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Amtliches Organ für Stsöt» unö Lanökrels Tsnau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 195.

Dienstag den 23. August

1898

Amtliche«, ^andßveie ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Die an der evangelischen Volksschule in Roßdorf neu gegründete II. Lehrerstelle soll zum 1. November er. mit einem unverheiratheten Lehrer besetzt werden.

Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1150 Mark und der Einheitssatz der Alterszulagen 130 Mark. Die Miethsent- schädigung ist auf 200 Mark festgesetzt, wovon jedoch ein unverheiratheier Lehrer nur 2/s zu erhalten hat.

Bewerber wollen ihre Meldvngsgesuche nebst Zeugnissen binnen 3 Wochen dem Lokalschulinspektor Pfarrer Sopp in Roßdorf einreichen.

Hanau am 19. August 1898.

Namens des Schulvorstandes Der Königliche Landrath

V. 9105 v. Schenck.

Dieustuachrichten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein goldner Herrnsiegelring, auf der äußeren Seite die Buchstaben M. B., auf der Innenseite H. N. Ein Sonnenschirm. Ein Geldtäschchen. Ein Notiz­buch. Eine Kaiser Wilhelm-Gedächtnißmedaille.

Verloren: Ein Cigarrenetuis nebst Cigarren. Eine goldne verzierte Broche, in der Mitte mit einem ovalen Emaillebild.

Hanau am 23. August 1898.

§taöfBret0 ^banau.

DMMtWkchMM oks OLerbürgermeisteramtes.

Der am 27. Juni 1869 zu Solingen geborene Kauf­mann Paul Reutershan hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande nachgesucht.

Hanau den 18. August 1898.

Der Magistrat

vr. Gebeschus. 12317

Ein französisches Urtheil znm Tode Bismarcks.

Wie allerwärts in der gebildeten Welt, so hat man auch in Frankreich nach dem Tode des Fürsten Bismarck mancher­lei Betrachtungen darüber augestellt, worin das Geheimniß seiner Erfolge beruhe. Da war neben schiefen Urtheilen auch manches geistreiche Wort zu lesen, und oft Hang der Wunsch hervor:Hätten wir doch auch einen Bismarck!" Gerade dieser Wunsch hat nun eine der besten Betrachtungen hervor- gerufen, die in der französischen Presse in den letzten Wochen erschienen sind. ImGaulois" führt nämlich Jules Delafosse den Nachweis, daß jener Wunsch für Frankreich zwar ganz begreiflich, im Grunde aber doch absurd sei. Denn das in Frankreich herrschende System würde einem großen schöpferischen Geiste keinen Spielraum zur Entfaltung lassen.

Delafosse schildert witzig, wie sich die Laufbahn eines französischen Bismarck ungefähr gestalten würde: entweder er stellte sich in den Dienst einer parlamentarischen Gruppe, dann hätte er seine Eigenart aufzugeben und ihren Beschlüssen zu folgen, oder er hätte die Dreistigkeit, allein zu stehen, dann könnte er niemals Minister werden, unb. sein Genie bliebe darauf beschränkt, bei den Abstimmmungen weiße oder schwarze Kugeln in die Urne zu legen. Der Ruhm des wahren Bismarck beruhte nicht bloß auf der Kühnheit seiner Pläne, sondern auch auf der Freiheit, die ihm gegeben war, sein staatsmännisches Genie zu bethätigen.Wenn Btsmarck von dem Berliner Parlament abhängig gewesen wäre, so wäre er nicht Bismarck geworden und das teutsche Reich würde nicht bestehen." Aber er hatte das hohe Glück, von seinem König auserwählt und gehalten zu werden gegen das Parlament.

In der That tarn man nicht über die Große des Staats­mannes sprechen, ohne zugleich die Größe des Monarchen voranzustellen. Es ist vielleicht die seltenste Art von Größe, einen genialen Mann zu erwählen, die königliche Gewalt in den Dienst seiner Pläne zu stellen, um seireiwillen die Un­gunst der Volksstimmung heiauszufordern, nie Zweifel oder Eifersucht gegen ihn zu hegen und ihm denselben Antheu wie an den Mühen, so auch an den Triumphen zuzugestehen. Deshalb beantwortet Delafosse auch die Frage, wer der größere von beiden war, der Minister, der so große Werke vollführte, oder der König, der sie ihn vellsühren ließ, ohne Zögern mit: der König! Darin hat der kluge Franzose ebenso richt, wie in der Erkenntniß, daß große Geister in

einem monarchischen Staate, besonders unter einem erleuch- C " '

teten Herrscher, viel freiere Bahn haben, als unter einer weis der amerikanischen Handelsbilanz pro 1897/98 hat die Parlaments-Herrschaft.

Tages schau.

Die Mainzer Rede Kaiser Wilhelms appellirt mit kräftigen und zündenden Worten an das nationale Ge­wissen des deutschen Volks. Das alte römische Reich deut­scher Nation ging zu Grunde aus mangelndem nationalem Bewußtsein seiner Glieder. Will das neue deutsche Reich nicht über kurz oder karg einem gleichen Schicksal verfallen, so muß der nationale Gedanke zu einem so gewaltigen Macht­faktor werden, daß kein einziger und noch weniger ganze Parteien es wagen dürfen, demselben gradeheraus den Krieg zu erklären, wenn sie nicht sofort von dem Unwillen der Gesammtheit des Volkes mit elementarer Kraft hinweggespült sein wollen. Das Deutsche Reich wird rational sein oder es wird nicht sein!

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Deutsch­land", Kommandant: Kapitän zur See Plachte, mit Seiner Königlichen Hechbeit dem Prinzen Heinreich von Preußen an Bord, am 19. August in De Castri angekommen; S. M. S.Sophie", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oberst- Lieutenants-Rang Kretschmann, ist am 20. August in Vigo eingetroffen und beabsichtig, am 25. August nach Madeira in See zu gehen; S. M. S.Olga", Kommandant: Korvetten- Kapitän von Dassel, ist am 20. August in Digermulen (Nor­wegen) angekommen und beabsichtigte, gestern nach Drontheim in See zu gehen.

Der sozialdemokratische Vertrauensmann des Kreises Stendal, Tischler Döbbelin, hat mit seiner Familie Stendal heimlich verlassen. Die Sache erregt in sozialistischen Kreisen peinliches Aufsehen. Döbbelin war Vorsitzender und Kassirer des Holzarbeiterverbandes nwb leitete als solcher früher den Tischlerstreik, auch hatte er die Agitation bei der letzten Reichstagswahl in der Hand. Die vereinnahmten Gelder verbrauchte er nach eigenem Gutdünken, ohne daß er über die Verwendung des Parteifonds bisher eine Abrechnung erstattet hätte. Ueber den Verbrauch einer Summe von min-

bestens 1000 Mark ist er den Nachweis schuldig geblieben. Der Entflohene ist der vierte Kajsirer des Holzarbeiterver­bandes, welcher mit der Kasse auf und davon gegangen ist.

Spanische Verluste. Bis auf diesen Tag hat der Krieg dem spanischen Schatze allein, d. h. ohne alle privaten

Verluste und Opfer zu rechnen, eine Milliarde 874 Millionen theilung desLokal-Anzeigers", daß er sich in China als gekostet, in welcher Summe die verlorenen Flotten, Hanvels-! deutscher Gerichtsherr aufgespiest und chinesische Gefangene schiffe, Waarenmengen u. s. w. nicht eingeschloffen sind. Zur! abgeurtheilt und begnadigt habe, als freie Erfindung be- Unterdrückung des Aufstandes auf Kuba sind im Ganzen zeichnet.

180,431 Gemeine, 6222 Offiziere, 615 Korpskommandanten «öln, 22. August. DieKölnische Volkszeitung" schreibt und 60 Generale nach Kuba gesandt worden. Da sich vor zu der Frage, ob Windthorst ein Portefeuille angeboten worden

dem Ausbruch des Aufstandes bereits 20,000 Mann dort i sei, Windthorst selbst habe vertrauten Freunden gegenüber be- befandnr, so betrug das Total 200,000 Mann. Nicht 10,000, stätigt, daß die Kaiserin Augusta ihm einen hohen Posten an- von ihnen fielen im Kampfe. Getödtet wurden nnr zwei'geboten habe. Die Meldung, Kaiser Wilhelm habe kurz nach Generale, 141 Offiziere, 2008 Soldaten, 463 Offiziere und der EntlassungBismarcksWindthorst dieWahleinesMinisteriums 8164 Alaun wurden verwundit. Abrr 313 Offiziere und! freigestellt, entbehrt in dieser Form der Begründung. Richtig 8164 Soldaten erlagen dem gelben Fieber; 127 Osfiziere sei, daß zur fraglichen Zeit ein Wechsel in der Stellung des und einige 40,000 Mann stürben an andern Krankheiten. Kaisers zu Windthorst sich vollzog. Der Kaiser habe stets Der letzte offizielle Bericht des Marschalls Blauco gab die Windthorst als Hohenzollernfeind betrachtet. Indessen sei diese Zahl der disponiblen Truppen auf nur ncch 84,000 Mann- Austastung durch einen Zwischenfall, welcher mit der Geld- schafien an. Von diesen dürfte aber noch ein großer Theil spende des bayerischen Prinzregenten für die Windthorstkirche Spanien nicht wiedersehen; vielleicht kaum die Hälfte, wenn in Zusammenhang stand, gründlich erschüttert, sodaß der man bedenkt, daß Blarcos Bericht z. V. für Santiago Kaiser an der Loyalität und vornehmen Gesinnung fortan 24,000 Mann, während General Torals Kapitulation sroppmt keinen Zweifel hegte.

nur 7836 Kombattanten neben 10,769 Kranken und 3575

Verwundeten für den übergeberen Bezirk anführt. Von der kleinen Garnison Guantanawos allein waren 1300 Mann im Lazareth, obwohl diese gar nicht im Kampfe gewesen. Alle diese Ziffern lassen die bedeutenden Verluste auf ben Philip, pinnen, Portorico u. s. w. ganz außer Betracht. Der ma­terielle Werth der sechs neuen, ohne besondere Ehre zu Grunde gegangenen Schffe beträgt 81 Millionen Pesetas; mit dem Werth der auf jenen Schissen befindlichen Geschütze, die 19 Millionen Pesetas gekostet haben, macht es einen materiellen Totalverlust von hundert Millionen' Pesetas aus. Die Spanier haben bisher zwanzig Kriegsschiffe verloren; elf in dem Seegefecht bei Manila, zwei, die ebenda von den Amerikanern gekapert wurden, sechs bei Santiago und endlich den KreuzerReina Mercedes". Im Gegensatz dazu ist kein einziges amerikanisches Schiff kampfunfähig oder ernstlich be­schädigt worden. Bei Trafalgar verloren die Spanier nur vier Schiffe; sie werden also, um ihre jetzigen Verluste mit früheren historischen vergleichen zu können, auf den Unter­gang der Armada unter Philipp II. zurückgreisen wüsten.

Die amerikanische Handelsbilanz. Laut Aus-

Einfuhr aus Deutschland um 35 Millionen Dollars abge­nommen, während die Ausfuhr um 30 Millionen gestiegen ist. Bon Großbritannien sind um 50 Millionen Dollars weniger eingeführt und um ebensoviel mehr dorthin ausge- führt worden. Das Statistische Bureau des Bundesschatz- amtes nimmt an, daß im letzten Rechnungsjahre die gesammte Einfuhr aus Europa sich um 100 Millionen Dollars er­mäßigt hat, während gleichzeitig die Ausfuhr dorthin um 150 Millionen Dollars gestiegen ist.

Politische und unpolitisch- Nachrichten.

(Depeschen-Bureau.Herold*.)

Berlin, 22. August. Der Heeres-Etat für 1899 soll, wie der National-Zeitung zufolge zuverlässig verlautet, sehr beträchtliche Mehrforderungen aufweisen. Die Neubildung eines Armee-Korps mit dem Sitze in Mainz, von der schon mehrfach die Rede war, scheint von der Militär-Verwaltung endgültig in Aussicht genommen zu sein. Ferner sind er­hebliche Neu-Organisationen bei der Artillerie zu erwarten und auch die Bildung der dritten Bataillone bei den neuen Infanterie-Regimentern, welche anläßlich der Umwandlung der Caprivi'schen Halb-Bataillone in Ganz-Bataillone zunächst nur aus zwei Bataillonen zusammengesetzt wurden, soll be­absichtigt sein.

Berlin, 22. August. Wie diePost" erfährt, ist von einer Festfeier anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Marine bis jetzt an maßgebender Stelle nichts bekannt. Dasielbe ist der Fall betreffs einer andem Meldung, wonach die Ver- theilung einer kleinen silbernen Jubiläums-Medaille erfolgen sollte.

Berlin, 22. August. Der in Liverpool von der afri­kanischen Westküste eingetroffene Dampfer Roquelle bringt, wie derNorddeutschen Allg. Zeitung" aus London geschrieben wird, die Nachricht, daß im Norden von Groß-Bassam, der Hauptstadt der französischen Besitzungen an der Elfenbeinküste, Unruhen ausgebrochen sind. Die Unruhen in Liberia sind größer, als man zuerst angenommen hatte. Die Truppen in Liberia sind nicht im Stande, den Aufruhr des mächtigen Stammes der Pisti zu dämpfen. Der Stamm verweigert die Zahlung des Tributes.

Berlin, 22. August. Eugen Wolff sendet dem Berliner

Tageblatt aus Schliersee ein Telegramm, worin er die Mit-

sei, daß zur fraglichen Zeit ein Wechsel in der Stellung des

Kaisers zu Windthorst sich vollzog. Der Kaiser habe stets

Austastung durch einen Zwischenfall, welcher mit der Geld-

Wien, 22. August.

Erzbischof Dr. Angerer liegt in

Agonje. . ,

Wien, 22. August. Die Staatsanwaltschaft erließ einen Steckbrief gegen den Reichsdeutschen Touristen Passem, welcher dringend verdächtig ist, seine junge Frau _ in Postitano bei Sorrent von einem Felsen ins Meer gestürzt zu haben, wo die Frau ertrank, um die Versicherungssumme von 2a0,000 Frar cs zu erlangen. , o . .

Vr-Kbura, 22. August. Der Marktflecken Lupine im Waabthal ist vollständig niedergebrannt. 100 Wohnhäuser sind eingeäschert, mehrere Kinder in den Flammen umge- kommen.

Rom, 22. August. Das Namensfest des Papstes wurde, wie noch gemeldet wird, von seinen Anhängern ohne Aus­sehen gefeiert. Der Papst war bei dem allgemeinen Empfang zwar schwach, sodaß ihm der Arzt öfters Stärkung reichm mußte, sah aber sonst ziemlich gut aus. Mit mehreren Gästen, besonders mit dem Kardinal Mafsella sprach er ziemlich lange über den römischen Pilgerzug nach Palästina. Große Freude bereitete dem Papst das Geschenk einer Regensburger Firma,