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Hanaun Anzeiger

12. Dezember

Mittheilungen" he: aus, die über die betheiligten Kreise hinaus Beachtung verdienen. Die soeben erschienene Nummer, welche dem Andenken Bismarcks gewidmet ist, zeigt wieder die gewohnte geichmackvolle Ausüot-ung und einen reichen Inhalt. Das Titelblatt trägt das Bildniß des Fürsten Bis- marck, wählend der Text mit d.r Beich eibung der Bismarck- Ehrung des Vebaudes beginnt. Von allgemeinem Jneresse sind die frisch geschriebenen, mit hübschen Jllusnaliontn ver­sehenen Aufsätze über die ersten Kriegsfreiwilligen in Jena, über die Feldpost, sowie über die Kriegsfreiwilligen von 1813, 14, 15. Eine Schilderung desLulu*, des mit dem Leibhusaren Regiment mitgelaufenen, vor Orleans gefallenen Jungen, Kriegserinnerungen eines 64 r8, kurze Notizen und zahlreiche Verbands-Mittheilungen füllen den Rest der 32 Seiten starken Nummer. Bismarcklisteratur-Sammler machen wir auf diese Bismarck Nummer, welche im Kommissionsver­lage von Otto Drehwitz, Berlin N ( Monbijouplatz 10, zum Preise von 1,00 Mark zu haben ist, aufmerksam.

Die Leidensgeschichte fünf Schiffbrüchiger. In Q«eenstow« an der irischen Küste landete das norwegische HandelsschiffGyller", das den Kapitän und vier Mann des bei Florida untergegangenen Safir* ausfischte, nachdem die Unglücklichen zwei Ta e und zwei Nächte, an eine Planke geklammert, auf hoher S'e zug.bracht hatten. Der Zimmer maun des gesunkenen Schiffes Thor Samuelsea aus Stavanzer, der sich noch an Bord deSGyller^ befand, während man seine Leidensgenossen schon in Charlestoa und St. Michaels an Land gesetzt hatte, erzählt eine grausige Geschichte von den entsetzlichen Qualen, denen er und die übrigen Geretteten au r gesetzt waren, ehe sie von dem Norweger ausgenommen wurden. DerSafir* verließ Pensacola, um sich mit einer Ladung amerkani cher Theerfichten nach dem Riser Plate zu begeben. »Wir waren erst kurze Zeit auf See/ berichtete Samuelsen,als ein furchtbarer Orkan losbrach, der unser Schiff nach längerem vergeblichen Kampfe buchstäblich zum Kentern brächte und uns all: dem in furchtbarer Aufregung befindlichen Element überlieferte. Ein T >eil der Mannschaft sank Dir unsern Äugen in die Tiefe; einige »ersuchten auf dem roch schwimmenden Sch ffsrumpf Halt zu sinnen, doch wur en sie augenblicklich wieder heruntergewaschen. Unsere furchtbare 8*ae wurde durch die wild umhertreibeuden A-ack- stücke und Besimidtheile d r £ahlabung noch bedeutend ver schlimmen. Mehrere Mann erlitten io tchwere Versttzungm, daß sie den Kar pf mit den Wozen aufgeben mußtm; anderej wurden auf der Stelle getö tet. Dem Kapitän, zwei Kame­raden und mir gelang es, eins der Boote zu entdecken, doch ®nr»en wir viermal herausgeschleud.rt, und das letzte Mal zerbrach das -Fahrzeug wie eine Streichholzschachtel. Nun mufften wir uns wieder durch Schwiumen ükr Ärffer zu halten fnchen. Bald verschwand ein r nach dem enderen, und zuletzt blieben unsere nur noch fütu. In der höchsten Noth entdeckte» wir eine Schiff-planke, an die mir uns f-stklammert-N. Beinahe 40 Stunden rriebm wir so auf dem Meere umher. Als endlich die Rettung in Gestalt der BarkeGyller" nahte, Waren ww am Ende unitur Kräfte; rmr hätte« e8 sicher teire St«nle mehr auLgehalleu."

Die J«ngfra«en von St. Gallen scheinen dar Herr auf oem rechten Fleck zu hab n uns »rcht auf den Mund gefallen zu sein. Ja St. Gallen war kürzlich eine Klage darüber müsset tlickt worden, daß so manche Märchen Sonn» tag Abends die Wirtrschaften besuchen und gleich Männern dort sich gütlich thun. Das ge^ aeg n die Mädchenwürd«

und setze ihre Ehre Gefahren aus. Darauf entgegnen nun die Jungfrauen am Rhein in einer öffentlichen Erwiderung; Als Angegriffene erwidern wir kurz und bündig, daß wir uns ksine Vorsch iften machen lassen, und daß unsere Sitt- samkeit in Gegenwart solcher Leute, wie unsere Angreifer zu sein scheinen, mehr gefährdet ist als ohne sie. Wmn im Wirthshaus so große Gefahren sind, warum werden diese von den Männern so fleißig besucht, und warum sitzen sie so lange darin, bis sie auf ihrem oft recht krummen Heimwege stolpern oder von Nachtbuben heimtransportirt werden müssen? Dir betrachten es deshalb als unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dH immer mehr Personen unseres Geschlechtes ins Wirths­haus gehen, ja sogar alle Wirthshäuser mit Mitgliedern unseres Geschlechts »ollzupfropfen, daß keme sogenannten Herren der Schöpfung mehr Raum darin finden, uxb MB so lange, bis die Männer sich an irgendwelche Sparsamkeit ge­wöhnen. Dann aber werden auch wir rotier zu der uns angeborenen Sparsamkeit freiwillig zurückkehren."

Gchiffsbericht.

Bremen- 9. Dezbr. Der Dampfer des Norddeutscher Lloyd «Saale" ist gestern in New-Dork eintetroffen.

Drahtuachrtchtcu des ,Han. ÄaV'

Berlin, 12. Dezbr. Der Kaiser empfing gestern Mittag halb 1 Uhr das Präsidium des Reichstages. Beim Will­kommen reichte der Kaiser den drei Herren die Hand. Er sprach sich zunächst erfreut über den Verlauf uno über den Schluß der Sitzung aus, in welcher das Präsidium des Reichstages konstituirt wurde. Dann ging der Kaiser auf die internationale Situation ein. Er betonte, obwohl Deutsch­land mit allen in Betracht kommenden Mächten auf fried­lichem um freundschaftlichem Fuße stehe, fei doch große Auf­merksamkeit erforderlich, was ja auch jeder Laie einsehe und sei es deßhalb nothwendig, die vorgeschlagenen Vervollkomm- n«»gen und Ergänzungen der Armee herbeizuführen. Was »orgeschlazen sei, wäre freilich wmig, aber er hätte zur Schonung der Ste»erkraft des Landes nicht mchr vorschlagen lassen. Dann sprach der Kaiser mit Befriedigung von seiner Palästinarcise, worauf Graf Ballestrem dem Monarchen die Glückwünche zu dem glücklichen Verlauf der Reite namens bei Reichstages aussprach. Am Schluß der Audienz, welche drei Viertelstunden dauerte, reichte der Kaiser den Herren wiederum die Hand. Dann wurde das Präsidium von der Kaiserin empfangen, welche gleichfalls von der Palästinareise sprach und sich bei ^eitn von Frege nach der sächsischen Köniosfamilie erkundigte.

Berlin 12 Dezbr. Aus Paris meldet dasKleine Journal : D w Befehl zur Haftentlaffung Picquarts rst gestern unterzeichnet worden. Dieselbe steht unmittelbar bevor.

Berlin, 12. Dezbr. Die Einweihung der Trinitatis- kirche in Eyarlottcnburg fand gestern Vormittag im Beisein des Kaiserpaares statt.

Heilbronn, 12. Dezbr. Ein anscheinend irrsinniger Arbeiter verletzte zwei Kameraden lebensgefährlich, weil er glaubte, dieselben seien an seiner Krankheit schuld. Er erschoß sich dann selber.

Wien, 12 Dezbr. Die christlich-soziale Partei beschloß, sich aa der Obstruktion der Linken im Abgeordnetenraufe nicht zu beteiligen, sondern eine abmartenk Haltung einzu- nehmeu. Dageg-n beschlossen die Socialisten, gegen jede weitere Obsiruktion »nergitch Front tu machen.

Wien, 12. Dezbr. In der gestrigen Konferenz sämmt­licher Oppositionsparteien wurde der Beschluß gefaßt, im ganzen Lande ein Protest-Manifest gegen das Vorgehen der Regierung zu verbreiten und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln den Kampf gegen die Regierung fortzusetzen. Der Kaiser soll im Laufe dieser Woche hier eintreffeu.

Prag, 12. Dezbr. Trotz aller Dementi bestätigt es sich, daß von Seiten der maßgebenden tschechischen Partei­führer eine Annäherung an die Deutschen unternommen wurde und daß die bezüglichen Verhandlungen noch fortdauern.

Budapest, 12. Dezbr. Baron Banffy ist gestern wieder hier eingetroffen. Von insormirter Seite wird ver­sichert, daß Banffy vom Kaiser sehr gnädig empfangen wor­den sei. Banffy H«be vom Kaiser die Zustimmung für seine weiteren Pläne betreffs der parlamentarischen Durch- sprechung der dem Abgeordnetenhause vorzulegenden Gesetz­entwürfe erwirkt.

Oedenburg, 12. Dezbr. Nachdem die Schüler bei hiesigen evangelischen Liceums sich geweigert hatten, dem Fest- gotteBbienft anläßlich bei Regierongs Jubiläums des Kaisers betzuwohuen, wurden denselben alle bisher gewährten Ver­günstigungen entzogen und die Rädelsführer von der Anstalt entfernt.

Venedig, 12. Dezbr. Hier verlautet aus das be­stimmteste, der Zar werde im Frühjahr nach Venedig kommen und mit dem italienischen Königspaare Zusammen­treffen.

Brüffel, 12. Dezbr. Der belgische Gesandte in Peking wurde gestern vom Kaiser und der Kaiserin-Mutter in Audienz empfangen. Er überreichte dem Kaiser die Jnstgnien des Leopoldordens mit Brillanten.

Paris, 12. Dezbr. Senator Macere befürwortet in einem offenen Briefe die Revision der französischen Verfassung und die sofortige Vereinigung der Kammer und des Senats zu einem Kongreß.

Paris, 12. Dezbr. Gestern Abend zirkulirten hier die sonderbarsten Gerüchte. Es hieß, die Polizei-Kommiffare aller Pariser Stadtviertel seien zum Piäfekten geladen wor­den, um außerordentliche Instruktionen für die heutigen Morgenstunden in Empfang zu nehmen. Man sagte, Drey- sus solle nach Paris überführt werden, nachdem er angeblich gestern in der Nähe von Bordeaux eingetroffen und bereits eine Abtheilung Dragoner dahin abgegangen sei. Die Bahn­höfe auf der Strecke Bordeaux Paris seien militärisch streng überwacht. Schließlich »ersicherte man, daß die Antisemiten und Nationalisten größere Kundgebungen beabsichtigten. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß alle Gerüchte auf Er­findung beruhten und keinerlei Maßregeln getroffen waren.

London, 12. Dezbr.Daily Mail" meldet aus Rom, es sei unrichtig, daß die Abrüstungs-Konferenz auf unab­sehbare Zeit vertagt sei. Das einzige Hinderniß der Kon­ferenz fet die augenblicklich »eränderte politische Lage. Die Koniereuz werk je»och im Mai in Petersburg startfinden.

Odeffa, 12. Dezbr. Auf der Katharinenbahn ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Zwischm den Stationen Marzenew und Koschkiew waren 48 Arbeiter mit Geleis-Re­paraturen beschäftigt. Als plötzlich ein Eilgüterzug heran- brauste, traten die Arbeiter in das Nebengeleis. In dem­selben Augmblick brauste auf diesem Geleise ein Expreß- zug heran, der den größten Theil der Arbeiter Überfuhr. Acht Mann wurden zermalmt und waren auf der Stelle todt. Die meisten anderen trugen schwere Verstümmelungen davon.

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