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Nr. 287
Freitag den 9. Dezember
1898
Amtliches.
^anöftreiö ^anau.
VrkiMlttmachMgen des Königlichen Laudrathsamtes.
Mit Bezug auf § 5 der Ordnung, betreffend die Erhebung einer Hundesteuer im Landkreise Hanau, vom 24./11. 1894 (Han. Anz. Nr. 7 pro 1895), ersuch« ich die Herren Bürgermeister, die Nachtrags-Berzeichnisse über die seit Juni d. Js. in Zugang gekommenen steuerpflichtigen Hunde, unter Einsendung der Steuerbeträg-', bis z«M 30. Dezember er. hierher einzureichen.
Hanau am 8. Dezember 1898.
Der Königliche Landrath.
A. 4463 v. Schenck.
Dicustnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Regenschirm. Ein goldener Damen- ring mit rothem Stein. Eine schwarze Schürze, aus dem Wege von Hochstavt nach der Bahn.
Hanau am 9. Dezember 1898.
Tagesschau.
Bon der Marine. Berlin, 8. Dezbr. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Arcona", Kommandant: Fregatten-Kapitän Reincke, am 5. Dezember in Kiautschou eingetroffen; S. M. S. „Kaiserin Augusta", Kommandant: Kapitän zur See Gülich, ist am 6. Dezember von Kiautschou nach Hongkong und S. M. S. „Cormoran", Kommandant: Korvetten- Kapitän Brussatis, am heutigen Tage von Hongkong nach Shanghai in See gegangen; S. M. S. „Moltke", Kommandant: Fregatten-Kapitän Schröder, ist am 6. Dezember in San Juan de Portorico eingetroffen und beabsichtigt, am 9. Dezember nach Port au Prince in See zu gehen; S. M. S. „Nixe", Kommandant: Fregasten-Kapitän von Basse, ist am 6. Dezember in Montevideo eingetroffen und beabsichtigt, am 12. Dezember nach Brunos Aires in See zu gehen.
Als ein Triumph der deutschen Industrie muß das Ergebniß der amerikanischen Prüfungskommission nach den großen Schießversuchen gegen die besten konkurriren- den Panzerplatten zu betrachten sein, auf Grund dessen das Marineamt offiziell beschlossen hat, die Krupp-Panzerung für alle Panzerschiffe und Kreuzer zu adoptiren, deren Bau der Kongreß bewilligt.
Der ProzeßPicquart vor demKassationshof.
Paris, 8. Dezbr. Zu der Verhandlung des Kassations- Hofs fand sich, wie der „Frkf. Z." telegraphirt wird, zunächst
Fenittetsn
Mrästdent Konaparte.
Eine Skizze zur 50jährigen Erinnerung an die Wahl Louis Napoleons zum Präsidenten, 10. Dezember.
Von Robert Berndt.
<N-chdruck verböte».)
Die Februar-Revolution war kaum vollendet, Louis Philipp kaum aus Frankreich verjagt, als sich bereits ein neuer Thronbewerber in Paris, dem fliegen Tummelplätze der französischen Revolutionen, einfand, ein Thronbewerber, von dem man eigentlich zu dieser Stunde mit Recht sagen durfte, daß er nichts war und nichts hatte, und der doch das unerschütterliche Vertrauen auf eine providentielle Mission, auf den Sieg seiner Sache besaß. Das war Hortensens Sohn, Louis Napoleon, der Neffe des großen Oheims, der Komödienheld vonStiaßburg und Ham, italienischer Carbonari, schweizerischer ArMeriekopitän, sozialistisch angehauchter ökonomischer Schriftsteller und sonst noch mancherlei, was ihn wenig dazu zu legitimiren schien, den Degen des tm Jn- validendome zu Paris schlummernden Titanen zu ergreifen. Nein, er war wirklich nur des Onkels Ntsie und nicht mehr, — so dachten damals alle ernsten Leute; „un niais , ein Nichts, das sich gern zu etwas aufblähen wollte. Fast war es wunderlich, daß die provisorische Regierung ihn, der.damals seine Loyalität gegen die Republik eifrigst betonte, aus Paris auswieS ; eS war wohl nur ein durch die allgemeine und unberechenbare Erregung jener Februartage veranlaß er 8« besonderer Vorsicht, nicht aber der Ausdruck -lvsier Beforgniß vor Louis Napoleon. Als die Deputirten ammer am 26 Wa über die Verbannung der PrSstdentensamilren berüth, da trat die allgemeine Ansicht, wie wenig man von dem BonapartlS-
nur wenig Publikum ein, doch wächst ler Andrang. Man bemerkt jetzt viele Studenten im Saal. Nach der Eröffnung der Sitzung erhält der Berichterstatter Atthalin das Wort. Atthalin verliest den Antrag P cquan's auf Anerkennung der Konvexität des kriegsgerichtlichen Verfahrens mit dem bürgerlichen und rekapitulirt dann die Zeitfolge der besonnten Geschehnisse. Am 25. August wurde Picquart mit Leblois vom Untersuchungsrichter Fabre vor die Strafkammer verwiesen. Am 30. August begannen die Ereignisse sich zu überstürzen. Henry gestand sein Verbrechen der Fälschung und der Ministerrath leitete die Revision des Proz-sses Dreyfus ein. Die Strafkammer trug korrekterweise d-n Verhältnissen Rechnung und vertagte einige Tage später die Vwhandlung, erachtend, daß Konnexität mit der Affaire Dreyfus bestehe. Einige Tage später befaßte der Justizminister den Kossations- Hof mit der Revision des Dreylus-Prozeffes, die zu einer Enquete führte, welche noch schwebt, die aber, wie Sie wissen, zur Konfiskation eines hochbedeutsamen Brufes führte, den Esterhazy am 17. August 1894 schrieb (Bewegung). Atthalin verliest dann unter Heiterkeit des Publikums die Verfügung Zvrlinden's vom 24. November, wonach Picquart be'chulvigt wird das „petit bleu“ gefälscht zu haben, um den Verdacht des Hochverraths auf einen Offizier der französischen Armee zu lenken. Diese Verfügung' schließe auch Beschuldigungen ein, die zugleich Leblois betreffen und vor der Civiljustiz anhängig sind. Atthalin führt dann für die formelle Zuläfstgkcit des Rekurses zahlreiche Präzedentien an und geht zur Frage der Konnexität über, im voraus bemerkend, daß von der militärischen Behörde für die heutige Verhandlung nichts weiter zu erlangen war, ols eine Abschrift der Verfügung Zur Unsers; „aber," fährt Atthain fort, „nach den Akten des Verfahrens vor der Civiljustiz sind wir in der Lage, über die Beschuldigungen gegen Picquart urtheilen zu könnin, wie unser Gewissen es verlangt. Ob mit Recht oder mit Unrecht, neigt man nach der ganzen Haltung Picquarrs zur Annahme, daß Dreyfus unschuldig, Esterhazy dagegen schuldig ist/ (Sensatiln) Atthalin schließt: „Das „Petit bleu“ ist der Mittelpunkt und die Grundlage aller gegen Picquart erhobenen Anklagen. Die Untersuchung, welche der Eröffnung des Verfahrens vor der Strafkammer vorausging, anerkannte die absolute Echtheit des „petit bleu“, und jetzt kommt ein militärisches Verfahren und verwirft die Echtheit des nämlichen Schriftstücks. Das allein beweist die Konnexi- tät der beiden Verfahren und den offen- n Widerspruch zwischen der Entscheidung Zurlinden's und der Civiljustiz." Atthalin beantragt zum Schluß: „Seit communique“, das heißt die Ablieferung der civilen und militärischen Akten an den Kossationshof, womit beide Verfahren sistirt werden. D^r Vertheidiger Mimerel erklärt, nach den Ausführungen Attha- lins bleibe ihm nickt viel zu sagen übrig, picquart habe sich
muS überhaupt und seinem gegenwärtigen Führer im besonderen zu befürchten habe, überaus drastisch hervor. „Die Familie Bonaparte (so rief der „Bürger" Ducoux aus) tat heut nur noch eine historische Bedeutung, sie ist nur noch die Tradition einer glorreichen Epoche, die wir gewiß bewundern können, die aber Niemand so toll sein wird, wiederbeleben zu wollen." Ja, der Justizminister Crömieux erklärte sogar, für das gegenwärtige Frankreich würde die fernere Aechtung der Familie Napoleons eine Schande fein. DaS war am 26. Mai und das Verbannungsdekret wurde fast einstimmig aufgehoben. Kurz darauf hieß es, Louis Napoleon wolle bei den Deputirtenwahlen vom 4. Juni kandidiren. Er kandi- diren? Welch' sonderbare Idee, welch' wunderliche Verblendung über seine Aussichten! Nun, die Kandidatur stand jedem Bürger frei; aber während die Wahlpolemik in der Presse mit der üblichen Heftigkeit tobte, wurde die in Paris und einigen Departements aufgestellte Kandidatur Bonapmte überhaupt nicht besprochen. Es lohnte nicht der Mühe, so sagten die ernsten Politiker.
Lohnte eS sich wirklich nicht der Mühe? Und die rosen- rothen Plakate, die überall an den Mauern prangten, vor denen die Menge sich dräugte, die von Hand zu Hand gegeben wurden? Waren die Töne so nngefährlich, die da ungeschlagen wurden? Aus diesen Plakaten schlug dem L^ser die Erinnerung an die märchenhaft großartige napoleonische Episode, an die Zeit entgegen, „da unsere Fahnen siegreich in Wien, Berlin, Moskau flatterten." Da erichun die „unbegrenzte Größe" deS nationalen Helden und da winkte die verführerische Gestalt Josefinens, der „Vielgeliebten von Frankreich." Da war Louis Napoleon der Sprößling einer durch den Fremden vertriebenen Dynastie, als der Mann des nationalen Gefühls, als enfant de Paris, als wahrer Ar- beitersieund gepriesen. „Lest seine Estinction du pauperisme*, hieß es hier. „Protestirt mit seiner Wahl gegen die Ver
nur mit W-derstreben bestimmen lassen, auf eine baldige Ab urttzeilung zu verzichten. Er reckne auf die bewährte Billigkeit der Richter des Kassationshofs, daß sie den Antrag Atthalins annehmen.— Staatsanwalt Man au: Ohne Zweifel besteht zwischen allen Verfahren die Picquart oder Esterhazy oder Dreyfus oder auch Du Pathy de Clam betreffen, ene gewisse, wenigstens moralische Konnexität. Ich selbst habe die Aufgabe übernommen, die Affaire Dreyius gründlich zu behandeln und meine Pflicht, über die Affaire Picquart zu reden, ist noch nicht ausgegeben. Ich warte, bis Sie, meine Herren, volles Licht gemacht haben durch Ihre mühevolle Enquete unb bis Sie mir Ihre Akten ausliefern, um entweder die Unschuld eines Verurth ilten zu proklamiern oder die Schuldigen zu treffen. Die heutige Frage ist sehr einfach. Die Konnexität beider Verfahren besteht offenbar, aber die Schwierigkeit ist, sie zu beweisen, denn nur die Akten der Civiljustiz sind uns zugänglich gemacht. Die militärischen Akten versagte man uns. Sie tönten aber nur auf Grund der Akten urtheilen, wie sie immer gethan haben, und damit ist die Nothwendigkeit gegeben, die Ueberlassuug der militärischen Akten zu verlangen. Ich halte das für absolut nothwendig, denn während die Civiljustiz geltend machen will, daß Picquart durch die Mittheilung des „petit bleu“ an Leblois vas Staatsgeheimniß preisgegeben labe, nimmt die Militärjustiz an, daß dieses Dokument gefälscht sei. Das ist ein offener Widerspruch. Wird Picquart als Fälscher verurtheilt, dann hat das „petit bleu“ keinerlei Werth mehr und der Grund für das Civilverfahren ist hinfällig. Sie können also den Rekurs Picquarts weder verwerfen noch annehmen, sondern Sie müssen die Akten der Militärjustiz reklamiren, um rechtmäßig urtheilen zu können. — Der Gerichtshof geht zur Berathung ab.
Paris, 8. Dezbr. Der Kastationshof erachtet sich in seinem Urtheil aus Mangel einer Vorlage der militärischen Akten nicht für genügend informirt, um von Grund aus über den Rekurs Picquarts zu entscheiden; er beschließt demnach, die Akten des Kriegsgerichts einzufordern, und beauftragt den Staatsanwalt, diesen Beschluß dem General Zurlinden zuzu- stellen mit der Angabe, daß innerhalb 15 Tagen vom Tag der Zustellung an der militärische Dossier auszuliefern sei. Zum gleichen Termin werden der civile und der militärische Untersuchungsrichter gehalten, ein Memorandum eiuzureichen. Zugleich ordnet der Kassationsbof die Unterbrechung beider gegen Picquart schwebender Verfahren an bis zur definitiven Entscheidung des Rekurses. Das zahlreiche Publikum nahm das Urtheil ruhig auf.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Dtp eschen-Bureau .Herold'.)
Berlin, 8. Dezbr. Der Kaiser hat von der offiziellen Vertretung des Reichstages die Mittheilung erhalten, daß der
träge von 1814 und 1815/ hieß es da. Gewiß — man wußte von diesem Ma ne nichts. Nichts, als daß er einen Namen von unvergleichlichem Ruhme trug, deffen Flecken in der Erinnerung längst verblichen waren, der auf jeden Franzosen nach wie vor einen magischen Zauber ausübte. Und wußte man von ihm nichts, so konnte man von ihm doch alles Gute erwarten. Das aber wog viel in diesen Tagen, in denen der „Wiuter des Mißvergnügens" die französische Volksseele bereits beberrschte, in denen Royalisten, gemäßigte Republikaner und ladikale ?Fanatiker bereits gleicherweise das allgemeine Mißtrauen genossen. Und eine kleine, aber höchst eifrige und geschickte Schaar von Anhängern des Prinzen verstand es vortrefflich, dies Miptranen zu näheren und von diesem dunklen Grunde Louis Napoleons Bild in den lockendsten glän endsten Farben sich abheben zu lassen
Kurz und gut, allen „ernsten Politikern" zum Trotze wurde Louis Napoleon am 4. Juni nicht allein in PariS gewählt, wo er über 84000 Stimmen erhielt, sondern noch in drei Departements. Und als am 8. Juni auf dem Hotel de Ville sein Name unter denen der Gewählten proklamirt wird, da erhebt sich in der Menge ein Beifallssturm, die Nationalgarden jubeln ihm zu, das Zauberwort Napoleon geht von Munde zu Munde, es pflanzt sich in die Salons fort, der neue Deputirte wird mit einem Male der Held des TagkS und die Presse beschäftigt sich j-tzt mit ihm mit der gleichen Befliffnheit, mit der sie ihn vo>her todtgeschwiegen latte. „Sein Name ist die Fahne einer Verschwörung!" rief LamennaiS im Peuple. Der Bien public warnte; „Paris gährt, man hört „Hoch Nspoleon" rufen." Ja, schon erscholl dieser Ruf, an den noch vor wenigen Wochen Niemand auch nur im entferntesten gedacht hatte, auf dm Straßen der Hauptstadt; schon rief ein Maueranschlag in Charleville die Bürger mit dem Rufe „Vive l’Empereur I" offen zur Neugestaltung deS Staates auf; schon bereitete man dem Prinzen