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Samstag ÄU 15. Oktober «aanmaMHBiBsaffiramsßMMR^^ ■ AMaM^N«ms»El^
1898
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AmMch-s.
^attö&re 10 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Landtagswahl betreffend.
@8 wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebrecht, daß die Abtheilvngslisten für die bevorstehenden Abgeordnetenwahlen vom Landkreise Hanau in der Zeit vom 17« bis einschließlich 19. -. M. zur Einsicht der Betheiligten öffentlich ausliegen und zwar
1) für den ersten Urwahlbezirk: Windecken, auf der Bürgermeisterei daselbst,
2) für den zweiten Urwahlbezirk: Bergen-Enkheim (a., b. u. c.), auf der Bürgermeisterei in Bergen,
3) für den dritten Urwahlbezirk: Bischofs heim, auf der Bürgermeisterei daselbst,
4) für den vierten Urwahlbezirk: Bruchköbel, Kinzig- heimerhof und Neuhos, aus der Bürgermeisterei in Bruchköbel,
5) für den fünften Urwahlbezirk: Dörnigheim, auf der Bürgermeisterei daselbst,
6) für den sechsten Urwahlbezirk: Eichen und Erbstadt, auf der Bürgermeisterei in Eichen,
7) für den siebenten Urwahlbezirk: Fechenheim (I, II u. III), auf der Bürgermeisterei daselbst,
8) für den achten Urwahlbezirk: Gronau, Niederdorfelden, Dottenfelderhof und Gronauerhof, auf der Bürgermeisterei in Gronau,
9) für den neunten Urwahlbezirk: Großauheim (a. u. b.), auf der Bürgermeisterei dasilbst,
10) für den zehnten Urwahlbezirk: Großkrotzenburg, auf der Bürgermeisterei daselbst,
11) für den elften Urwahlbezirk: Hochstadt, auf der Bürgermeisterei daselbst,
12) für den zwölften Urwahlbezirk: Hüttengesäß und Neu- wiedermuß, auf der Bürgermeisterei in Hüttengesäß,
13) für den dreizehnten Urwahlbezirk: Kesselstadt und Philippsruhe, auf der Bürgermristerei in KesselstaU,
14) für den vierzehnten Urwahlbezirk: Kilianstädten und Oberdorfelden, auf der Bürgermeisterei in Kilianstädten,
15) für den fünfzehnten Urwahlbezirk: Langendiebach (I und II), aus der Bürgermeisterei daselbst,
16) für den sechszehnten Urwahlbezirk: Lanzenselbold (I, II und III), auf der Bürgermeisterei daselbst,
17) für den siebzehnten Urwahlbezirk: Marlöbel, auf der Bürgermeisterei daselbst,
18) für den achtzehnten Urwahlbezirk: Mittelbuchen, auf der Bürgermeisterei daselbst,
19) für den neunzehnten Urwahlbezirk: Roßdorf und Butterstädterhöfe, aus der Bürgermeisterei in Roßdors,
FenMetsir
AuS Kunst und Leben.
Ueber die Geleitslöffel und Geleitsbücher aus Seligenstadt. Der „Verein für Geschichte und AlterthumS- tunde in Frankfurt eröffnete am Donnerstag seine Winter- saison mit einem Vortrage des Herrn Dr. Ouilling über die Geleitslöffel und Geleitsbücher aus Seligenstadt. Wie der Vortragende früher schon im Verein ausgeführt hat, sind Hinterlassenschaften deS zum Franlfurter Meßgelcit gehörigen Löffel-Orvens in das Frarkfurter Museum gelangt. Es handelt sich zunächst um daS Prachtexemplar eines Löffels, den die Neulinge mit einem Zuge zu leeren hatten; dazu gehören sogenannte Löffelbücher, in die sie sich einschrieben. Zwei solcher Bücher, deren Eintragungen vom Jahre 1724 bis heute reichen, sind neuerdings durch Schenkung eines hiesigen Privaten ebenfalls dem Museum übergeben worden. Ihr Inhalt läßt sich nunmehr zum ersten Male überschauen. Die Veranlassung der Seligenstädter G-pflogenhert rft im Allgemeinen bekannt: Der Zug zur Frankfurter Messe, dessen Schutz durch die Unsicherheit der Straßen nothwendig geworden war, ging von Augsburg und Nürnberg mch Würz- burg, Miltenberg, Aschaffenburg bis Seligenstadt; hier trafen die Geleitsreiter von Frankfurt ein und übernahmen die deckung. In Seligenstadt blieb man über Nacht, um andern Morgens frühzeitig wieder aufzubrechen. Aber nicht immer ging das glatt von Starten; denn da am Abend sich zur Begrüßung ein solennes Gelage zu entwickeln pflegte, waren die Köpfe der Betheiligten oftmals zu schwer geworden, um die
20) für den zwanzigsten Urwahlbezirk: Oke issizheim, Niedcrissigheim und Baürsröderhof, auf der Bürgermeisterei in Oberissigheim,
21) für den einuntzwanzigsten Urwahlbezirk: Niederroden- bach, auf der Bürgermeisterei daselbst,
22) für den zweiundzwanzigsten Urwahlbezirk: Rüdigheim, Ravolzhausen vnd Rüdigheimerhof, auf der Bürgermeisterei in Rüdigheim,
23) für den dreiundzwanzigsten Urwahlbezirk: Oberroden- bach, Pulverfabrik und Wolfgang, bei dem Gutsvorsteher Neureuther zu Pulv rsabrik,
24) für den vierundzwanzigsten Urwahlbezirk: Ostheim, aus der Bürgermeisterei daselbst,
25) für den fünfundzwanzigsten Urwahlbezirk: Rückingen, auf der Bürgermeisterei daselbst,
26) für den sechsundzwanzigsten Urwahlbezirk: Wachenbuchen, Wilhelmsbad und Wilhelmsbaderhof, auf der Bürgermeisterei in Wachenbuchen.
Einsprüche gegen die Listen können während der oben genannten Frist an den genannten Stellen angebracht werden. Hanau am 13. Oktober 1898.
Der Königliche Landrath
V. 11056 v. Schenck.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher erinnere ich hiermit an meine Verfügung vom 18. September v. Js., V. 9340, betreffend die am 15. d. Mts fällig- Einsendung des Verzeichnisses der gewerblichen Anlagen.
Hanau am 13. Oktober 1898.
Der Königliche Landrath
V. 11102 v. Schenck.
DimstHachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Fahrradsatteltasche, Empfangnahme bei dem Herrn Bürgermeister zu Bischofsheim. Eine Säbeltasche.
Hanau am 15. Oktober 1898.
«Maöt&rei0 ^anau.
AirDWchWW H Oßerbürgermeisteramtes Verzeichnis
der Wahllokale und Wahlvorsteher etc.
für die Landtagswahl am 27. Oktober 1898 in der Stadt Hanau.
I. Urwahlbezirk: Gärtnergosse, Nebengasse (Neustadt),^ Französische Allee, Hahnengasse.
M»IKfflSi^
Weiterreise zu vertragen. Im Geiste jener Zeit lag eine kräftige Ausbildung dieser an und für sich erfreulichen Noblesse des Willkomms: schon »egenEnde des siebzehnten Jahrhunderts hatten sich förmliche Kneipereien in Seligenstadt entwickelt, es bildeten sich Trinke, orden und Kneipgesellschaften mit einer Art studentischen Komments, es entstand das „Löffeltrinken". In den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts stifteten Nürnberg und Augsburg je einen Löffetorden; das Versammlungslokal des ersteren war im „Riesen", das deS letzteren im „Wolf". Der Nürnberger Löffel, den das Frankfurter Museum besitzt, ist vielleicht schon um daS Jahr 1700 gestiftet, obwohl die Ansichten der Kunstverständigen darüber auseinan, dergehen. Ein zweiter (der Augsburger) Löffel befindet sich im Privatbesitz zu Seligenstadt. Unser Exemplar ist 75 Zentimeter lang und ist an einer 1 Meter großen weitgliederigen Holzkette befestigt, die dem trinkenden Novizen um den Hals gelegt wurde; der Löffel faßt etwa einen Liter Wein. Dieser mußte ausgetrunkin werden, sonst wurde der Delinquent „gehänselt". (Bekanntlich geschah dieses Hänseln unter Ausübung ganz ausgesuchter Rohheiten.) So zeigen auch die Löffelbücher den Titel: „DaS hochlöbliche Geleits und Hänsel- buch." Den AugSburger Löffel begleiten heute noch vier Löffelbücher; von dcm Frankfurter ist das älteste, wie es scheint, verloren oder doch noch unermittelt (es begann 1699 und reicht bis 1724, eine Spur seines früheren Daseins führt nach Oppenheim am Rhein. Aus der Notiz eineS Nürnberger Advokaten Namens Göhring ergab sich alsbald, daß die seitherige Annahme, der Löffelorden sei erst 1724 entstanden, unrichtig ist; denn jene spricht von dem „1699 eingeführten löblichen Orden". - — Die Einttagungen in die Löffelbücher wurden von jedem Trinkenden verlangt und sind naturgemäß
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 16 Seiten.
Wahlvorsteher: Herr Bissinger, Konrad, Bij.-Fabrikant, Stellvertreter: Herr Zeh, Heinrich, Etuissabrikant.
Wahllokal: Mädchenschulhaus an der Bebraer Bahnhoffiratze, Schulzimmer, südlicher Eingang.
Zahl der Wahlmänner: 6, und zwar für jede Abtheilung 2. H. Urwahlbezirk: Schützengasse, Kirchgasse, Nürnbergerstr. Wahlvorsteher: Herr Metzler, Ferdinand, Rentner, Stellvertreter: Herr Fritz, Jakob, Kaufmann.
Wahllokal: Mädchenfchnlhans an der Bebraer Vahnhofstraße, Schulzimmer, nördlicher Eingang.
Wahlmännerzahl: 6, jede Abtheilung 2.
III. Urwahlbezirk. Ballplatz, Altgaffe, Marktplatz, Römerstratze, Salzgaffe, Paradiesgaffe.
Wahlvorsteher: Herr Ott, Heinrich, Kaufmann, Stellvertreter: Herr Nicolay, Martin, Rentner. Wahllokal: Ober Realschnle, Parterre-Zimmer.
Wahlmännerzatl: 6, jede Abtheilung 2.
IV. Urwahlbezirk: Krämerstraße, Langstraße. Wahlvorsteher: Herr Almeroth, Adolf, Kaufmann, Stellvertreter: Herr Jost, Heinrich, Kaufmann.
Wahllokal: Höhere Mädchenschule, Turnsaal. Wahlmännerzahl: 6, jede Abtheilung 2.
V. Urwahlbezirk: Mühlstraße mit vor dem Mühlthor, auf dem Sandeldämm, Paradeplatz (Neustadt), Philipp-Ludwigs-Anlage, Sterugaffe, Webergaffe, Wallwez.
Wahlvorsteher: Herr Bernges, Jean, Bauunternehmer, Stellvertreter: Herr Wörner, Jean, Maurermeister. Wahllokal: Schule am Johanniskirchplatz, Schal- zimmer, Eingang vom Hinteren Hofe. Wahlmännerzahl: 6, jede Abtheilung 2.
VI. Urwahlbezirk: Hospitalstraße (Neustadt), Leimengaffe Sanvgaffe, Hirschgaffe, Schnurgaffe.
Wahlvorsteher: Herr Maret, August, Kaufmann, Stellvertreter: Herr Zilg, A. I., Hosschloffermeister. Wahllokal: Ober-Realschule, Parterre-Zimmer. Wablwännerzahl: 6, jede Abtheilung 2.
VII. Urwahlbezwk: Rosenstraße, Kleinegaffe, Kölnische- passc, Fahrgaffe, Schäfergaffe, Steinheimerstraße.
Wahlvorsteher: Herr Hoffmann, Emil, Kaufmann, Stellvertreter: Herr Michel, Karl, Bijouteriefabrikant. Wahllokal: Alte Akademie (Nebengasse, Neustadt), Vorderhaus, 1 Treppe hoch. Wahlmännerzahl: 6, jede Abtheilung 2.
VIII. Urwahlbezirk: Lindengaffe, Hammergasse, Glocken- straße, Heumarkt (Neustadt), Frankfurterstraße, Lothringerstraße.
Wahlvorsteher: Herr Hoffmann, August, Etuisfabrikant, Stellvertreter: Herr Heintz, Heinrich, Kaufmann.
Wahllokal: Höhere Mädchenschule, Schulzimmer, rechts nach dem Hofe.
Wahlmännerzahl: 6, jede Abtheilung 2.
meist von dem Bemühen beseelt, humori''isch zu sein. Das gelingt nnr in wenig Fällen, und was der Vortragende von Proben daraus mittheilte, ste^t noch unter dem geringen geistigen Durchschnitts-Niocau solcher Wirthshans-Einttagungen, es erreicht nicht einmal die „Poesie" und den Humor unseres Feldbergbuches. Um die Mitte des Jahres 1724 findet sich der erste Eintrag des erhaltenen Buches wie folgt: „Daniel Richter (?) von Hanau bab' den Löffel au» gedrunken voll 1719t-.r Wein und ist Mir Co wohl drauff worden daß .... gantz ceßund und gerades Fußes nach Hause gekommen." Weiter folgende Eintragungm sprechen mehrfach von tem damaligen Riesenwirth, Urfchlaner, den sie mit wenig Witz und viel Behagen der Leibesbeschaffenheit und dem Durste nach schildern. Mainüberschwemmurgen, die Schlacht bei Deningen, ein Umwerfen der Geleitskutsche — ^Rs steht bunt durcheinander an uns vorüber. Ein Frankfurter Weinhändler, Peter Wüst, zur Zeit der Krönung Kaiser Karl VII., schreibt sich in französischer Sprache in das Buch ein und fügt bei, daß ihm der Marichall de Bellisle (als bessert Kellermeister er sich bezeichnet) die Auszeichnung verschafft habe, Frankfurter Bürger zu werden. Frankfurter Bürgerbücher erweisen die Richtigkeit dieser unwichtigen Thatsache, wobei sich ergibt, daß der Rath die Verleihung erst nicht zugestehen wollte. Die neuesten Eintragungen sind über alle Gebühr witzlos und nüchtern, sie eignen sich kaum zur Mittheilung. Sie reichen bis in die neueste Zeit; da aber Löffeltrunk und Löffelorden längst ihren Ritus verloren hatten, besaßen sie überhaupt keine weitere Berechtigung, als die einer geduldeten Unsitte.