westlich der Landstraße von Hanau nach Gelnhausen — mehrere Arbeiter-Wohnhäuser zu erbauen.
Diese Absicht' wird gemäß des Gesetzes vom 11. Juni 1890, betr Gründung neuer Ansiedlungen re, mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen die beabsichtigte Ausführung innerhalb von zwei Wochen von heute an bei der Königlichen Polizeidirektion dahier erhoben werden können.
Zeichnungen und Beschreibungen sind im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 24 des Rathbauses, zur Einsicht aufgelegt.
Hanau den 23. Mai 1898.
Der Magistrat
Dr. Gebeschus.
Da der Hebetermin für Steuern und Schulgeld bereits
abgelaufen ist, wird festgesetzt, daß da, wo die Steuerzettel
nicht bei Beginn des Hebetermins auSgegeben waren, die einen Besuch ab^ um dort einige Minuten in stillem Gebete Beträge für April bis Juni 1898/99 bis spätestens 14 Tage
nach Empfang der Abgabenzettel enttichtet fein muffen, da nach Ablauf tiefer Zeit mit Mahnung und Zwangsvollstreckung begonnen werden muß.
Die Steuer- rc. Beträge für die weiteren Vierteljahre können zu jeder Zeit vor Beginn der betreffenden Termine in den aus den Zetteln angegebenen Kassenständen eingezahlt werden.
Zwecks schnellerer Abfertigung der Zahler wird dringend ersucht, das Geld, so wie es auf den Abgabenzetteln für die einzelnen Vierteljahre vorgemerkt ist, abgezählt zur Kasse zu
bringen.
7758
Hanau den 20. Mai 1898.
Städtische Steuerkasse
Markt Nr. 16, Zimmer Nr. 6—7 zu ebener Erde.
Dicnstnachnchtcn aus dem Kreise.
Verloren: Ein emaillirter Manschettenknopf mit Kettchen und Knebel.
FeitMetsn
Zur Hebung -es Theaterwesens
In Nachfolgendem bringen wir in kurzem Auszuge den Inhalt eines Artikels der „Deutschen B ü h n e n k u n ft* jur Kenntniß unserer Leser, denen hierdurch zugleich ein Fingerzeig über die Gesammtrichtung dieser der Hebung des Theaterw esens dienenden Monatsschrift gegeben sei: „Die heutige Bühne mit ihrem Tantiömengold-
E einen verhangnißvollen Einfluß auf die deutsche Kunft. Kaum ein Dichter, der sich noch ernsthaft prüfte, ob dramatis ches Talent beschieden fei; man thut, eriftirt bat ^Ä ^'^ch dramatische Begabung nie 31 / /“ .' da sich doch nach allgemeiner Anschauung die Bühnentechnik erlernen läßt und arbeitet Novellen- und No- manstoffe zu Dramen aus, ja sucht selbst seine Lyrik dra- 311 ~ 3” der That steht die rein ge-
schastsmaßige Bühnenstück-Fabrikation heute in vollster Blüthe!
Wo das echte Drama fehlt, kann von einer Blüthe der Dichtung eines Volkes und einer Zeit nicht die Rede sein, der Dramatiker ist zum Herrscher unter den Dichtern seiner Zeit berufen und daß er in dem Deutschland unserer Tage ausgebluben, ist der Beweis, daß die neueste Ent- w i ck e l u n g u n s e r e r L i t t e r a t u r die Hoffnung, die man an sie $ etnüpft, bisher nicht erfüllt hat. — Die großen drematischen Talente, die wir wirklich gehabt haben, finden auch jetzt noch lange nicht die ihnen gebührende Anerkennung.
Das Drama hat es stets mit den Grundverhältniffen der
6X ma es stets mit den Grundverhältniffen der gißt: er zeigt unS bte Charaktere im Heroen u»u *™(- menschlichen Natur und des menschlichen Lebens zu thun; Gabe der besonderen dramatischen Menschengestaltungskunst "e'mre Begabung nicht durchschauen, daher dürfte der Maßstab ür die Größe der Dramatikerzu finden finden sich die dramatischen Durchfchnitlstalente stets w voller fein. Den .reuest«' L^ der ^ß-n V-'h^ffe des hangigkert von größeren, ihnen vorangegaugenen. — Das Lebens, den tiefsten Ausschluß über die Verkettung von Mew
Gefunden: Ein ca. V/2 m langes Brecheisen. Eine neue Herrnkravatte (in elmm Laden liegen geblieben). Ein weißer Kinderhut. Eine silberne Cylinderuhr mit Gehäus nebst schwerer Nickelkette ohne Karabiner; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Bruchköbel.
Hanau am 24. Mai 1898.
Die Einsegnung des Kronprinzen und des Prinzen Eitel-Friedrich.
Potsdam, 23. Mai.
Glänzender Sonnenschein lag gestern Mittag über der Residenzstadt Potsdam, als der Sonderzug dort eintraf, welcher das Kaiserpaar und seine Söhne zu dem weihevollen Akte führte. Vor dem Bahnhof bestiegen der Kaiser und die Kaiserin die offene Equipage, auf dem Rücksitz nahmen die beiden Konfirmanden Platz. Sie trugen die Galauniform des ersten Garde-Regiments z. F. mit dem wehenden Helmbusch, über der Brust das Orangeband des hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Im nächsten Wagen folgte die Kaiserin Friedrich mit dem Prinzen Adalbert, welcher die Uniform eines Lieutenants zur See trug. Die nächste Equipage brächte den Prinzen August Wilhelm in der Uniform des ersten Garde Regiments und den Prinzm Oskar im Matrosen- kleide. So bewegte sich der Wagenzug im schnellen Tempo
7842 durch die Straßen der Stadt zur Friedenskirche. Ueberall wurde er freudig begrüßt.
Bevor das Kaiserpaar und die Kaiserin Friedrich die
Kirche betraten, stattcün sie dem Grabe Kaiser Friedrichs
zu verweilen. Dann erschallte weithin tönender Glockenklang, -der von allen Kirchen Potsdams ausgenommen wurde; in feierlicher Weise erfolgte jetzt der Eintritt in das Gotteshaus. Den Zug eröffneten General-Superintendent D. Dryander und der Pfarrer der Friedenskirche, Hofprediger Wendlandt; es folgten die beiden Konfirmanden. Dann nahten die beiden Kaiserinnen; die Kaiserin Auguste Viktoria in lichtem Kleide mit lachsfarbener Rüsche; in schwarzer Robe die Kaiserin Friedrich. Zwischen beiden Hochaufgerichtet der Kaiser. Es schloffen sich die Söhne des Kaiserlichen Hauses, die Prinzen Zldalbert, August Wilhelm und Oskar an. Hieran reihte sich das zu der nächsten Umgebung des Kaiserpaares gehörige Gefolge.
„Komm heiliger Geist", so erhob der Domchor die Stimme, „erfüll die Herzen Deiner Gläubigm und entzünd' in ihnen das Feuer Deiner göttlichen Liebe. Hallelujah!" Während die hehren Töne erschallten, schweifte der Blick einen Moment über die festliche Versammlung. Die Kirche -bot ein prächtiges Bild. Vor dem festlich, mit Blumen geschmückten Altar saßen die Prinzen; etwas weiter zurück die
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Drama, das wir ohne Rückhalt als solches anerkennen sollen, muß unter allen Umständen ein Weltbild sein, in dem besonderen Sinne, daß es als verkleinertes, aber doch vollständiges, abgerundetes Abbild der großen wirklichen Welt erscheint und nicht bloß Breite, sondern auch Tiefe hat. — Die konzentrirende Thätigkeit ist eine wesentliche des Dramatikers, die Fähigkeit dazu eine seiner Haupteigenschaften, sie fitzt unbedingt einen großen Welt- und Kunstverstand, einen tiefdringenden Blick für Gefetzmäßigkeit und Nothwendigkeit, eine metaphysische Anlage voraus und dies alles beruht auf einem angeborenen Anschauungsvermögen. — Das echte Drama ist aber auch stets Handlung und Leben, die Nothwendigkeit, die eS beherrscht, darf nichts erstarren lassen; neben dem Welt- und Kunstverstand bedarf es der Leidenschaft um es erstehen zu lassen und mit lebensvollem Inhalt zu erfüllen. Man hat die Leidenschaft sogar für die hauptsächlichste Eigenschaft des Dramatikers erklärt und klein- Taleute haben auch stets versucht, ihren Werken den Schein dieser Leidenschaft zu verleihen, die sich aber meist nicht über einen gewissen rhetorischen Schwung der Sprache zu erleben vermag oder sich in wildem regellosem Sturm und ^rang äußerte. — Tiefe Gefetzmäßigkeit bei elementar bewegtem Leben, vollständige Objektivität bei starker Leidenschaft kennzeichnen den echten Dramatiker in seinem Massen. Hurzu kommt noch eine besondere Kunst der Gestaltung »nd Charakterentwickelung der im Drama aufzuführenden Personen. Mit dem Blick für die Totalität des Menschen wech der Dramatiker mit wenigen, großen, blitzartig erleuchtenden ^ugcn einen Charakter hinzustellen, daß manchn nichtmehrve^ zeigt unS die Charaktere im Werden und m dieser
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beiden Kaiserinnen und der Kaiser. Von Gästen des Hofe und Mitgliedern der Gemeinde waren alle Plätze gefüllt Es nahmen an der Feier Thell die Hofchargen, die Erzieher der beiden Prinzen, der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, die Staatsminister, die Generalität, der Präsident des Ober- kirchenrathes, die Spitzen der Provinzial- und städtischen Behörden, die Hofgeistlichkeit, die Militärbevollmächtigten von Bayern, Württemberg, Sachsen und Oesterreich-Ungarn, eine Deputation des Kadettenhauses zu Plöu, sowie fünf den Prinzen befreundete Kadetten, welche eine spezielle Einladung erhalten hatten. „Ach bleib mit deiner Gnade!" sang die Gemeinde. Dann trat General-Superintendent D. Dryander vor den Altar, um die eigentliche Konfirmationsrede zu halten. Er legte derselben die Worte aus dem 1. Römerbrief St. Pauli zu Grunde: „Ich schäme mich des Evangelii von Christo nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben".
In seiner feinsinnigen, formvollendeten Weise erinnerte er die Prinzen daran, daß der Kaiser an derselben Stelle sein Bekenntniß abgelegt. Das von dem Prinzen geforderte Gelübde scheine nicht schwer, denn noch sei der Gegensatz der Welt ihnen nicht zum Bewußtsein gekommen, aber von den friedlichen Gestaden des Plöner Sees werde ihr Leben hinaus und hinauf geführt werben auf die Höhe mit ihren Stürmen und ihren Versuchungen. Wie -viel werde in ihre Hände gelegt werden, und wie Großes werde das Vaterland von ihnen fordern ! Dazu gehörten starke Schultern I Der Redner gedachte der Vorbilder des großen Kaisers Wilhelm und des Kaisers Friedrich. „Einen Beruf hätten alle, ob sie Krone trügen oder den Kittel, selig zu werden durch die Kraft des Evangeliums". Wiederum nahm der Domchor das Wort: „Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöset!" Dann wendeten sich aller Augen dem Kronprinzen zu, der mit schneller Bewegung von seinem Sessel aufstand, sich gegen die Versammlung wandte und die Stimme erhob, um sein Glaubensbekenntniß abzulegen. Das von ihm selbst verfaßte und vorgelesene Glaubensbekenntniß fußte auf dem Bibelspruch: „Thue mir kuud den Weg, darauf ich gehen soll". Der Kronprinz faßte sein Gelübde dahin zusammen, daß er „der erste sein wolle, der seinem König und Vaterland bis zum letzten Blutstropfen zu dienen entschlossen sei, und der sich als ein lebendiges Glied der evangelischen Kirche erweisen wolle. Prinz Wilhelm sprach laut; jedes Wort war in der Küche vernehmbar. Zuweilen zitterte die Stimme ein wenig vor innerer Bewegung; bald aber gewann sie ihren festen Klang wieder. Daneben nahm Prinz Eitel Friedrich das Wort. Er hatte sich den Bibelspruch erwählt: „Gib mir Dein Herz und laß meinen Augen Deinen Weg wohlgefallen !" Es folgte nun der eigentlich« Einsegnungsakt. — General-Superintendent Dryander segnete die Prinzen mit schenschicksal und Menschennatur, die typischen Charaktere und wiederum die gewaltigsten gibt uns der Dramatiker von wirklicher Bedeutung, wie er auch die Jdeen-Atmosphäre der Zeit und das Spezifisch-Nationale am besten offenbart. Darum ist er zur Herrschaft in der Litteratur seiner Zeit berufen. Leider hat nicht jede Zeit ihren großen Dramatiker und dann kommen die Hqlbtalente und setzen sich an seine Stelle, obschon sie weiter nichts können als Weltbilder fälschen.
Aus Kunst und Leben.
* Edward Bellamy t« Edward Bellamy, der Ver- faffer des vielgelesenen Romans „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000", ist gestorben. Mit dem bekannten amerikanischen Schriftsteller, der am 29. März 1850 in Chikopee Falls (Massachussetts) geboren wurde, ist ein Mann dahin- gegangen, der wie wenige Andere es verstand, den Hochflug der Phantasie zu vereinigen mit den Erfolgen ernster wissenschaftlicher Studien. Es dürfte kaum eine Zivilisationssprache geben, welche das Hauptwerk des verstorbenen amerikanischen Autors sich nicht zu eigen gemacht hätte. Auch in Deutschland natürlich ist der Roman „Looking backward* („Ein Rückblick", der im Jahre 1888 zum ersten M«le erschien) weithin bekannt geworden. Die erste deutsche Ueberfegung dieses sozialpolitischen Romans führte merkwürdigerweise den Titel „Alles verstaatlicht" und erregte überall das höchste Aussehen. Die Leser werden sich erinnern können, daß es sich darin um einen gewissen Julian West handelt, der infolge einer starken Morphiumdose einschläft, durch das in Brand gerathene Haus verschüttet wird und, da das Leben merkwürdigerweise in ihm erhalten bleibt, im Jahre 2000, gelegentlich verschiedener Erdarbeiten, die in Philadelphia angestellt werden, in einem Gewölbe wohlerhalten aufgefunden