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12. M«i

ptmsner Anzeiger

Seite 8

Stalle mit dem Peitschenstiel schlug, daß sie blutunterlaufene Strähnen am Körper hatten. Die Verhandlung mußte ver­tagt werden, da der Angeklagte eine Anzahl Rechnungen für Hafer vorgelegt hat, den er den Pferden verfüttert haben will. Es solle» nun noch der Haferlieferant als Zeuge geladen wer den, ferner die Waseumeister von Hanau und Kesselstadt, welche die verendeten Thiere abdeckten, sowie der Bursche des General-Majors v. Gilsa, durch dessen Mitleid den Thieren Streu und Futter zugewendet wurde.

0 Schöffengericht. (Sitzung vom 11. Mai.) Die Wittwe B. hat hier gebettelt. Sie erhält 14 Tage Haft, nach deren Verbüßung wird sie der Landespolizeibehörde überwiesen. Der Fuhrmann A. Hier war durch polizei­liches Strafmandant bestraft worden, weil er auf dem neben dem alten Friedhof herführenden Weg in der Nähe des Frankfurter Thores sein Fuhrwerk zur Nachtzeit ohne be­sondere polizeiliche Erlaubniß hatte stehen lassen. Zur Be­gründung seines Einspruchs machte der Fuhrmann geltend, die augezogene Polizei-Verordnung, auf Grund deren er be­straft worden, spreche nur von öffentlichen Straßen und Plätzen, auf denen keine Wagen zur Nachtzeit stehen dürften, der Weg hinter dem Frankfurter Thor sei jedoch keineswegs ein öffentlicher, sondern sei zum Theil Eigenthum der An­lieger sowie der Stadt und bilde auch keine öffentliche Passage. Die Behauptungen des Fuhrmannes erwiesen sich als richtig und erfolgt deshalb seine Freisprechung. Der Dienstkuecht S. von Klein-Steinheim hatte einen Strasbefehl erhalten, weil er sein Fuhrwerk mit Steinen auf dem Bürger- steig auf der Chaussee am sog.Großen Rohr" hatte ange- fahren und dadurch längere Zeit die Passage versperrte. Sein Einspruch dagegen ist ohne Erfolg. Der Rittmeister N. war durch Strafmandat auf 15 Mk. lautend bestraft worden, weil seine beiden Windhunde am 14. März im Lamboy- walde im Distrikt Scheuer jagend betroffen worden waren. Trotz extra angefertigten Hundezwingers war es den beiden vier­beinigen Nimroden gelungen, am Morgen des 14. März aus der Behausung in der Uferstraße auszubrechen, von wo sie ihren Weg durch die Felder in den Wald nahmen und dort, wie es scheint, der Jagd oblagen, denn der Förster, der die Thiere gesehen, fand später im Walde, an der Stelle, wo sie gejagt, einen offenbar von den Hunden niedergerissenen Spießbock, von dem die eine Seite halb auf gefressen war; man sah, daß der Bock bei der Verfolgung wahrscheinlich zu kurz gesprungen und in den Graben gestürzt war, dabei ließen sich auch noch die charakteristischen Fährten der Wind­hunde feststellten. Der Einspruch gegen das Strafmandat ist erfolglos. Vier halbwüchsige Burschen von Großauheim, der Formerlehrling H., der Vergolder L., Silberschmied­lehrling S. und der Metzgergeselle P. sind der gemeinschaft­lichen gefährlichen Körperverletzung angeklagt. L. begegnete am 11. Februar dem Metallschleiser Karl L. von Groß- krotzenburg, faßte ihn ohne Weiteres an der Kehle und stieß ihn gegen eine Mauer. Als der Großkrotzenburger mit einigen Kameraden dann am 16. Februar wieder durch Groß­auheim kam, wurde ihnen am Rochusplatze von den Groß- auheimerv aufgepaßt und sie mit Stöcken und einem zuge­klappten Taschenmesser traktirt. Zwei von den jugendlichen Burschen, der Vergolder L. und der Formerlehrling H. wurden von den Mißhandelten bestimmt erkannt und der erstere erhält 5 Wochen, der letztere 4 Wochen Gefängniß, die beiden andern werden freigesprochen, da ihnen die Schuld nicht direkt nachzuweisen ist. Der Ziegeleiverwalter U. von Bruchköbel fuhr auf seinem Rad die Chaussee nach Bruch- köbel zu. Vor ihm ging auf dem Fahrdamm dicht neben dem Trottoir ein alter Mann, der trotz wiederholten Klingelns nicht auSwich. Als der Radfahrer bis dicht an ihn heran- gekommen war, wollte er um ihn herumfahren, war hierzu aber infolge der Nässe, wodurch der Boden glatt geworden, nicht mehr im Stande und rannte den Mann um, so daß dieser auf das Trottoir flog. Es war der sehr schwerhörige 67jährige Landwirth Jakob M. von Mittel- buchen, der durch den Sturz einige leichte Verletzungen davon- trug. Der Radfahrer hatte geglaubt, er weiche aus Bosheit nicht aus und war deshalb so dicht an ihn herangefahren, wodurch der Unfall entstand. Das Gericht verurtheilt den Radfahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 10 Mk. Geldstrafe. Der Schlosser V., Taglöhner R. und Zinn- gießer S. sind beschuldigt, dem städtischen Rohrmeister im April v. I. ein Stück Bleirohr entwendet zu haben, und zwar sind die beiden ersteren des Diebstahls, letzterer der Hehlerei augeklagt. Da der angeklagte Taglöhner R. in total betrunkenem Zustand vor den Schranken herumschwankt, muß die Verhandlung vertagt werden. Der Betrunkene wird in eine 2tägige Haftstrafe genommen und sogleich ab­geführt.

W. Stiftungsfest und Fahnenweihe. Der Gesangverein Melomania" eröffnete am Sonntag Morgen die Festlichkeiten seines 7. Stiftungsfestes verbunden mit Fahnenweihe durch einen um 11 Uhr begonnenen Weiheakt im Saalbau zum deutschen Haus. Nach­dem die Kapelle einen Begrüßungsmarsch intonirt und der Männer­chor den Sängergruß" zum Vortrag gebracht hatte, hieß der Präsi­dent des Vereins, Herr C. H erkert, in kerniger Ansprache die Fest- theilnehmer willkommen, weiter in zündenden Worten die Bedeutung des Tages hervorhebend, das Entstehen und die weitere Entwickelung des Vereins schildernd, am Schluß die Sänger ermahnend, auch fernerhin die unermüdlich zielbewußte Hingabe, durch welche der Diri­gent des VereinS, Herr Musiklehrer J. Brodt, den Verein auf seine jetzige Stufe gehoben, mit Fleiß und Aufmerksamkeit zu lohnen. Hierauf überreichte Frl. Fr. Schäfer auf festlich dckorirter Bühne, umgeben von einem Kreis anmuthiger Damen, die Fahne, die Sänger ermahnend, dieselbe als ein Symbol der Treue und Einigkeit anzu- nehmen und zu wahren. Der zum Fahnenträger ernannte Herr I. Schwarz dankte hierauf im Namen des Vereins. Nach einigen «hormund Musikstücken fand der Wciheakt einen würdigen Abschluß.

. benannter Verein unter der bewährten Leitung seine« jetzi- bei all seinen Veranstaltungen immer mehr die Sym- J^tun8 des hiesigen Publikums erwirbt, davon gaben e anläßlich der um 7 Uhr beginnenden Abendunterhaltung ausver»

tauften Räume einen glänzenden Beweis. Eröffnet wurde die Abend­unterhaltung durch einen Festmarsch, gespielt von der Kapelle des MusikvereinsEintracht" (Ding. Herr G. Ro ye), der überhaupt der musikalische Theil zugedacht war und die voll und ganz ihrer Auf­gabe gerecht wurde. Welch' gute Kräfte dem Verein in gesanglich solistischer Beziehung zur Verfügung stehen, bewiesen die Leistungen der Herren C. Nix und W. Wolf, denen lebhafter Applaus zu Theil wurde. Daß auch das humoristische Fach vorzüglich bertreten war, bedarf wohl kaum der Versicherung, dafür bürgt der Name des Herrn C. Herkert; genannter Herr erntete bei jedesmaligem Auf­tritt brausenden Beifall und Hervorrufe. Zugleich sei bei einem humoristischen Duett:Die Gardinenpredigt" der vorzüglichen Leistungen von Frau C. Herkert und Herrn F. Herkert gedacht. Um die wohlgelungene Aufführung der Theaterstücke machten sich noch besonders die Damen Frl. Schäfer, Frl Leipold, Stab und Hörning, sowie die HerrenCarl und Fritz Herkert, Weber und Hopf sehr vordient. Alle Darbietungen bekundeten den hohen Grad der Schulung und ließen Einblick gewinnen von der tüchtigen Leitung, welche im Verein obwaltet. Eine imposante Polonaise, wie sie zahlreicher an Betheiligung wohl selten der Saal des deutschen Hauses sieht, bildete den Uebergang des bis zum frühen Morgen dauernden Balles, mit welchem das in allen Theilen äußerst ge­lungene Fest seinen Abschluß fand und noch lange in Erinnerung aller Festtheilnehmer bleiben wird. Herr Restaurateur Wagner, dessen freundliches Entgegenkommen längst bekannt, lieferte aus Küche und Keller Vorzügliches und hat somit zu dem Wohlgelingen des Festes das Möglichste beigetragen.

Für heute. Nachmittags 41/» Uhr; Sitzung der Stadt oeroroneten. Kirchenchor der JohanniSkirche: Abends 8 Uhr: Probe im Uebungssälchen der Kirche. Ev. Männer - und Jünglingsverein: Ebenfalls abends 8 Uhr: Bibelstunde (Evang. Vereinshaus). Saalbauzum deutschen Haus": Mends 8Vi Uhr: Großes Extra - Militärkonzert, ausgeführt von her Kapelle des Jnf.Regts. Nr. 166. Abends 9 Uhr: Kaufmännnischer Verein Hanau: Vereinsabend in der RestaurationCarlsberg"; RadfahrervereinVorwärts": Zusammenkunft im Gasthauszur Sonne"; Radfahrer­verein Hanau 1885; Klubabend im Gasthauszum golb. Schwan" (Vorstadt); Erste Hanaurr Poulegesellschaft: Prrisspiel im RestaurantCarlsberg"; Freiwillige Feuer­wehr 2. Komp. imKrahnen", 3. Komp. imKarpfen", 6. Kowp. in derBrauerei Beck". Spessart-Touristenverein: Abends 9*/« Uhr: Zusammenkunft im Vereinslokalezum Elephanten".

HM der Provinz und den Nachbargebieten.

Cafsel, 11. Mai. Auf jähe Weise sand am Montag Abend der Maurer Molch von hier sein Ende, da derselbe beim Verlassen einer Gastwirthschaft in der Frankfurter Land­straße aus Versehen eine Kellertreppe hinabstürzte und hierbei das Genick brach. Der Tod trat sofort ein.

Fulda, 10. Mai. Tiefe Bestürzung riefen gestern Abend die Telegramme aus Mainz hervor, welche hier die schwere Erkrankung des auf der Reise nach Freiburg zur Inthronisation begriffenen Erzbischoss Dr. Komp meldeten; tiefe Trauer bemächtigte sich über ganz Fulda, als heute früh 9 Uhr die Domglocken dumpfdröhnend verkündeten, daß der Kirchenfürst verschieden ist. Sofort wehten von den Häusern umflorte Fahnen auf Halbmast und wo nur zwei Leute bei- sammenstanden, sprachen sie von dem erschütternden Ereigniß, unter dessen Wucht zwei Diözesen klagen. Nach dem Schlag­anfall um 4 Uhr trat bei dem greifen Patienten um 7 Uhr Bewußtlosigkeit ein, in welcher er nachts 1 Uhr in den Armen des Bischofs von Mainz starb. Die Aufregungen der letzten Tage mögen das Nervensystem bei dem Siebziger so geschwächt haben, daß der sonst noch rüstige unbeugsame Mann dem lähmenden Schlagfluß nicht mehr Widerstand leisten konnte. Die Leiche des Erzbischofs von Freiburg wird nach hier übergeführt und trifft schon morgen Nachmittag 348 in Fulda ein, um erst einige Tage in der Michaelskirche auf dem Paradebett ausgestellt und höchst wahrscheinlich am nächsten Montag Nachmittag im Seitenschiffe der Kathedrale beigesetzt zu werden. Es vollzieht sich damit ein eigenartiges und auffälliges Schicksal: Wie einst einmal die Gebeine des hl. Bonifazius von Mainz nach Fulda gebracht worden sind, so werden j.^t auch die irdischen Ueberreste des letzten Wäch­ters am Grabe des großen Apostels, des hochseligen Herrn Erzbischofs, von Mainz nach Fulda zurückgebracht, «m in den Hallen seiner geliebten Kathedrale zur ewigen Ruhe und Frieden gebettet zu werden. Der Verewigte war geboren am 5. Juni 1828 zu Hammelburg, empfing die hl. Priester­weihe am 12. Juni 1853, wurde Regens des hiesigen Priesterseminars am 14. Februar 1861, Domkapitalar 12. Mai 1882, Hausprälat Sr. Heiligkeit des Papstes am 8. Januar 1886, Kapitular-Vikar am 12. Januar 1894, zum Bischof von Fulda erwählt am 27. April 1894, prä- konisirt am 21. Mai 1894, konfekrirt und inthronistrt zu Fulda am 25. Juli 1894, zum Erzbischof von Freiburg er­wählt am 21. März, präkonisirt am 24. März 1898 und morgen sollte seine Inthronisation im Münster zu Freiburg i. B. stattfinden. Aber es sollte nicht sein, der Tod hat sich dazwischen gestellt.

Grotz-Eteinheim, 10. Mai. Endlich hat der ^jährige, so heftige und erbitterte Wahlkampf in unserer Gemeinde sein Ende erreicht. Der am 2. Februar 1897 siegreich aus der Wahl hervorgegangene Kandidat K. Fr. Spielmann wurde am 6. Mai l. I. durch das Großh. Kreisamt Offenbach als Bürgermeister von Groß Steinheim bestätigt. Der Vertreter der Kreisbehörde, Herr Kreisamtmann Hölzinger, führte unseren nunmehrigen Bürgermeister in Gegenwart des Gemeinderaths (drei Mitglieder desselben, der Gegenpartei angehörig, waren nicht erschienen) in sein Amt ein. Herr Hölzinger führte da­bei aus, daß die Behörde der festen Ueberzeugung sei, Groß- Steinheim habe in dem gewählten Bürgermeister einen Mann gefunden, der geeignet sei, durch seine langjährige Erfahrung und persönliche Tüchtigkeit das Wohl Steinheims nach allen Seiten hin zu fördern und den so sehr erwünschten Frieden wiederherzustellen. Inzwischen war der mit 6 Pferden be-

spannte Wazen mit demMaien" unter den Klängen unserer Stadtkapelle durch die Straßen Steinheims an der Wohnung des Bürgermeisters angelangt. Der prächtige Baum ragte mit seiner stattlichen Krone in kurzer Frist in die Lüfte und nunmehr hielt Herr Wagnermeister Hechler, nachdem die Kapelle ein Stück gespielt, eine Ansprache, worin er dem Bürgermeister Glück und Segen für sein neues Amt wünschte. Der Baum sei mit seinem immergrünen Gezweig ein Sinn­bild der Treue, die auch uns mit unserem Stadtoberhaupte verbinden müsse, aber auch ein Sinnbild der Hoffnung, daß unter seiner thatkräftigen, energischen von langjährigen Er­fahrungen getragenen Verwaltung ein neuer Frühling in Steinheim einziehen möge und mit ihm der so lang entbehrte Friede. Herr Bürgermeister Spielmann dankte herzlich für die Beweise der Liebe und Anhänglichkeit seiner Freunde und bat sämmtliche Einwohner Steinheims, ihm bei seinem Ver­söhnungswerke mitzuhelfen. Hierauf fand ein Bierkommers im Spielmannffchen Saale statt, woran auch Herr Amtmann Hölzinger Iheilnahm. Letztgenannter Herr führte in einer Ansprache aus, alle Bürger möchten bestrebt sein, daß der Friede nunmehr wiederkehre und alle Gehässigkeiten, wie sie sich während der Wahlbewegung gezeigt hätten, vergessen seien und schloß mit einem Hoch auf das fernere Blühen und Ge­deihen Steinheims, der Perle des Kreises Offenbach. Herr Stadtrath A. Fey toastete auf Herrn Hölzinger. Am Abend bewegte sich ein stattlicher Fackelzug, leider unter strömendem Regen, durch die Straßen Steinheims nach der Wohnung des Bürgermeisters. Später folgte ein Kommers, der glänzend verlief. Dem neuen Bürgermeister wurde als Andenken an die festlichen Tage von seinen Freunden und Anhängern ein Diplom überreicht. Am Tage darauf wurde zur Erinne­rung an diese bewegte Zeit eine Erinnerungseiche im Spiel- mann'schen Garten gepflanzt. Am Sonntag fand die Feier durch ein solennes Festessen, an dem sich citea 50 Personen betheiligten, im SaaleZur Erholung" ihren Abschluß. Das­selbe verlief in jeder Weise würdig und schön und wurde mancher Toast dabei ausgebracht.

Drahtnachrichten desHan. Anz."

Berlin, 12. Mai. Als Termin für die Reichstags-Stichwahlen ist der 24. Juni bestimmt worden.

Berlin, 12. Mai. Der Gesetzentwurf über die Privat-VersicherungS- Anstalten ist im Reichsamt des Innern einer erneuten Umarbeitung unter­zogen worden und wird in allernächster Zeit einer Sachverständigen- Kommission unterbreitet worden. .--.AM ««^

Berlin, 12. Mai. Aus Petersburg meldet dasKleine Journal", die Nachricht dou einer Begegnung des Zaren mit Kaiser Wilhelm in diesem Sommer sei unbegründet. Der Zar begibt sich auf dem Wasser­wege nach Kopenhagen, von dort nach London und kehrt auf dem gleichen Wege zurück, ohne Darmstadt zu berühren. Dagegen gilt es als wahrscheinlich, daß der Zar im Dezember zum Jubilium des Kaisers Franz Joseph nach Wien kommt.

Berlin, 12. Mai. Wie demBerliner Tageblatt" aus Kiel ge­meldet wird, dampft der PanzerkreuzerKaiser" und der KreuzerPrin­zeß Wilhelm" zur Unterstützung derIrene" und desKormoran" nach Manila.

Hamburg, 12. Mai. Da die letzten Tage anhaltend kühl gewesen und das Befinden des Fürsten Bismarck nicht die erwarteten Fortschritte gemacht hat, muß der geplante Fackelzug nunmehr aufgegeben werden. Vielleicht wird er im Herbst nachgeholt.

Lembcrg, 12. Mai. Die Unruhen wegen der Brodtheuerung wiederholten sich gestern in größerem Maße. Die Nothleidenden zogen drohend vor das Rathhaus, wo ihnen der Bürgermeister Beschäftigung bei den Straßen-Reinigungsarbeiten versprach. Die Ansammlungen vor den Bäckerläden wurden zerstreut.

Trieft, 12. Mai. Die Meldungen aus Italien lauten noch immer alarmirend. Das herzogliche Paar von Sachsen-Meiningen entging in Luino mit knapper Noth großer Gefahr. Dasselbe befand sich während des Aufstandes gerade auf der Straße und gerieth ins Gedränge.

Rom, 12 Mai. Die Führer der sozialistischen Partei Piemonts richteten an die Arbeiter die dringende Aufforderung, sich an keinerlei Demonstration zu betheiligen, da die Aufstände lediglich der Reaktion zu Gute kämen und das sozialistische Programm nur durch das all­gemeine Wahlrecht auf dem friedlichen Wege der Gesetzgebung erfüllt werden könnte.

Rom, 12. Mai. Die letzten hier aus den Provinzen eingetroffenen Nachrichten besagen, daß überall die Ruhe wiederher- gestellt ist.

Rom, 12. Mai. Die Regierung übersandte der Schweiz, von wo aus sozialistische Flüchtlinge bei dem Simplonpaß einen Einfall in das italienische Gebiet vorbereitet hatten, eine geharnischte Note. Der Einfall ist natürlich mißlungen.

Rom, 12. Mai. Die Reserven aller Altersklaffen wurden ein- berufen, um einem möglichen Ausstande des Eisenbahnpersonals vor- zubengen. Drei Redakteure des sozialistischen BlattesAoanti" wurden verhaftet. Man glaubt allgemein, daß die Bewegung im Rückgänge begriffen ist.

Turin, 12. Mai. Das Königspaar sowie der Prinz und die Prinzessin von Neapel sind gestern Nachmittag nach Rom abgereist. Bei seiner Abfahrt wurden dem Königspaare von den Einwohnern sympathische Kundgebungen dargebracht.

Turin, 12. Mai. Um auf alle Fälle einen allgemeinen Streik der Eisenbahnarbeiter zu verhindern, berief die Militärbehörde von Turin alle Arbeiter und Beamten der Eisenbahn zum Dienst ein, da­mit dieselben den militärischen Gesetzen unterstellt sind.

Turin, 12. Mai. Die Versuche der Aufständischen, die Aus­stellungsgebäude in Brand zu stecken, hat die Behörden veranlaßt, die Polizeiwachen durch militärische Posten zu verstärken.

Alost, 12. Mai. Viele Ziegeleiarbeiter sind ausständig. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von 75 Centimes pro Tausend Ziegeln.

PariS, 12. Mai. Der französischen Regierung ist die als Ent­schädigung für die Ermordung eines Missionars verlangte Summe, sowie die Stiftung einer Kapelle und der Bau mehrerer Eisenbahn­linien von der chinesischen Regierung bewilligt worden.

Madrid, 12. Mai In der letzten Nacht ist in der Nähe von Gibraltar ein spanischer Torpedoboot-Zerstörer infolge eiaer Kessel- Explosion mit der ganzen Mannschaft in die Luft geflogen.

Madrid, 12. Mai. Eine Feuersbrunst zerstörte eine Mehlfabrik und vernichtete 4000 Sack Mehl und 6000 Hektoliter Weizen. Das ist bei der jetzigen Zeit der Brodtheuerung ein schweres wirthschaft- licheS Unglück

Madrid, 12. Mai. Eine Depesche aus New-York kündigt an, daß die Jnvasionsarmce am 15. Mai auf Kuba zu landen beabsichtige

Barcelona, 12. Mai. Die hiesige Börse beschloß, mehrere Schnelldampfer zu armiren, resp, zu versuchen, Lebensmittel nach Kuba zu bringen und die Blokade Kubas zu forciren.

London, 13. Mai. Aus New-York wird gemeldet, ein Deveschen- boot werde dem Admiral Sampson den Befehl überbringen mit seinem Geschwader nach Key-West zurückzukehren. Von da werde er