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Amtliches Gegart für Siaöt- uuS LanöKrers Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 212.
Montag den 12. September
1898
Amtlich«».
^an^ftreie ^anau.
Nekanutmachullgen des Königlichen Laudrathsamtes.
Nach Allerhöchster Bestimmung haben ans Anlaß des Ablebens Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich die Dienstgebäude Halbmast zu staggen.
Hanau, am 12. September 1898.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Verpachtung eines Wirth- schafts-Etabliffements.
Das 2^i km von Hanau und 14 km von Frankfurt a/M. an der Frankfurt Hanauer Eisenbahn (Station Wilhelmsbad) gelegene, mit schönem Park umgebene domänen- fiskalische Wirthschafts-Etablissement Wilhelmsbad, bestehend aus der sog. großen und kleinen Wirthschaft nebst komfortablen Logierhäusern, entsprechenden Nebengebäuden und 47 ar 17 qm Gemüsegarten, soll mit dem zugehörigen Mobiliar anderweit vom 1. April 1899 ab aus sechs oder zwölf Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Zweiter Termin hierzu ist auf Donnerstag den 22. September d. Js., vormittags 10 Uhr, an L^rt und Stelle, und zwar in das Parterrezimmer rechts in der großen Wirthschaft anberaumt.
Das bisher abgegebene Pachtgebot beträgt 3300 Mark. Zur Uebernahme der Pachtung wird ein disponibles Vermögen von 36 000 Mk. erfordert und es haben Pachtbewerber über den Besitz eines solchen, sowie über ihre persönliche Qualifikation zum Wirthschaftsbetriebe, durch glaubhafte Zeugnisse sich spätestens im Termin auszuweisen.
Die Pachtbedingungen werden im Termin vorgelesen, können aber schon vorher im Büreau des Königlichen Domänen- Rentamts — Frohnhof Nr. 4 — dahier eingesehen oder von da, gegen Erstattung der Schreibgebühren, bezogen werden.
1 Die Vorzeigung der Pachtobjekte kann, nach vorausgegangener Anmeldung, durch den Königlichen Schloßgärtner Bauer in Wilhelmsbad jederzeit erfolgen.
Gewünscht werdende weitere Auskunft wird von dem Unterzeichneten ertheilt.
Hanau am 27. August 1898.
Der Königliche Domänenrath Bell. 12874
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Feuilleton.
Die Kaffeefahrt nach dem heiligen Lande.
6. Haifa.
(Fortsetzung.)
Der Name Haifa, die erste Stadt in Palästina, wo der Kaiser mit der Kaiserin das heilige Land betritt, ist in der Bibel nicht zu finden. Haifa ist ein Fleckchen neueren Ursprunges, ein aufstrebender Ort, der auS einer Altstadt besteht, an die sich eine deutsche Kolonie in Form eines Villenviertels angeschloffen. Hier tritt der Kaiser, so zu sagen, aus deutschen Boden. Die Kolonie wurde durch die von Pfarrer Hoffmann ^rbeigeführte schwäbische Tempelgemeinde gegründet, welche ^tere sich jedoch nicht in der ursprünglichen Form und Zahl «halten hat, aber die Tempelfreunde, bestehend aus Land- wirthen und Handwerkern, haben sich gut durchgebracht und W wenig zur Entwicklung Haisa's beigetragen. Die deutsche Kolonie ist ein Stück nach Palästina getragenes Schwaben. Die Häuser tragen deutsche Bauart zur Schau; fischen den Häuserreihen laufen reinliche, ebene Straßen, die mit Schattenbäumen bepflanzt sind, in den Gärtchen und gärten aber herrscht morgenländische Blumenpracht. Dort stehen meterhohe, rothleuchtende Geranienhccken, und gelb- slühende Mimosen mit rothen Staubfäden blühen in ver- ichwenderischer Fülle. Auch daS Stück Ackerland zwischen Haifa, dem Karmel und dem Meere, auf dem einst Syka- gestanden, verräth deutschen Fleiß. Rechteckige, steinfreie Wecker, deren Getreide mit der Sense gemäht und — Wunder — auf Leiterwagen heimgeführt wird.
Ueberragt wird Haifa von dem Kloster auf dem Berge Marmel, welches im Jahre 1799 Bonaparte als Lazareth Lkdlent hat. Wie in Jaffa, so mußte er auch hier seine
Die Ermordung der Kaiserin
Elisabeth von Oesterreich.
Eine furchtbare Kunde brächte uns am Samstag Abend der Telegraph aus Genf. Die kranke Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, die nach der erfolgreichen Kur in Bad Nan Heim die Gestade des Genfer Sees aufgesucht hatte, um dort weitere Erholung zu finden, ist, wie wir schon durch ein Extrablatt am Samstag Abend mittheilten, bei einem Besuch der Stadt Genf von einem Mordbuben, einem Anarchisten, angefallen und durch zwei Dolchstiche getödtet worden.
* *
Ein Schrei der Entrüstung und des Jammers gelt durch alle Kulturstätten der Erde. Der niederträchtigste, der feigste Mord ist zur Schmach der Menschheit begangen worden. Eine Gräuelthat ohne Gleichen! Kaiserin Elisabeth, die als leidende Frau nach einer glücklich überstandenen, ernsten Kur sich anvertraut hatte dem milden Klima des Genfer Sees, den erquickenden Lüften, die sich dort von den Gletschern des Montblancs und den paradiesischen Ufergeländen des Sees zusammenfinden, ist von einem Schandbuben tückisch erstochen worden. Ein Anarchist! Wenn dieser Ausdruck ein teuflisches Uebermaß rohester Niedertracht bedeuten soll, dann mag das kurze Wort für alle Zeiten ein Kainszeichen aller Elenden bilden, die Theil haben an der Verschwörung gegen jedes Menschenthum. Tückischer Mord an einer wehrlosen Frau, die allezeit ferne gestanden hatte den Entschließungen und Ereignissen der Politik, die unter dem Glanz ihrer Krone nichts trug als das unerlöschliche Leid um den einzigen Sohn und Thronerben, welchen sie ihrem kaiserlichen Gatten geschenkt, den ihr ein tragisches Geschick entrissen hatte und der in der Blüthe der Jugend in der Kapuzinergruft der Habsburger gebettet wurde. Der blinde Fanatismus hätte vor dem Leiden und dem Leid dieser unglücklichen Fürstin, die seit Jahren ruhelos und unstät die Welt durchwanderte, entwaffnet seine Fahnen des Frevels zur Erde senken müssen. Ein noch nicht dagewesenes Bubenstück ist dieser Mord! Die ganze Schandchronik hat kein Vorbild für die Frevellhat, der Kaiserin Elisabeth zum Opfer fiel.
Jäh und gewaltsam wurde sie wie ihr Sohn, Kronprinz Rudolf, und wie ihre Schwester, die Herzogin von Alen^on, aus dem Leben abgerusen; und so steht denn wiederum der von der ganzen Welt so hochverehrte greife Kaiser Franz Joief an der Bahre eines Mitgliedes seines Hauses. Ihm, dem es in diesem Jahre vergönnt ist, in körperlicher und
Verwundeten und Kranken zurücklaffen, die dann von den Türken ermordet wurden. Im Klostergarten bezeichnet eine Pyramide daS Grab der republikanischen Franken. Auf dem Berge Karmel, in einer der vielen Höhlen, halten einst nach dem alten Testament die Propheten Gottes in schwerer Zeit sich verborgen gehalten; ein EliaS und Elisa flohen hierhin vor dem Zorn der Könige von Israel. Hier wurde auch der Gebetskampf des Elias mit den Baalspriestern ausgefochten; diese Vertreter eines blutigen Gottesdienstes wurden vom Volke hiuweggethau im eigenen Blute.
In den engen und unreinen Gaffen von Haifa, daS etwa 12 000 Einwohner zählt, wohnen alle Religionsgemeinschaften bei einander. Au finsterm und schmutzigem Aussehen der Wohnungen thun sie eS, einer dem andern, gleich ebenso an niedrigem, schmutzigem Sinne und glühendem Glaubenshaffe. Auch die 700jährige Wirksamkeit der Karmelitermönche an diesem Orte, welche vorn. OrdenSfitz in Europa aus hin und wieder wegbeordert werden und sich auS allen katholischen Ländern ergänzen, hat hier keine merkliche Befferung hrrvor- gebracht, weil durch die reichliche Vertheilung von Almosen von Seiten derselben der natürliche Hang zur Trägheit und Hevchelet unter den Eingeborenen nur genährt worden ist.
Der JerusalemSverein in Berlin unterhält in dem aufstrebenden Hafenort Haifa am Fuße des Karmel einen Pastor und Lehrer und hat die am 2. Juli 1893 eingeweihte Kirche gebaut. Nicht nur das Geläut deS EliaSklosterS auf dem 600 Fuß über dem Meer sich erhebenden Vorsprunge des altberühmten BergeS, sondern auch das vom Thurme der deutschen evangelischen Kirche klingt hier über den Meerrs- strand und die von der Tempelgemeinde an der Königsstraße bebauten schmucken Häuser und wohlg« pflegten Felder hin. Hier hält sich von der Tempelkolonie der größte Theil zur Landeskirche, und mit den Angehörigen hat sie vom 8. bis
geistiger Frische aus eine 50jährige, von Sorgen und Mühen erfüllte Regierungszeit zurückzublicken, war es nicht beschieden, dieses Fest an der Seite seiner Gemahlin zu begehen. Die großartig geplanten Festtage des kommenden Dezember, wo sich alle Völker der habsburgischen Monarchie um ihren Kaiser in einmüthiger Verehrung schaaren wollten, haben eine unerwartete Trübung erfahren.
Es wird kein menschlich fühlendes Herz geben, das den vielgeprüften Kaiser heute nicht die aufrichtigste und innigste Theilnahme zuwendet. Den vielen schweren Schicksalsschlägen, die das Haus Habsburg im Lause der Jahre erlitten, hat sich ein neuer hinzugesellt. Und was das bittere Leid erhöht, ist die erschütternde, überraschende Tragik des Ereignisses.
Auch das deutsche Volk nimmt in starrer Erschütterung, in tiefstem Mitgefühl an dieser Trauer theil. Wenn dem edlen, geliebten Monarchen in diesen Tagen etwas den herben Schmerz zu lindern vermag, so ist es die innige Trauer seiner Monarchie, die Theilnahme des ganzen deutschen Volkes und das Mitgefühl der ganzen Welt.
Der Lärm des politischen Lebens und des alltäglichen Getriebes verstummt vor der Vollendung des herben Geschickes eines gekrönten Hauptes, das schon zu Lebzeiten so schwere Heimsuchungen erfahren hatte.
Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, Herzogin in Bayern, Tochter des Herzogs Max, war geboren zu München am 24. Dezember 1837 und seit 24. April 1854 mit dem Kaiser Franz Joses I. von Oesterreich vermählt. Ihre Kinder sind: Erzherzogin Gisela, geboren zu Laxenburg am 12. Juli 1856, seit 20. April 1873 mit dem Prinzen Leopold von Bayern vermählt; Kronprinz Rudolf, geb. 21. August 1858, gestorben 30. Januar 1889; Erzherzogin Marie Valerie, geboren zu Ofen 22. April 1868, seit 31. Juli 1890 mit dem Erzherzog Franz Salvator vermählt.
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Ueber das furchtbare Ereigniß selbst geben die folgenden uns vorliegenden Telegramme Ausschluß:
Genf, 10. Septbr. Die Kaiserin Elisabeth war am Freitag Nachmittag von Caux über Montreux hier avgekom- men und war im Hotel Beaurivage abgestiegen. Am Abend hatte sie einen Rundgang durch die Läden gemacht. Es wird versichert, daß verdächtige Gestalten bemerkt wurden, die von fern der Kaiserin folgten. Heute Nachmittag verließ sie das Hotel Beaurivage um l1/» Uhr, um den Expreßdampfer „Genöve" zu besteigen, der nach Montreux zurückkehrte. Als sie auf dem Quai Montblanc vor dem Denkmal des Herzogs von Braunschweig eintraf, begleitet von einer Hofdame und einem Kammerdiener, stürzte sich ein Mensch, der, an die Barriöre des Quais gelehnt, gewartet hatte, plötzlich auf die -M.......
13. September 1897 auch in Haifa daS erste evangelische Misstonsfest im heiligen Lande gefeiert.
Haifa ist die Seestadt für Galiläa und Samarien, die auch durch die englische Kirchenmission etliche Kirchen und Schulen, Krankenhäuser und ärztliche Stationen erhalten haben. In Nazareth ragt auch ein evangelisches Kirchlein als Mittelpunkt einer Gemeinte von etwa 500 Protestanten empor. 2 Missionare, ein deutscher und ein arabischer, versorgen sie, und 9 Lehrer sind an zwei Schulen mit über 300 Kimern beschäftigt, und überdies hat eine reiche Engländerin ein Mädchenwaisenhaus errichtet, welches den höchsten Punkt des OrteS bildet. Auch NabluS, das Sichem mit seinem JakobSbrunnen, hat solche evangelische Gemeinde mitten unter den 13 000, meist muhammedanischeu Einwohnern. Mehr als ein Dutzend eingeborne Gemeinden und noch einmal so» viele Schulen haben die Engländer in vier Jahrzehnten gegründet. Ja Hebron haben sie einen Mission-arzt, auch in Gaza seit den letzten Jahren Schule, Kirche und Missionshaus, Apotheke, Arzt und Klinik, und selbstverständlich fehlen diese in Jaffa nicht.
7. Bon Haifa nach Cäsarea.
Am 26. Oktober wird Kaiser Wilhelm U. von Haifa nach Cäsarca mit seinem glänzenden Gefolge aufbrechen. Wir befinden uns hier auf der großen Heerstraße, die seit mehreren Jahrtausenden Eroberer von Nord nach Süd und von Süd nach Nord geführt. Der Nahr-el-Kelb trägt noch die Gedenktafeln pharaonischer und assyrischer Heerzüge; auf diese Völker folgte Alexander der Große, dann kämpsten die Nachfolger der Diadochen, der VI. Ptolomäer und der große Antiochus auf den steinigen Streifen Landes zwischen Berg und Strand, welche sich hier an der früher phönizischen Küste entlang ziehen. Pompejus und Crassus, die Kaiser Augustus, Ves-