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Nr. 158

Montag den 11. Juli

1898

llliOWIII

Amtliche-.

^anö&ret# ^anau. Btlamltmachuugell des Königlichen Landrathsamtes. Amtliche Bekanntmachung der r "LandwirthschaftSkammer.

Wir beabsichtigen in der mit dem pomologischen Garten zu Cassel verbundenen Obstverwerthungsstation im Laufe dieses Sommers und Herbstes einen allgemein zugängigen Obst- und Gemüseverwerthungskursus unter der Leitung deS Jnstitntsgärtners des pomologischen Gartens Herrn Karl Huber zu Veranstaltern M^-.

Der KursuS zerfällt in zwei Abschnitte von je einer Zeit­dauer von 4 Tagen und umfaßt im

Abschnitt I (wird abgehalten zur Zeit der Ernte von Stein- und Beerenobst) Unterweisungen in der Ernte des Beerenobstes, Herstellung von Beerenweinen, Säften, Gelee, Marmelade, Pasten rc., Trocknen von Steinobst, sowie Ge- müsen, Einmachen und Konseroiren letzterer._____

Abschnitt II (wird ab gehalten zur Zeit des Kerucbftes) Unterweisungen in der Ernte, Aufbewahrung und dem Ver­sandte von Obst; Herstellung von Obstweinen, Marmeladen, Gelee, Säften, Konserven, Obstesflg; Trocknen von Aepfeln und Birnen, Gemüsen und grünen Gewürzen.

Der bezw. die Kurse, welche in Männer- und Frauen- kurse geschieden werden, verfolgen den Zweck, eine bessere und ausgiebigere Verwendung unserer Obst- und Garten­erzeugnisse besonders im landwirthschastlichen Haushalt einzu- führen.

Der Unterricht wird sowohl theoretisch als auch an den aufgestellten Verwerthvngsapparoten praktisch ausgefühlt, sodaß die Theilnehmer Gelegenheit habe», sich in den ver­schiedenen Verwerthungsarten praktisch einzuüben.Ux^

Das Honorar für die Theilnehmer an den Obstver­werthungskursen beträgt für die beiden Abschnitte zusammen 6 Mark, je 1 Abschnitt allein 4 Mark und ist bei Beginn der Kurse zu entrichten. Unbemittelten kann auf Antrag die Honorarzahlung erlassen werden. Die Termine für die Kurse werden sowohl in den Fachschriften und öffentlichen Blättern, als auch den vorher angemeldeten Personen schriftlich kund­gegeben.

Anmeldungen und Anfragen dieferhalb sind zu richten an den Leiter der Kurse, Jnstitutsgärtner Karl Huber in Cassel.

Die Termine der Kurse sind in diesem Jahre:

FerriWetsn.

Für Touristen.

Ein Freund unseres Blattes schreibt uns aus seiner Sommerfrische:

Wie der Rheinstrom mit seinen herrlichen Rebgeländen, wie das Meer mit seiner träumerischen Weite und seiner nervenkräftigen Luft einen Theil des reisenden und erholungs­bedürftigen Publikums anziehen, so lockt die herrliche Gebirgs- welt den Touristen. Und was kann es zur Sommerzeit Schöneres geben, als eine Tour über waldige Höhen, durch saftige grüne Thäler! Wie mancher Mensch sucht aber auch auf längere oder kürzere Zeit Erholung und Erquickung für Körper und Geist in den duftenden Wäldern, um neu ge­stärkt und gekräftigt zu sein für die Anstrengungen des Ge­schäfts- und Berufslebens!

Während nun die Reize so verschiedener Gebirgsgegenden wir nennen nur die eines Taunus, eines Odenwaldes, eines Thüringerwaldes u. s. w. von Tausenden von Fremden die verdiente Anerkennung finden und längst ge­sunden haben, so möchte Schreiber dieser Zeilen auf die Ge- birgsparthien unseres hessischen Berg- und Hügellandes auf­merksam machen und, insbesondere das ^rtenffe vieler Touristen namentlich südlicher Gegenden aus ein Gebirge lenken, das sich an das zwischen ^chwalm und Fvlda hinziehendeVogelsgebirge anschließt,denKnüll.

Dieses hochinteressante Gebiet zieht nicht nur an wegen seines geologischen Ausbaues und feiner reichen und se tenen Flora und Fauna, sondern auch wegen der großen Flächen prächtiger Waldungen. Mit Ausnahme des im Westen sich hinziehenden und durch seine Fruchtbarkeit sich auszelchnenden Schwalmthales ist der größte Theil des Knullgeblets mit Wald bedeckt. Die Landwirthschast erstreckt sich hier auf die Thäler und angrenzenden Bergabhänge. Die Waldungen sind von saftig grünen Wiesen und mit trefflichen Futterkrautern

a. Sommerabschnitt:

für Herren: vom 12. bis einschließlich 15. Juli,

v Damen: ^ 19. ^ w 22.

b. Herbstabschnitt:

für Damen: vom 13. bis einschließlich 16. Septbr.,

Herren: , 27. 30.

Vorstehende Bekanntmachung bringe ich im Interesse der Hebung der heimischen Obstverwerthung zur allgemeinen Kenntniß. Den Besuch der Kurse kaun ich nur angelegent­lichst empfehlen.

Hanau am 28. Juni 1898.

Der Königliche Landratb.

V. 7190 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Afseffor.

Dienstiiachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein goldner Korallenkinderohrring.

Entflogen: Ein Paar junge Mohrentauben.

Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein Doggenhund und ein schwarzer Spitzhand (Bastard), beide m. Geschl.

Zugelaufen: Ein gelbgrauer zottiger Schäferhund m. Geschl., ohne Ruthe; Empsangnahme bei dem Bürgermeister zu Niederdorfelden.

Hanau am 11. Juli 1898.

Erwerbsthätige Frauen.

Durch die Berufszählung vom 14. Juni 1895 ist fest ge­stellt worden, daß im deutschen Reiche 5,26 Millionen Frauen als Erwerbsthätige im Hauptberuf thätig sind. Am 5. Juni 1882 waren es nur 4,26 Millionen. Es haben also eine Million Frauen mehr den bedeutsamen Schritt ins Erwerbs­leben gethan. Die Frauenarbeit ist so sehr in alle Berufs­arten eingedrungen mit Ausnahme der höhern Berufs- arten, daß eine Zunahme überall festzustellen ist. Sogar da, wo die männlichen Erwerbsthätigen abgenommen haben, wie in der Landwirthschaft hier sind sie um 162 049 feit 1882 zurückgegangen ist bei den weib­lichen Erwerbsthätigen eine Zunahme von 218245 in der­selben Zeit zu bemerken. Die Selbst ständigen in der Landwirihschast sind infolge des in der Landwirihschaft herr­schenden Nothstandes sammt und sonders zurückgegangen, die männlichen jedoch mehr als die weiblichen; die männlichen haben sich nämlich um 19,47 Prozent vermindert, die weib­lichen dagegen nur um 9,56 Prozent. Das höhere weibliche Hilfspersonal hat sich verdreifacht, während für das niedere weibliche Hilfspersonal eine Zunahme von nur 11,55 Prozent zu verzeichnen ist.

bewachsenen Weiden unterbrochen. Oefter werden in den Waldungen kleine hochgelegene Walddörfer sichtbar, umgeben von kleinen Fluren,$ die der fleißige Landmann mit Sorg­falt bestellt.

Einsam rauschende Waldbäche, die in großer Zahl den umgrenzenden Flüssen, Schwalm und Fulda zueilen, die zahl­reichen tiefblauen Teiche in ihrer Waldeinsamkeit, die male­rischen Schluchten und Felswände, die idyllischen, reizend sich in die Waldungen einschiebenden Thäler, die auf den Berg­spitzen gelegenen Schlösser und Burgen, die theilweise ver­fallen sind, tragen dazu bei, den Reiz dieser Landschaft in hohem M«ße zu heben.

.Es ist wohl anzunehmen, daß in früherer Zeit das ganze Knüllgeblet von Buchen und Eichen bewachsen war, jetzt haben auf so vielen Parihien deS Buntsardsteins dieselben dem Nadelholz weichen müssen.Der Basalt ist fast ausnahms­los dem Laubholz verblieben, ebenso der Kalk, und große Flächen des Buntsandsteins gehören auch heute noch der die Bodenkraft erhaltenden Buche an. Diese schönen Buchhoch­waldungen bilden eine hervorragende Zierde des Knüllgebiets," ähnlich wie im Hochspefsart.

WaS nun die Tour durch das Knüllgebiet besonders lohnt, ist die prächtige, wohl selten wieder zu findende Fern- und Rundsicht, die ganz besonders aus dem kahlen, nur mit Gras . ib K> äutern bewachsenen höchsten Punkt, demKnüll- köpfcherG, den Blick mächtig fesselt. Am fernen Horizonte steht man in südwestlicher Richtung denTaunus" mit den bedeutendeu Höhen des Allkönigs und des Feldbergs. Dem Auge näher gerückt erblickt man den langgezogenen Rücken des Dogelsberges. Weiter rechts am Horizont die domförmige Kuppe desDünstbergs" bei Gießen. Im Westen fistelt unser AugeJeust" undKellerwald" und dazwischen noch entfernter dasHohelohr." Weiter rechts liegen in ziemlicher Entfernung dieWildunger Berge" und noch weiter rechts mit den vorgelagerten zahlreichen Bergkuppen der weitausge­dehnte Habichtswald mit dem in den Horizont hineinragenden Herkules bei Cassel. Im Nord-Osten "erblicken wir den lang­

Im BergbauIund in der Industrie haben auch die männlichen Erwerbsthätigen seit 1882 zugenommen, und zwar um 28,29 Prozent, aber auch hier haben die Frauen sie überflügelt, indem bei den Frauen eine Zunahme von 34,97 Prozent eingetreten ist. Allerdings sind die Frauen als Selbstständige im Bergbau und in der Industrie etwas mehr zurückgegangen, als die männlichen (6,29 Prozent gegen 4,21 Prozent», dafür aber haben die Frauen als höheres Hilfspersonal (worunter das wissenschaftliche, technische und kaufmännisch gebildete Verwaltungs- und Aufsicht«-, sowie das Rechnungs- und Bureau-Personal verstanden ist), um 311,24 Prozent zugenommen, sich also in dreizehn Jahren mehr als verdreifacht, Das niedere weibliche Hilfspersonal hat um 82 Prozent zugenommen.

Am besten hat sich die Stellung der Frau im Handel und Verkehr gestaltet. Nicht allein hat die Zahl der weiblichen Erwerbsthätigen in dieser Berufs-Abtheilung die große Zunahme von 94,43 Prozent erfahren, auch im Ver­hältniß zu den männlichen nehmen die weiblichen Erwerbs­thätigen im Handel und Verkehr eine ebenso bedeutende Stellung ein wie im Bergbau und in der Industrie; hier wie dort ist fast die vierte erwerbsthätige Person eine Frau. Die weiblichen Selbstständigen sind nämlich im Handel und Verkehr um 34,56 Prozent gewachsen, die männlichen nur um 16,34 Prozent. Bemerkenswerther Weise hat das weib­liche Hilfspersonal mehr beim höhern Hilfspersonal (wissen­schaftlich, technisch, oder kaufmännisch gebildeten Personal) als beim niedern (Handlungs-Gehilfen und Konmis, Verkäufer, Ladenmädchen, Lehrlinge, Kellner, Kellnerinnen, Hilfspersonen, im Betriebe thätige Familienangehörige) zugenommen.

Die RubrikHäusliche Dienste, persönliche Bedienung, Lohnarbeit wechselnder Art", zeigt die Frau auch der Zahl nach stärker als die Männer, 233865 Frauen gegen 198 626 Männer, und während die Männer eine Abnahme um 7,07 Prozent zu verzeichnen haben, ist bei den Frauen eine Zunahme von 27,21 Prozent festzustellen. Im Staats-, Gemeinde-, Militär- undKirchen- dienst und in den sogenannten freien Berufs arten verhält sich die Zahl der erwerbsthätigen Frauen zu der der Männer wie 1 zu 9. Das Ueberwiegen der Männer ist er­klärlich, weil die ersten vier dieser Berufsarten den Frauen naturgemäß so gut wie ganz verschlossen sind. Trotzdem ist auch hier eine Zunahme von 53,24 Prozent zu bemerken; die weiblichen Selbstständigen ohne Beruf haben sich ebenfalls um 58,88 Prozent vermehrt.

Wir sehen also, daß die Frauenarbeit immer weitere Kreise gezogen hat; wir sehen auch, daß die Frau da, wo ihr die Möglichkeit Besserer Vorbildung gegeben wurde, wie

gestrecktenMeißner" bei der Stadt Eschwege und weiter rechts in ziemlicher Entfernung die ganze Kette des Thüringerwaldes mit der Spitze des . Jnselsberges. Im Süd-Osten ruht unser Auge auf der langen Rhönkette, von der man erkennt: Milseburg, hohe Wasterkuppe, Pferds- kuppe, Eube, Rommersberg, Kreuzberg, Rabenstein, Dammers- feld, Dalherdaerkuppe und Mottener Haube. Abgesehen nun von dieser prächtigen Fernsicht, werden wir überrascht durch wunderbar entzückende Landschaftsbilder, die uns auch von anderen Aussichtspunkten in so reichem Maße geboten werden.

Kurzum, wer in diesen prächtigen Waldwegen gewandelt und seien es auch nur einige Tage, wer sich erquickt hat an der reinen, klaren und gesunden Luft, wer die anmuthigen Thäler bewunderte und reizenden Berggruppen erstieg, die dem Touristen die herrlichste Aussicht eröffnen, der wird sich immer wilder zurücksebnen nach dieser prächtigen, aber noch vielfach verkannten Gebirgslandschaft. Er wird die Eindrücke omt früher wiederholen und zufriedenen Herzens und heiteren ue- müthes verläßt er die Thalpiorten.

Um die Erschließung dieses Gebirges hat sich derKnüll- klub" große Verdienste erworben, da dem Touristen, ähnlich wie in anderen Gebirgsgegenden, durch dbgwklscr, Farben- zeichen u. s. w. die gangbarsten Wege kenntlich gemacht sind. Kerr Forstmeister H. Borgmann Oberaula, Präsident des Knüllklubs", hat einen Rcutenzerger für das Gebiet des Knülls nebst einer Orientirungskarte zusammengestellt, der M übersichtlicher Weise die besten und schönsten Touren mit aus­führlichen Bemerkungen über das örtliche, geschichtliche Ma­terial der umgebenden Städte und Dörfer, Sehenswürdig­keiten, Gasthöfe, Länge der Touren, Aussicht von den Berg- küppen aus u. s. w. behandelt. Diesem Werkchen geht eine Einleitung, enthaltend: Geologische Uebersicht, Flora und Fauna des Knüllgebiets, voraus vnd ist zu beziehen durch die Buchhandlungen von Ernst Hühn in Caffel, Ehrhardt und Elwert in Marburg, Höhl in Hersseld, Settnick in Hom- berg, Korell in Ziegenhain, sowie direkt vom Verfasser.