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Amtliches Organ für HLsöt- unS LanSKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurück»»g>- gedShr
für Stadt- und &u* kreis Hanau 10 JJ He ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Ram», für AuSwärtS 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Nr. 187.
Samstag den 13. August
1898
Hierzu .Amtliche Beilage" Nr. 53
Steckbrief.
0. 73/98. Gegen den Maurerlehrling Thomas Peter, geboren am 13. Februar 1881 in Oberrodenbach, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Sachbeschädigung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften, in das nächste Gerichts gesängniß abzuliefern und Nachricht anher zu den Akten 0. 73/98 zu geben.
Hanau den 8. August 1898.
Der Königliche Erste Staatsanwalt.
I. V.: o. Shell.
11885
Dicusttiachrichtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Strumpfband und ein Geldstück. Ein grüner Knabenfilzhut.
Hanau am 13. August 1898.
Kaiserlicher Dank. Die sechs braven Bergleute von der Zeche „Kaiserstuhl" in Dortmund, die am 22. Dezember v. I. ihr Leben aufs Spiel setzten, um nach der grauenvollen Schlagwetter-Explosion ihre Kameraden zu retten, haben jetzt für diese muthige That den Dank des Kaisers in Gestalt von Ehrenzeichen erhalten. Die Rettungsmedaille am Bande erhielten die Steiger Heinrich Emde und Heinrich Putsch, auf der Brust zu tragende Erinnerungsmedaillen wurden den Aufsehern Wilhelm Dörnemann und Karl Heitbrede, sowie den Hauern Karl Becker und Josef Ulrich verliehen.
Das diesjährige Kaisermanöver wird eine Zusammenkunft von Fürstlichkeiten und höheren Offizieren zeitigen, wie solche wohl bisher noch nicht bei einer derartigen Gelegenheit dagewesen sein dürfte. Mit Rückstcht hierauf sind schon jetzt die großartigsten Vorbereitungen für den Kaiser- besuch und den der Kaiserlichen Gäste in der Ausführung begriffen. Ein Beamter des HofmarschallamtS aus Berlin hat sich nach Hannover begeben, um dort für die Kaiserlichen Gäste Quartier zu bestellen. Nach den getroffenen Dispositionen werden der Herzogregent Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, sowie elf hohe fremdherrliche Offiziere in Kastens Hotel daselbst wohnen, ferner der Erbgroßherzog von Oldenburg, der Erbprinz von Hohenzollern und das Kaiserliche Militärkabinet im Hotel Royal, und der Ober-
zeremonieumeister Graf Kanitz im Hotel Viktoria Unterkunft Präparaten behandelt sind, ist zu verbieten. 3. Schmalz finden. Außerdem wurden im Hotel Bristol und in darf nur als reines Schmalzerzeugniß vom Schwein (ohne Kontinental-Hotel zu gleichem Behufe eine ganze^Reihe von fiden Zusatz) ausgeführt werden. 4. Beschränkende Maß- Zimmern bestellt. Lors Lonsdale, der von der Segelregatta nahmen gegen die Einsuhr frischen Fleisches sind durch Reichs- in Cowes b> kannte Freund unseres Kaisers und Präsident gesetz für alle Stadt- und Landgemeinden gleichzeitig zu er- des Royal-Jachtklubs, der ebenfalls Einladung zur Theil- lassen".
nähme an den.Kaisermari öoern erhalten bat, wiro in Kastens § Ueber die Geflügelzucht in Deutschland find im Hotel logiren. Im Königlichen Schlosse zu Hannover da-i Anschluß an die letzte Viehzählung vom Dezember vorigen gegen wird, während der Anwesenheit des Kaiserpaares da- Jahres, welche sich zum ersten Male auch auf das Geflügel selbst außrr diesem nur noch der König von Sachsen mit den (Hühner, Gänse, Enten) erstreckte, noch weitere statistische Hofstaaten Wohnung nehmen. s Erhebungen angestellt worden, die einen bemcrkenswerthen
Ueber eilte bevorstehende Reform des Eisen-' S'^” ^ Thatsache liefern, daß in Deutschland der Ge- bahnpersonentarifs war von der „Voss. Ztg." eine Mit- flugelzucht und ihrer volkswrrthschaftlichen Bedeutung noch tbetlung verbreitet worden. Liese Nachricht wird von ders ^mer mcht entfernt dre genügende Beachtung zugewendet Zeitung deS V-reins deutscher Eisenbahnvnwalmng für un- - ™„ / den amtlichen Ermittelungen kommen auf 100 zutreffend erklärt. Es würde über den Gang der Verband- i bet Bevölkerung Zirka 11,6 Gänse, 4,8 Enten und Innren Stillschweigen beobachtet, bis unter den betherligten § ,Z'^. , ^chon die,e Zahlen ergeben, daß die heimische Regierungen endgillige Vereinbarungen getroffen sind. Unzu-; ' eslugelzucht den Bedarf des Inlandes an Geflügel, Eiern treffend ist nach dem genannten halbamtlichen Organ auch H?„ - etn o:$?fy auch fischt annähernd zu decken vermochte, die weitere Vermuthm-g der „Voss. Ztg.", wonach das Reichs- Q7^^bad aber ferner die Emfuhr von Rindvieh in den eisenbahnamt von den Velhanslungen zwitchen Preußen uvb ^?9ren JL896—97 dir Ausfuhr um um zirka 16,5 Millionen den übrigen Bu'-desstaalen überhaupt nicht berührt wird, und s , i n0^ be)onders zu erwähnen ist, daß sowohl
daß jene Verhandlungen unmittelbar von Regierung zu Re- ^ Ausfuhr wie auch die Einfuhr im Jahre 1897 einen gierung geführt werden. Thatsächlich haben bisher alle Be- ^"ilckgang gegen 1896 zeigte, weist die Einfuhr von Geflügel rataungen, die wegen der Reformfrage nöthig wurden, unter Produ.ten der Gerlugelzucht in denselben Jahren ein Leitung des Reichseisenbahnamts stattgefunden. Mehr von 10o beziehungsweise fast 130 Millionen Mark
!tzegen die Ausfuhr auf. Und außerdem zeigt die Einfuhr des , Erhöhung der ^leifchprelse. ^on den Schlach.ern Jahres 1897 gegen das vorangegangene Jahr den enormen in Berlin und Hambwg ist eine Erhöhung der Fleischpreise! Aufschwung von nahezu 20 Millionen, während die Ausiuhr an gekündigt worden. Ob diese Pren erh öhung, bemerkt dazu! in derselben Zeit noch um zirka eine Million Mark zurück-
^',Nordb. «agem. Ztg ", in dem Stande der Preise! von > gezaugen ist? Ueberhaupt wurden in den Jahren 1892 bis
Schlachtvieh einen ausreichenden Grund stndet mag dahin ^1897 durchschnittlich pro Jahr für mehr als 105 Millionen gestellt bleiben. Wenn aber für den Preisstand der Fleischer Mark an Geflügel, Eiern und Federn eingeführt, darunter
die vetermarpolizeiliche Sperrung der Grenzen allein verant- 1897 allein Eier für 85 7 Millionen Mark
wörtlich gemacht wird, so wird übersehen oder verschwiegen, daß das Anziehen der Preise von Schlachtvieh in den btzten Monaten keine Besonderheit von Deutschland ist, sondern zugleich in allen Ländern Europas eingetreten ist, und zwar ebensowohl in denjenigen, welche zur Deckung ihres Bedarfs auf Einfuhr vom Auslande angewiesen sind, wie Großbritannien, als in denjenigen, welche, wie Rußland, Schlachtvieh über den eigenen Bedarf Ausziehen und demzufolge solches ausführen. Gute, gesunde Waare bedingt jetzt auch jenseits der Grenze hohe Preise. — Eine große Schlächterversamm- lung in Hamburg verlangte die Oeffnung der Grenze für die Vieheinfuhr, nahm hingegen betreffs der Einfuhr von Fleisch- waaren folg-nde Resolutionen an: 1. Die Einfuhr von Wurst und Büchsenfleisch aus dem Auslande ist zu verb eten. 2. Die Einfuhr von Fleisch, Speck und Schinken, die mit Borsäure, Salicylsäure, Formal in und and-ren chemischen
1897 allein Eier für 85,7 Millionen Mark.
ArrB Eisdi SMH LKWdk?>M ^««eHi., '»4h«»ck öftrer SsbekarrikÄ s» mir Q^.ms^^r ^ L« '
ö^ Infolge eines Defekts unserer Maschine kann die heutige Nummer des „Anzeigers" nicht zur festgesetzten Zeit erscheinen, was wir zu entschuldigen bitten.
* Fernsprechwesen. Am 10. August ist in FlöcS- Heim eine Stadtfernsprecheinrichtung eröffnet und der V rkehr mit Hanau rüge lassen worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespäch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt 25 Pfinnüe.
* Prozeß. Dir Stadt Hanau wild beim Oberver- waiturgsgelicht die Frage zur Entscheidung bringen, ob der
Fenilletsi,
Gin zeitgemäßes Wort an unsere Gesangvereine !
Hanau, 13. August.
Wenn wir auf dem Gebiet des Männergesanges Umschau halten, so ist hervorzuheben, daß in letzt verflossenen Jahrzehnten die Leistungen der Vereine bessere geworden sind. In dem Streben nach gesanglicher Vervollkommnung ist ein nicht zu unter schätzendes Mittel, leistungsfähige Gesangvereine zu hören, um den Geschmack zu bilden, und um dann in eigenen Kreisen anregend und veredelnd auf gesanglichem Gebiete thätig zu sein. Von diesen Gesichtspunkten haben sich mit der stets wachsenden Pflege des Männergesanges seit geraumer Zeit die Gesangcsfeste, Gesangweltstreite rc. bei uns eingebürgert.
Nun ist es freilich in manchen Kreisen vielfach Sitte geworden, auf diese Feste mit vornehmem Mitleide herabzublicken oder dieselben gänzlich zu meiden und zwar geschieht dies nicht ohne Grund.
Es ist nämlich eine stete und häufige Klage neuerdings über die schlechte, weichliche Geschmacksrichtung unserer Zeit. Die Auswahl von Liedern erstreckt sich eineslheils aus solche, die wohl auf Effekt berechnet sind, aber des in neren Werthes vollständig entbehren; andern- theils sind es Lieder, die dem alten Volksliede mit seiner tiefen Empfindung nachgeahmt sind, aber keineswegs diesem gleich kommen. Nur zu häufig werden auch Gesänge in den Mittelpunkt der gesanglicher. Tharigkeit gestellt, die zu große technische Schwierigkeiten bieten und darum von gar manchem Gesangvereine nur mangelhaft auSge-
führt werden können. Die Zeit, die auf Einübung solcher Lieder verwandt wird, wäre weit besser zu verwerthen.
Die Klage über schlechte verweichlichte Geschmacksrichtung muß verstummen, wenn man zunächst bei unserer ausgedehnten Männerchorliteratur gründlich Umschau bält und nur solche Lieder wählt, denen der ictreffer.be Verein je nach seiner Fähigkeit in jeder Beziehung gewachsen ist. „Prüfet alles, das Beste behaltet!" muß bei Auswahl von Chören maßgebend sein! Zum andern möae das Mahnwort gelten, unserer trefflichen älteren Tondichter mehr Beachtung zu schenken und deren Werke nicht der Vergessenheit verfallen zu lassen. Die vortrefflichen Chöre eines Mendelssohn, Beethoven, Mozart, Rictz, Bruch, Marschner, Zöllner-, Schubert, Schumann, Weber, Kreutzer und noch so vieler anderer Meister tragen den Stempel ter Gediegenheit und verfehlen den tiefsten Eindruck auf den Zuhörer nicht.
Endlich findet das eigentliche Volkslied in den Kreisen so vieler Sänger noch zu wenig Beachtung. Die einfachen Melodien und Harmonien befriedigen nicht, wiewohl ein „Volkslieds g u t vorgetragen, den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck ausübt, wie jeder Sänger aus eigner Erfahrung bestätigen kann.
Artikel vorn 9. August er., betitelt: „Eine Mahnung an das singende Rbeinland".
Man schrobt uns aus Köln, 8. August: Der Sommer ist im fröhlichen Rheinlande so recht die Zeit der Gesangwett st reite und er wird tu den letzten Jahren weit mehr dazu benutzt, als dies in früheren Jahren der Fall war. Leider haben die meisten Gesangvereine jedoch außer Acht gelassen, daß es in der Hauptsache ihre Aufgabe sein soll, die Volkslieder mit Sorgfalt zu pflegen.
Wenngleich in unserer Vaterstadt die Silcher'schen Volkslieder mehr oder weniger Eingang gefunden baden, so ist das Mahnwort in wer wieder cm Platze: „Vergißt cuern Silcher nichtund dürste auch über unsere Stadt hinaus ein Echo finden. Das Volkslied bezw. der Dolksgesang ist die eigentliche Domäne des Mänvergesanges und gewiß der Zukunftsgesang unserer Vereinet
Daß auch in anderer, Gegenden, besonders bei Gesangs- wettstreiten ähnliche Erfahrungen gemacht und mahnende Worte an die Sänger und Dirigenten von berufener Seite gerichtet werden, beweist ein der „Franks. Ztg." entnommener
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltungsblatt 12 Seiten.
Schon vor längerer Zeit machte gelegentlich eines iu Aachen stattgehabten Festivals der Mustkreferent und Redakteur des dortigen Volkefreur.ds, Koerver, daraus auch aufmerksam, daß die meisten Gesangvereine über ihr Ziel weit hinausgwgen und daß sie sich an technisch schwierigen Liedern abmichren während sie das Volkslied und das volksttzümlinche Lied vn beachtet ließen und trotz oller schwierigen Kompositionen nich- den rechten Beifall fänden. Die einfachen Lieder, touschön, tont ein und tadellos vorc etragen, sei für die Männergesangvereine mit kleiner Mitglieder zahl auch aus Konkursen ein dankbare, Erfolg versprechende Aufgabe. Dieselbe Beobachtung ist vor einigen Tagen hier in Köln bei Gelegenheit eines großen Gesangwettstreites gemacht worden. Einer der Preisrichter, Musikdirektor Schröter aus Düsseldorf, schreibt nämlich dem Kölner Tageblatt über seine Wahrnehmungen also: „Wenig angenehm berührt der Umstand, daß auf den meisten Gesangskonkursen die trefflichen älteren Tondichter gar keine Berücksichtigung mehr finden. Auch in Köln gelangten Werke von M e n d c l s s o h n, S ch u m a n n, M a r s ch n e r, Schubert, H e r b e ck und anderen Meistern nicht zur Darstellung. Dagegen wurden die technisch äußerst schwierigen und der Leistungsfähigkeit der Säuger meist nicht angemessenen Chöre: „Der Todten vom Iltis" von Curti, „Der Mumwelsee" ton W. Decker, „Todtenvolk" und „Rud. von Werdenberg" von Hegar gesungen. Man übt damit