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Rr. 114 Dienstag den 17. Mai
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1898
AmMches.
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HcksMrLmachMM des OderöürgeMeisteramtes.
Bekanntmachung.
Nachdem durch Kaiserliche Verordnung vom 22. d. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neuwahlen für den Reichstag am 16. Juni d. Js. vorzunehmen sind, setze ich auf Grund des § 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetz- blatt S. 275) den Tag, an welchem die Auslegung der Wählerliste zu beginnen hat,
auf den 18. Mai d. 3s.
hierdurch fest.
Berlin den 24. April 1898.
Der Minister des Innern.
Vorstehende Bekanntmachung wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Wählerlisten für den Stadtbezirk Hanau vom 18. bis einschl. 27. Mai d. Js. werktäglich während der Stunden von 8—12* 2 Uhr vormittags und 3—6 Uhr nachmittags im Zimmer Nr. 2 des Neustädter RathhaufeS (parterre) zu Jedermanns Einsicht ausliegen.
Einsprachen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei dem Magistrat anzubringen. Nur diejenigen Personen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Wählerliste ausgenommen sind.
Die Abgrenzung der 8 Wahlbezirke wird demnächst näher bekannt gemacht werden.
Hanau den 27. April 1898. ,
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 6671
DienstnachriHten aus dem Kreise.
Verloren: Eine silberne Damenremontoiruhr. Ein Steigbügel. Ein Theil von einem goldnen Bleistift.
Entflogen: Eine französische Täubin, fahl, weiß geherzt, mit rothen Leisten.
Zugelaufen: Eine schwarzbraune Dachshündin mit Halsband, darauf eine Platte mit dem Zeichen 5 l; Empfangnahme beim Jagdaufseher Weber zu Bruchköbel.
Gefunden: Eine Serviette.
Hanau am 17. Mai 1898.
T K g s s s ch K N.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Oldenburg", Kommandant Korvetten-Kapitäu mit Oberstlieutenants-
rang Wahrendorff, am 14. Mai in Lissabon angekommen und beabsichtigt, am 23. Mai nach Tanger in See zu gehen; der Dampfer „Darmstadt" des Norddeutschen Lloyd mit der Ablösung für Ostasien, Transportführer: Korvetten-Kapitän Reincke, ist am 14. Mai in Port Said angekommen und ! beabsichtigte, am 15. Mai nach Suez wieder in See zu : gehen.
Frankreich. Das amtlich festgestellte Ergebniß des ersten Wahlganges ist folgendes: 401 Abgeordnete sind end- giltig gewählt; in 179 Wahlkreisen erfolgt ein zweiter Wahlgang, das Ergebniß der Wahl auf der Insel Röunion ist noch unbekannt. Von den endgiltig Gewählten sind 215 Regierungsrepublikaner; einschließlich der Bekehrten 110 Radikale und Radikal-Sozialisten; 20 reine Sozialisten; 39 Monarchisten; 17 sind Boulangisten unter den drei verschiedenen Bezeichnungen von Nationalisten, Revisionisten, Antisemiten und Christlich-Sozialen.
Preußischer Landtag.
Herrenhaus.
(Sitzung vom 16. Mai.)
Das Herrenhaus berieth heute über die beiden Gesetzentwürfe, betr. das Dienst einkommen der evangelischen und der katholischen Pfarrer. Die Kommission beantragt, den Gesetzentwurf in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung anzu- nehmen, sowie verschiedenen Rosolutionen zuzustimmen, in denen die ; Erwartung ausgesprochen wird, 1. daß die Staatsregierung denjenigen evangelischen Kirchengemeinden, die außer Stande seien, die nothwendigen Ausgaben sofort zu bestreiten, die fehlenden Beträge vorschußweise gewähren werde; 2. daß der auf die Landeskirche der acht älteren Provinzen entfallende Antheil von den im Artikel 3, Abs. 2 bezeichneten 300 000 Mk. behufs Ausgleichung der sich etwa ergebenden Prägravationen einzelner Konsistorialbezirke zu späterer Verwendung Vorbehalten werde; 3. daß die §§ 12, 13, 14 des Kirchengesetzes, betr. das Diensteinkomwen der evangelischen Geistlichen in den älteren Provinzen mit aller Schonung und Vorsicht ausgeführt und die in den nächsten drei Jahren gemachten Erfahrungen einer nach Ablauf dieser Zeit einzuberufenden Generalsynode zur Beseitigung der Mängel und Schwierigkeiten vorgelegt werden.
Graf v. Klinckowstroem und Herr v. Schöning haben einen Abänderungsantrag zu dem Gesetzentwurf, betr. das Diensteinkommen der evangelischen Pfarrer, in Gestalt eines neuen Gesetzentwurfs eingebracht, in dem bestimmt wird, daß zur besseren Dotir- ung der evangelischen Landeskirche bis zur Verabschiedung eines allgemeinen Kirchengesetzes jährlich ein Betrag von 6 508 903 Mk. aus ! Staatsmitteln bereitgestellt werden soll.
In der Generaldebatte wird über die Gesetzentwürfe selbst, über die erste Resolution und den Abänderungsantrag berathen. Graf v. Klinckowstroem gibt dem Bedauern Ausdruck, daß eine so wichtige Vorlage auch diesmal, wie schon so oft, erst kurz vor Thoresschluß an das Herrenhaus gelange. Allgemein werde anerkannt, daß die Geistlichen sich in einer Nothlage befänden, ebenso allgemein aber auch, daß das vorliegende Kirchengesetz erhebliche Mängel und Bedenken enthalte. Es frage sich nur, ob man diese zurückstellen könne, um das Gesetz zu Stande zu bringen. Seine Bedenken richteten sich hauptsächlich gegen die Bildung der Alterszulagekassen und den Uebergang der Pfründen auf die Gemeinden. Die Stellung des
Geistlichen werde dadurch auf das Tiefste erschüttert. Aus diesem Grunde könne er nicht für das Gesetz stimmen. Um aber den bestehenden Nothstand zu beseitigen, habe er seinen Antrag eingebracht; wenn dieser formal oder inhaltlich Mängel zeige, so liege dies ebenfalls an der Kürze der Zeit, die den Antragstellern zu seiner Formu- lirung geblieben sei. Diese Mängel würden sich aber beseitigen lassen.
An dieser Stelle wird die Verhandlung vom Präsidenten Fürsten zu Wied unterbrochen, der das Wort dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten Fürsten zu Hohenlohe ertheilt. Dieser verliest eine Allerhöchste Botschaft, wonach der gegenwärtige Landtag am 18. d. Mts geschlossen werden soll und beide Häuser aufgefordert werden, an diesem Tage 11 Uhr vormittags im Königlichen Schlöffe zu- sammenzutreten.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung tritt Kultusminister Bosse den Bedenken gegen die Vorlage entgegen, insbesondere dem schwerwiegendsten Einwande, daß der Uebergang der Pfründenver- Waltung auf die Gemeinden einen Rechtsbruch darstelle. Er halte es für undenkbar, daß das Herrenhaus aus kirchlichen Motiven einer Vorlage nicht zustimmen werde, die von der Vertretung der evangelischen Kirche genehmigt sei. Lehne das Herrenhaus wirklich den Gesetzentwurf ab, so sei auf absehbare Zeit eine Beseitigung der kirchlichen Nothlage ausgeschlossen Der Antrag des Grafen von Klinckowstroem mache ja den Versuch, ein Provisorium zu schaffen, und zwar mit noch nie dagewesener Liberalität, aber er halte diesen Weg für nicht gangbar, schon aus dem Grunde, weil bei Fortfall der Alterszulagekassen die sechs Millionen bei Weitem nicht ausreichen würden. Für die Staatsregierung sei der Antrag unannehmbar. Professor Beyschlag spricht sich als Mitglied der Generalsynode und des geistlichen Standes für die Vorlage aus, die geeignet sei, die Nothlage der Geistlichen zu beseitigen. Anfänglich habe man dem Gesetzentwurf mit großem Mißtrauen gegenübergestanden, aber dieses Mißtrauen habe sich mehr und mehr in eine tiefe Dankbarkeit verwandelt Graf v. d. Schulenburg-Beetzendorf bekämpft die Vorlage, weil sie die historische Entwickelung des Pfründenwesens umstoße und die Gemeinden neu belaste, und empfiehlt die Annahme des Antrags Klinckowstroem. Professor Reink e erklärt sich dem gegenüber für den Gesetzentwurf, der auch vom Geh. Oberregierungsrath Schwartzkopff durch Beibringung von Zahlenmaterial über die thatsächliche Verwaltung der Pfründen unterstützt wird. Fürstbischof K v p p erkennt an, daß der Gesetzentwurf die Mittel nicht ällzn karg bemesse und die Ausführung in kirchliche Hände lege. Der Episkopat sei bereit, am Zustandekommen der Vorlage mit- zuwirken, die ein großes Maß von Wohlwollen zeige; die Bedenken gegen das Gesetz beruhten auf einem gewissen Pessimismus. Dem Anträge des Grafen v. Klinckowstroem könne er nicht zustimmen, da ihm die kirchliche Autorität fehle, dagegen stimme er den Resolutionen zu und bitte um Annahme des Gesetzes. Herr v. Levetzow macht einige Bedenken gegen die Vorlage bezüglich der sechs östlichen Provinzen geltend, will aber im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes über diese hinwegsehen. Finanzminister Dr. v. Miguel erklärt diesen Standpunkt für den einzig richtigen und wendet sich gegen den Antrag des Grafen v. Klinckowstroem. der eine refor- matio in pejus darstelle und alles ins Ungewisse stelle. Daß die Vorlage hier solchen Bedenken begegnen würde, habe er nicht erwartet, Das Haus werde dem Staat und der Kirche den besten Dienst leisten, wenn es aufs Ganze sehe und Bedenken im Einzelnen zurückstelle. Präsident des Oberkirchenraths Dr. Barkhausen erklärt, daß auch er ursprünglich Bedenken gegen die Vorlage gehegt habe, doch seien diese allmählich beseitigt worden. Auch er hätte gewünscht, daß noch einige weitere Wünsche, z. B. nach Erhöhung des Minimalgehalts, erfüllt wären, aber man müsse auch so dankbar sein, da die Vorlage auch in ihrer jetzigen Form viele Vor-
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Fenilletsn.
Aus Deutsch-China.
Der bekannte Weltreisende Ernst v. Hesse-Wartegg schreibt der „Köln. Volksztg." aus Tsingtau (Kiautschou), 23. März: Tsingtau ist wohl der einzige Ort des Erdballes, der schon seit Monaten gegen 4000 Männer der weißen Race enthält und keine einzige „weiße" Frau. Selbst die Goldminen von Klondyke in der eisigen Polarregion von Alaska haben weibliche Einwohner aller europäischen Nationen, in Tsingtau aber dürste es noch Wochen dauern, bis die erste Repräsentantin des schönen Geschlecht ihren feierlichen Einzug hält. Ich sage absichtlich „die erste des schönen Geschlechts", denn die Gestalten der Chinesenweiber, die man zuweilen in den Straßen aus ihren Klumpfüßen einherhumpeln sieht, kann man doch wohl nicht zum „schönen" Geschlecht rechnen, das wäre übergroße Höflichkeit. Auch die Chinesinnen find hier seltene Erscheinungen, denn vor der Invasion der „rothhaarigen Teufel" war Tsingtau nur ein kleines vergessenes Nestchen mit ein paar Hundert Einwohnern, wovon die Hälfte Frauen. Im Laufe des Winters hat die Bevölkerung sich aber durch deu Zuzug von Tausenden männlicher Arbeiter vermehrt, so daß selbst unter den Chinesen auf je zwanzig bis dreißig Männer nur eine Frau entfällt. Was sollten auch die Chinesenfrauen hier in den kalten, dunkeln, feuchten Lehmhütten, in denen Dutzende von Männern wie Heringe zusammengepfercht wohne»? ' Die Männer hat der Erwerb hierher gelockt. Die „rothen Teufel" sind gute Zahler, sie „squenzen" nicht, d. h. sie machen bei der Auszahlung des Tagelohnes von 130 Cash, d. h. 35 Pfennigen, keine Abzüge, jeder Arbeiter findet Anstellung und, wie man von Klondyke sagt, daß die Straßen dort mit Gold ge
pflastert sind, so kann man von Tsingtau sagen, hier sind die Straßen mit großen durchlochten Broncemünzen gestaffelt. Allerdings kamen auch ein paar Chinesenweiber aus der Umgegend nach diesem neuen deutschen Emporium in China — leider! denn sie sind Opfer eines schändlichen Seelmhandels. den die Eltern als unumschränkte Gebieter über Wohl und Wehe ihrer Kinder mit ihnen treiben.
Die Polizeibehörde in Tsingtan vertritt ein stattlicher junger Lieutenant. Zur Sicherung des Verkehrs in den Hauptstraßen untersteht rhm ein Stab von drei Polizisten, Man erkennt sie leicht an den schwarz-wciß-rothen Lappen, die sie auf ihrer Kappe vnd auf dem linken Aerwel ihrer blauen Jacke tragen. Dieser Lappen allein verleiht ihnen Autorität. In dem ganzen Gebiete zeigt sich deutsche Ordnung und deutsche Reinlichkeit. Auf meinen früheren Reisen im Jvlande habe ich nirgends eine Stadt getroffen, in welcher die Häuser numerirt gewesen wären. In Tsingtau besitzt heute jedes einzelne Haus seine Nummer, die von der Regierung angekauften Häuser tragen ein kleines schwarzweiß-rothes Wappenschild neben der Hausihüre aufgemalt, die gemietheten Häuser, mit den Beamtenwohnungen, Aemtern u. s. w. eine schwarz-weiß rothe Scheibe. So sind sie leicht erkenntlich. Straßenbeleuchtung gibt es in China sonst nur in den größeren Städten, und auch dort sind es nicht die Stadtbehörden, sondern einzelne wohlhabende Bürger, welche eine Laterne opfern, oder die Bewohner einzelner Straßen einigen sich, um dieser Straße Beleuchtung zu geben. In Tsingtau stehen die Laternenpfähle schon längst, aber — die Lampen fehlen noch. Vielleicht nur weil es gerade Mondschein ist, und bekanntlich ist Sparsamkeit auch eine der deutschen Tugenden. Dem Polizeibureau unterstehen auch selbstverständlich die Hotels, Wirthshäuser und Vergnügungslokale der Hauptstadt von Deutsch-China.
Von Hotels ist vorläufig nur eines vorhanden. Es führt den stolzen Namen „Hotel Kaiser", hat aber keine Zimmer zu vermiethen. Der Inhaber ist ein spekulativer Chinese aus Shanghai, der in der Hauptstraße des Ortes ein Chinesenhaus gemiethet hat. Der freundlich grinsende Inhaber hat bereits Deutsch gelernt. „Ik sabe deutsch“, sprach er mich unter tiefen Verbeugungen an. „Gobenol at. gebene pamischu open Otel, kommen Sie, luksi, no habe pisi man, no habe dima, bei an bei/ Da diesen spanisch-englisch-deutsch-chinesische Dialekt von jedem deutschen erheblich verschieden ist, will ich die deutsche Uebersetzung dieses Deutsch gleich beifügen: „Ich kann deutsch: der Gou, verneur hat mir Erlaubniß gegeben, ein Hotel zu eröffnen, kommen Sie, besehen Sie eS; ich habe noch keinen Gast weil ich keine Zimmer habe aber nach und nach." Was im Hotel Kaiser irgendwie an ein Hotel gemahnen könnte, das ist ein kleines ganz behagliches Wirthsstübchen im Hinter- hause, mit moderner europäischer Einrichtung. Auf dem Kaminbretle stehen batterieweise Münchener und Pilsener Bier) Gin und Wisky, aber vor der Hand fehlt noch das pisi man, das „Stück Mann", um sich an diesem Nektar zu laben. Die Soldaten des Seebataillons haben tagsüber zu viel zn thun mit der Erbauung der Stadt; nm 7 Uhr abends muß jeder Mann in der Kasenre sein und um 9 Uhr im Bett. Nur wenn von den Kriegsschiffen Matrosen nach der „Stadt" auf Urlaub kommen, geht es in den Kneipen lustig zu. Am bevorzugtesten unter bett letzteren ist die „Zauberflöte" und „Zum Riffpiraten", kleine, sich nach der Straße öffnende Chinesenstübchen mit hohen Schenktischen, hinter^ denen die langbezopften Söhne Asiens ihre Genüsse
In der Hauptstraße von Tsingtau befirbet sich wohl in Hebem zweiten Hause irgend ein Kaufladen oder