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*X- Amtliches Organ Mr StaSt- unö Lanökreis Hanau.

Sisrückung». gcbLhr

für Sladt- uni Bea*» kr«S Haruw 19 ^ Mi -igespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

10 ^ Erscheint täglich mit Assnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 262 MWMWW'«

Mittwoch teil 9. November 1898

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Amtliche Beilage" Nr. 74.

Amtliches.

Staöt^xew ^anau.

Der am 7. November 1882 in Kempten in Bayern ge­borene Friedrich Wilhelm Neug (Rufname Fritz) hat sich in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag den 29./30. ». Mts. heimlich aus seinem Vaterhaus entfernt. Es wird vermuthet, daß er sich in das Ausland nach irgend einem anderen Welt­theil begeben will.

Er ist mittelgroß, schlank, rothwangig, hat hohe Stirne, blonde kurzgeschnittene Haare und zeitweise ein nervöses Zucken im Gesicht, trägt einen moosgrünen Anzug, blaugrauen Ueber- zieser mit Sammttragen, schwarzen Hut, Regenschirm, gelbe lange Kravatte, eine silberne Uhr mit silberner Kette, einen goldnen Ring, führt kleinen schwarzen Handkoffer mit sich und ist im Besitze von zirka 250 Mark.

Es wird ersucht, nach dem rc. Neug zu fahnden, den­selben beim Betreffin anzuhatten, ihn schonend zu behandeln vnd mir sofort telegraphische Nachricht zu geben.

Bei Aufgreifung ist eine Belohnung von 30 Mark aus­gesetzt.

Hanau am 8. November 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 11274 J. V.: Dr. Becker, Reg.-Asseffor.

St^SIU^ers ^anaxu AMMmachMM des OLerbürgermeisteramteS.

Bekanntmachung.

Das Einlagebuch zur hiesigen städtischen Sparkasse Konto A. 106, ausgefertigt am 11. Januar d. I. auf den NamenWeihnachtssparkaffe zur Rosenau, vertreten durch den Gastwirth Theodor H appel zu Kesselstadt", ist angeblich abhanden gekommen.

Der etwaige Besitzer dieses Buches wird gemäß § 9 des Sparkafsenstatuts aufgefordert, sich zu melden und seine An­sprüche geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf von 2 Jahren ein Duplikat ausgefertigt werden wird.

Hanau am 8. November 1898.

Der Magistrat.

________________Dr. Gebeschus.____________16751

Die deutsche Hanse.

In einer zwar sehr umfangreiche«, aber in ihrem Inhalte desto gediegneren Schrift gibt der Professor der Geschichte an ^MMMMMMWMMMMMiMMM^MIIIMIIMB

Feuilleton.

Aus Schillers Siebeslebeu.

Ein Skizzenblatt zu Sckillers Geburtstag, 10. November. Von Alexander Härlin.

(Nachdruck verboten.)

Als Schiller, des Zwanges der Militärakademie ledig, i» die Welt hinauStrat, war er ein hochaufgeschossener «nge- schickter Jüngling von wenig einnehmenden Farmen, der zu­weilen selbst einen ans Komische grenzenden Eindruck machte, vnd wie die Welt überhaupt, so kannte er speziell die Frauen recht wenig. Erst die Liebe hat ihn erzogen, gesellschaftlich und menschlich. Sie hat seine Sitten veredelt, hat sein Denken und Empfinden verfeinert, seine Erfahrung und Menschenkenatniß bereichert und vertieft. Gerade dieser so ganz im Reiche des Idealen wohnende Genius brauchte vor Anderen die Frauenliebe, um auf der Erde heimisch zu bleiben und sich glücklich zu fühlen, und es hat etwas Rührendes, wenn Schiller im instinktiven Gefühle dieses Bedürfnisses schon 1784 nur von einer Heirath sich glückliche Ruhe für sein Herz und für seinen Geist die nöthige Freiheit und Muhe verspricht. Eine ähnliche Empfindung drückt er, nur noch entschiedener und klarer, vier Jahre später in einem Briefe an Körner aus, in dem er nach einer ununterbrochenen Reihe feiner, wohlthätiger, häuslicher Empfindungen verlangt, die ihn für die Freude stimmen und sein erstarrtes Wesen wieder durchwärmen sollen.

Aber auch geläutert hat diese Liebe diesen starken, brause»' den, gährenden Geist. Von allem weiblichen Umgänge lange ferngehalten, fühlte er in der Freiheit das mächtige, feurige Verlangen eines starken Temperaments. Und da sich dazu eine reizbare Phantasie gesellte, so war Schiller von den Frauen leicht zu erobern, wenn sie es nur geschickt anstellten.

der Universität Halle Theodor Lindner einefür das Volk dargestellte" und demnach leicht verständliche Geschichte der Deutschen Hause". Das Buch ist werth, ein Hausschatz der deutschen Familie zu werden.

Kaum eine andere Geschichte enthält zahlreichere und werth- vollere Lehren für die Gegenwart als die Geschichte der deutschen Hanse. Indem der Verfasser diese Lehren mit mar­kiger Wucht herautzzuarbeiten weiß, gestaltet sich seine Dar­stellung zu einem Spiegel für das lebende Geschlecht. Schon die Einleitung führt uns auf eine hohe Wane geschichtlicher Betrachtung und lehrt uns, daS Einst und Jetzt vergleichend zu überschauen. Die alten hansischen Männer, so etwa läßt sich Professor Lindner vernehmen, hatten Ehr und Nutzen ihrer Heimathstadt vor Augen, wir, denen ein glücklicheres Geschick zu Theil geworden ist, sorzen für ein großes Vater­land. Es gilt ihm allerwege und mit allen Mitteln zu dienen. Die seegewaltige Hanse hat einst deutsche Kraft und That weithin über alle Länder verbreitet, doch nach jahrhun- dertlangem Ringen ging sie unter in den trübsten Zeiten, die Deutschland erlebt hat. Keine Volksgeschichte ist lehrreicher, als die deutsche. Sie predigt mit mächtiger Zunge, was ein Volk zu leisten vermag, aber auch, wie es sich selber um die Früchte seiner Arbeit bringen kann.

Unsere alten Kaiser haben verabsäumt, das Meer sich und dem Volke dienstbar zu machen, und die Deutschen haben ihre Unterlassungssünde schwer gebüßt. Das neue Kaiserthum ist dieser nationalen Pflicht voll eingedenk. Möchten auch die Bürger des Reiches den ihnen gewiesenen Weg zu einer großen Zukunft opferwillig verfolgen! Daß nur ein zur See starkes Reich das hohe Ziel erreichen kann, bew ist die Geschichte der deutschen Kaufmannschaft.

Gewiß ist den Hansestädten der Vorwurf zu machen, daß sie allzu lange im altgewohnten Gleise verharrten. Sie blieben hängen an den ererbten schlichten Formen deS Handels und des Geldwesens, die für den Welthandel nicht zureichten. Sie machten sich nicht los von dem Banne einer großen Ver­gangenheit, der sie festhielt; die vergilbten Pergamente, die sie als ruhmreich erworbene nicht fahren lassen wollten, wurden ihnen zur Fessel, zur freie Bewegung raubenden Kette.

Aber auch, wenn dieser Vorwurf nicht zud äfe, hätte sich doch die Hanse ohne den Rückhalt eines starken, seegewaltigen Reiches dauernd nicht zu behaupten vermocht. Wenn die im Zusammenhang mit Spanien versuchten Krlonie-Gründungen der Augsburger Weiser in Südamerika fehlschlugen, wenn nachher selbst Brandenburg-Preußen seine wohlgemeinten Be- strebungm als aussichtslos aufgab, so konnten einzelne Städte nicht daran denken, mit den anderen Völkern in Wettbewerb zu treten, und zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, wo Holland, England und Frankreich die Jagd nach Kolonien

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Ja,eine Kokette, jede Kokette kann mich ftsfiln," so klagte er;entzünden (zu dauernder Liebe) kann mich keine, aber beunruhigen genug." Eindrucksfähig und liebesbedürstig ja liebeshungrig, wie der empfindsame und zärtliche, junge Poet war, konnten ihm schwere Versuchungen nicht erspart bleiben, und die Libertinage, die den Geist jener die Schranken der hergebrachten Moral, der Standesunterschiede, der gesellschaft­lichen Konventionen revolutionär zerbrechenden Zeit und ganz besonders den der damaligen Künstler- und Schriftsteller kreise kennzeichnete, mußte diese Versuchungen besonders gefährlin machen. Nicht als milde Freundin kam die Liebe zu diesem Feuergeiste, sie kam über ihn, wie der wilde Frühlingssturm, sie zerbrach das Morsche, aber sie reinigte seine Seele auch, sie ebnete neuen Bildungen, neuer Schöpferkraft die Bahn, sie führte ihm tausendfachen fruchtbaren Samen zu. Wenn imstande ist, uns die Gestalt dieser sittlichsten aller Persönlichkeiten aus unserer Geschichte noch werther zu machen, als sie uns schon von Kind auf ist, so iit es der Einü, der Muth, die Männlichkeit, mit der er all jene Versuchungen »verwindet. Es ist ein besonderes Verdienst deS neuerdings (bei Leopold Doß in Hannover) erschienenen sehr gründlichen und anziehenden Buches von Gustav PortigSchiller in seinem Verhältniß zur Freundschaft und Liebe", das wir der Aufmerksamkeit unserer Leser angelegentlich empfehlen, den Nachweis von der sittlichen Reinheit der Schiller'schen Liebes- beziehungen geführt zu haben. Er ist rein geblieben, er hat überwunden, und hat dadurch sich seine volle sittliche Kraft, den Herzschlag seiner Dichtung, bewahrt und sich des Siebei« ßlückcs würdig gemacht, daS ihm schließlich bejchieden war.

Die Amalia in denRäubern" legt von Schillers da­maliger geringer Frauenkenntniß deutliches Zeugniß ab; sie ist nicht viel mehr als eine Art Mannweib, und von eigent­lich weiblichen Zügen ist kaum der eine oder andere an ihr zu bemerken. Ganz anders steht es bereits um FieSko'L

begannen, waren diese bereits der Hanse weit überlegen. Ihr: Schiffe^fuhren zu den Ervbe.ungen aus unter dem Banner ihrer Staaten; aber was hätte den Lübeckern, den Ham- ; burgern, den Bremern und den anderen Städten der Reichs- ; adler geholfen? Da wären ihre eigenen Flaggen noch ange- : sehen er gewesen, als diese paar Cllm bunten Tuches, die nur der Wind, nicht der Odem einer Staatsmacht flat­tern ließ.

Daraus aber folgt, daß eS des Einsatzes der ganzen Volkskrast und der vollen Reichsgewalt bedarf, um einem Staate seine maritime Handelsstellung zu sichern. Nun wohl, die traurigen Verhältnisse, welche Verfall und Ende der Hanse verursachten, bestehen heute nicht mehr, noch leben aber in unserem Volke die Eigenschaften, welche die Hanse gründeten und mit stolzer Kraft erfüllten. Sonach sind alle Bedingun­gen gegeben, um in neuen, dauerhafteren Formen die alten Zeiten deutscher Seeherrlichkeit heraufzuführen. Mit diesem hoffnungsreichen Ausblicke schließt der Verfasser sein Buch, daS keine farblose Geschichtsdarstellung bietet, vielmehr als eine ernste Mahnung und ein nationaler Weckruf gelten darf, wie man ihn sich packender und zündender nicht zu wünschen vermag.

Tagesschau.

Von der Marine. Berlin, 8. Novbr. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marin«! ist S. M. S.Cormoran", Kommandant: Korvetten-Kapitän Bruffatis, am 5. November in Shanghai eingetroffen; S. M. S.Loreley", Kommandant; Korvetten-Kapitän von Witzleben, ist am 5. November in Beirut angekommen, am 6. November nach RhoduS in See gegangen, am 7. Novem­ber in Port Said angekommen und beabsichtigt, am 9. d. Mts. wieder in See zu gehen; S. M. S. »Irene", Komman­dant ; Korvetten-Kapitän mit Oberst-Lieutenants rang Oben- heimer, ist am 6. November in Manila eingetroffen; S. M. S.Kaiser", Kommandant: Kapitän zur See Stubenrauch, mit dem Chef des Kreuzergeschwaders, Vize­admiral von Diederichs an Bord, beabsichtigt am heutigen Tage von Amoy nach Foochow in See zu gehen; S. M. S. Prinzeß Wilhelm", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oöerst LieutenantSraug Truppe!, ist heute von Dokohama auS in See gegangen.

Beisetzung Bismoecks. Fürst Herbert Bismarck hat, wie bereits mitgetheilt, bestimmt, daß die feierliche Beisetzung der Leiche des Fürsten Otto v. Bismarck in dem neuerbauten Mausoleum am Sonntag, 27. November, erfolgen soll. Bis- marcks Leiche, die einbalsamirt und eingesargt ist, steht seit dem Todestage noch immer im Sterbezimmer des Schlaffes, wo eine ständige Todtenwache gehalten wird. Aus dem

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Leonore, und um die Luise Millerin, in denen zweifellos ein eigenthümliches und feines weibliches Empfindungsleben an­schaulich geschildert ist. Dazwischen liegen eben bei Dichters erste Erfahrungen in der Liebe, liegen auch jene leidenschaft­lichen Liebesergüsse, die unter der Bezeichnung und Gedichte an Laura" bekannt sind. Man hat als das Modell Lauras jene Hauptmannswitlwe Luise Dorothea Bischer erkennen wollen, bei der der RegimentsmedikuS Schiller 1781 wohnte. Daß zwischen ihnen ein Verhältniß bestanden hat, scheint außer Zweifel. Fragt man sich, was Schiller zu der bereits dreißig­jährigen, durch Reize wenig hervorragendm Wittwe hinge­zogen haben kaun, so muß man eben in dem Bedürfnisse des Einsamen und in hartem Zwange Aufgezogenen nach Liebe und in seiner Phantasie die Ursachen suchen, in seiner Phantasie, die leicht jedes Weib, das ihm freundlich entgegen« kam, zu einem Jdealgeschöpfe umbildete. Und so hat Porting sicher recht, wenn er dieVischerin" als das zufällige Modell

bez ichnet, das ihm zu seinem in den Laura-Öden zu Tage tretende Phantaste-Zdeale

löste sich das Verhältniß gute Freundschaft auf;

Marktpräsent nebst einer Zeigt die Beziehung

der Liebe gesessen habe. Später zu der HaupimannSwittwc in eine noch 1783 sandte ihr Schiller ein Silhouette."

_ _ . . . zUr Vischerin, wie mächtig den

schwärmerischen, jungen Poeten allein schon der Verkehr mit den andern Geschlechte bewegte, so kann man sich leicht denken, daß sein Herz hinter den Kouliffeu des Mannheimer Theaters nicht unverwundet blieb. Theaterluft ist ja von jeher und nicht blos unerfahrenen jungen Leuten gefähr­lich gewesen, und die schöne junge Schauspielerin, die die Luise in seinem Stücke so ergreifend gab, mußte auf Schiller, man möchte sagen: unvermeidlich Eindruck machen. Katharina Baumann hieß die Künstlerin, und sie war eine gefeierte Schönheit. AuS dem nachlässig gelleideten Dichter machte sie sich ihrerseits recht wenig; er aber trat nach einer Vor-