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Nr. 268
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Amtkich-S.
^faöt^rei0 ^banaxt.
MAMtMLchüllgeL des Oherbürgermeisteramtes.
Am Freitag den 18. November 1898, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gelvenbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streb ügkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 17. November 1898.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
vr. Gebeschus. 17078
Diellstuachlichten aus dem Kreise.
Taglöhner Heinrich Lerch von Bergen ist zum Nachtwächter der Gemeinde Bergen bestellt und verpflichtet worden. Hanau am 12. November 1898. V. 12065
Diellstmchrichten aus Dem Kreise.
Gefunden: Acht Flaschen, enthaltend je Vr Liter Milch aus der Fettmilch Sterilistrungs-Anstalt Vilbel G. m. b. H. Eine Holzkiste, gez. J. K. 19, auf der Messe stehen geblieben.
Verloren: Ein brauner Herrmock. Ein blauer Mantelgürtel. Eine schwarze Plüschmanschctte.
Hanau am 17. November 1898.
Ein Gedenktag.
Am Montag, dem 14. November, war ein Jahr ver- floffen, seit Deutschland durch den Kommandanten des ost- asiatischen Geschwaders, Vice-Admiral o. Diederichs, mit Uebereinstimmung von China von der Kiautschou-Bucht Besitz ergriffen hatte. Deutschland hatte damit einen sicheren Stützpunkt für die Entwickelung seines Antheils an der wirth- schaftlichen Erschließung O • asiens gewonnen. In den Theilen der Bevölkerung, die Verständniß haben für die Aufgaben Deutschlands, fand das entschlossene Vorgehen in Kiautschou ungeteilten Beifall. Es war, als sei mit. der frohen Kunde im fernen Osten ein Hauch frischen Seewindes durch die schwüle Atmosphäre deS deutschen ParteilebenS hindurch ge: fahren. Ueberall regte sich von neuem vaterländische Begeisterung und mit Kummer sahen die gewerbsmäßigen Schwarzseher und Verkleinerer der Reichspolitik, daß das Bürgerthum in Stadt und Land sich von ihnen abwendete. Umso seltsamer berührt es gerade in diesen Tagen, wenn wieder Rufe laut werden, die vor einer thatkräftigen, kolonialen Ausdehnungs-Politik warnen.
Diesem aus der Zeit der Kleinstaaterei stammenden Nörglerthum wurde schon von Heinrich von Treitschke die
^Mitteten.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 17. Novbr.
Mit dem Gastspiel der Soubrette Emma Frühling vom Adolf Ernst-Theater in Berlin gelangte vorgestern „Der jüngste Lieutenant' zur Aufführung Ueber die vieraktige Gesangsposse selbst erübrigen viele Worte, sie verdankt ihre Einfügung in den Spielplan einzig dem Gastspiel der Frau Frühling und es ist eine bekannte Thatsache, daß gastirende Künstler wenig oder gar nicht nach dem Werth des Stückes fragen, sondern nur nach der zu spielenden Rolle, die ihre künstlerischen Fähigkeiten in die rechte Beleuchtung zu stellen geeignet ist. Die fade und dürftige Handlung des Stückes, der mühsam herbeigeführte SituationSwitz und die geschmacklosen Kalauer erregten denn auch wenig Interesse und dienten nur dazu die einzige hübsche, im Sinne des Schauspielers dankbare Parthie, den Avan- tageur Bernhard, durch den feschen Gast dargestellt noch mehr hervortreten zu lassen und das Interesse einzig und allein auf diese Leistung zu konzenttiren. Frau Frühling hat sich denn auch in ihrer kleidsamen rothen Husarenuniform bte Sympathien des Publikums tm Fluge erobert; in ganz charmanter Weise verkörperte sie den kecken schneidigen jungen Offizier. Der liebenswürdige Humor ihrer Dar- stcllungsweise, die geschmeidige Anmuth ihres Spieles und vor allem ihr reizender, fein pointirter Vortrag der Couplets fanden bei dem Publikum stürmische Anerkennung. Gegen den feinen Humor dieser Rolle tritt der der anderen Parthien weit zurück. Herr Gehr- m a n n als „Bumke' wußte noch durch den derben Humor semer Rolle die Lachlust des Publikums zu erregen, während Herr Taube als „Mitschcrlich' die komische, Wirkungl dieser Figur nicht ganz herauszuholen wußte. Anmuthige Madchengestalten stellten Frl. Schlomka, Frl Krause und Fr. Lanquillon aus die Bühne.
Albion im Uilthale.
Von Wilhelm Wiedemann.
[Ra<6bru<t verdaten.)
Der Union Jack wehend über den Ruinen der gigantischen Pharaonenwerke, das nüchternste Volk der Erde Herr-
Donnerstag den 17. November
Behauptung — und zwar auf Grund von geschichtlichen Thatsachen — entgegen gestellt, daß das junge Deutschland noch nicht in das zweite Drittel seiner Geschichte eingetreten sei.; In der That vermögen sich nur Philister-Naturen wirklich der Meinung hinzugeben, als ob das waffen- und jugend- kräftige, von eisernem Fleiße erfüllte deutsche Volk keine neuen politischen Gedanken mehr hervorbringen werde, um die es sich sammeln könne.
Durch eine seltsame Verkettung von Umständen war unser' Volk, das einst an der Spitze der seetüchtigen Nationen gestanden, von der See abgedrängt worden. Zum minbeften wurde unsere Handelsflagge lange Zeit durch kein Kriegsschiff mehr gedeckt. Während jeder Unterthan der andern großen Staaten, wenn sein Recht mit den Rechten der Angehörigen anderer Völker in einen Gegensatz gerieth, sein „civis Romanus sum" sprechen, daS heißt, sich auf den Schutz seines Vaterlandes berufen konnte, blieb der Deutsche in der Fremde bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts hinein auf die Großmuth und den guten Willen anderer Völker angewiesen. Oft aber hatte er außer dem Schaden noch den Spott zu dulden.
Diese Periode eines von der See abgewandten Binnenlebens wurde durch die Thaten von 1870 mit einem Ruck durchbrochen. Wir sahen den Traum unserer Vorfahren erfüllt und eine deutsche Kriegsflotte entstehen, die von Jahr zu Jahr wuchs, wenn sie auch heute leider noch nicht den berechtigten Wünschen entspricht. Der Schöpfung einer Flotte folgte bald die Zeit kolonialer Ausbreitung. Wie lange war dem deutschen Volke von Bücher-Gelehrten eingerebet worden, daß es keiner Kolonien bedürfe, daß die Idee der Kolonien selbst sich überlebt habe. Und doch fegte der Sturmwind des nationalen Dranges auch diese Vorurtheile bei Seite. In Afrika wurden große deutsche Kolortialreiche gegründet. So groß aber der Jubel war, mit dem diese anfangs begrüßt wurden, so gelang es doch den Vertrete-, n der an die Tage binnenländischer Beschränktheit gewohnte« Demokratie, noch einmal Wasser in den Wein des deutschen Volkes zu gießen. Den Kolonien wurde so lange vorgeworfen, daß sie unfruchtbar seien, bis Tausende diese Uebertreibungen glaubten. Am meisten aber schadete den Kolonien die Annahme, daß sie für die deutsche Auswanderung durchweg nicht zu gebrauten seien, während heute doch in einzelnen Theilen weite Gebiete nachzuweisen sind, die sich für Ansiedler vortrefflich eignen.
Die Stockung, die eine Zeit lang in die deutsche Kolonial- Politik durch das Gaukelspiel ihrer Gegner gekommen war, ist durch die Initiative des Kaisers beseitigt. Die Besetzung von Kiautschou, die Hissung der deutschen Flagge im Osten, richtete mit einem Schlage die gesunkenen Hoffnungen wieder schend in dem geheimnißreichsten aller Länder — soll die vieltausendjährige Geschichte des Wunderlandes der Pyramiden wirklich diesen verblüffenden Abschluß nehmen? Fast scheint eS allerdings, als ob der Zeitpunkt gekommen oder wenigstens nahe sei, wo Albion sich endgültig und offen der Herrschaft im Nilthale bemächtigt und Königin Victoria auch den Thron der alten Ramsesse zum Schemel ihrer Füße macht. Als eine englische Kolonie erscheint Egypten in vielen wesentlichen Dingen schon heut. Englisch spricht der Lotse, der das Schiff in den Hafen von Alexandria führen soll, den Reisenden an, Engländer sind in allen Zweigen der Verwaltung in wichtigen Posten beschäftigt, und öfters mit ihnen, als mit eingeborenen Egyptern, hat man als Vertretern deS Gouvernements zu thun, die Rothjacken wohnen in alten, zu Kasernen umgestalteten Palästen und bilden eine charakteristische Er- schrtnung des Straßenlebens in den Hauptstädten, das Ge- schäftSleben wird von den Briten beherrscht und — last bat not least — der englische Tourist zeigt mit der ganzen lieblichen Ungenirtheit dieser anmuthigen Klaffe von Mitmenschen, daß er sich hier ganz at home, ganz in einer Kolonie Ihrer most gracious Majesty fühlt und demnach Alles gestatten darf. Die Maffenschwärme englischer Touristen, ihr breitspuriges, anspruchsvolles Auftreten, die unmusikalischen Klänge ihrer Sprache haben in neuester Zeit wirklich den Reisen in Egypten und dem Studium seiner unvergleichlichen geschichtlichen Denkmäler nicht wenig von seinem Reize geraubt, und es mögen einige verbürgte Anekdoten zeigen, in welchem Grade englische Reisende sich in Egypten rückhaltSloS als die Herren aufspielen. Vor einigen Jahren hatte sich Kairo festlich geschmückt, um den zum Winteraufenthalte übersiedelnden Khedioe festlich zu empfangen. Kurz bevor der Khedive eintraf, wurde die Hauptstraße gesperrt. Da durchbrach plötzlich ein englischer Tourist die Kette der Schutzleute und ritt unter allgemeiner Verwunderung und Heiterkeit stolz
1898
auf. Wenn auch die bisherige Entwickelung der Kolonie nur langsam gewesen ist, so darf doch, nachdem nun alle vorbereitenden Maßregeln ay Ort und Stelle getroffen sind, für die Zukunft ein befriedigendes Fortfchreiteo des wirthschäft- lichen Verkehrs erwartet werden. Jedenfalls müssen wir unserem Kaiser dafür dankbar sein, daß er thatkräftig und erfolgreich den Weg beschreitet, der Deutschland wieder auf den ihm gebührenden Platz als Seemacht und Kolonialmacht führt. Die Pflicht jedes Vaterlandsfreundes ist es, dahin zu wirken, daß dem Deutschen koloniale Unternehmungen ebenso wie dem Engländer als etwas Selbstverständliches erscheinen.
Tagesscha«.
Die Schaffung eines Reichsamtes für Technik und Erfindungswesen soll nach einer Mitlheilung, die dem Internationalen Technischen Courier zugeht, in der Absicht der Reichsregierung liegen. Es werden auch schon bestimmte Personen mit diesem Plan in Verbindung gebracht. Man nennt die Namen der Geheimräthe Reuleanx und Slaby, die als Kandidaten für die leitenbe Stellung dieser Reichs- behörde in Frage kämen. — Die Verwirklichung dieses Planes dürfte, wenn ein solcher überhaupt ernstlich zur Erwägung stehm sollte, noch in weiter Ferne liegen.
Die allgemeine Vieh-Zählung im Bereich der preußischen Monarchie, welche m den früheren Jahren am 1. November stattfand, wird in diesem Jahre erst am 1. Dezember vorgenommen werden. Schon im vorigen Jahre ist mit dieser Aufnahme des Viehbestandes zum ersten Male auch eine Zählung bei Geflügels verbunden worden, was nun auch in diesem Jahre geschehen soll. Und zwar soll diese Geflügelzählung namentlich zu Ermittelungen darüber dienen, welche Veränderungen sich im Gesammt-Geflügel- bestände ergeben, da die vorjährige Zählung die Thatsache gezeigt hat, daß die deutsche Geflügelzucht gegen diejenige andere Länder, besonders aber Rußlands, noch sehr zurück- steht, so daß die deutschen Züchter und Händler, um den an sie gestellten Anforderungen genügen zu können, gezwungen sind, vom Auslande her große Mengen Geflügel einzuführen. Durch die neue Geflügelzählung am 1. Dezember soll also wieder genau festgestellt werden, ob die deutsche Geflügelzucht in dem verflossenen Jahre einen bemerkeuswerthen Aufschwung genommen hat oder nicht.
Handwerkskammern.
Um einen Ueberblick über die Zahl und örtliche Der- theiluno der nach § 103a der Novelle zur Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897 wahlberechtigten Handwerker und damit ^^^U»M«MWWS«MW»M»»WWWWWWWWMWMWMW8MWMWWDMWWWMMSN^. . - erhobenen Hauptes in langsamem Schritt durch die dichten Reihen der Zuschauer, durch Triumphbogen n. s. w. dem Bahnhöfe zu. Wiederholt aUfgefordert, in eine Nebenstraße einzubiegen, weigerte er sich, der Weisung nachzukommen, mit der Motivirung, ihm als einem Engländer hatten die Egypter nichts zu sagen. Schließlich wurde er denn verhaftet, aber Hans Resener, dem wir diese Anekoote verdanken, berichtet, daß er auf die Forderung Lord Cromer's baldigst wieder freigegeben wurde.
Ein andermal war ein englischer Journalist in Kairo angekommen und wollte dem eben zur Herrschaft gelangten Khedioe Abbas Pascha seine Aufwartung machen. In dieser Absicht fand er sich im Promenadenkostüm im Pälaste ein, in einer Kleidung also, in der er in keinem guten englischen Hause einen Besuch abstattcn dürfte. Als ihm nun der Zeremonienmeister bedeutete, daß der Khedive nicht zu sprechen sei, beklagte sich der Journalist sogleich darüber bei Lord Cromer, und dieser verfehlte nicht, seiner Verwunderung über biefen Akt der Unfreundlichkeit einem Unterthanen Ihrer Majestät gegenüber Ausdruck zu geben. Derartige Vorfälle muß man sich vergegenwärtigen, um die Empfindungen des Khedioe für seine „Schützer" und „Retter" richtig zu beurtheilen. Abbas Pascha ist trotz seiner Jugend ein ziemlich ausgereifter Charakter und keineswegs ein „anmaßender und dummer Junge", wie ihn die „Times" einmal nicht ohne Schroffheit titulirte. Er hat seine Erziehung auf dem The- resianum in Wien erhalten (daher er auch das Deutsche fließend spricht) und seine natürliche Fähigkeit, wie seine tüchtigen Stiftungen sind dort nicht unbemerkt geblieben. Eine gewisse Reserve in seinem Wesen hält die Vertraulichkeit von ihm fern; der junge Fürst ist in der That ein stolzer Charakter, der von Jedermann die seiner Würde zukommende Ehrfurcht beischt und daher von der Rücksichtslosigkeit, die die Engländer auch in formalen Dingen ihm gegenüber nicht selten