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Amtliches Organ für Stsöt- unS LsnöKreis Hsnsu
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
GinrStknnD-, gebühr
für Stadt- und LaO stets Hanau 10 4* 4 gespaltene ©arme* geile oder deren Nm», für auswärts 15 4
Im Reklamenthetl die Zeile 20 ^, Wg luSwärtS 30 4
Xr. 131.
Mittwoch den 8. Juni
1898
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Amtliches. Slcrölk^ers ^anatt. HekWstmachuuseu des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Wahlvorsteher: Herr Fabrikant Aug. Hoffmann.
Stellvertreter: Herr Gerhard Gruber.
Wahllokal: Turnsaal der Höheren Töchterschule.
5ter Wahlbezirk.
Altstädter Markt, Bangert, Bangertstraße, Brücken-
Für die nach Kaiserlicher Verordnung vorn gaffe, Engegasse, große Dechaneigasse, Johannis-
22. April d. Js. auf
kirchgasse, Johanniskirchplatz, kleine Dechaneigasse,
Dvnnerftlla den 16. Juni 1898 kleine Fahrgasse, Marktstraße, Metzgergasse, Neu- angeordneten Wahlen zum Reichstage ist die hiesige 9«^, Paradeplatz (Altstadt), Predigergasse, Rappen- ’j ^cht Wahlbezirke eingetheilt, deren 9^^, jhebengaye (Altstadt), Schirnstraße, ^>chloß-
Stadt in
Abgrenzung mit den betreffenden Wahllokalen, sowie
straße, Schulgasse, Tiefegasse, Vorstadt.
den ernannten Wahlvorstehern und deren Stellver- Wahlvorsteher: Herr Stadtrath Fieber.
Stellvertreter: Herr Wilhelm Hengsderger
tretern hiermit veröffentlicht wird.
1ster Wahlbezirk.
Wahllokal: Altstädter Rathhaus.
6ter Wahlbezirk.
Altgasse, Französische Allee, Gärtnergasse, Hahnen- r f
gaffe, Kleinegasse, Kölnischegasse, Lindengasse, Para-^^orgasse, Eberhardstraße, Erb seng aß e, Frohnhos- diesgasse, Nebengasse (Neustadt), Schäfergasse, Schnur-. . Heumarkt (Alchadt), Hoipital-
aasse Schützengasse. straße (Altstadt), kleme Sandgape, Marrenkirchgasf
Wahlvorsteher: Herr Stadtrath Ferdinand Koch, dcordßraße, Sandeldamm, Steingasse, vor dem Stellvertreter: Herr Heinrich Mühlthor, ^volfsgape.
Wahllokal: Parterrezimmer im Mädchenschulhaus Wlrhlvorsteher: Hr. Kaufmann Wilh.Schroeter. ’ Bebraer RabnboMraüe. Stellvertreter: Herr Jean Gerhardt. _
Mühlthor, Wolfsgafse.
Bebraer Bahnhofstraße.
2ter Wahlbezirk.
Ballplatz, Hirschgasse, Hofpitalgasse (Neustadt),
Kirchgasse, Nürnbergerstraße, Rosenstraße, Salzgaffe^ Sandgasse, Webergasse.
Wahlvorsteher: Herr C. Fr. Weber.
Stellvertreter: Herr Carl Kannst.
Wahllokal: Parterrezimmer in der Knabenschule am Johanniskirchplatz.
bahnhof, Steinheimer Landstraße, Viktoriastraße, vor dem Steinheimer Thor, Waldstraße, Wallweg. Wahlvorsteher: Herr Stadtrath M. Urestah. Stellvertreter: Herr Stadtrath Dr. Kulte.
Wahllokal: Parterrezimmer in der Realschule.
Die Wahlhandlung beginnt vormittags 10 Uhr und dauert ohne Unterbrechung bis abends 6 Uhr.
Das Wahlrecht wird in Person durch verdeckte, in eine Wahlurne niederzulegende Zettel ohne Unterschrift ausgeübt. Ungültig sind Stimmzettel: 1. welche nicht von weißem Papier oder welche mit einem äußeren Kennzeichen versehen sind; 2. welche keinen oder keinen lesbaren Namen enthalten; 3. aus welchen die Person des Gewählten nicht unzweifelhaft zu erkennen ist; 4. auf welchen mehr als Ein Name oder der Name einer nicht wählbaren Person verzeichnet ist; 5. welche einen Protest oder Vorbehalt enthalten.
Hanau am 20. Mai 1898.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 8020
7ter Wahlbezirk.
' Bogenstraße, Bruchköbeler Landstraße, Fallbachstraße,
Wahllokal : Neustädter Rathhaus, Zimmer Nr. 2 hinter dem Sitzungssaal (parterre).
3ter Wahlbezirk.
Fahrgasse, Hammergasse, Krämerstraße, Langstraße, Leimengasse, Markt, Blühlstraße, Paradeplatz (Neustadt), Philipp-Ludwigs-Anlage, Sterngasse.
Wahlvorsteher: Herr Georg Sode.
Stellvertreter: Herr Heinrich Iost.
Wahllokal: Unterer Rathhaussaal (Neustadt). 4ter Wahlbezirk.
Fasanerieweg, Frankfurter Landstraße, Haingaffe, Kinzigstraße, Körnerstraße. Lamboystraße, Marien- straße, Ramfaystraße, Teichweg, Türkische Gärten, Uferstraße, vor dem Frankfurter Thor, vor der Kinzigbrücke, Wilhelmstraße.
Wahlvorsteher: Herr Jakob Kier.
Stellvertreter: Herr Friedrich Kreuler jun.
Wahllokal: Parterrezimmer in der Knabenschule am Johanniskirchplatz.
8ter Wahlbezirk.
Akademiestraße, Alter Bebraer Bahnhof, am großen Rohr, am Ostbahnhof, Augustastraße, Auheimer Weg, Bebraer Bahnhofstraße, Bernhardstraße, Dammstraße, Friedrichstraße, Grimmstraße, Grüner Weg, Kinzigheimer Weg, Leipziger Straße, Main-
Bleichstraße, Fifchergasfe, Frankfurterstraße, Glocken- straße, Herrngasse, Heumarkt (Neustadt), Kanalplatz, Lothringerstraße, Mainkanal, Philippsruher Allee, vor dem Kanalthor, Römerstraße, Steinheimerstraße. straße, Neue Anlage, Neues Maschinenhaus, Ost-
feuiUeton.
Nom Ku ß.
Kulturhistorische Skizze von Dr. Reinhart Thilo.
(Nachdruck verboten.)
Wer die Geschichte des Kusses schreiben könnte, der würde die eigenartigste und für Viele wohl allerinteressanteste Darstellung der Weltgeschichte liefern, die wir noch besitzen. Und freilich spielt der Kuß in der Weltgeschichte seine Rolle. Er hat Kriege entzünde: und Frieden gestiftet, hat Haß und Liebe gesäct, hat Fortschritte gefördert und Fortschritte gehemmt. „Da die Welt geschaffen wurde, wurde auch der Kuß geschaffen und die bittere Liebe", also singt ein cyprisches Volkslied, und Jedermann wird geneigt sein, diese Behauptung ohne weiteren Beweis als zutresfenv anzusehen. Dennoch hat ein jüngerer norwegischer Schnststcller, Kristoffer Nyrop, der die Kulturgeschichte des Kusses zum Gegenstände eines artigen Büchleins gemacht hat, mit Recht die Frage nach dem Ursprünge des Kusses aufgeworfen. Denn daß die saugende Muskelbewegung der Lippen, als welche die prosaischen Natur- gelehitcn den Kuß definiren, an und für sich der natürliche, dem Menschen gewissermaßen instinktiv angeborene Ausdruck der Liebesempfindung sein sollte, daS ist schon an sich unwahrscheinlich genug. Für uns zwar sind Kuß und Liebe so unzertrennlich zusammengewachsen, daß wir uns die eine ohne den anderen nicht denken können; noch aber liefert uns die Ethnographie der Naturvölker Beweise dafür, daß der Kuß keineswegs überall im Liebesleben die Rolle spielt, die wir gewohnt sind. W. Reade erzählt von dem Schrecken, der ein junges afrikanisches Negerwädchen erfaßt, als er sie küßte. Die Eskimos kennen den Kuß überhaupt nicht, und daß er bei manchrn finnischen Stämmen geradezu als etwas
Unanständiges gilt, beweist die Aeußerung einer Finnenfrau, die, als ihr von der europäischen Sitte des Kusses erzählt wurde, in die Worte ausbrach: „Das sollte mein Mann nur versuchen; ich würde ihm so einheizen, daß er es eine ganze Woche fühlen soll".
Also der von der Natur vorgeschriebene Liebesgruß ist unser Kuß nicht. Der Beantwortung der interessanten Frage nach seinem Ursprung führt uns die Thatsache näher, daß bei zahlreichen Völkern der sogenannte malarsische Kuß, bei dem die beiden Personen ihre Nasen gegeneinander drücken oder aneinander reiben, gebräuchlich ist. Die Polynesien, die Malayen und manche afrikanischen Stämme haben diese Sitte, und wenn man die Beobachtung des französischen Gelehrten Gaidoz hinzuzieht, der die Bemerkung gemacht hat, daß Katzen, die einander ihre Zärtlichkeit zeigen wollten, dies in der Weise ausdrückten, daß sie ihre Nasen gegeneinander rieben, so wird man kaum noch zweifelhaft sein können, daß bei dieser Art Kuß der Geruchssinn die enlschcicende Rolle spielt. Hat doch jeder Mensch bekanntlich seinen eigenen Geruch! Die Bewohner der Philippinen haben den Geruchssinn so weit entwickelt, daß sie am Gerüche eines Schnupftuches erkennen können, wem es gehört; Liebende verehren sich dort darum ein Stück von ihrem Kleide, und daß auch bei uns ähnliche Wahrnehmungen in der Liebe ihre Rolle spielen, beweisen die bei den Dichtern oft wiederkehrenden Bemerkungen von dem feinen Parfüm, daS von der Geliebten ausgeht.
Diese Analogie wird über den Ursprung des Kusses wohl ausreichende Klarheit verbreiten. Der Geruchs- und der Geschmackssinn sind seine Pathen, und da durch den Antheil mehrerer Sinne die bei uns gebräuchliche Form des Kusses eine intensivere Wahrnehmung der Eigenthümlichkeiten des Anderen mit sich bringt, als der malayische Kuß, an dem
Verpachtung eines Wirth- schasts-Etablißements.
Das 21/» km von Hanau und 14 km von Frankfurt al^. an der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn (Station Wilhelmsbad) gelegene, mit schönem Park umgebene domänen- fiskalische Wirthschaft-Etablissement Wilhelmsbad, bestehend aus der sog. großen und kleinen Wirthschaft nebst komfortablen Logierhäusern, entsprechenden Nebengebäuden und 47 a 17 qm Gemüsegarten, soll mit dem zugehörigen Mobiliar anderweit vom 1. April 1899 ab auf sechs oder zwölf Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Termin hierzu ist auf Montag den 27. Juni d. Js., vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle und zwar in das Parterrezimmer rechts in der großen Wirthschaft anberaumt.
Der bisherige Pachtzins betrug jährlich 3275 M.
Zur Uebernahme der Pachtung wird ein disponibles Vermögen von 36000 Mark erfordert und es haben Pachtbewerber üb<r den Besitz eines solchen, sowie über ihre persönliche Qualifikation zum Wirthschaftsbetriebe, durch glaubhafte Zeugnisse sich im Termin auszuweisen.
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nur der Geruchssinn bethei.igt ist, so stellt der Kuß die höhere Form der Entwickelung dar, wie er denn auch z. B. in Madagaskar, wo er mit dem malayischen Kuß in Berührung getreten ist, den letzteren allmählig verdrängt. Es mag wohl sein, daß unserem ästhetischem Empfinden die Vorstellung nicht gerade angenehm ist, daß der Kuß, der so zahlreiche Kunstwerke höchsten Ranges inspirirt hat, der für uns den zartesten und innigsten Ausdruck des Liebesgefühls bildet, schließlich keinen anderen Ursprung haben soll, als die Gewohnheit der Kuh, die ihr neugeborenes Kälblein eifrig beleckt. Doppelt interessant ist es, daß sich die Erinnerung an diesen Ursprung durch alle Zeiten hindurch bis auf die heutigen Tage in dem Sprachgebrauchs erhalten hat. Denn wer wüßte nicht, daß ein Kuß vor allen Dingen „süß schmeckt", — süß, wie des Weibes leichter Geist und duftig wie junger Wein, wie ein rumänisches Volkslied sagt. Und der galante Minnesänger, König Wenzel von Böhmen, wendet auf den küffenden Mund sogar das Epitheton „zuckersüß" an. Wie hier, so tritt die Erinnerung an den sinnlichen Ursprung des , Kusses auch in der Forderung eines alten Sprichwortes her- । vor, daß der Kuß nach etwas schmecken muß: ein französisches Liebchen' weiß zu erzählen, daß der Liebhaber diese Forderung auf die Weise erfüllt, daß er sich immer „gute Butter frisch" auf die Lippen schmiert, wenn er sein Mädchen küßt. Der Geschmack dieser Dame steht allerdings unseres Wissens in der Weltlitteratur isolirt da; umso häufiger findet sich das Verlangen des Mädchens, daß der Küssende einen Bart haben muß. „Ich bin noch zu jung, mich zu verhei- rathen", singt der rumänische Jüngling, „mein Bart ist noch nicht genug gewachsen." Ein Kuß ohne Bart ist ein Ei ohne Salz", sagt ein deutsches Wort, und die jütischen Mädchen drücken sich erheblich drastischer dahin aus, einen Burschen ohne Primchen und Bart zu küssen, das sei dasselbe, wie eine thönerne Wand zu küssen.