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Nr. 244
Miwilh dcu 19. Oktober 1898
Wer auch nur oberflächlich die Eigenart unseres Kaisers kennt, der wird daran nicht zweifeln, daß er sich durch solche meuchlerischen Pläne in keiner Weise in der Durchführung seiner Rciseabsichten beeinträchtigen läßt. In seinem felsenfesten, oft bekannten Gottoertrauen ist er überzeugt, daß sein Leben überall, in der Heimath sowohl wie im fernen Orient, in höherer Hand ist, und daß jeder Herrscher, vor allem ein so mächtiger wie es der deutsche Kaiser ist, nur zu leicht in dieser Zeit sozialer Umwälzungen und bitteren Klasseuhasses der Mordwaffe eines Verbrechers ausgesetzt ist. Sehr zu« treffend bemerkt der Londoner „Standard": Der Kaiser habe die Nerven und den Muth der Hohenzollern. Von einem Mann aus diesem Geschlecht, von solcher Bestimmtheit und solchem Muthe sei es nicht wahrscheinlich, daß er seine Pläne aufgebe oder ändere, weil ein Anarchist im Hinterhalt liegen könnte. Der Versuch eines Verbrechers gleich den früheren könne keinen anderen Erfolg haben, als die Mächte zu gemeinsamen Bemühungen zur Vertilgung dieser Mörder- Sekte anzuspornen.
In der That hat der Mordanschlag abermals ein Licht auf die Gefährlichkeit der Anarchisten geworfen und die Nothwendigkeit internationaler Vereinbarungen erkennen lassen. Der Anarchismus richtet sich nicht gegen diese oder jene Persönlichkeit, gegen die Verhältnisse dieses oder jenes Staats- wesens: er hat der menschlichen Gesellschaft überhaupt den Krieg erklärt, und die Pflicht der Selbsterhaltung der gesitteten Welt ohne Rücksicht auf die staatlichen Grenzen ist es, diesen Kampf gegen den Meuchelmord schonungslos zu führen. Wer Mitleid mit dem anarchi^ ischen Mörder hat, der kann auch Mitleid mit dem erschossenen Tiger haben, welcher vor seinem Ende Dutzende von Menschen zerrissen hat; ja, ohne Uebertreibung läßt sich behaupten, daß vom Standpunkte der Sicherung der Gesellschaft der Anarchist gefährlicher ist als der Tiger. Wer der menschlichen Gefühle so bar ist wie der anarchistische Mörder, der hat keinen Anspruch darauf, als Mensch behandelt zu werden; wer der Menschheit mit demselben Blutdurst und derselben ungezähmten Wildheit gegen Übertritt wie die unter der Tropensonne geborene Bestie, der kann sich nicht beklagen, wenn die Gesellschaft ihn auch als Bestie behandelt und sich gegen ihn ebenso vertheidigt wie gegen den seinem Käfig entsprungenen Tiger.
Bezeichnend ist die Haltung der Sozialdemo traten. Statt Befriedigung darüber zu äußern, daß der schwarze Plan der Anarchisten vereitelt ist, unternimmt das sozialdemokratische Hauptblatt, der „Vorwärts", wie immer in solcher Lage, den Versuch, die Verhaftung der Anarchisten als einen von der I^««««» um immik im ama«MwweaEaMaMg8s^MBMWBmMtBw»BHa»amM»» käufer, als deren Glieder in einer Urkunde des 13. Jahrhunderts nicht weniger als 85 Namen aufge- sührt werden, eine auffallend große Zahl. Die Namen selbst, die in jener Zeit, wo die Familiennamen erst eben aufkamen, oft von den Heimathsorten entnommen wurden, lassen auf eine starke Einwanderung aus dem benachbarten Hannoverischen und dem Eichsfeld schließen. Diese Angehörigen der Tuchmacherinnung, zum Theil wohl unfreie Ritter, Ministeriale, die sich damals vielfach in den Städten niederließen, bezeichnen sich selbst in Urkunden als die Herren, also die eigentlichen Träger der neuen städtischen Verfassung; der Arm des Gelsterbaches, den sie wohl zur Ausübung ihres Gewerbes in die Stadt leiteten, heißt noch heute die H err eng elfter. Aber die wohl geplante große Industrie ging bald zurück, die Herren sanken zu einfachen Ackerbürgern herab, wie denn noch heute, von wenigen größeren Fabriken abgesehen, W. eine A ck erb ürgerstadt ist. Jenen Rückgaug be leuchtet ein G i l d e b r i e f, in dem den Herren der Innung eingeschärft wird, in der Stadt nicht ohne Sattel zu reiten; und Mist sollen sie zwar eigenhändig aufladen dürfen, aber nicht, ohne vorher Holzschuhe anzuziehen. Immerhin besaßen die Stadtbürger noch lange das vom Landgrafen anerkannte seltene Recht, mit Winden und Stößern (Windhunde und Falken) zu jagen.
Von großer Bedeutung für die Stadt war die Gründung eines Klosters der Wilhelmiten zu Ende des 13. Jahrhunderts. Das Kloster, 1527 aufgehoben, betrieb bis zuletzt ein umfangreiches Rentenleihgeschäft, versah also etwa die Funktionen unserer städtischen Sparkasse. Zugleich aber wirkte es mit Erfolg für Verbreitung geistiger Bildung: Witzenhäuser Bürgersöhue sind im 14. und 15. Jahrhundert an den Universitäten Prag, Heidelberg und vorneymlichErfurt immatri- knlirt, einer war auch einmal Rektor der deutschen Nation in Bologna.
Der Ausgang des Mittelalters bestätigt auch hier im Kleinen den allgemeinen wirthschaftlichen Verfall der Zeit, die
«»«ich-r.
SlaölKvois ^artau.
KÄZFtNschWZW des OberbürgerMeisteramtes.
Bekanntmachung.
Mittwoch den 36. Oktober S. 3„ nachmittags 2 Uhr,
sollen an Ort und Stelle die dem Allhanauer Hospital gehörigen Bruchwiesen, 10 ha 94 ar 83 qm groß, in 23 Abtheilungen auf 12 Jahre verpachtet werden, wozu Pachtliebhaber hiermit eingeladen werden.
Die Pachtbedingungen werden vor dem Termin verlesen, können aber auch vorher im Zimmer Nr. 10 des Neustädter Rathhauses eingesehen werden.
Versammlungsort: Vor der Patrontasche.
Hanau den 15. Oktober 1898.
15644 Althananer Hospitalkasse.
DienstnochriHten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Lateinisches Uebungsbuch für Tertia. Ein goldener Kneifer. Ewe Briefmarkensammlung. Eine Zehn-Pfg.-Marke, am Schalterraum der Post Siegen geblieben. Ein Hundehalsband von Metall. Eine schwarze Schürze, am unteren Rande mit Blumen gestickt.
Verloren: Auf dem Wege durch die Neue Anlage, Fischerftr. zur Bleichstr. ein Pelzkrägelchen (Eisvogel). Eine silberne Damenuhr.
Hanau am 19. Oktober 1898.
Die Anarchisten.
Von tiefstem Abscheu ist das deutsche Volk bewegt durch den aus Alixandria geweiht ten Mordanschlag der Anarchisten auf den Kaiser. Zunächst beabsichtigten die Anarchisten, ihren teuflischen Plan in Egypten auszuführen. Als sie aber erfuhren, daß sich der deutsche Kaiser mit Rücksicht auf die Eröffnung des Reichstages im November entschlossen hatte, die Reise nach Egypten aufzugeben, um von Kleinasien in die Heimath zurückzukehren, da wollten auch sie den Schauplatz ihrer Mordthat von Egypten nach Kleinasien verlegen. In diesem Augenblicke schritt mit voller Entschiedenheit und festem Griff die egyptische Polizei ein und wenn die bisherigen Nachrichten sich auch in ihren Einzelheiten bestätigen, so ist anzunehmen, daß die Polizei das ganze Nest ausgehoben und alle Fäden in ihre Hand bekommen hat.
FerrLlletrir.
Hanauer Geschichtsverein.
Hanau, 18. Oktober.
In der gestrigen Monatsversammlung erstattete Herr Land- gerichtsrath Dr. Brandt Bericht über die Jahresversammlung des Hess. GeschichtSvereins in Witzenhausen, die vom 15. bis 17. August stattfand. Er gab dabei den folgenden Auszug aus dem Festvortrag des Herrm Pastors Dr. Schröder, eines geborenen Witzenhäusers, über „Witzenhausen im Mittelalter": . „ .
Die Besiedelung der Gegend, obwohl sie eine offene und sehr fruchtbare ist, hat in ihrer jetzigen Gestalt frühestens in der Karo!ing er zeit stattgefunden. Es folgt dies daraus, daß alle älteren Ortsnamenendungen, wie aha, lar, ing und ung, fehlen, die Namen vielmehr fast ausnahmslos die neueren Endungen Hausen, bach, thal zeigen. Der Name deS Flusses Visargis (Weser-Werra) dagegen ist keltischen Ursprungs. Durch eine Urkunde des Ludwigs d-S Deutschen (840—76) wird — entgegen der Ansicht Landaus — erwiesen, daß Witzenhausen auf «lthessrschem, nicht ur. sprünglich thüringischem Boden steht; es wird dort von dem Ort gesagt, er liege in pago qui dicitur Hassin, j°«e Besiedelung ist also alsbald vondenHessen auSgegangem Dieselbe Urkunde bezeichnet einen Edelrng W i z o als den Gründer des Dorfes Witzenhausen. Dorf und « J vergrößerten sich - ein Prozeß, der auch «nderwaUs vielfach vorlommt - durch das E i n g e b e n m c h r er er um egen- der Dörfer. Im Jahre 1225 wird Witzenhausen zur Stadt erhoben! Landgraf Ludwig von Thüringen und Hessen verleiht ihr vier Jahrmärkte. Dieser Alt sche ut eine Art planvoller Neugrundung gewesen zu sein, um ein damals blühendes Gewerbe an dem Ort hast zu machen. Es ist die Innung der Tuchver.
Polizei angeregten Schwindel und die in Haft Genommenen als Polizei-«vitzel darzustellen. Die „Mache" sei zu offenbar meint das Blatt. . Nach den ernsten Ereignissen der letzten Zeit ist das eine Frivolität sondergleichen. Dadurch, daß die sozialdemokratische presse die Anarchisten in Schutz nimmt, liefert sie einen neuen Beweis für die Thatsache, daß die Propaganda der Agitation und die Propaganda der That auf einem Stamme wachsen. **
PoliMche Rnd rrnpslittschs NaHvichts«
Berlin, 18. Oktbr. Der Kaiser hat am heutigen Geburtstage des Kaisers Friedrich an dem Sarge seines Vaters im Mausoleum der Friedenskirche zu Potsdam einen kostbaren Kranz niederlegen lassen. Der Marmor-Sarkophag des Kaisers Friedrich war mit Herbstblumen und Gewächsen gesäumt. Im Laufe des Vormittags wurde auch vom Offizierkorps des ersten Garde-Regiments und von anderen Osfiziers-Depu- tationen Kränze mit Widmungsschleifen niedergelegt.
Berlin, 18. Oktbr. Das Staatsministerium trat heute Nachmittag in seinem Dienstgebäude unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
Berlin, 18. Oktbr. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung des ehemaligen Hamburger Richters Dr. Paul Gelpcke zum kaiserlichen Richter in Kiau-Tschou.
Berlin, 18. Oktbr. Der Besuch, den der Gesandte Transvaals, Dr. Leyds, dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe abstattete, war, wie die „Post" meldet, lediglich ein Höflichkeitsbesuch.
Köln, 18. Oktbr. Die letzttägigen Niederschläge bewirkten ein derartiges Steigen des Wasserstandes des Rheines, daß die Köln-Düsseldorfer Dampfschifffahrrs-Gesellschaft den oberrheinischen Verkehr von morgen ab wieder durch einzelne Fahrten der Personendampfer zwischen Coblevz und Mainz aufnehmen läßt. Auch der Schleppschifffahrtsverkehr gestaltet sich wieder zu einem regelmäßigen. Man hofft, den Verkehr in den nächsten Tagen wieder vollständig aufnehmen zu können, nachdem der Cauber Pegel annähernd die norma la Höhe von 1,30 m wieder erreicht hat.
Würzburg, 18. Oktbr. Das Militär-Bezirksgericht vermtheilte heute zwei Gemeine des 14. Infanterie-Regiments, welche seiner Zeit auf der Fürther Landstraße zwei radfahrende Offiziere in Civil über fielen und mißhandelten, wegen eines militärischen Verbrechens zu 7 und 8 Jahrm Zuchthaus und Entfernung aus dem Heere.
London, 18. Oktbr. Zu dem Anarchistenkomplott in Alexandrien meldet „Daily Mail", daß der Führer der Anarchistenbande, Parrini, bei seiner Verhaftung einen wüthen- brennende Geldnoth. Das Wilhelmitenkloster hatte bei seiner Aufhebung im Jahre 1527 nur noch 427 Gulden an sicheren Einkünften; und bei 300 fl., die der Rath von Witzenhausen aus Anlaß einer großen Feyersbrunst bei dem benachbarten Duderstadt erborgte, ging der arme Landgraf wieder zu Gaste, indem er sich den dritten Theil des Geldes als Afterdarlchen ausbat.
Jm Jahre 1462 hatten die guten Witzenhäuser ein kriegerisches Mißgeschick, dem auch der Sport nicht fehlte. In der großen Fehde zwischen den Grafen Adolph von N-ssau und Ditherr von Jsenburg hatte der hessische Landgraf Ludwig der II. die Partei des Nassauers ergriffen. In Heiligenstadt hielten die Gilden ebenfalls zum Nassauer, der Rath zum Jsenbnrger. Im Einoerständniß mit den Gilden sollten die Hessen, Eschwegcr, Allendörfer und Witzenhäuser, Heiligenstadt am Fastnachtsabend erstürmen. Aber der Plan wurde verrathen und mißlang. Ein Duder- städter, wohl ein Geistlicher, hat nun auf diesen Vorfall in nieder deutsch er Sprache ein Spottgedicht verfaßt, in dem es von den Witzenhäusern heißt:
Dey von Wytzenhusen ruchten ob ir getelt, drey armborste unde thu bussen brachten se dar to feit.
Hilgenstad weiten sey erstigen, den von Nassaw mede vrigen; verhouwen worden en de stige. dey kunst hat en gefeilt.
Were sy vorbasz gekomen vor de guden stad, se hadden dat wol vernomen, wey sey geladen hat: den wert darheyme gefunden, up der misten dey hunde. dat se nicht begunden, dat was beste rad.