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Amtliches Organ für Staöi- unS LsnöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 289
Montag den 12. Dezember
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 82.
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^anxO^ew ^ar^ax^.
HelaMtmachsugeN des Königlichen Laudrathsamtes.
In dem Gehöfte des Peter Trag es er in Alzenau ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Gehöst- sperre angeordnet worden.
Hanau am 10. Dezember 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 13385 v. Schenck.
Lienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine schwarze Pelzmütze. Ein weißes Taschentuch. Ein kleiner Hundcmanlkorb.
Verloren: Eine vergoldete Hutnadel mit Lilastein. Ein Meißener Loos Nr. 48829. Ein Portemonnaie mit 18 Mk.
Zugelaufen: Ein junger Dalmatinerhund m. Geschl. Ein schwarzes Mutterschaf; Empfangnahme bei dem Herrn Bürgermeister zu Kilianstädten.
Hanau am 12. Dezember 1898.
Der Kaiser und die preußischen Bischöfe.
Die Avresse des preußischen Episkopats an dem Kaiser aus Anlaß der Schenkung der Dormition in Jerusalem wird jetzt im vollen Wortlaut veröffentlicht. Das von sämmtlichen Bischöfen auf der Konferenz in Fulda beschlossene und unterzeichnete Dokument lautet, wie folgt:
„Allerdurchlauchtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Der hochherzige Akt ber Ueber- weisung des Grundstücks La Dormition de la Ste. Vierge in Jerusalem an den deutschen Verein im heilt en Lande, welchen Eure Kaiserliche und Königliche Majestät mit dem Besuche der durch die ehrwürdigsten christlichen Erinnerungen geheiligen Stätten zu verbinden geruht haben, hat in den Herzen Allerhöchst ihrer katholischen Unterthanen den freudigsten Widerhall gefunden. Nachdem das Oberhaupt der katholischen Kirche wie auch der betheiligte Verein selbst ihrer dankbaren Freude bereits Ausdruck gegeben haben, drängt es auch uns, im Namen der Katholiken Preußens als deren kirchlichen Vertreter Eurer M jrstät ehrerbietigsten Dank zu Füßen zu legen. Vertrauensvoll blicken die Kathol-ken Preußens zu ihrem E tauchten Monarchen aus, wohl wissend, daß sie in seinem Gerechtig
FerrMetsn
Stüdttheater in Hanau.
Hanau 12. Dezbr.
Der Spielplan der abgelaufenen Theaterwoche hatte uns noch Neu einstudirt,' wie der Zettel meldete, Sardous dreiaktiges Lust- wiel Cyprienne' gebracht. Von den Stücken des bühnenschlauen Franzosen ist uns diese kecke Satire des bodenlosen Leichtsinnes mit seines -rischen bezwingenden Laune noch das liebste. Aus demparo- distischen Uebcrmuthe des Verfassers hervorgegangen, behandelt es die Ebesrage mit drolliger Ernsthaftigkeit, doch treiben bte Kobolde des Witzes und des Humors ihr keckes Spiel und lasten über die wahre Absicht des Verfassers keinen Zweifel. Als schlauer Praktiker ver- wertdet er die TageSfragen, welche die leichtbewegten Mallen seiner Stammgenossen beschäftigen, für die Bühne und sichert stch.so lchon von voncherein da- Interesse. Die Wiedergabe des .Cypnenne .durch Fräulein Brandow zeigte dieselbe wieder als erste Künstlerin, die
Verständniß mit beftriefenber Liebenswürdigkeit zu verbinden mit der Naivetät der Rolle ein klem wenig kobettlye, doch that die,es nünstioen Eindruck, den wir von ihrer Darstellung gewonnen, den schönen Adhämar etwas eleganter gestalten, in ver aubcren. m Präs Matchn mochte der Darsteller genügen, aber in b«, f“
Heute wirkt diese Mischung von harmloser Lustigkeit und geyal
keitssinn und idealen Streben allezeit eine sichere Stätte wirksamer Förderung und wohlwollenden Schutzes ihrer religiösen, wie bürgerlichen Interessen besitzen, und sie bekunden Eurer Majestät ihren Dank dafür nicht allein durch die innigste Anhänglichkeit an Ihre Allerhöchste Person, sondern auch durch treue Mitarbeit cn des Staates Wohlfahrt und des Reiches Ehre und Gi öße. In tiefster Ehrfurcht verharren als Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät unterthänigste Diener Ph. Kardinal Krementz, Erzbischof ton Köln, G. Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau, Florian von Stablewski, Erzbischof von Gnesen und Posen, Dr. Thomas Nörber, Erzbischof von Freeburg, Wilhelm Sommerwerck, gen. Jacobi, Bischof von Hildesheim, M. Febx Korum, Bischof von Trier, Andreas Thiel, Bischof von Ermland, Johannes Aßmann, Katholischer Feldpropst der preußischen Armee, Titularbischof von Philadelphia 1. p. 1, Hermann Dingelstad, Bischof von Münster, Dr. Hubertus Simar, Bischof von Pader- born, Dominikus Willi, Bischof von Limburg, Adalbert Endert, Bischof von Fulda, Clemens Lüdtke, Kapitular- vicar von Kulm und Pelplin, Lambert Pohlmann, Kapitular- vicar von Osnabrück."
Der Kaiser erwiderte diese Adresse mit nach letzendem, an den Kardinal-Erzbischof von Köln gerichteten Schreiben:
„Hochwürdigster Herr Kardinal I Caere Eminenz haben Mir in Gemeinschaft mit den übrigen in Fulda versammelt gewesenen preußischen Bischöfen eine Adresse gewidmet, aus welcher Ich mit Befriedigung ersehen habe, welch freadiqen Widerhall die Ueberweisung des ©runbftücfeä La Dormition de la Sainte Vierge in Jerusalem an den deutschen Verein vom Heiligen Lande in den Herzen der deutschen Katholiken gesunden hat. Es war Mir eine besondere Freude, daß es Mir bei Meiner Anwesenheit im heiligen Lande vergönnt wurde, Meinen ka-holischen Unterthanen einen Beweis Meiner landesväterlichen Fürsorge geben und ihrem langgehegten Wunsche zur Erfüllung verhelfen zu können. Seien Caere Eminenz und die übrigen Mitunler- zeichner der Adresse Meines Dankes versichert für den Aue druck treuer Ergebenheit und das Gelöbniß freudiger Mitarbeit an der Förderung des Wohles von Reich und Staat.
Ich verbleibe, unter Versicherung besonderer Werth- schätzung Euerer Eminenz wohlgeneigter
Wilhelm, I. R."
Erleichterung des Geld Verkehrs.
Um den breiten Schickten der Mittelklassen, die kein Giro- Konto bei der Reichsbank Halun könne». einen billigen und bignemen Weg für die Ausgleichung Armer Zahlunaen zu
schaffen, hat die Thronrede die Einführung eines Check- un Ausgleichungs-Verfahrens durch Vermittelung der Ponanstalten angekündigt. Es handelt sich hier um eme wichtige Maßregel, die die Unbepuemlichkett der Postanweisungen abstellen soll.
Bei den Postanstalten besteht häufig zwischen den Einzahlungen unv den Auszahlungen des daaren Geldes ein großer Unterschied. Seit 1893 b?barf die Postverwaltung eines Betriebsfonds von 18 Millionen Mark baar, der in der Hauptsache der prompten Erledigung der Auszahlungen auf Postanweisung n dient. Die Umständlichkeiten des Post- anwersungsverfahren, für das Publikum, das Geldzählen bei i der Absendung und beim Empfang, die Beförderung nach : der Post, unter Umständen das Abholen von der Post, die । Aufbewahrung der Beträge u. s. w sind jedermann bekannt. ; Diese Unbequemlichkeiten sollen den Theilnehmern an dem neu einzuführenden Check- and Clearing (Ausgleichs)-Verfahren ; erspart werden.
Die Aufgabe, die sich der Staat durch die Vermittelung der Reichspost-Verwaltung gestellt hat, läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Für mehrere Ober-Postdireitions- ; Bezirke wird je ein Post Chekamt errichtet. Als Sitz eines solchen sind die Städte Berlin, BreSlau, Danzig, Hamburg, Hannover, Köln a. Rh., Frankfurt a. M., Straxburg i. E. und Leipzig in Aussicht genommen. Jedermann kann sich bei dem ihm zunächstliegenden Checkamt ein Check-Konto er- öffn-n lassen und hat darauf eine unverzinsliche Stamm- Einlage von 200 Mk. zu unterhalten. Mit seinem Post- Checkamt setzt sich der Konto Jnhcbrr durch jede beliebige Post- anstalt in Verbindung. Einzahlungen auf sein Konto kann er selbst und jeder dritte, der Geld an ihn zahlen will, bei jedem Postamt« machen. Die Auszahlungen geschehen gegen Checks, deren Formulare ebenfalls gekauft werden müssen. Der Ausgleichs-Verkehr dient dem Zahlungs-AuSgleich der Korto-J Haber unter einander, deren Namen ober Firmen aus einem, im Abonnement ausgegebenen Verzeichnisse zu er- ; sehen sind. Auch hier dient der Check zur Ueberweisung der Beträge von einem Konto auf das andere.
In Zukunft können also die Schulden und die Forderungen durch eine einfache Last- und Gutschrift ausgeglichen werden; baares Geld ist dazu nicht mehr nöthig. Es ist klar, daß dieser Ausgleichs-Verkehr für Geschäftsleute, Landwirthe und solche Beamte und Private, die ein größeres Budget haben, eine bedeutende Erleichterung in der Haffen« führung gewähren wird. An den Cdeck-Derkezr sind wir in Deutschland (abgesehen etwa von Hamburg uns Berlin) noch noch zu wenig gewöhnt. Wir haben noch kein deutsches Checkgesitz, da bei Entwurf eines solchen vom Jahre 1892 unerledigi neklieben ist. Das Ciniührurgrgesttz zum Bürger-
Sentimentalität doch recht veraltet und verstaubl und will weder in seiner Technik mit der großen Reihe sogenannter Bilder, noch mit seinen manchmal recht stark gewürgten Dialog- und Koupletscherzen modernen Ansprüchen genügen. An der guten Moral des Stückes mag sich ja ein freundlich gesinntes Sonntagspublikum genügen lasten, wenn die Aufführung eine gute ist. Einen Vorzug haben diese älteren Sachen vor den neueren dieses Genres, sie haben wenigstens so etwas wie zusammenhängende Handlung, die sich wie ein rother Faden durch das Gespinnst von Szenen hindurch schlangelt. Bis auf einige Szenen, in denen der Souffleur etwas kräftig mit reden mußte, nahm die Darstellung einen guten Verlaus. Herr Gehrmann stellte in dem Stadtverordneten Quiscnaw eine recht humorinische Figur von guter komischer Wirkung auf die Bühne. Herr Taube als Kellner Ferdinand war ebenfalls daraus bedacht, seiner Rolle den humoristischen Erfolg zu sichern. Fräul. Jüngling als Karoline fand sich mit ihrer heiteren, und Fräul. Köller als Agnes mit ihrer sentimentalen Parthie erfolgreich ab. Gut wirkten Frau Lehmann als Auguste. Herr Linzen als Brand, Herr Stcrnberg als Bernhard und alle übrigen Darsteller in ihren Aufgaben.
Die Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland.
Wer die heutige deutsche Frauevbewezung verstehen will, sowohl in ihren auf reu Erwerb gerichteten Bestrebungen, wie auch in ihrer rein idealen Bekundung, der muß in seinen Rückblicken um fast dreihundert Jahre zurückgehen. In die Zeiten vor Beginn des dreißigjährigen Krieges fällt auch das erste Wiedererwachen des gemeinsamen deutschen National- empfindeus, und an die ersten Unternehmungen „zur Ausübung von jedes Volkes Landessprache" reiht sich die weik- thätige Theilnahme der deutschen Frau. Zwei Mal in diesem Zeitraum von nicht ganz dreihundert Jahren wußte der Ge- uius der deutschen Volkes erst einen heißen Kampf um die Geltung der deutschen Sprache in der eigenen Heimath durch- kämpfen und erflegev, zuerst gegen die lateinische und dann gegen die französische Sprache. Vor Beginn deS dreißig-
; jährigen Krieges war es ter Palmenorden, der die giegen Geister Deutschlands zur Pflege der deutschen Sprache vereinigte, unv dem bald örtliche Vereine folgten, unter denen die Nürnberger Peguitzschäfer eine erste Rangstellung behaupteten. Der ehrwürdige Stammvater neuer deutscher Dichter steht als „Geklönter" oben auf unter den Neu- jchöpsern der deutschen Sprache: Martin Opitz. Sofort meldeten sich >ie Frauen zum Werke. Die erste war Sophie Elisaberh, Prinzessin oo.i Mecklenburg, seit 1636 Gattin des HerzogS August von Braunschweig; fie hieß als erstes weibliches Mitglied des Palmenord^us die „Befreiende". Ihr folgten viele Frauen des deutschen Adels. Im Orden der Ptgnitzschäfer waren es die Bürgers fronen, welche für die Ehre ihres Geschlechts mutzig eintrateu. Da ist es zuerst die »Daphne" des Schäferordens, sonst Frau Barbara Prazel, welch« über ein zum Preis der Frauen verfaßtes Buch die küh'.-e Frage aufwirft, „ob denn in dem Buche auch von dem Verstände der Frauen geredet werde?" Don dieseu, wie wir sehen, noch sehr bescheidenen Uranfängen an weitete uno vertiefte sich die deutsch« Frauenbewegung gar mächtig hinein in9 18. Jahrhundert, uud wieder ist es ein damals erster deutscher Dichter Johann Christoph Gottsched, der sich der aufstrebenden deutschen Frau als Mitstrester zugesell'. Noch ist es zunächst dat rein litterarische Gebiet, aus welchem die F-aueu mit gelten wollen, aber schon ersteht die erste Un- strrbliche unter bieftn Frauen, die Begründerin des deutschen Theaters, Karoline Neuber. Diese F^ au, der erste deutsche Theaterdirektor im künstterischen Sinne des Wortes, hat den Hanswurst von der Schaubühne verjagt und den Großen in Deutschland, die nur französische Komödie kannten, zuerst Achiuug für deutsche Bühnenkunst deirebracht. Und schon meldettn sich damals die Frauen auch zum Universitäts- studium. Die geistreiche Frau v. Zingler wurde von der Universität von Wittenberg gekrönt und Professor Gottscheds