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Amtliches Organ für Slaöt- unS LanöKrels Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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für Stadt- und 8a* kreis Hanau 10 ^ M gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für AuSwärtS 15 ^

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Nr. 183

Dienstag den S. August

1898

W

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 52.

AmMchsS. AcrrrHUFsis ^awxxx.

BekkmntmachuugeN des Königlichen Landrathsarntes.

Zu Hof-Schwalhcim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöftsperre wieder aufgehoben worden.

Hanau am 8. August 1898.

Der Königliche Landrath

V. 8668______________v. Scheuck.______________________

Dieustnachrichlcu aus dem Kreise.

Gefunden: Ein schwarzseidener Regenschirm. Ein gelber Kinderschuh.

Verloren: Ein goldner Kneifer; dem Wiederbringer gute Belohnung. Eine braun- und blaukarrirte Wagendecke. Ein weißer Kinderstrohhut.

Entflogen: Eine blaue Brünnertaube; dem Wuder- bringer gute Belohnugn. Zwei Tauben, eine schwarze und eine graue; gegen Belohnung abzugebtn.

Hanau am 9. August 1898.

Die WiMürherrschaft in der sozial demokratischen Selbstverwaltung.

DieNat.-Ztg." schreibt: Wenn man absicht von allen Utopien und Phantastereien des sozialdcwokratischcn Pro­gramms, so schrumpft dasselbe auf dieMogensrage", d. h. auf die Forderung erhöhter Löhne bei im Uebrigen menschm- würdiger Existenz, zusammen. Man sollte meinen, daß die Genossen", wenn es ihnen ernst wäre um die Verbesserung der Gesellschaft, wo sie nur die Gelegenheit dazu erhalten, nun auch noch ihren Grundsätzen handeln, Jedem das Seine geben und etwas fröhliche Zukunftsstoots-Stimmung inner­halb ihres Wirkungskreises verbreiten. An all das ist nicht zu denken. Zahlreiche Beispiele verkrachter sozialdemokratischer Gründungen beweisen, daß unter ihrer Firma die partei- genössischen Arbeiter in tirer oft ganz brutalen Weise auS- gebeutet worden sind, daß sie, wenn sie mucksten, rücksichts­loshinausflogen", daß ein erbärmlich kleinlicher Geist nur darauf hielt, so billig wie möglich zu wirthschaften und daß trotz alledem diese Gebilde nicht im Stande waren, sich zu erhalten. Die Sozialdemokratie entpuppte sich in diesen Fällen stets als zügellose Macht des Kapitalismus.

Im Laufe der Jahre hat nun die Sozialdemokratie sich die Herrschaft auch in gewissen öffentlichen Einrichtungen zu erringen gewußt: wir erinnern nur an die Gewerbegerichie, vor Allem aber ist hier an die Ortslrantenkassen zu denken. In der Arbriterkrankenversichervng ist durch die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz vom Jahre 1892 der Schwerpunkt in die Ortstrankentaffen gelegt worden. Die freien Hilss- kassen sind allmählich zurückgedrängt worden und haben sich nur noch lebensfähig erhalten, wenn ihr Mitgliederbestand ein sehr hoher war oder wenn ihr Wirkungskreis eng begrenzt blieb und zugleich dort Zwangskassen entweder gar nicht vor­handen oder, wenn vorhanden, doch nicht leistungsfähig waren. Da die Hilfslaffen von den Arbeitern selbstständig verwaltet wurden und die Ortskassen ebenfalls auf dem Prinzip der Selbstverwaltung errichtet sind, so suchten die gewerkschaftlich und politisch organisirten Arbeiter bei der eingerittenen Ver­schiebung des Schwergewichts der Krankenversicherung in die OrtSkassen die Verwaltung dieser in ihre Hände zu bekommen. Ihre Bestrebungen nach dieser Richtung hin sind wenigstens den Großstädten und Jndustriegcgenden meist von durch­schlagendem Erfolg gewesen. Ihre )o in der Kassenverwaltung gewonnene Machtstellung haben sie jedoch in einer Weise miß­braucht, die zu den schwersten Bedenken Veranlassung gibt.

Wir haben schon berichtet, daß in. Barmen etwa 30 Aerzte der dortigen Ortskrankenkasse ihre Thätigkeit alS Kravken- lasienärzte einstellten. Ihre Rezepte wurden von einem Kollegen, der zugleich eifriger Sozialist ist, überrevidirt, der. selbe drang in unangenehmster Weise auf Beschreibung mög­lichst vorwiegend billiger Arzneien, seine Forderungen er­streckten sich aus bestimmte, den Aerzten kundgegebene Wünsche sogar hinsichtlich der Pilleuschachteln und Medtzingläser, und schließlich verlangte er, die Aerzte sollten, da die Apotheker einen von Neuem verlangten Rabatt von 10 Prozent nicht be­willigen wollten, Hausapotheken einrichten und selbst die ge­bräuchlichsten Arzneien verabreichen, damit auf diese Weise die

Politisch« und unpolitisch« Nachricht««.

(Depeschen-Burea« .Herold'.)

8. August. Der Kaiser hörte gestern nach dem ottesdrenst in Wilhelmshöhe den Vortrag des Leiters des Auswärtigen AmteS, deS Gesandten Grafen Wolff-Metternich and im Laufe des heutigen vormittags die Vorträge deS Ge- sandtm Grafen Wolff-Metternich und deS Chefs des Civil, kabinets von Lucanes und deS Militär-JnspekteurS der Frei- DMlgen Krankenpflege Grafen zu SolmS-Baruth.

»«litt, 8. August. Der BundeSrmh hat an den Fürsten Herbert Bismarck folgendes Beileidstelegramm ge­

Apotheker mmbe gemacht würden. Als sich endlich die Aerzte weigerten, diese unwürdige Behandlung über sich ergehen zu losscn, kündigte ihnen die Kasse schlankweg den Vertrag. Die Kaffe suchte Aerzte in der Presse, wollte auch einzelne der Barmer Aerzte zu Sonderverträxen bewegen, hatte aber nur geringen Erfolg. Am 1. Juli gab es statt der bisherigen 3040 Kassenärzte nur noch sieben, darunter drei von aus­wärts herbeigezogene. Die Kranken thaten sich zu Eingaben bei der Regierung zusammen, es spielten sich im Ortskranken- Haus lebhafte Szenen ab, und die Kaffe begann einzusehen, daß sie dem Druck von oben und unten nicht widerstehen könne. Sie verstand sich in einer Sitzung am 6. Juli, die ein Vertreter der Düsseldorfer Regierung leitete, dazu, die Forderungen der Aerzte in fast allen Stücken zu bewilligen.

Nicht anders wie gegen Aerzte und Apotheker verfahren die Ortskravkenkaffenvorstävde, wo es nur möglich ist, gegen die Kassenbeamten. Mit dem eintretenden Wechsel der Vor­stände findet meist auch ein Wechsel der Beamten statt. Die oft vielfach ein Lebensalter in der Kaffe thätig gewesenen Beamten werden auf die Straße gesetzt, um Platz zu machen solchen Personen, welche in demjenigen Berufe, für welchen die Kaffe errichtet ist, agitatorisch thätig waren. Auch die Mitglieder der Kaffenvorstände suchen sich oder ihre Bekannten in die zu diesem Zwecke stets gut dotirten Stellen zu setzen. So werden Schuhmacher, Schneider, Schloffen rc. Bureau- beamte der Kasse. Die Entlassenen finden keine Stellung mehr, da in fast allen Kasten gleiche Zustände herrschen. Eine geregelte Verwaltung ist natürlich unter diesen Umständen unmöglich. Die Krankenkassenbeimten haben sich daher zu einem über das Reich hin verzweigten Verbände zusammen- gethan und wiederholt beim preußischen Minister für Handel und Gewerbe Schritte gethan, um eine Aenderung der schmäh­lichen Gepflogenheit zu veranlassen. Der Minister hat denn auch, wie fitzt bekannt» wird, unterm 9. Juli eine Verfügung an sämmtliche Oberpräsidenten erlesten, welche folgenden Wort­laut hat:

Der Vorstand des Verbandes der Verwaltungsbeamten der Ortskrankenkasten und Berufsgenosftnschaftcn hat wieder­holt bei mir zur Sprache gebracht, daß vielfach von den Vor­ständen oder Ger er al-Versommluvgcn der Ortskrankenkasten mit den Angestellten der Kaste willkürlich verfahren werde, indem diese namentlich anläßlich der Neuwahl des Vorstandes ohne Grund entlasten würden, um anderen, zum Theil un­geeigneten Personen Platz zu machen. Dieses in Einzelfällen auch von mir beobachtete Vorgehen bedroht und schädigt nicht nur die Existenz zahlreicher in den Geschäften der Kasse er­fahrener Personen, sondern entspricht auch nicht dem Interesse der Kassen selbst, denen an der Erhaltung eines ordentlich vorgebildeten Personals und eines gleichmäßigen Geschäfts­ganges gelegen sein muß. Ich ersuche Sie daher, durch die AuspchtSbehörden die Vorstände der Ortskrankenkasten Ihres Bezirks darauf hinzuweisen und zu veranlassen, daß mit den Angestellten der Kasten gehörige Dienstverträge abgeschlossen werden, in denen die Gründe der Kündigung und angemessene Kündigungsfristen bestimmt sind. Dabei empfiehlt es sich, in dienn Dienstverträgen die Bestimmung vorzusehen, daß eine Kündigung des Personals durch den Vorstand nur bei grober oder wiederholter Verletzung der Dienstpflichten zn- laffig sei und daß über die Frage, ob diese Voraussetzungen zutreffen, im Streitfälle ein Schiedsgericht oder die Aufsichts­behörde entscheiden solle.

Es ist dringend zu wünschen, daß diese Verfügung, namentlich so weit sie sich auf die zulässigen Gründe der Vertragskündigung bezicht, auf das Strengste durchge- uhrt werde. Die zahlreichen, im Uebrigen unselbstfiändigen sind nicht im Stande, wie die Aerzte, sich selbst der Willkurherrschaft der Sozialdemokratie zu erwehren. Und da- zu r;t denn doch die Arbeiterversicherung nicht geschaffen worden, daß sie der Sozialdemokratie zu einem Hebel für dleEmanzipation der Arbeiterkaste" in dem geschilderten ruinösen Sinne werde.

sandt: Der Bundesrath kann es sich nicht versagen, Euer Durchlaucht seinen tief gefühlten Schmerz über das Hin­scheiden des großen und heldenhaften ersten Kanzlers des ge­heiligten Vaterlandes auszusprechen. Die zwei Jahrzehnte, welche er an unserer Spitze stand, sind ein unvergeßlicher Markstein geworden für Deutschlands Größe und Wohlfahrt. Sein Geist war so mächtig, daß er in Deutschland noch nach Jahrhunderten fortwirken wird und stets wird sein Name gefeiert werden.

Berlin, 8. August. DieNatioval-Zeitung" bezeichnet die Angabe, Fürst Bismarck habe bei der Bank von Eng­land Gelder deponirt, für unzutreffend. Außer seinem Grund­besitz hinterließ Fürst Bismarck nur das bei Bleichröder depo- nirte Baaroermögev.

Berlin, 8. August. Der vortragende Rath im Aus­wärtigen Amt, Geheimer Legationsrath von Lindau, hat sich zur Dienstleistung beim Reichskanzler nach Werki begeben.

Berlin, 8. August. Der Schriftsteller Georg Ebert ist gestern auf seiner Villa in Tutzing am Starnberger See gestorben.

Köln, 8. August. Am schlimmsten wüthete das gestrige Unwetter in Baienthal, Mansfeld und Arnoldshöhe. Diese zu Köln gehörigen Flecken bieten heute ein Bild grauenhafter Verwüstung. Namentlich das industriereiche Baienthal wurde arg mitgenommen und innerhalb vier Minuten in einen gewaltigen Trümmerhaufen verwandelt. Die Hauptgebäude der großen Baienthaler Maschinenfabrik sind zerstört, sämmt­liche Maschinen sind mit Trümmern bedeckt, sodaß der Betrieb gestört ist. Zahlreiche Personen sind schwer verletzt, viele Privathäuser liegen in Trümmern. Mehrere Leidtragende eines Leichenzuges wurden verletzt. Der Kirchthurm ist abge­stürzt, das Schuldach flog 30 Meter weit. Die Wände des Schulhauses stürzten ein und verletzten Frau und Kind des Lehrers schwer. Ein auf dem Rhein befindliches mit 200 Personen besetztes Schiff konnte mit knapper Noth das Ufer erreichen, nachdem mit Hilfe mehrerer Offiziere die Laken ge­schlossen waren. Von dem großen Familienhause des neuen Zollhafens wurde der ganze Dachstuhl weggeriffen. Nach Poll wurde eine Pionier-Abtheilung zur Hilfeleistung gesandt. In Paffrath droht die Kirche einzustürzen; auch in Hermül- heim wurden große Verwüstungen angerichtet. In allen von dem Orkan heimgesuchten Orten herrscht große Noth, da meistens kleinere Leute von dem Unwetter betroffen sind.

Wiesbaden, 8. August. Nach Privatmeldungen des Rheinischen Kuriers" aus Swakopmund ist Gouverneur Leutwein, welchen Major Wißmann zu Jagdzwecken beglei­tete, am 25. Juni mit dem DampferMelita Bohlen" dort eingetroffen.

Budapest, 8. August. Nach einer Blättermeldung soll demnächst ein ungarisches Eisenbahn-Ministerium errichtet werden.

Lemberg, 8. August. DerKurjer Lowskt" meldet aus Wien: Angesichts der von Baron Banffy bei den dies­maligen Konferenzen eingenommenen Haltung soll von öster­reichischer Seite die Demission Banffys gewünscht wor­den sein.

Genua, 8. August. Laut einer Meldung desSeccolo" bot Italien seine Vermittelung in dem Grenzstreite zwischen Chile und Argentinien an.

AuS Madi» nnb Larrdkr-is Ham^M s ichdruck unserer Lsk«l«rtikel nur mit O«ekmsrrg«Ze ,H«r. Kas »eftattet.

* Truppenbestchtigung durch den Kaiser. Nach Mittheilungen auS authentischer Quelle, so schreibt ein Main­zer Blatt, wird der Kaiser zwischen dem 20. und 25. August zur Besichtigung der 21. und 25. Division von Wilhelms- Höhe aus nach Mainz kommen. Die Truppeubestchtiguug fin­det auf dem großen Sande statt.

* Kirchliches. Auch innerhalb der Marienkirchenge- meinde fand die Trauer um den Heimgang deS Fürsten Bis- marck durch eine am Sonntag Vormittag in der Marien­kirche veranstaltete kirchliche Feier einen erhebenden Ausdruck. Herr Pfarrer b el s hielt die eindrucksvolle, dem Gedächt­niß deS Todten gewidmete Predigt.

Kirchenkollekte. Am nächsten Sonntag den 14. August soll in den evangelischen Kirchen unseres HeffenlandeS eine Kirchenkollekte zum Besten der Idioten« Anstalt Hephata zu Treysa erhoben werden. Die Anstalt hat bis heute in den 5 Jahren ihrer Bestehens 103 arme schwachsinnige Kinder ausgenommen. Viele von diesen haben durch die geeignete AnstaltSbehandlung in ihrem Zustande eine wesentliche Befferung empfangen. Die An­stalt will ja die armen Kinder nicht nur leiblich pflegen, son-