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Amtliches Organ für Htaöt- unö Lanökreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
Nr. 234
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Amtliches, ^faöf^rei^ ^anau.
Ausschreiben.
Am Morgen des 28. d. Mts. wurde ein Unbekannter von dem im hiesigen Bahnhof 5 50 Min. nach Bingen abgehenden Güterzug in der Nähe der Husarenkaserne überfahren und sofort gelobtet. Die Personalien des Verlebten konnten bis jetzt nicht festgestellt werden. Derselbe war anscheinend 20—23 Jahre alt, hat röthlich blondes ziemlich langes Haar, bräunliche Augen, gute Zähne, etwas vorstehende Oberlippen, niedere Stirn, Anflug von Schnurbart, spitze Nase, schmale Statur und war etwa 164—66 cm groß. Bekleidet war der Leichnam mit olivgrünem Sackrock und Weste mit weißem Futter und kleinen blauen Streifen, bläulicher Stoffhose mit schmalen schwarzen Streifen, weißem Shirtinghemd, auf dem Rücken zum Knöpfen, langer grüner Deckkraoatte, weißen Gummihosenträgern mit blauen Streifen, braunen Socken und schwarzen Segeltuchschuhen. Bei der Leiche fand sich ein steifer schwarzer Filzhut, ziemlich neu, der innen den Stempel „Superfin Easte Style" trug, vor. In den Taschen befanden sich ein weißes Taschentuch, 1 Messer, 1 silb. Cylinderuhr mit Celluloidkapsel und Stahlkette, 1 Taschenscheere zum Zusammenlegen, 2 Bleistifte, 1 Hemdenknopf.
Um Recherchen nach der Person des Verlebten und Nachricht im Ermittelungsfalle wird ergebenst ersucht. Mainz den 28. September 1898.
Polizeiamt.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 5. Oktober 1898.
Königlich- Polizeidirektion.
P. 10075 I. A.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
^mWWwi^ ^anau.
^üarmtmachunges des Königlichen Landrathsamtes.
Landwirthschastlicher Äreisverein Hanau.
Am Sonntag den 9. d. Mts , nachmittags 3 Uhr, findet im Saale des Gastwirths Heinrich Hamburger zu Langenselbold ein Vortrag über „bie Anwendung der künstlichen Düngemittel und über Fruchtfolge" statt. Referent: Herr A. Wagner, Direktor der landwirth- schaftlichen Schule in Gelnhausen.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister in Langenselbold, Langen- diebach, Ravolzhausen, Rückingen, Rüdigheim, Hüttengesäß, Niederrodenbach, Oberrodenbach werden ersucht, obige Bekanntmachung des landw. Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau am 6. Oktober 1898.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
DicMMnchtcn aus dem Kreise.
Adam Kronenberger von Großkrotzenburg ist zum Wasenmeister der Gemeinde Großkrotzenburg bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 1. Oktober 1898. V. 10684.
Gefunden: Eine kleine Säge. Eine Hemmvorrichtung. ®in schwarzer Damenregenschirm, in einem Laden stehen gerieben.
Verloren: Eine goldene Broche mit dem Buchstaben E.
Hanau am 7. Oktober 1898.
Der sozialdemokratische Parteitag.
Die sozialdemokratischen Führer sind seit Montag in Stuttgart versammelt, um über ihren FeldzugSplan klar zu gerben. Der Delegirte Fischer nannte ihre Zusammenkunft W „das Arbeiter-Parlament", womit er sagen wollte, daß °'e Sozialdemokratie die Arbeiter-Partei sei. Wäre sie das Erstich, so hätten sich die Verhandlungen aus , wirtschaftliche, Arbeiter interessirende Fragen erstrecken müssen. Hiervon W jedoch so gut wie garnicht gesprochen worden, weil — auch früher — die meiste Zeit mit persönlichem „Krakehl" Getrödelt wurde. Das Ergebniß sür die Arbeiter ist also ^tch Null. Nichtsdestoweniger ist der Parteitag nicht ohne treffe, weil da manches Wort fiel, das für die Anschau- ""gen und die Absichten der Sozialdemokratie bezeichnend ist.
Freitag den 7. Oktober
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Schon die einleitenden Worte des Reichstags-Abgeordneten Liebknecht lassen einen Blick hinter die Kulissen thun. Ju seiner redseligen Weise wetterte er gegen die „verfluchte Zu- sti-denheit" der Leute. Liebknecht gestand also, daß die Menschen unzufrieden gemacht werden müßten. Und daS ist auch in der That die Haupt-Ausgabe der Sozialdemokraten; denn nur auf dem Boden der Unzufriedenheit kann die Saat der Sozialdemokratie aufgehen.
Viele Stunden wurde heftig darüber gestritten, ob man von den Zielen der Partei offen sprechen, ober ob man sie verschleiern solle. Hervorgerufen war der Streit, der übrigens schon lange vorher in sozialdemokratischen Blättern geführt wurde, durch die Thatsache, daß die Sozialdemokratie auf dem Lande nicht den gewünschten Anhang finden kann. Da meint ein Theil der sozialdemokratischen Führer, man solle den Land- Bewohnern verschweigen, daß die Sozialdemokratie eine Feindin von Religion, Königthum und Vaterland ist, während der andere Theil der Führer ehrlich sein und offen erklären will, daß die Sozialdemokraten Revolutionäre sind, die weder Gott noch Herr anerkennen. Bisher haben die Sozialdemokraten auf dem Lande fast überall ihre Ziele verschwiegen. Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben, trotzdem der revolutionäre Charakter der Sozialdemokratie auf dem Parteitage offen zu Tage trat.
„Wir müssen die Köpfe revolutioniren, die uns noch nicht angeboren," sagte der Reichstags-Abgeordnete Stadthagen. „Ich behaupte, mindestens so revolutionär zu sein als jene Herren und Damen, die uns in den letzten Tagen ihre besonderen revolutionären Auffassungen vorgetragen haben. Mindestens manchmal kommt es mir sogar vor, als ob wir in unserer Ruhe und unserer klaren Voraussicht desjenigen, was kommen wird, weit revolutionärer sind als die, die immer revolutionär reden," bekannte der Delegirte Ulrich aus Offenbach, der ebenfalls dem Reichstage als Mitglied angehört. Und der Abgeordnete Schönlaukaus Leipzig stellte sogar fest, „daß neun Zehntel der Gesammt- Partei auf dem Standpunkte stehen, daß die alte revolutionäre Taktik die einzig mögliche für die Sozialdemokratie ist!" Noch offener — wenn es überhaupt möglich ist — vertraten die weiblichen Delegirten auf dem Parteitage die Revolution. Daß die Vertreter des „zarten" Geschlechts von einigen An- hängem der gemäßigten Richtung scharf abgekanzelt und lächerlich gemacht wurden, beweist nur, daß die Sozialdemokraten die Frauen lediglich in der Theorie als gleich berechtigt anerkennen wollen.
Die willkommenste Gabe sür den Parteitag war natürlich die bekannte Oeynhäuser Rede des Kaisers. Es ist zwar schon längst festgestellt, daß durch daS geplante Gesetz die Arbeitswilligen gegen den Terrorismus Streikender geschützt werden sollen unv daß nicht im entferntesten daran gedacht wird, das Koalitions-Recht der Arbeiter zu schmälern: doch der Parteitag setzte sich über diese Thatsache hinweg. Wie ein wildeS Thier auf die Beute, so stürzte man sich auf die Worte des Kaisers, um nur ja keine Silbe unausgenutzt zu lassen, unausgenutzt für die hetzerische Verleumdung des Kaisers, des Staates und der besitzenden Klassen. Den Gipfel wüthender Gehässigkeit erklomm der Delegirte Fischer aus Berlin mit seinen Worten: „Wir haben den Muth, den Arbeitern allüberall und allezeit zu sagen, daß sie von der monarchistischen Regierung nichts zu hoffen und alles zu fürchten habe und daß die nothwendige Voraussetzung des endgiltigen Sieges der Arbeiterklasse als zur Beseitigung der Klassenherrschaft die Bekämpsung und Bestegelung deS monarchistischen Gedankens ist. Wir sprechen aus der Seele aller deutschen Arbeiter, wenn wir ihnen zurufen: Nicht beim Kaiser, nicht bei der Regierung, nicht bei den bürgerlichen Parteien im Parlament findet Ihr die rücksichtslose Vertretung Eurer Klassen- Jnteressen, die findet Ihr einzig und allein bei der angeblich vaterlandslosen Sozialdemokratie I"
Trotz einer solchen Sprache haben einige Blätter die Kühnheit, von einer Mauserung der Sozialdemokratie in eine friedliche Reformpartei zu sprechen. Da sagt beispielsweise die freisinnige „Voss. Zeitung": „Wer aber auch selbst angesichts der Verhandlungen, die gegenwärtig auf dem Parteitage in Stuttgart gepflogen werden, nicht steht, welche Wandlung allmählich ein großer Theil der Sozialdemokratie erfahrt, der ist im stände, auch die Sonne am Hellen Mittag zu verleugnen. Denn es beginnt sichtlich ein neuer Abschnitt in der Entwickelung der Partei, einer Entwickelung, die immer mehr die Sozialdemokratie in die Bahnen einer bürgerlichen Demokratie drängt." Wie traurig muß es mit der Urtheilsfähigkeit der Leute bestellt sein, die solche Schlüsse ziehen. .
1898
Tagesschau.
Von bet Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Komuzando der Marine ist S. M. Schiffe „Gefion", Kommandant: Korvetter-Kapitän mit Oberst- Lieutenants-Rang Follenius, und „Cormoran", Kommandant: Km vetten-Kapitän Brussatis, von Kiautschou am 5. Oktober in See gegangen, und zwar ersteres Schiff nach Shanghai, letzteres nach Dokohama; ferner ist S. M. 6. „Kaiserin Augusta", Kommandant: Kapitän zur See Koellner, am 4. Oktober in Taku augekommen.
Der Thowasmehlkrieg beendet. Die „Deutsche Tgsztg." erhält aus Frankfurt a. M. folgende Drahtnachricht: „Die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirthe uud die vereinigten Thomasphosphatfabriken (Gesellschaft m. b. H.) in Berlin haben sich geeinigt und einen Liefervngsvertrag ab- gsschlossen Der Thomasmehlstreit ist somit beendet."
Zur Affaire Picguart. Labori richtete folgenden Bries an den Kriegsminister: „Am 21. September erschien Picquart vor der Strafkammer. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde die Verhandlung vertagt. Ich darf versichern, daß Picquart damals sofort freigelassen worden wäre, wenn nicht die Militärbehörde eine ebenso verspätete wie unerwartete Voruntersuchung eröffnet hätte. Am 22. September bezog Picquart Cherche Midi und seitdem ist mir verboten ihn zu sprechen oder sonst mit ihm zu verkehren. Hauptmann Ta- vernier, der die Untersuchung führt, beruft sich auf Artikel 112 des Militärstrafgesetzes, wonach der Vertheidiger mit dem Verfolgten erst verkehren kann, sobald das Verfahren formell eröffnet ist. Ich beugte mich bisher, weil ich es für unmöglich hielt, daß die Voruntersuchung nicht mit der Einstellung des Verfahrens endete, zumal nachdem der Justizminister den Dossier Dreyfus dem Kassationshof übergeben hatte. Aber gestern ließ Hauptmau» Tavernier auf ein neues Ersuchen mich wissen, daß die Voruntersuchung noch lange nicht abgeschlossen und daß ich die Hoffnung aufgeben solle, vor Ablauf mehrerer Wochen mit Picquart zu verkehren." Labori pro- tcstirt gegen diesen Bescheid und führt des Längeren aus, daß die Vorschriften der Civilprozeßordnung auf Picquart Anwendung finden müßten, zumal es zweifelhaft sei, ob überhaupt das Militärgericht kompetent sei, und weil gegen Pic- quart gleichzeitig noch das Civilverfahren schwebe. Schließlich fordert Labori den Kriegsminister aus, die nöthigen Schritte anzuordnen, damit gesetzlich gegen Picquart verfahren werde. „Sie allein haben unter ministerieller Verantwortung die Macht, den als Richter funktionirenden Offizier zur Befolgung des Gesetzes einzuladen, daS er ausübm muß, wenn er nicht einen Mißbrauch der Amtsgewalt begehen will. Selbst wenn die Bestimmung des Militärgesetzes nicht durch die neue allgemeine Prozeßordnung abgeschafft wäre, was ich bestreite, so gälte sie nur fakultativ. Beweis dafür ist, daß der im letzten Dezember wegen Hochverraths angcklagte Esterhazy während der ganzen Untersuchung in Freiheit blieb. Wenn das Militärstrafgesetz einem Beschuldigten Freiheit gestattet, wieviel mehr Grund, ihn wenigstens mit dem Vertheidiger verkehren zu lassen!" Gleichzeitig schrieb Labori an den Pariser Generalstaatsanwalt, er habe Picquart eine geheime und äußerst dringende Mittheilung zu machen, die das Verfahren gegen Picquart vor der Civilkammer betreffe. Auf Ersuchen habe ihn jedoch der Prokurator der Republik direkt an das Militärgericht verwiesen. DaS sei unberechtigt, da die Cioilhaft noch nicht formell aufgehoben sei. Labori besteht deshalb darauf, daß der Staatsanwalt die Pflicht habe, ihm Gelegenheit zur Kommunikation mit Picquart zu verschaffen. (F. Z.)
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe »Han. Anz". ^gestattet.
* Einführung eines einheitlichen Rechnungsjahres. Auf Veranlassung deS Herrn Minister des Innern m Berlin sind die Sparkasftnoerwaltungcu des Regierungsbezirks Cassel von dem Herrn Regierungspräsidenten zu einer Aeußerung darüber veranlaßt worden, ob sich nicht auch für die Sparkassen die Einführung eines einheitlichen Rechnungsjahres — des Etatsjahres —empfehle, ob die Sparkassen zu dieser Einführung bereit seien, eventuell welche Hinderungsgründe hiergegen geltend zu machen seien.
** Strafkammer H. (Sitzung vom 6. Oktober.) Die gestörte Lesegesellschaft. In der Gutmann- schen Wirthschaft zu Somborn saß der Schneidermeister Witt- Hauer von dort und erzählte ben Gästen eine Geschichte aus der guten alten Zeit und zog dabei Vergleiche zwischen der laligen und der heutigen Jugend, welch' letztere ihm wenig igt, da sie so stech sei. Das hatte die zungen Burschen, sich in der Wirthschaft befanden, arg verschnupft und be-