Die einzelne
Nummer kostet 10 A
Utovrrements. Preis:
Jährlich 9 M.
Wvjährl. 4 v< 50 4> vierteljährlich 2 ^ 25 ^J.
Für auswärtige Wvnnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Einrückungs- gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltme Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Amtliches «Argan für Staöt- unS LanöKreis Tanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
- ■ ' ' ■ ■ " - — । ............-.......... -....... । " ' »
Nr. 286
Donnerstag den 8. Dezember
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 81.
Amtliches.
Stadt- nnd Landkreis Hanau.
Bei der allgemeinen Verbreitung der Maul- und Klauenseuche und der dadurch zu befürchtenden größeren Seochen- einschleppungsgefahr verbiete ich hiermit in Verfolg meiner Bekanntmachung vom 14. November d. Js., durch welche die vorläufige Abhaltung der Viehmärkte in der Stadt Hanau ausgesprochen worden ist, auf Grund des § 64 Abs. 2 der 30 /5
Bundesraths-Jnstruktion vom 1895 das Beschicken der Wochenmärkte mit Läuferschweinen und Absatzferkel für den Umfang des Stadt- und Landkreises Hanau.
Hanau am 7. Dezember 1898.
Der Königliche Landrath und Polizeidirektor.
P. 12142 v. Schenck.
^cmO&rsi^ ^anau.
HMMmachllugen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Viehbestände der Wittwe Elisabeths Schiller in Sommerkahl, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöstsperre aufgehoben worden. Hanau am 8. Dezember 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 13287 v. Schenck.
Landtvirthschaftlichcr Kreisderem Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 17. Dezember, nachmittags 3 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
I. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Vortrag über die Errichtung einer landwirthschaftlichen Haftpflichtversicherungsstelle durch die Landwirthschaftskammer. Referent: der Vorsitzende.
3. Bericht über die diesjährige Ernte. Referenten: die Herren Wittmer und Ph. Jung.
4. Verschiedenes.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 7. Dezember 1898.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
Dieustuachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein goldener Trauring, gez. B. H. 30./3. 91. Eine Scheere. Ein schwarzer Regenschirm.
Entlausen: Ein junger Bernhardinerhund, gelb mit weißen Flecken, m. Geschl.
Hanau am 8. Dezember 1898.
Deutscher Reichstag.
(Sitznug vom 7. Dezember.)
Abg. Lingens, als Alterspräsident, eröffnet die Sitzung. Tagesordnung: Wahl des Präsidiums. Bei der Wahl des Präsidenten werden 340 Zettel abgegeben. Davon lauten 279 auf den Namen des Grafen Ballestrem, 6 auf *. Hertling, 53 sind unbeschrieben und einige sind zersplittert. — Abg. Graf Ballestrem (Centr.) erklärt auf Anfragen des Alterspräsidenten, ob er die Wahl annehme, daß er die ihm zu Theil gewordene hohe Ehre mit tiefgefühltem Dank acceptire. Er hege den guten Willen, die große Verantwortung, die dieses Amt mit sich bringe, zu tragen und seine Pflichten zu erfüllen. Ob aber sein Können diesem guten Willen immer gleichmäßig werde folgen können, darüber hege er bange Zweifel. DaS Beispiel der ausgezeichneten Männer, die vor ihm in diesem Amte gewirkt, solle ihm voranleuchten und werde ihn hoffentlich vor Irrthümern bewahren. Nach diesem Beispiele werde er bestrebt sein, die Würde des Reichstages unter allen Umständen und nach allen Richtungen hin zu bewahren. (Lebhafte Bravos.) Redner bittet nunmehr das hohe HauS um gütige Unter
stützung, damit er die Pflichten seines Amtes leichter erfüllen könne. Unter Gottes gnädigem Beistand tr-te er sein Amt an. (Lebhafter Beifall.) — Bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten werden 338 Stimmzettel abgegeben; 226 lauten auf v. Fr eg e, 60 auf Sing er, 49 sind unbeschrieben, 3 sind zersplittert. — Abg. v. Frege nimmt die Wahl dankend an. — Bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten werden abgegeben 342 Stimmzettel; davon sind 3 ungiltig, 9 unbeschrieben. Es erhielten Schmidt-Elberfeld 158 Stimmen, Bassermann 119, Singer 51, Krämer und Ahlwardt je 1 Stimme. Satzungsgemäß muß zwischen sämmtlichen 5 Heiren Stichwahl stattfinrev. In derselben erhalten Schmidt-Elber- ftld 195, Bassermann 123, Singer 4, Krämer 3, Ahlwardt 1 Stimme. — Abg. Schmidt Elberfeld nimmt die Wahl dankend an. — Es folgt die Wahl der acht Schriftführer. Nach erfolgter Abgabe der Stimmzettel stimmt das Haus dem Vorschlag des Präsidenten zu, die Ermittelung des Wahlergebnisses nicht sofort vorzu- nehmen.
Präsident Graf Ballestrem gedenkt nunmehr der jüngst verstorbenen Mitglieder des Hauses und geht dann aus den Tod des Fürsten Bismarck ein wie folgt: Meine Herren! Einen großen Verlust hat das Reich und mit ihm der Reichstag erlitten: Der erste Kanzler des Deutschen Reiches, der geniale Staatsmann, der an dem Entstehen desselben in hervorragendster W ise mitgewirkt hat, Fürst Otto von Bismarck ist, w>e Ihnen Allen bekannt, durch die Vorsehung zu einem Zeitpunkt ab^eruftn worden, wo kein Reichstag versammelt war und selbst kein Reichstag existirte, der an der Bahre des großen Todten dem Schmerz und der Trauer hätte Ausdruck geben können, die die Vertreter des deutschen Volkes erfüllten. In sehr dankenswerther Weise hat zwar ein Mitglied des früheren Präsidiums des Reichstages, unser sehr verehrter Kollege Herr Dr. Spähn, diesem Mangel abzuhelfen sich bemüht, und wir sind ihm dafür zu vielem Danke verpflichtet, jedoch kann dieser Umstand den neugewählten Reichstag nicht davon entbinden, noch vor Eintritt in seine geschäftliche Thätigkeit seinem Schmerze und seiner Trauer über den Verlust des großen Deutschen feierlich Ausdruck zu geben. Meine Herren, wenn schon die Pietät für den großen Todten alle Angehörigen des deutschen Reiches anweist, das Andenken an seine unsterblichen Verdienste zu ehren und dieser Erhrung einen feierlichen Ausdruck zu geben, so tritt für uns Mitglieder des Reichstags noch ein Grund besonderer Dankbarkeit hinzu. Meine Herren, wenn wir hier als Vertreter des deutschen Volkes tagen, so haben wir dies in erster Linie dem verewigten Kanzler zn verdanken. (Beifall rechts.) Es ist eine geschichtliche Thatsache, daß die Basis, auf welcher der Reichstag beruht, das Wahlgesetz auf Grund dessen die Abgeordneten gewählt werden, lediglich dem maßgebenden Einfluß des ersten Kanzlers zu danken ist. Meine Herren, Fürst Bismarck war ein großer, gewaltiger Staatsmann, der sich die höchsten Ziele zur Einigung und zum Wohle des Vaterlandes gesetzt hat. Daß er bei der Wahl der Mittel, um diese Ziele zu erreichen, sowohl mit Parteien als auch mit Personen dieses hohen Hauses in scharfe Konflikte gekommen ist, wer könnte eS leugnen? Jedoch, meine Herren, auch für diejenigen, welche dem großen Kanzler in diesen Konflikten scharf gegenüberstanden, liegt kein Grund vor, dem großen Verstorbenen die feierliche Ehrung zu verweigern. (Beifall.) Die Majestät deS TodeS verklärt alles. Was Parteien und Personen aus unserer Mitte an dem Fürsten Bismai ck zu seinen Lebzeiten bekämpften, ist, soweit es persönlicher Natur war, mit seiner sterblichen Hülle begraben. Das Andenken des Fürsten Bismarck steht vor uns als das des großen Staatsmannes, des hervor ragenden Mitbegründers des Reiches, des VorbereiterS und Ausnutzers der unsterblichen Siege unseres unvergleichlichen Heeres (Beifall) und nach diesen Siegen des Erhalters eines jahrzehntelang dauernden segensreichen Friedens. (Beifall.) So steht das Bild Otto's ,. Bitmarck vor unserer Seele, und unter dieses Bild könnte man die Worte des römischen Dichter« setzen: Quis tot sustineat, quis tanta pericula solis ? (Beifall.) Meine Herren! Zur feierlichen Ehrung des verstorbenen großen Kanzlers haben Sie sich erhoben. Ich konstatire, daß der Reichstag sich dieser Ehrung angeschlossen hat. (Lebhafter Beifall. — Die Mitglieder deS Reichstages haben sich meist schon zum Beginn dieser Rede erhoben. Die Sozialdemo- kraten haben vor Beginn der Rede den Saal verlassen.) Schluß: ö’/i Uhr.
Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. (Etat.)
Die neue Heeresvorlage.
Aus der der neuen Heeresvorlage beigegebenen Begründung entnehmen wir im Anschluß an unsere gestrige Mittheilungen noch folgendes über die geplanten Organisations- änderungev:
Die Errichtung der neuen Kommandobehörden wird theils infolge Bildung des XVIII., XIX. (2. Königlich Sächsischen) und III. Königlich Bayerischen Armee-Korps erforderlich, welche durch anderweite Gesetzesvorlage beantragt ist, theils ist sie durch die besonderen Verhältnisse einiger Korpsbezirke und Waffengattungen bedingt. Das I. (Ostpreußen) und XIV. Armeekorps (Ba^en und Elsaß-Lothringen) sind durch die wiederholte, im Interesse der Landes- vertheidigung gebotene Vermehrung dieser Truppentheile all- mäilidj weit über die gewöhnliche Stärke angewachsen. Die Befehlsführung wird hierdurch gerade in den schwierigen Verhältnissen nahe der Grenze außerordentlich beeinträchtigt, so daß eine Verkleinerung der Verbände durch Einschaltung einer neuen Kommandobehörde als unabweisbares Bedürfniß sich herausgestellt hat. Bei beiden Armeekorps soll deshalb der Stab für eine 3. Division aufgestellt werden.
Die Errichtung der Feld-Artillerie-Brigadestäbe wird nothwendig, weil die Feld-Artillerie-Regimenler, künftig zu je zwei einer Division zugetheilt, innerhalb dieser ebenso wie die übrigen Waffen einem einheitlichen Kommando unterstellt werden müssen.
Für die Verkehrstruppen, d. h. die Eisenbahn- Brigade, Luftschiffer- und Telegraphen-Trnppen, ist die Unterstellung unter eine ihnen Vorgesetzte Inspektion nicht länger zu umgehen.
Das' Jneinandergreifen des technischen Dienstes erfordert eine gemeinsame Spitze, die schwierige Kriegsvorbereitung wird ohne eine solche mangelhaft, und es entstehen Reibungen, die im Ernstfalle von schweren Folgen begleitet sein können. Bei der Größe der Heere und der wachsenden Wichtigkeit der Verkehrswege und -Mittel muß die militärische Organisation für ihren Gebrauch den höchsten Anforderungen gerecht zu werden suchen.
Bei der Infanterie soll eine Neuformation nur insofern stattfinden, als im Königlich sächsischen Kontingent ein Bataillon gebildet wird. Die hierfür erforderlichen Mannschaften sind innerhalb der gesetzlichen Friedenspräsenzstärke dieses Kontingents vorhandm.
Dagegen besteht überall bei der Infanterie, welche unter den Einflüssen der Strapazen eines Feldzuges und den Gefechtsverlusten in der Regel am meisten zu leiden hat, die ernste Nothwendigkeit, die Zusammensetzung der Kriegsformationen zu verbessern und deshalb die Zahl der bei der Fahne befindlichen Mannschaften zu vermehren. Es sind daher Etatserhöhungen vorgesehen, behusS Verminderung der Kosten zunächst nur bet denjenigen Bataillonen, welche jetzt besonders schwache Etats haben oder in den Grenzbezirken bet einer Mobilmachung zu schleunigster Verwendung bereit sein müssen.
Betreffs der Nothwendigkeit der Maßnahmen darf ferner darauf darauf hingewiesen werden, daß durch die Verkürzung der Dienstzeit die Ausrückestärke während der Rekruten-Aus- biltzungsperiode erheblich gesunken ist; ein einziger Jahrgang steht dann als ausgebildet zur Verfügung.
Die Stärke unserer Kavallerie ist seit mehr als 30 Jahren unverändert geblieben,obwohl ihreAufgabcn stets schwieriger und die Kriegsformationen der anderen Waffen immer zahlreicher geworden sind. Die Neubildung von Regimentern aus Reservisten in Kriegsfalle vermag diesem Uebelstaude nicht abzuhelfen; wir brauchen zur Ausstattung unserer Armee-KorpS festgefügte TrupptUthcile, welche im Frieden durchgebildet und kriegs- fertig sind. Namentlich in den Grenzbezirken, gegenüber den Kavalleriemaffen jenseit- unserer Grenzen ist die Bereitstellung einer zahlreichen Kavallerie zur Ausübung des Grenzschutzes und zur Deckung des Aufmarsches nicht zu entbehren. Wenn rrotz so empfindlicher Lücken nur 10 neue Eskadrons ausgestellt werden sollen, so waren hierfür lediglich Er^parnißrück- sichten maßzebend. Um die Kosten zu verringern und dennoch das Ziel, die Schaffung kriegSbrauchbarer Truppentheile, zu erreichen, sollen außer je einer Eskadron Jäger zu Pferde in Bayern und Sachsen nur 3 preußische Kavallerie-Regimenter gebildet werden. Zugleich hat die Heeresverwaltung sich entschlossen, nicht allein diese Regimenter versuchsweise nur zu 4 EskadronS aufzustellen, sondern auch zu ihrer Bildung den größten Theil der in Preußen bestehenden Detachements Jäger zu Pferde zu werwenben, so sehr zu bedauern ist, daß infolge dessen auf ihre ausgezeichneten Leistungen im Melde- und Ordvnnanzdienste nach Maßgabe ihrer bisherigen Organisation verzichtet werben muß.