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Amtliches Organ für OtsSt- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 264

Freitag »er 11. November

1898

Dienstuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein schwarzledernes Poriemonmie mit einigen Pfennigen Inhalt. Ein schwarzer Schulterkragen. Ein Gebund Schlüssel. Eine rothe Schmerkappe mit Ueber- zug. Eine braune Knabenmütze (Matro enmüye). Eine graue Knabenmütze. Ein blauer schmuylger Arbeitsanzug, Hose und Kitiel, in einem Laden liegen geblieben.

Verloren: Ein kleines Schreibheft für Franz Klais.

Entflogen: Eine schwarze Brieftaube.

Hanau am 11. November 1898. .

Die Rede des englischen Premierministers auf bem Lord-Moyors-Baukett in der Guildhall in London ist ja immer ein politisches Ereigniß; seit Jahren hat man ihr aber nicht mit solcher Spannung entgegengesehen als dieses Mal, da man von rhr Antwort aus die Frage: Krieg oder Frieden? erwartete.

Nachdem das französische Kabinet b-schlössen hatte, die Expedition Marchand von Fascboda zurückzuziehen, und da trotzdem die Nachrichten über große englische Rüstungen nicht nachließen, so nahm die Unruhe in der europäischen Presse zu, und es wurde nach weitausgreifenden Plänen der eng­lischen Regierung geforscht, die eine so allgemeine Mobil­machung der Seestreitkräfte rechtfertigen könnten. In der That lag der Gedanke nicht fern, daß das schnelle und fast überraschend schüchterne Zurückweichen Frankreichs vor dem seine Aime reckenden englischen Riesen diesen veranlassen könnte, eine General-Abrechnung zu halten und namentlich die egyptische Frage durch Erklärung des englischen Protektorats über daß Nil-Land ein für alle Mal zu regeln.

Daß ein solcher Schritt zu Verwicklungen ernstester Art hätte führen können, ist klar. Rußland hat zwar keinen Finger gegen England gerührt, um Frankreich in seiner Ver­legenheit in der Faschoda-Frage zu helfen, und die großen Pariser Blätrer üben noch genug Selbstverleugnung, indem sie ihre Bitterkeit darüber möglichst verbergen, daß Frankreich bisher trotz des Hochgepriesinen franko-russischenBündnisses" allein stand. Es ist aber kaum anzunehmen, daß eine for­melle Erklärung des englischen Protekio.ats über Egypten nicht die französische Nation mit ihren lebhaften Erinnerungen an die frühere Vormachtsstellung Frankreichs in Egypten mächtig aufgeregt und Rußland nicht so kalt gelassen hätte, wie der Streit um Faschoda.

Nun, Lord Salisbury hat am Mittwoch in der Guildhall gesprochen, und er hat Frieden gesprochen. Er erklärte, daß

KK«Mstsn.

Oerliner Kunstleden im Winter.

Wenn sich die Thore der alljährlichen Kunst-Ausstellung im Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrler Bahnhof zur Herbst- zeit schließen, so ist damrt keineswegs der Winterschlaf der Kunst geboten, sondern wie sich das Leben und Treiben zur Winterszeit überhaupt mehr daheim abipielt, so beginnt auch alsdann das rege Kunstleben in den Salons. Ist es auch leider noch kein großer Kreis derjenigen, die Zeit und Muße haben, die oft sehr interessanten Ausstellungen pünktlich und regelmäßig zu besuchen.

Die geringe Zahl dieser Besucher muß niemandem Wunder nehmen, der das" eilig dahintreibende Leben in Berlin kennt, so scheint doch diese Zahl stetig im wachsen begriffen, wovon die immer neu sich öffnenden Separat Kunstausstellungen und -Salons Zeugnrß abgeben. Zur Zeit haben wir die Velas- quez-Ausstellung im Rothen Schloß, die Plakat-Ausstellung in der Leipzigerstraße neben den vielen ständigen Ausstellungen, wovon als die größten und bekanntesten erwähnt seien der Salon Gurlitt in der Leipzigerstraße, die Kunsthandlung von Amsler und Rulhardt in der Behrenstraße, der vergrößerte und aller Eleganz entsprechende Salon von Keller und Reiner in der Potsdamerstraße und last not least ©olon Schulte Unter den Linden. Der Verein der Berliner Künstler hat das neue Künstlerhans in derBellevuesüaße eröffner und mit allem Komfort ausgestattet. Wenn man diese Namen liest, so liegt die Frage nahe:Und was soll bei diesem stän­digen an die Oeffentlichkeit bringen und Ausstellen herauS- kommen?" Neben dem pekuniären und realen Werth zur Förderung der Künstlerder leider heutzutage in den Hinter­grund tritt, sei vor allen Dingen auf den idealen Zweck bingewiesen, daß das Verhältniß des Publikums zur Kunst rin intimeres, auf tieferem Verständniß beruhendes werde. Dazu hilft uns keine Landes-Ausstellung mit Katalogen von einigen tausend Nummern, diesen Zweck erfülle» besser Sa­lons, die gerade so viel bieten, als man übersehen kann und

die Nothwendigkeit ober wenigstens die unmittelbare Noth- wendigke t für die englischen Rüstungen vorüber sei; Kitcherers Sieg bei Omdurman hätte die Stellung Englands in Egypten beeinflußt, aber er hoffe ernst, daß England nicht gezwungen werden würde, seine Stellung in Egypten irgendwie zu modi- fiziren, da er überzeugt fei, daß dann die Welt nicht in Frieden bleiben würde. Das heißt also, daß sich Groß­britannien vorläufig mit dem für die englischen Interessen so günstigen thatsächlichen Zustande noch weiter begnügen will, ohne formell die Protektorats-Frage aufzuwerfen und den offenen Protesten und geheimen Vorbehalten gegen die Stellung Englands in Egypten ein Ende zu machen. Aller­dings klingt auS der Rede auch der feste Wille heraus, sich in Diskussionen über das thatsächliche Schutzrecht Englands über Egypten überhaupt nicht mehr einzulaffen, sondern dieses thatsächliche Protektorat mit allen Mitteln zu vertheidigen. Immerhin hat Lord Salisbury mit der Rede wieder einen Beweis seiner Besonnenheit und Friedensliebe gegeben, die vielleicht umso größer anzuschlagen ist, als in England ohne Zweifel eine starke Strömung zu Kraftproben der englischen Seemacht hirdrängt.

Tagesschau.

Von der Moeine« Berlin, 10. Novbr. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Kaiserin Augusta", Kommandant: Kapitän zur See Koellrer, am 9. November von Kiautschou nach Taku in See gegangen; S. M. S.Kaiser", Kommandant: Kapitän zur See Stubenrauch mit dem Chef des Kreuzer- Geschwaders, Vize-Admiral von Diederichs an Bord, ist am heutigen Tage in Pagoda Anchorage eingetroffen und be- absicktigr, am 13. November nach Shanghai in See zu gehen; S. M. S.Arcona", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oberst-LikUtenanlsrang Reincke, ist am 9. November von Manila nach Shanghai in See gegangen; der Dampfer Lulu Bahlen", mit den abgelösten Besatzungen der Sch ffe der westasrikantichen Station an Bord Führer des Ab- lösungstrantportS: Korvetten-Kapitän Schwartzkopff, ist am 9. November in Sierra Leone eingetroffen und hat an demselben Tage die Heimreise fortgesetzt.

Attentatsgerücht. Abermals trifft, diesmal aus eng­lischer Quelle, die Meldung von einem gegen Kaiser Wil, Helm während seines Aufenthaltes in Syrien geplanten anar­chistischen Anschläge ein, der rechtzeitig entdeckt und vereitelt worden sei. Die Meldung tritt bisher nur in der Form

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in denen man in kurzer Zeit und allmählich die Eigenarten der Künstler herauskennt. Diesem Zweck dienen auch die vor­züglichen Kunst-Zeitschriften, ich will hier nur desPan", derDekorativen Künste" gedenken, die uns das Kunstleben auf den Tisch bringen, von den sehr guten und pniswerthen englischen Kunst-Zeitschriften, insbesondere demStudio", nicht zu reden. Solange Fart pour Fart dasteht, ist sie einsam, und nur eine kleine Schar der Auserwählten hält sich für würdig, sie als Eigenthum zu betrachten das ist nicht recht, die Sonne scheint für alle, so sei auch die Kunst für alle. Möge nur jeder finden, was er sucht, möge es nur Publikum geben, das zu verstehen sucht, was die Künstler wollen, ein kunstoffenes Publikum, das sich nicht abschncken läßt durch Wortemodern", plein air, stilisirt und andere, das da sieht; jeder Unparteiische mit seinen Augen sieht ehr­lich, wie es der Künstler auf die Leinwand gebracht hat.

Es ist in unserer Zeit des Maschinen-Getriebes ein Geist der Schnell-Produktion auch in die Kunst kingediungen und mit ihm die Sucht nach Neuem, Exzentrischem, Sensationellem; daher wird viel Unreifes, Gemachtes und Ungesundes cn die Oeffentlichkeit gezerrt, das besser noch in der Stille ousreifen und sich klären sollte. Doch ein einigermaßen gebildetes Auge wird bald die Spreu von dem Weizen unterscheiden können. Vielfach wenden sich gerade die besten Künstler dem Kunst- Gewerbe zu. Dieses verdanken wir größtentheils dem Ein­fluß, der aus England und Amerika herübergekommen, ins­besondere inbetreff der WohuungS-Eiurichtungen; doch erstreckt er sich allmählich auch auf jedes Gerälh. Es werden neue, dem praktischen Gebrauch entsprechende Formen gewonnen, die künstlerisch ansprechend sind und zugleich dem guten Geschmack in jeder Beziehung gerecht werden. Bezüglich der vorhin ge­nannten Ausstellungen möchte ich erwähnen, daß der Keller und Reinersche Kunstsalon dieser letzten Beziehung ganz be­sonders Rechnung trägt neben der Gemälde-Ausstellung. Der Schultesche Kuustsalon erfreut sick seit Jahren des weitesten Besucherkreises, auch von allerhöchster Seite.

Ganz besonders anziehend sind die Sonder-Ausstellungen der ausländischen und auch einheimischen ersten Künstler. Französische Landschaftsmaler, Caillot, Paillard, Thaulow,

eines Gerüchtes auf und läßt auch genauere Angaben über die Einzelheiten des Planes und der Entdeckung vermiffen. Nach einer Reutermeldung aus Beirut zirkuliren nämlich dort Gerüchte von einer ernsten Anarchisten-Verschwörung, die dort auSgeführt wordm wäre, wenn mau sie nicht entdeckt hätte. Man glaubt, daß sie vielleicht mit der plötzlichen Aenderung im Pro^amm der Kaiserreise im Zusammenhang steht. In Verbind»Ng tamit entstand gestern eine Panik im deutschen Hospital, wo ein Mann in der Kleidung eines Jesuiten sich radierte, das Gebäude zu verlaffen. Es war bekannt ge­worden, daß zwei Verdächtige den Behörden entgangen und in Beirut gelandet sind.

Der Bttndesrath hat in seiner gestrigen Plenar­sitzung dem Ausschußantrag, betr. die Abänderung ter Aus- führungsvorschristen zum Tabaksteuergesetz, die Zustimmung und der Rechnung der Kasse der Oberrechnungskammer be- züglich des den Rechnungshof betreffenden Theiles für 1896/97 die Entlastung ertheilt. Die Entwürfe zum Reichs­haushaltsetat für 1899, betr. die Einnahmen an Zöllen, Verbrauchssteuern rc., und betr. die Einnahmen an Stempel- abgaben, sowie die Etats des Reichsinvalidenfonds und der Rnchsjustizverwaltung wurden genehmigt. Schließlich wurde über eine Reihe von Eingaben Beschloß gefaßt.

Detttfchfeindlichikeit. Mit Rücksicht auf die That­sache, daß die vielen Tausende von Elsäffern und Lothringern, die in Frankreich leben, einig in der Verwerfung des Frank­furter Friedens sind und ihre Deutschfeindlichk-it bei jeder passenden Gelegenheit, wie bei dem auf der Höhe des Eifel- iburwes am 23. Oktober zur Erinnerung au den vor 250 Jahren abgeschlossenen Frieden zu Ryswyck abgehaltenen Fest­essen der eisässischen Vereine, an den Tag leoen, richtet ein süddeutsches Blatt folgende ernste Waruuvg an unsere Nach­barn im Westen: Es ist gut, wenn wir in Deutschland nicht vergessen, daß in Frankreich noch viele Tausende von Männern vorhanden sind, die immer von neuem wieder zum Kriege hetzen und die in thörichter Verblendung auch heute noch den Frankfurter Frieden nicht anerkennen wollen. Diesen Unver- södulichkeiten jenseits der Vogesen sei in das Gedächtniß zurückgerufen, daß im westfälischen Frieden auch die Städte Tool, Verdun, Nancy an Frankreich kamen und daß ein neuer Krieg vielleicht auch die Folge haben könnte, daß Frankreich alsdann auch diese Landstriche noch verlieren dürfte. Gerade diese offenkundigen Umtriebe der elsaß-lothringischen Vereine und der wieder auflebenden Patriotenliga werden aber als erste Folge wohl dazu führen, daß Deutschland auch

Swill und andere haben zur Zeit dort ausgestellt, ebenso Eduard v. Gebhardt, der sein neuestes BildNikodemus bei Christus" ausgestellt hat. In feiner echt deutschen Weise führt uns der Meister in die Gelehrtenstube, grell vom Lampenlicht beleuchtet, sitzt am Tische der Zweifler und Grüb­ler Nikodemus, mit dem Rücken gegen das altdeutsche Fenster, durch das wir über dem Waldesrücken des Mondes volle Scheibe emporsteigen sehen, lehnt die Gestalt des Christus voll wunderbarer Würde und Milde auf den Menschen herab- sebend, ehe denn er jenes erhabene Wort spricht:Ihr müsset von neuem geboren werden." Der Gegensatz des göttlichen zum menschlichen ist selten in eisern Bilde eindrucks­voller dargestellt und tiefer empfunden worden, als hier. Sehr interessant sind auch die bei Schulte ausgestellten 14 figürlichen und landschaftlichen Darstellungen des Leipziger Künstlers Max Klinger. Dieselben sind zur Ausschmückung eines größer« Raumes, auch Ateliers gedacht. Neben größern Landschaften voller Licht und Kraft sehen wir das Spiel der Wellen auf kleinerm Raum veranschaulicht. Die träumerische Ruhe des Meeres, das Treiben und Scherzen der Meer­bewohner, zaubert des Künstlers Phantasie in vollendeter Farbenschönheit uns vor; ich möchte sagen, seine Kunst hat viel verwandtes mit Musik, etwas durchweht das Ganze der Hauch deS Geistes seines großen Lehrers Böcklin. Selten tritt uns Klinger außer aus seinem Koloffalgemälde in Farben entgegen, häufiger in den meisterhaften Radiruugen, auch in der Plastik.

So wird denn dem kunstliebenden Publikum beim Ein­tritt in den Winter viel geboten, aber freilich wird es bei der alten Wahrheit bleiben: Viele sind berufen, wenige sind aus- erwählet. Ueber die letztern, die da verlangend die Arme ausbreiten nach dem ewig Schönen, wolle man nicht unge­duldig den Stab brechm, sondern denkm, daß das Leben nur kurz, die Kunst aber lang, ja ewig ist. Mögen sie noch so viel kritisirm, tadeln und nörgeln, das eine wird wahr bleiben: was der Mensch einmal wahrhaft empfunden hat, daran muß etwas sein. Arno Hell.